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Rezension: Warum auch Männer es nicht leicht haben

Es freut mich, wenn Autoren die Meinung von Maskulisten über Bücher wissen wollen, die Männer oder Männerthemen betreffen, weil es alles andere als selbstverständlich ist, daß mit und nicht nur über Männer geredet wird. Vor einiger Zeit bekam ich von Madame Missou ein pdf ihres Buch „Auch Männer haben es nicht leicht“ zugeschickt mit der Bitte um eine Rezension. Das Buch ist insofern von Interesse, als es beansprucht, daß soziale Probleme von Männer addressiert werden – ein Bereich, der von Männerrechtlern bisher gemieden wird, weil er viel schwerer zu analysieren ist, als rechtliche Ungleichbehandlungen, männerfeindliche Filme, Feminismuskritik oder eine männerfeindliche Politik. Da meine Rezension ungünstig ausfällt, habe ich in der Hoffnung auf ein interessantes Streitgespräch der Autorin eine Erwiderung als eigenen post angeboten – was sie aber leider abgelehnt hat: Sie wolle nicht, daß es so aussehen könnte, als wolle sie sich rechtfertigen.

I. Die männliche Perspektive

Das Buch ist ein Ratgeber und grundsätzlich an alle Menschen gerichtet in der Intention, das Verhalten von Männern und die Welt, in der sie leben, verständlicher zu machen. Und das Buch hat – was durchaus Seltenheitswert hat – verstanden, daß es dafür Männern und Frauen Verschiedenes erklären muß. Es ist – trotz seines aus meiner Sicht eher zweifelhaften Inhalts – wohlwollend geschrieben und mixt verschiedene Erklärungsansätze zusammen, um die Lage der Männer transparenter zu machen: Biologische und evolutionäre Erklärungen werden ebenso herangezogen, wie sozio-kulturelle und psychoanalytische – ohne, daß man erkennen könnte, wonach die Auswahl im konkreten Fall gerade erfolgt. Insbesondere werden feministische Thesen über Männer von dem Buch gehypet. Dazu gibt es zwar eine etwas dünn geratene Literaturliste zum Weiterlesen, aber keine der benutzen Theorien wird in irgendeiner Weise detailiert geschildert, hinterfragt oder diskutiert, sondern sie werden schlicht als feststehende Wahrheit verkauft. Auch ein Ratgeber, der sich mit Recht auf praktische Aspekte konzentriert, muß nicht so vorgehen. Darüberhinaus ist der erteilte Rat gelegentlich auch so allgemein, daß man nicht dieses Buch gebraucht hätte, um auf dieselbe Idee zu kommen: Wenn bei Problemen z.B. zwischen Mann und Frau im Bett geraten wird, mal darüber zu reden oder einfach was anderes auszuprobieren, dann fühlt sich vermutlich kein Leser ernstgenommen.

Im Einzelnen ist das Buch in Lektionen aufgeteilt, die zentrale Lebensbereiche von Männern abdecken sollen. Die Autorin hat die Folgenden ausgewählt:

  • (1) Schwangerschaft: Inwieweit spielt ein Mann während der Schwangerschaft überhaupt eine Rolle als Person?
  • (2) Vaterrolle: Sollte sich ein Vater der Frau gegenüber traditionell oder wie feministisch gewünscht benehmen? Was kann ein Mann als Vater leisten?
  • (3) Beziehung neben einem gemeinsamen Kind: Unter welchen Bedingungen darf sich ein guter Vater von der Mutter seines Kindes Sex wünschen?
  • (4) Schönheitsideale: Männer müssen alles sein und tun, was früher auch der Fall war – und heutzutage zusätzlich schön.
  • (5) Altern: Wie kommen Männer damit klar, daß sie ihre Haare verlieren? (Die bekannten und recht erfolgreichen Wirkstoffe Minoxidil und Finasterit kennt die Autorin übrigens nicht.)
  • (6) Midlife-Crisis: Warum tritt sie bei Männern ein und inwiefern machen sich Männer dabei lächerlich?
  • (7) Liebhaberqualitäten: Warum ein Mann mehr sein darf als das Sexspielzeug der Frau
  • (8) Potenzprobleme: Was kann ein Mann selbst dagegen machen?
  • (9) Kommunikation: Es gibt einen weiblichen und männlichen Kommunikationsstil und beide können von dem jeweils anderen profitieren.
  • (10) typische Frauenprobleme: unterdrückte Sexualität, Altern, Grübeln, Doppelbelastung und Bestehen in der Männerwelt

