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Kann ich glauben, was ich will?

Der fundamentalistische Maskulismus leitet seinen Namen unter anderem daher ab, daß er den Konstruktivismus, wie er in den letzten Jahren von Feministen – durch philosophische Intutionen motiviert – formuliert wurde, für falsch hält. Diese philosophische Anfangsintution besagt, daß jedes Wissen sozial konstruiert sei, womit zugleich auch eine Teilantwort auf die Frage gegeben wird, wie die Beziehung zwischen Geist und Wirklichkeit beschaffen ist. Die hier verwendete Bedeutung von „Konstruktivismus“ darf damit nicht mit dem Konstruktivismus in der Philosophie der Mathematik oder wissenschaftstheoretischen Erlanger Schule verwechselt werden. Konstruktvisten unterteilen sich in verschiedene Lager, die wir hier weder auseinanderhalten, noch simultan widerlegen wollen. Aber wir formulieren in diesem post ein Argument gegen eine, von verschiedenen Lagern gebrauchte These und machen stattdessen ihr kontradiktorisches Gegenteil stark. Wir behaupten hier: Wir können nicht einfach diejenige Meinung haben, die wir eben haben wollen. Und genau das hat politische Konsequenzen.

Übersicht:


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I. Märchen aus der Postmoderne

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann benutzen Feministen häufig eine Art postmoderne Erkenntniskonzeption. Sie lautet:

  • (1) Erkennen ist keine neutrale, transparente Reflexion einer unabhängig existierenden Realität, in der Wahrheit und Falschheit durch transparente Verfahren rationaler Prüfung etabliert werden, sondern nur noc situiertes Erkennen, daß die Perspektive des Erkenntnissubjektes in einem historischen Moment in einem gegebenen materiellen und kulturellen Kontext wiederspiegelt. (K. Lennon, Feminist Epistemology as Local Epistemology, Proceedings of the Aristotelian Society, supplement vol. 71, p.37)

In (1) wird behauptet, daß die Frage, welche Meinung Wissen ist, irgendwie von der Gesellschaft abhängt. Diese Gesellschaftsabhängigkeit des Wissens nennt man auch soziale Konstruktion. Als Folge davon scheint unter Feministen eine Art Gleichwertigkeitsdoktrin sehr verbreitet zu sein:

  • (2) Es gibt verschiedene Weisen, die Welt zu verstehen und alle konkurrierenden Aussagen sind nicht einfach nur wahr oder falsch, sondern sie haben dengleichen Wert. Kontextfreie oder überkulturelle Normen der Rationalität gibt es nicht derart, daß nicht mal zwei beliebig vorgegebene Meinungen unterschieden werden können.

Grundsätzlich scheinen drei Versionen eines Erkenntniskonstruktivismus wie in (1) möglich zu sein: Wahrheitskonstruktivismus, Berechtigungskonstruktivismus und ein Konstruktivismus, der an die Rolle der sozialen Faktoren für die Erklärung unserer Meinungen anknüpft. Entsprechend wird man auch die Lesart von (2) variieren müssen. Wir beschränken uns hier auf diejenige Variante, die entsteht, wenn man nur die Rolle der sozialen Faktoren für die Erklärung unserer Meinungen konstruktivistisch in Anschlag bringt.

Wir wollen in diesem post eine Konstruktion sozial nennen, wenn sie durch eine Gesellschaft von Einzeln vorgenommen wird, die Bedürfnisse, Interessen und Werte haben und in bestimmter Weise organisiert sind:

  • (3) Interessant ist nur diejenige soziale Konstruktion von Tatsachen, nicht die von Ereignissen oder Dingen.
  • (4) Es geht nur um solche kontingenten Tatsachen, die nicht anders als durch soziale Konstruktion entstehen konnten: die Konstruktion muß für die Tatsache konstitutiv sein wie z.B. bei Geld.
  • (5) Die kontingenten Tatsachen spiegeln die Interessen und Bedürfnisse der Konstruierenden wieder derart, daß diese kontingenten Tatsachen nicht ohne sie konstruiert worden wären.

Mit anderen Worten: eine Tatsache ist sozial konstruiert genau dann, wenn es notwendig wahr ist, daß sie ihr Bestehen den kontingenten Handlungen einer sozialen Gruppe verdankt. Die Folge ist aber nicht, daß die Aufdeckung sozial konstruierter Tatsachen potentiell befreiend, wäre, insofern man nur mit natürlichen Tatsachen wie z.B. dem Abgang einer Lawine eben leben muß. Denn erstens kann man viele natürliche Tatsachen ändern und zweitens kann nicht alle sozial konstruierten Tatsachen aufheben: Die Tatsache, daß es einmal Geld gab, wird nicht durch die Abschaffung von Geld verschwinden.

Unter Feministen der 3. Welle ist die Auffassung äußert populär, daß Geschlechter soziale Konstruktionen sind und daß man die Menschen durch erzieherische Maßnahmen zu ganz neuem Verhalten und somit viel gerechteren Gesellschaftsorganisationsformen bringen kann. Beide Teilbehauptungen werde ich in diesem post nicht zu widerlegen versuchen. Was ich stattdessen bringe, ist ein ganz allgemeines Argument, daß darüber aufklärt, daß die Freiheit, Meinungen durch Willensentschluß – meinetwegen motiviert durch Gerechtigkeitserwägungen – zu haben, ziemlich enge Grenzen hat. Und wenn ich das richtig sehe, dann sind diese Grenzen eng genug, um viele politische Maßnahmen, die der Staatsfeminismus durchgesetzt hat, ad absurdum zu führen.

II. Sind die Meinungen frei?

Daß die Gedanken frei sind, ist eine These, die ich hier nicht diskutiere. Auch die Meinungsfreiheit aus Art. 5 GG, die Freiheit, eine Meinung zu sagen, interessiert mich hier nicht. Stattdessen argumentiere ich für folgende These:

  • (6) Keine Person ist frei, diejenigen Meinungen erster Ordnung zu haben, die sie haben will.

Die Pointe dieser These liegt darin, daß es für uns nicht möglich ist, Meinungen erster Ordnung zu haben oder zu erwerben, wenn wir dafür keine Gründe haben oder sogar Gegengründe finden.

Um das Argument durchzuführen, brauchen wir eine Anordnung von Meinungen: Eine Meinung 2. Ordnung ist eine Meinung über eine Meinung 1. Ordnung, eine Meinung 3. Ordnung eine über eine 2. Ordnung und so weiter. Eine Meinung erster Ordnung – „ich glaube, daß das-und-das der Fall ist.“ – ist eine Meinung über alles andere. Damit können wir jetzt wie folgt argumentieren:

  • i) Angenommen wir sind frei, beliebige Meinungen erster Ordnung zu haben, dann muß ihr Erwerb unabhängig von deren Wahrheit sein. Wenn wir Meinungen aber unabhängig von ihrer Wahrheit erworben haben, dann würden wir immer argumentieren, daß wir folglich nicht hinterher diese Meinung nachträglich in einer Meinung zweiter Ordnung für wahr und damit als Repräsentation wahrerweise bestehender Sachverhalte halten: Wir würden immer argumentieren, daß uns dafür jeder Beleg fehlt. Das demonstriert, daß eine Meinung zu haben, heißt, sich darauf festzulegen, daß bestimmte Tatsachen vorliegen – wahrerweise. Also: Unser Verständnis davon, was es heißt, eine Meinung zu haben, ist unverträglich mit der Meinung zweiter Ordnung über die Meinung erster Ordnung, daß letztere nicht wahr ist.
  • ii) Wenn wir eine Meinung erster Ordnung erwerben und behalten, die wir nicht für wahr halten, dann müssen wir man von der entsprechenden Fähigkeit, diese Meinung erster Ordnung zu hegen, auch wissen. Denn ich muß einen guten Grund dafür haben, daß meine Meinung zweiter Ordnung, daß ich eine falsche Meinung erster Ordnung hege, wahr ist. Und diese Meinung zweiter Ordnung muß wahr sein, damit ich die falsche Meinung erster Ordnung auch tatsächlich hege. Folglich muß ich von der Fähigkeit, die falsche Meinung erster Ordnung zu hegen, auch wissen. Aber: Von genau dieser Fähigkeit können wir nicht wissen, wenn wir von keiner ihrer Ausübungen im Nachhinein glauben würden, daß sie stattgefunden hat. Eine falsche Meinung zu hegen, bedeutet aber nach i), sie nicht zu haben – in jedem einzelnen Fall. Daraus folgt daher, daß wir nicht wissen können, daß wir eine Meinung erworben haben und beibehalten, die wir nicht für wahr halten.

Also: Weil man dieses Argument natürlich für jede Meinung n-ter Ordnung wiederholen kann, kann man sich nicht für eine bestimmte Meinung beliebig frei entscheiden.

Wir werden im nächsten Abschnitt sehen, daß dieses Argument, das natürlich auch anti-konstruktivistische Implikationen hat, auch ganz praktische, politische Konsequenzen nach sich zieht.

III. Erziehung zum Glauben

Nehmen wir an, wir hätten im letzten Abschnitt zweifelsfrei gezeigt, daß (6) wahr ist. Dann können wir aus (6) drei wichtige Konsequenzen ziehen:

  • (7) Die Gleichwertigkeitsdoktrin in (2) kann nicht uneingeschränkt richtig sein, denn (5) und (6) stehen zueinander in Widerspruch.
  • (8) Jeder Feminismus muß aufklärerisch sein. Ich kenne keinen Feminismus, der das de facto leistet und der für den Fundamentalismus relevante vernünftige Antifeminismus kritisiert genau das.
  • (9) Politische Maßnahmen des Feminismus müssen sich eine neue Art von Wirksamkeitskontrolle gefallen lassen.

Betrachten wir (9) genauer am Beispiel der feministischen Forderung nach einer gendergerechten Sprache: Die Ungerechtigkeit kommt dabei auf zwei Arten in das gegenwärte Ringen um die Benutzung der Sprache.