Es hätte eine überzeugende Stärke des Buches werden können, wenn es versucht hätte, zu analysieren, inwiefern Frauenprobleme für Männer ein Problem sind, denn die Geschlechter haben ihre Probleme tatsächlich nicht für sich allein und unabhängig voneinander. Doch statt ehrlicher Einblicke in die Gedankenwelt der Frauen serviert das Buch nur feministische Allgemeinplätze. Und eine Ideologie wiederzukäuen, ist natürlich nichts, was in einen Ratgeber gehört.

Nehmen wir an, diese Liste wäre wirklich für die Anliegen der Männer charakteristisch. Dann denke ich, daß Männer dennoch ganz andere Fragen zu den einzelnen Punkten (1)-(10) stellen – und zwar diese:

  • (1a) Schwangerschaft: Ist das Kind von mir? Bin ich auch als Person für die Mutter noch interessant oder wollte sie mich nur als Samenspender oder Versorger?
  • (2a) Vaterrolle: Wird die Mutter meine Erziehungspläne torpedieren? Wird sie mich als Vater zulassen oder mit Hilfe des Rechtsstaates entsorgen?
  • (3a) Beziehung neben einem gemeinsamen Kind: Wird die Mutter neben dem Kind noch emotionale und kognitive Ressourcen für mich haben? Wird sie sich auch mir gegenüber nur noch als Mutter sehen und vergessen, daß sie eine Frau ist?
  • (4a) Schönheitsideale: Für was macht Schönheit bei Männern einen Unterschied?
  • (5a) Altern: Kann ich noch mit meinen Kumpels Fußball spielen? Oder Bergsteigen und Klettern? Kann ich noch mit meinen Kindern raufen oder sie auf dem Arm herumtragen?
  • (6a) Midlife-Crisis: Sind meine Pläne aufgegangen? Wofür habe ich noch Zeit? Was ich ich versäumt?
  • (7a) Liebhaberqualitäten: Wird sie immer mit mir schlafen, weil sie mich will? Liebt sie mich oder nur das Leben, daß ich ihr bieten kann, so daß ich irgendwann Fremdgehen oder ins Bordell muß, um Sex zu haben?
  • (8a) Potenzprobleme: Wird sie verstehen, daß ich keine Maschine bin? Daß Potenzprobleme fast immer psychologische Probleme sind, die in der Beziehung wurzeln? Daß ich nicht tagsüber angemeckert werden und nachts ein Hengst sein kann?
  • (9a) Kommunikation: Wenn eine Frau etwas zu einem Mann sagt, dann will sie, daß der Mann etwas für sie tut. Wird es darüberhinaus etwas ändern, wenn wir reden? Wird sie sich ändern? Ist es nicht besser, gar nichts zu sagen und zu verschwinden?
  • (10a) typische Frauenprobleme: Luxusprobleme, die zu diskutieren auf Dauer mehr Chancen kostet als ihre Lösung Vorteile bringt – reine Zeitverschwendung.

Die Auswahl der topics in der Liste (1)-(10) ist für mein Verständnis außerdem nicht besonders charakteristisch für das Leben von Männern – und auch nicht für das von Frauen. Stattdessen ist vermutlich die Liste (1)-(10) charakteristisch für eine Sicht von Frauen auf Männer, die populär genug ist, um sich gut zu verkaufen. Denn würde man die Liste (1a)-(10a) abarbeiten, würde das Buch vermutlich gar nicht verkauft werden: Frauen wären empört, denn so benimmt man sich schließlich nicht gegenüber Frauen, sowas schreibt man ihnen einfach nicht. Und Männer würden das Buch ebenfalls nicht kaufen, denn sie würden Antworten auf diese Fragen in der wirklichen Welt, in der Realität und nicht in Büchern suchen.