  • Auf der einen Seite wird von feministischer Seite die Lacan’sche These vorgetragen, daß Sprache das Denken bestimmte, weshalb diffamierende und diskriminierende Ausdrücke vermieden werden müßten.Feministen sind offenbar der Meinung, eine ganz allgemeine Quelle der Entstehung von Verhalten gefunden zu haben, das soziale Klassen, die durch die Menschen bestimmter Geschlechter gebildet werden, persönlich oder als Klassenmitglieder in der Gesellschaft diskriminiert.
  • Auf der anderen Seite wird geltend gemacht, daß die Sprache – wenigstens das Deutsche – aufgrund des grammatischen Geschlechtes sowieso sexualisiert sei und daher Sprache ungerecht sei, insofern nur ein Geschlecht – das männliche – am grammatischen Geschlecht der Ausdrücke ablesbar und insofern gesellschaftlich sichtbar sei.

Es ist offenbar eine Sache, herauszufinden, ob sich das grammatische Geschlecht wirklich auf das biologische Geschlecht bezieht und gelegentlich wird das mit großem Aufwand bestritten. Aber eine ganz andere Sache ist es, herauszufinden, ob die Meinungen von unterdrückten Geschlechtern über ihre Unterdrückung sich dadurch ändern, daß man eine geschlechtergerechte Sprache wirklich praktiziert. Das muß selbst dann nicht der Fall sein, wenn es wahr sein sollte, daß eine geschlechtergerechte Sprache die Geschlechtergerechtigkeit und die Sichtbarkeit von Geschlechtern wirklich verbessert.

  • Schließlich machen Frauen ja Erfahrungen mit Individuen, wenn sie Erfahrungen mit Männern machen, und das sind keine Erfahrungen mit der Klassenzugehörigkeit von Menschen zu einem Geschlecht. Es ist eine Theorie, daß das Merkmal der Männlichkeit auf andere Menschen übertragen werden kann, um deren Verhalten vorherzusagen – nicht aber eine Erfahrung. Und diese Theorie wird auch nicht einfach nur durch weitere Erfahrungen mit Männern gestützt: etwas zu wiederholen, was nichts beweist, beweist nicht mehr als beim ersten Mal.

Der Punkt ist nun: Diese Art von Kontrolle ist meines Wissens nach noch niemals durchgeführt worden. Aber Feministen können die Lage der Geschlechter weder effizient noch nachhaltig verbessern, wenn sie sich nicht für diesen Punkt interessieren – was sie anscheinend auch nicht tun.

Kommentare sind wie immer erwünscht, aber ich werde vermutlich kaum Zeit haben, zu diskutieren. Stattdessen werde ich hilfreiche Kommentare in künftigen posts versuchen, zu berücksichtigen.


21 Kommentare

  1. Kannst du das noch mal an einem konkreten Beispiel aus dem Sozialkonstruktivismus erklären?

    Der geht ja davon aus, dass über „die Mächtigen“ Rollen erstellt worden sind, die ein bestimmtes Verhalten für bestimmte Gruppen belohnen.

    Also beispielsweise einer Person mit Brüsten und Vagina etc einen höheren Status verleihen, wenn sie sich um die Kinder kümmert und einen sozialen Beruf macht und eine Person mit Penis etc einen höheren Status verleihen, wenn er sich nicht um die Kinder kümmert, sondern arbeitet. Abweichungen von den Rollen werden sozial geächtet, Durchführungen der Rollen belohnt und diese Regeln haben alle so verinnerlicht, dass sich das System selbst stabilisiert, indem die Leute sich gegenseitig überwachen.

    Ein Mädchen „lernt“ nun wenn es in einer solchen Gesellschaft aufwächst, welches Verhalten sich für es am meisten lohnt und welches nicht. Das ist eben das geschlechterrollenkonforme Verhalten. Ein Junge genau so.

    Das das funktioniert sehen wir eben an den Häufungen, mit denen die Menschen in Geschlechterrollen leben und an der verächtlichen Behandlung von menschen, die vom Schema abweichen, zB schwulen sehr weiblichen Männern

    In diesem Zusammenhang ist Sprache ein Mittel, die Kinder auf ihre Rollen zu verweisen, aber auch die Rollen wieder zu dekonstruieren. Indem zB von Firmenchefinnen geredet wird, wird die gesellschaftliche Rollenzuweisung durchbrochen. Deswegen ist das System darauf aus, die Sprache möglichst Rollenkonform zu halten, damit die Rollen bestehen bleiben.

    Wie passen da jetzt deine Erläuterungen rein?

  2. djadmoros sagt:

    Ich möchte ein paar Anmerkungen im Stenogrammstil machen, weil meine Antwort sonst ausufern würde:

    »Keine Person ist frei, diejenigen Meinungen erster Ordnung zu haben, die sie haben will.«

    (1) Eine Meinung »zweiter Ordnung« verliert nicht den Bezug auf die Tatsachen, auf die die Meinung »erster Ordnung« Bezug nimmt. Eine Meinung »zweiter Ordnung« ist daher stets auch eine Meinung »erster Ordnung« mit demselben Referenten. Es gibt also nicht »Meinungen n-ter Ordnung«, sondern Referenzdreiecke zwischen Tatsachen und den Meinungen von mehr als einer Person. Rekursionen entstehen nur in sozialen Situationen doppelter Kontingenz: »Ich weiß, dass er weiß, dass ich weiß, dass er weiß …«. Wissen mit Bezug auf die natürliche Welt nimmt keine rekursiven Formen an: »Ich meine, dass Du unrecht hast, Du meinst, dass ich unrecht habe. Einigen wir uns auf ein Experiment, oder schlagen wir uns lieber gegenseitig den Schädel ein?«

    (2) Eine Person ist solange frei, eine Meinung zu haben, die sie haben will, solange sie dafür nicht bestraft wird. Entsprechende Sanktionen können bestehen in den Folgen der Handlung (a) in der natürlichen Welt (»Hier ist mit Sicherheit keine Spannung drauf!«, »Der Tiger schläft doch jetzt!«) und (b) in der sozialen Welt (»Tod durch Erschießen wegen Kritik am Genossen Stalin!«, »Steinigt ihn, er hat JEHOVA gesagt!«). SIe muss aber nicht auf Sanktionen treffen, weshalb es möglich ist, dass Personen ein Leben lang mit »falschen Meinungen« leben und »dumm sterben« 🙂

    (3) Das Wahrheitskriterium für die Beurteilung einer Meinung »erster Ordnung« kann, aber muss muss nicht in einer Übereinstimmung mit den Tatsachen bestehen. Wahrheitswerte können darüber hinaus auch aus sozialer Übereinstimmung (»Wenn alle es für richtig halten, muss es wohl wahr sein!«) und persönlicher Überzeugung (»Gott will, dass ich auf der anderen Seite des Atlantiks eine Kolonie gründe!«) generiert werden. Die drei grundsätzlichen Weltbezüge des Menschen (natürliche Welt, soziale Welt und innerpsychische Welt) ermöglichen drei fundamentale Arten der Bestimmung von Wahrheitswerten, zwischen denen keine Kongruenz bestehen muss. Das Konzept der »Wahrheit einer Meinung« ist daher nicht geeignet, mit formallogischen Mitteln (Widerspruchsfreiheit) eine reductio ad absurdum zu leisten.

    (4) Die Flexibilität des Menschen im Umgang mit den Wahrheitswerten von Meinungen begründet seine Flexibilität im Umgang mit variablen Umwelten, weil der Mensch die Wahrheitsbedingungen von Meinungen durch praktische Tätigkeit nachträglich herbeiführen kann. Darin liegt das Geheimnis unwahrscheinlicher Erfolge. Kolumbus Meinung, man könne Indien auf dem Weg nach Westen erreichen, war in einem strikten Sinne wahr (die Erde ist rund), aber in einem spezifisch praktischen Sinne falsch (er hatte den Erdumfang zu niedrig berechnet und wäre auf See umgekommen, wenn er nicht auf Amerika gestoßen wäre, und was er entdeckte, war nicht Indien). In einem weiteren spezifisch praktischen Sinne war seine Meinung wiederum wahr, denn Amerika verwandelte sich in diejenige Quelle spanischen Reichtums, die Indien hätte werden sollen, was die ursprünglichen Motive rechtfertigte.

    (5) Ich empfehle dem Mathematiker Elmar (ebenfalls, ich sehe, Christian war schneller 🙂 ) die Bezugnahme auf Schlüsseltexte des Sozialkonstruktivismus, denn diese stellen gewissermaßen das »Standardmodell« des soziologischen bzw. kulturwissenschaftlichen Konstruktivismus dar. Zu den allerwichtigsten würde ich zählen:

    Alfred Schütz, Thomas Luckmann (2003), Strukturen der Lebenswelt. Konstanz: UVK

    Peter L. Berger, Thomas Luckmann (1980), Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt a. M.: Fischer

    John R. Searle (2005, 2011), Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Zur Ontologie sozialer Tatsachen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (engl. Orig. 1995)

    John R. Searle (2012), Wie wir die soziale Welt machen. Die Struktur der menschlichen Zivilisation. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (engl. Orig. 2010)

    • “Ich empfehle dem Mathematiker Elmar (ebenfalls, ich sehe, Christian war schneller 🙂 ) die Bezugnahme auf Schlüsseltexte des Sozialkonstruktivismus”

      Warum? Ich habe definiert, wovon ich rede.

      • djadmoros sagt:

        (a) Weil die Formulierung von Problemen in einer privaten Notation es erschwert, herauszufinden, ob ein Problem bereits schon einmal gestellt oder bearbeitet worden ist.

        (b) Weil in jeder wissenschaftlichen Fachrichtung die Kenntnis bereits vorhandener Lösungsansätze ganz sebstverständlich zu den Arbeitsvoraussetzungen gehört.

        (c) Weil die Missachtung von (b) schnell zu Ressourcenvergeudung führt, wenn Räder noch mal neu erfunden werden.