Aber natürlich suchen Männer Rat und – obwohl sie nach Ansicht der Autorin weniger denken als Frauen – suchen sie auch Rat in Büchern. Nur würde es dabei um andere Probleme gehen, die zudem selten in Büchern behandelt werden. Vergleichen wir die Liste (1)-(10) aus dem Buch mit meiner Wunschliste:

  • (1e) Sexualität: Ist meine Sexualität primitiv? Bin ich von Natur aus ein Verbrecher? Mögen Frauen meine männliche Sexualität und meinen männlichen Körper? Muß ich meine Sexualität verändern, erziehen, unterdrücken oder darf sie frei wachsen?
  • (2e) Männlichkeit: Eine tiefe Stimme und Muskeln sind cool. Ich bin lässig, ich fühl mich jede Sekunde als Mann und es gefällt mir auch: die Welt ist mein Spielplatz und ich fühle mich solidarisch mit allen Menschen. Frauen brauche ich dafür nicht, auch wenn ich mich nach ihnen sehne. Doch warum sehen mich die anderen als Quelle allen Übels? Woher kommt der Unterschied und wer hat recht?
  • (3e) Frauen: Das größte Risiko für das Leben eines Mann sind Frauen. Wie kann ich eine Frau kennenlernen, die davon eine Ausnahme bildet?
  • (4e) Adoleszenz: Gestern war ich noch ein Kind und heute bin ich für alles und jeden verantwortlich. Warum darf ich nicht langsam erwachsen werden? Wie kann ich alle Probleme und Aufgaben auf einmal bewältigen, warum muß ich es allein tun und wieso gibt es widersprüchliche Erwartungen anderer Menschen an mich?
  • (5e) Berufswahl: Wie kann ich jetzt tun, was ich will und trotzdem dafür sorgen, daß ich eine Zukunft habe, die offen ist, eine Zukunft, in der es Platz für die Erfüllung von Wünschen gibt, die ich jetzt noch nicht habe?  Wie kann ich abschätzen, daß meine Wahl später mal dafür sorgen, daß ich genug Geld habe, um vielleicht mal eine Familie finanzieren zu können?
  • (6e) Familiengründung: Wie müssen die Eigenschaften einer Frau sein, damit ich ihr mein Leben und die gemeinsame Erziehung meiner Kinder anvertrauen kann? Will ich das finanzielle und persönliche Risiko eingehen und wie entscheide ich das? Wenn meine Sexualität vielleicht bestialisch und monströs ist, wie kann ich dann vorher wissen, daß ich ein guter Vater sein werde?
  • (7e) Intimität: Wird sie mich wissen lassen, wer sie ist? Wird sie sich für mich interessieren, für meine Person? Wird sie mir die Wahrheit sagen oder mich zu manipulieren versuchen und mich nur als Dienstleister und Nutztier für ihr eigenes Leben ansehen?
  • (8e) Probleme lösen in der Beziehung: Es gibt noch andere Beziehungsprobleme, als die Unzufriedenheit einer Frau und diese zu diskutieren erzeugt für die Frau nicht die Aufgabe, dadurch eine Gleichheit mir dem Mann herzustellen, daß sie ihm irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfe macht. Wie kann man Frauen klarmachen, daß eine Beziehung auf Kooperation beruht?
  • (9e) Einsamkeit: Das ist das Einzige, was wir Männer nicht alleine beheben können, so sehr wir uns auch anstrengen. Deshalb ist es auch oft die Ursache vieler Probleme: daß wir in Beziehungen schweigen, daß wir nach der Arbeit lieber in eine Bar als nach Hause gehen, daß wir fremdgehen, daß wir straffällig oder obdachlos werden, daß wir Drogen nehmen oder fett werden und Videospiele bis zum Abwinken alleine spielen. Aber warum wird niemals darüber geredet?
  • (10e) typische Frauenprobleme: Sie übernehmen keine Verantwortung für sich selbst, überlassen alle Initiative den Männern und wundern sich, daß ihr Leben und die Welt zugrundegehen. Sie können nicht glauben, daß Männer nicht aufgrund ihres von allen äußeren Einflüssen und insbesondere ihrem eigenen Handeln unabhängigen Mannseins handeln, sondern aus unterschiedlichen Gründen reagieren und manchmal auch einfach, weil es sein muß, etwas tun, obwohl die Männer selbst sich was anderes gewünscht hätten. Und sie verstehen einfach nicht, daß Männer Frauen Gefühle entgegenbringen, die diese Männer in spezifischer Weise verletzbar machen – Gefühle, die nichts mit dem Äußeren einer Frau zu tun haben, sondern verschwinden, wenn eine Frau etwas Dummes oder Primitives sagt.