        • LoMi sagt:

          Deine Liste, djadmoros, würde ich ergänzen durch den Radikalen Konstruktivismus: wesentliche Autoren sind hier Maturana/ Varela, Heinz von Foerster, Niklas Luhmann. Dieser Strang ist erstens einflussreich und zweitens repräsentiert er eine andere Herangehensweise als Schütz oder Searle.

          • djadmoros sagt:

            Die hatte ich bewusst weggelassen, weil sie m. E. nicht zum »Standardmodell« gehören, und weil sich der feministische Konstruktivismus, soweit ich das sehe, nicht auf den *radikalen* Konstruktivismus stützt.

            Andererseits haben die betreffenden Autoren tatsächlich ein erhebliches Gewicht in der Debatte um den Konstruktivismus insgesamt, und insofern ist es sicher sinnvoll, sie zu kennen. Wobei ich niemanden ohne Vorwarnung den Schriften von Luhmann aussetzen möchte, jedenfalls nicht denen nach der »autopoietischen Wende« 🙂

            • LoMi sagt:

              Richtig, auf den Radikalen Konstruktivismus kann der Feminismus sich nicht stützen. Das heißt, Du hast solche Autoren vorgeschlagen, die helfen, den feministisch genutzten Konstruktivismus zu verstehen?

              Luhmann ist sicher speziell, aber für einen Mathematiker bestens anschlussfähig, schätze ich.

              Was feministische Konstruktivismen angeht, könnte man noch Michel Foucault mit aufnehmen. Dort wird ja der Zusammenhang zwischen Macht und der Konstruktion von Wirklichkeit sehr dezidiert hergestellt.

            • djadmoros sagt:

              @LoMi: Michel Foucault habe ich nicht aufgenommen, weil ich mir unschlüssig bin, inwieweit ich ihn als Konstruktivisten einordnen soll. Für den Feminismus ist er natürlich schon sehr wichtig.

  3. „Wahrheitswerte können darüber hinaus auch aus sozialer Übereinstimmung (»Wenn alle es für richtig halten, muss es wohl wahr sein!«) und persönlicher Überzeugung (»Gott will, dass ich auf der anderen Seite des Atlantiks eine Kolonie gründe!«) generiert werden. “

    Ja, ein wesentlicher Punkt. Zum Teil IST unsere gesellschaftliche subjektive Wirklichkeit Konstruktion. Das ist bei religiösen Vorschriften gut erkennbar. Diese haben aber nur eine höhere Legitimationsbasis, die sich ebenso aus gesellschaftlichen Überzeugungen ergeben kann. Wenn eben gesagt wird, dass man nicht mit vollem Mund kaut, dann schafft dies eine gesellschaftliche regel, die bestimmte, welches Verhalten als sozial richtig und welches als sozial falsch angesehen wird.

    Wie schmatzende Kulturen zeigen gibt es hier kein wahr oder falsch.

    Jetzt ist die Frage, inwiefern es bei geschlechterbezogenen Verhalten solche sozialen Regelungen gibt.

  4. djadmoros sagt:

    @Christian:

    Auch hier im Stenogrammstil:

    »Jetzt ist die Frage, inwiefern es bei geschlechterbezogenen Verhalten solche sozialen Regelungen gibt.«

    (1) Welches (geschlechtsspezifische) Verhalten gilt in einer spezifischen Kultur als dem Willen unterworfen, und welches gilt der Wirkung äußerer Mächte (»Natur«, »Götter«, »Dämonen«) geschuldet?

    (2) Welches als dem Willen unterworfen betrachtete (geschlechtsspezifische) Verhalten gilt als »schicklich« oder »unschicklich«, d.h.: wird durch eine Geschlechts*rolle* normiert?

    (3) In welchem Maße wird (geschlechtsspezifisches) Verhalten durch die Wirkung sozialer Normen *konstituiert*, *konditioniert* und *sanktioniert*?

    3.1: Es wird *konstituiert*, wenn und insoweit sich soziale Verhaltenserwartungen, und *nur* solche, (etwa im Prozess der Sozialisation) zu automatisierten Verhaltensursachen sedimentieren. Dies wäre die Position eines radikalen Sozialkonstruktivismus (wie z.B. dem von Judith Butler).

    3.2: Es wird *konditioniert*, wenn und insoweit biologisch verursachte Verhaltensdispositionen an variable soziale Normen *gebunden* werden, welche ihr Auftreten oder ihr Nichtauftreten und die Formen ihres Ausdrucks steuern. Dies wäre die Position eines moderaten Sozialkonstruktivismus, der mit naturalistischen Annahmen kompatibel ist.

    3.3: Es wird *sanktioniert*, wenn und insoweit zwischen Verhaltensdispositionen und sozialen Normen durch Willen und Bewusstsein vermittelt wird. Dies ist der Standardfall der soziologischen Rollentheorie, dem wohl nur von einem heute obsoleten radikalen Sozialbehaviorismus widersprochen werden würde.

    (4) Die Position (3.1) und die Negation von Position (3.3) halte ich für wissenschaftlich nicht (mehr) vertretbar. Ein feministischer Konstruktivismus versteht Position (3.1) als Gegenentwurf zu Position (3.3), vermeidet aber die Debatte um Position (3.2) bzw. versucht, diese mit der Negation von Position (3.3) zu identifizieren. Zielführend und wissenschaftlich gehaltvoll bleibt daher der Versuch, die genauen Mechanismen und Spielräume von (3.2) aufzuklären.

  5. quellwerk sagt:

    Das erste Argument (i): eine Meinung zu haben, in eigener Kenntnis ihrer Unwahrheit, ist nicht möglich. Dies widerspräche dem Begriff der Meinung.
    Das zweite Argument(ii): ich kann von meiner Befähigung zu einer Meinung, in eigener Kenntnis ihrer Unwahrheit, nicht wissen, denn um Etwas meinem Wissen zuzufügen, muss ich an dieses Etwas glauben, was ich im Fall der Befähigung nicht kann, weil ich alles, worin sie sich äußert, nicht glaube.
    Da ich aber in meinem Negativ-Urteil über diese erste Meinung, die Kenntnis zur Befähigung zu dieser Meinung voraussetze, kommt es zum Widerspruch. Also: eine Meinung zu haben, in eigener Kenntnis ihrer Unwahrheit, ist nicht möglich (siehe (i)).

    Wie würde man „eine Meinung zu haben, in eigener Kenntnis ihrer Unwahrheit“ nennen können? Ich nenne es hier mal ‚X‘

    Du sagst nun: „Keine Person ist frei, diejenigen Meinungen erster Ordnung zu haben, die sie haben will“.

    Müsste es nicht heißen: „Alle Personen sind frei eine Meinung zu haben, solange nicht ‚X'“.

    Weiter in deiner Argumentation:

    Die These:

    „Es gibt verschiedene Weisen, die Welt zu verstehen und alle konkurrierenden Aussagen sind nicht einfach nur wahr oder falsch, sondern sie haben den gleichen Wert. Kontextfreie oder überkulturelle Normen der Rationalität gibt es nicht derart, dass nicht mal zwei beliebig vorgegebene Meinungen unterschieden werden können“

    sei falsch

    da hier ‚X‘ stattfände. Du schließt von der Beliebigkeit der Wahrheit auf ‚X‘. Du setzt erstens voraus, dass jene die ‚X‘ tun, einen basalen Begriff von Wahrheit haben, der sie eben zu ‚X‘ befähigt und zweitens, dass Personen, die eine Beliebigkeit der Wahrheit propagieren, dies nur können wenn sie ‚X‘ propagieren. Dies sei, wie oben erläutert, ein unmögliches Ding.

    Dies ist, wie ich finde, ein interessanter Gedanke, weil er nämlich impliziert, dass alle Konklusionen und Handlungsvorschriften der feministischen Theorie ihren Grund im Unlogischen haben.

    @Christian

    zu deiner Frage „Wie passen da jetzt deine Erläuterungen rein?“. Elmar argumentiert ja nicht, die mutwillige Veränderung von Sprache zeitige keine Folgen, sondern die Thesen des Feminismus über die Folgen der Änderung hätten keine Basis.

    @djadmoros

    „Eine Meinung »zweiter Ordnung« ist daher stets auch eine Meinung »erster Ordnung« mit demselben Referenten.“
    Heißt das: eine Meinung über eine Meinung ist eben diese Meinung? Wohl eher nicht, denn sonst bräuchte man keine Meinung 2. Ordung als Unterscheidungskriterium. Eine Metameinung nimmt Bezug auf die erste Meinung. Sie ist der ersten Meinung gleich darin, dass sie wie diese, auf Erfahrungen beruht, in ihrem Fall auf die Meinungen erster Ordnung.

    „Eine Person ist solange frei, eine Meinung zu haben, die sie haben will, solange sie dafür nicht bestraft wird“.
    Was sollte man dagegen sagen, außer, dass sie den Respekt nicht verdient, der demjenigen entgegengebracht wird, dessen Meinung dem entspricht, wovon er überzeugt ist. Wie man hier gut erkennen kann, ist Elmar Interesse eine Gegenposition zur Beliebigkeit.

    „Das Wahrheitskriterium für die Beurteilung einer Meinung »erster Ordnung« kann, aber muss nicht in einer Übereinstimmung mit den Tatsachen bestehen.“
    Das ist richtig. Dass Kriterium für die Beurteilung einer Meinung ist die Kohärenz der Meinung innerhalb des Meinungshabenden. Wenn er also in einer deiner drei Welten eine Meinung a hat und in einer anderen eine Meinung b hätte, dann sollte der eigene Zweifel, dass beide zusammengingen, die Tatkraft einer Berichtigung der eigenen Position hervortreten lassen und nicht das schwächliche sowohl-als-auch begünstigen.

    „Die Flexibilität des Menschen im Umgang mit den Wahrheitswerten von Meinungen begründet seine Flexibilität im Umgang mit variablen Umwelten, weil der Mensch die Wahrheitsbedingungen von Meinungen durch praktische Tätigkeit nachträglich herbeiführen kann.“
    Du wolltest sagen, der Mensch passt seine Erkenntnisse an seine Erfahrungen an, nicht, der Mensch kann mal an dies, mal an das glauben.

    „Ich empfehle dem Mathematiker Elmar (ebenfalls, ich sehe, Christian war schneller 🙂 ) die Bezugnahme auf Schlüsseltexte des Sozialkonstruktivismus, denn diese stellen gewissermaßen das »Standardmodell« des soziologischen bzw. kulturwissenschaftlichen Konstruktivismus dar.“
    Ich empfehle, einen Text gründlich zu lesen und ihn inhaltlich zu begegnen, anstatt die Entgegnung per Verweis auf das eigene Bücherregal zu geben. Es wäre fruchtbarer gewesen, wenn deine Erwiderungen den Sinn des Textes besser erfasst hätten, so hätten wir etwas lernen können, anstatt nur deine Meinung zu hören. Ansonsten sind Literaturhinweise natürlich sehr sinnvoll.

    • djadmoros sagt:

      ad 1: »Heißt das: eine Meinung über eine Meinung ist eben diese Meinung? Wohl eher nicht …«

      Ich denke nicht, dass einer Meinung erster Ordnung zu den »Erfahrungen« einer Meinung zweiter Ordnung gehört. Sondern Meinungen haben in der Regel eine *doppelte Referenz*: einerseits einen Sachverhalt, andererseits Meinungen *über* diesen Sachverhalt. Wenn zwei Personen darüber debattieren, ob die Erde eine Kugel oder eine Scheibe ist, dann haben beide *sowohl* einen eigenen Bezug zum umstrittenen Sachverhalt *als auch* zur Meinung des Kontrahenten. Das meinte ich mit der Rede vom »Referenzdreieck«. Damit sind nicht beide Meinungen dieselbe Meinung, aber beide Meinungen sind von derselben Ordnung.

      Von daher denke ich auch nicht, dass es in einem strikten Sinne »Metameinungen« gibt: ich kann eine Meinung über eine Meinung nicht trennen von der Meinung über den von der ersten Meinung behaupteten Sachverhalt. Ich kann der ersten Meinung Vertrauen schenken, diesen Sachverhalt glaubwürdig zu berichten, dann habe ich einen mittelbaren statt unmittelbaren Bezug zum Sachverhalt. Ich kann aber aus meiner Meinung über eine Meinung den Gegenstandsbezug nicht eliminieren – und darin sind alle Meinungen »wesensgleich«.

      ad 2: »Was sollte man dagegen sagen, außer, dass sie den Respekt nicht verdient, der demjenigen entgegengebracht wird, dessen Meinung dem entspricht, wovon er überzeugt ist.«

      Mir scheint, Du unterschätzt, wie sehr manche Menschen von recht offenkundig absurden Meinungen überzeugt sein können. 🙂

      ad 3: »dann sollte der eigene Zweifel, dass beide zusammengingen, die Tatkraft einer Berichtigung der eigenen Position hervortreten lassen«

      Ja, so sollte es eigentlich sein.

      ad 4: »Du wolltest sagen, der Mensch passt seine Erkenntnisse an seine Erfahrungen an, nicht, der Mensch kann mal an dies, mal an das glauben.«

      Eigentlich meinte ich den gegenteiligen Fall: *normalerweise* müssen Erkenntnisse an Erfahrungen angepasst werden, aber es gibt besondere Umstände, unter denen es Menschen umgekehrt gelingt, sich diejenigen Erfahrungen zu erarbeiten, die ihren Erwartungen entsprechen. Man kann darin sogar das Prinzip des Zivilisationsprozesses sehen: wir arbeiten darauf hin, in möglichst großem Umfang diejenigen Erfahrungen zu machen, die wir auch machen *wollen*.

      ad 5: »Ich empfehle, einen Text gründlich zu lesen und ihn inhaltlich zu begegnen, anstatt die Entgegnung per Verweis auf das eigene Bücherregal zu geben.«

      Nun, genau das habe ich ja vier Absätze lang getan. Den Sinn seines Textes habe ich nach bestem Wissen und Gewissen zu erfassen gesucht und dann auf das reagiert, was ich für seine zentrale Aussage halte. Absatz 5 habe ich ergänzt, weil ich es tatsächlich für das Sinnverstehen erschwerend halte, wenn eine Diskussion über »Konstruktivismus« ohne Bezug zu bereits bestehenden Diskursen stattfindet.

      • quellwerk sagt:

        Sehr freundlich von dir, dass du meine Polemik nicht aufgegriffen hast …

        Ich möchte ja nicht widerborstig erscheinen, aber die Existenz einer Metameinung ist ja gerade der springende Punkt des Beitrags von Elmar und Grundlage seines Beweises. Das Subjekt kann zu seinen eigenen Meinungen eine Position beziehen. Es geht weder um die Meinungen anderer, noch um die Bedingungen ihrer Entstehung, noch um ihre Kommensurabilität mit einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit. Die Frage ist: kann ein Mensch sagen, er vertrete eine Meinung, obwohl er sie für unwahr hält? Elmar sagt, dies ist logisch nicht möglich. Dieser Mensch würde seine Meinung nicht kundtun. Die Grundlage eines Meinungsaustausch ist nicht gegeben.

        Leider muss ich in diesem Moment den Gedanken abbrechen: extreme externe Einflüsse hindern mich 😦

        • djadmoros sagt:

          In Deinem Verständnis von Elmars These würde es also um den *monologischen* Fall gehen: die Beziehung eines einzelnen Subjekts zu seinen eigenen Meinungen.

          In diesem Fall ist das dem sehr ähnlich, was John R. Searle die »Aufrichtigkeitsbedingung« von Sprechakten nennt (in »Intentionalität. Eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes«, Frankfurt a. M. 1991 [engl. Orig. 1983], S. 25 ff.):

          »Der ausgedrückte intentionale Zustand begleitet nicht einfach den Vollzug des Sprechakts; der Vollzug des Sprechakts ist vielmehr mit Notwendigkeit ein Ausdruck des entsprechenden intentionalen Zustands … . Man kann nicht sagen ›Es schneit, aber ich glaube nicht, daß es schneit‹, ›Ich befehle Ihnen, mit dem Rauchen aufzuhören, aber ich will nicht, daß Sie mit dem Rauchen aufhören‹, ›Ich entschuldige mich dafür, daß ich Sie beleidigt habe, aber es tut mir nicht leid, daß ich Sie beleidigt habe‹, ›Meine Gratulation zu Ihrem Sieg, aber ich freue mich nicht, daß Sie gewonnen haben‹, und so weiter. All das klingt aus demselben Grund eigenartig. Der Vollzug des Sprechaktes ist eo ipso ein Ausdruck des entsprechenden intentionalen Zustandes; und demnach ist es logisch eigenartig – wenn auch nicht selbstwidersprüchlich -, den Sprechakt zu vollziehen und zugleich das Vorliegen des entsprechenden intentionalen Zustands in Abrede zu stellen.« (S. 20)

          Die bewusste Lüge fällt nicht darunter: »(E)ine Lüge und andere unaufrichtige Sprechakte sind immer noch Sprechakte, bei deren Vollzug ein intentionaler Zustand ausgedrückt wird, auch wenn der Sprecher den von ihm ausgedrückten intentionalen Zustand nicht hat.« (S. 26)

          Unter der Annahme, das Searle und Elmar dasselbe Problem beschreiben, verstehe ich aber immer noch nicht, was das mit einer Widerlegung einer Form von Konstruktivismus zu tun hat, und inwiefern die Aussagen (5) und (6) in Widerspruch zueinander stehen.

  6. „Elmar argumentiert ja nicht, die mutwillige Veränderung von Sprache zeitige keine Folgen, sondern die Thesen des Feminismus über die Folgen der Änderung hätten keine Basis.“

    Sein Argument dafür kann ich dennoch noch nicht ganz nachvollziehen. Selbst wenn wir keine bewußt unwahren Meinungen vertreten können, können wir uns ja teilweise gegen die Erkenntnis wehren und teilweise eben auch gegen die Erkenntnis immunisiert werden.

    Das ist vermutlich der Grund, warum Ideologien häufig mit schwach begründeten schattenmächten arbeiten, die solche Rationalisierungen ermöglichen.
    Das kann „Gott“ sein, aber eben auch „Das Patriarchat“.
    Zudem ist hier auch der Begriff des Tabus interessant: Bestimmte Punkte können gesellschaftich so tabuisiert werden, dass man sie nicht anzweifeln darf, was das erkennen ihrer Unwahrheit stark erschwert.

    Wir sind eben nicht strikt logisch, keine Vulkanier. Unsere Wahrnehmung wird teilweise bereits „biologisch gefiltert“ und bestimmt sich zum Teil auch nach dem, was wir sehen wollen.
    Ich hatte zur „illusion des Ichs“ hier mal was von Steven pinker aus „THe blank slate“ zitiert

    http://allesevolution.wordpress.com/2013/01/09/das-ich-als-gefilterte-und-angepasste-wahrnehmung-der-wirklichkeit/

  7. […] Denn nur ein Narr kann sich wünschen, das tun zu können, was er für falsch […]

  8. […] ein Mann gehabt haben muß, als er sich selbst glaubhaft sein eigenes Verhalten erklärte. Denn da man nicht glauben kann, was man will, gibt es eine Verbindung zwischen den gehegten Überzeugungen und den Tatsachen und das sind gerade […]

  9. […] Akten zu gezielten Täuschungen des Adressaten verwendet werden können. Und weil darüber hinaus niemand glauben kann, wozu er sich entscheidet, es zu glauben, sondern nur das, was er für wahr hä…, kommt es für diesen systematischen Zusammenhang allein auf die Wahrheitsbedingungen des […]

  10. […] Man kann nicht einfach jede Meinung haben, die man haben will, insbesondere kann man keine Meinung haben, die man selbst für falsch hält. […]

  11. […] diese Meinung vertrtt, weil sie gut begründet wurde und nicht nur persönlichen Interessen folgt. Denn man kann nicht glauben, was man selbst für falsch hält. Doch das läuft auf eine Selbstwiderlegung des starken Erklärungskonstruktivismus […]

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