Wenn wir einmal annehmen wollen, daß ich mit dem bisher Gesagten Recht habe, dann hat das Buch sein Thema – die Perspektive der Männer – gründlich verfehlt.

II. Wie man trotz bester Absichten sexistisch sein kann

Zusätzlich möchte ich ein paar einzelne Punkte aus zwei Lektionen herausgreifen, die mir besonders aufgefallen sind, weil sie typische Fehleinschätzungen illustrieren, mit denen Männer im Alltag kontinuierlich zu kämpfen haben.

Lektion: Schwangerschaft

In dieser Lektion behauptet das Buch, daß Schwangere es gut haben, denn sie werden in der Öffentlichkeit umsorgt. Und das hätten Schwangere auch verdient, denn das Wunder des Lebens müsse gebührend zelebriert werden – eine typische, völlig unnötige und letztlich Männer abwertende Überhöhung der Mutterschaft, denn der Vater trägt nicht weniger dazu bei. Die Lektion sieht das Problem darin, daß durch die biologische Verbindung der Mutter zum Kind eine natürliche mentale Symbiose entsteht, die den Vater mental und emotional ausschließt. Abgesehen davon, daß dies außerordentlich traditionell, rückständig und bar jeden psychologischen Wissens über die Rolle der Väter ist, hat der Rat der Lektion für Väter etwas ganz Besonderes an sich:

  • Beratung: Männer dürfen sich durchaus belastet fühlen und ihr Unsicherheit artikulieren. Es ist die Pflicht des Mannes, die Frau in seine Gedanken einzuweihen und auch wenn die Frau während der Schwangerschaft im Mittelpunkt steht, darf der Mann darauf bestehen, die Frau zu unterstützen und er darf auch um ihr Verständnis bitten. Die ständig präsente Unterstützung und Entlastung, das Verständnis und der Rückhalt des Partners für die Frau haben jedoch Vorrang. Je härter der Mann für die werdende Mutter arbeitet, desto näher kommt er ihr emotional. Über all dem sollte der Mann nicht vergessen, immer wieder die Beziehung, die Partnerschaft mit der Mutter, zu zelebrieren, damit die Frau sich auch während der Mutterschaft als Frau fühlt. Dabei sollte der Mann darauf achten, daß die Mutter nicht den Eindruck bekommt, der künftige Vater sei ein triebgesteuerter Egoist, sondern einfühlsam die Bedürfnisse der werdenden Mutter erforschen und für diese Bedürfnisse da sein. Zwar darf der Mann auch Wünsche nach Sex haben, aber natürlich ist das belastend für die Frau und eine Zumutung, so daß gerade in dieser sensiblen Phase der werdende Vater durch charmante Zurückhaltung noch einmal die Chance hat, der werdenden Mutter zu beweisen, daß sie den richtigen Vater gewählt hat. Wird der Vater aber trotz aller Bemühungen abgewiesen, sollte der das nicht persönlich nehmen, sondern heiter das obige Rezept wiederholen. Und wenn etwas nicht klappt, dann sollte man über alles reden und immer daran denken, daß die richtige Mischung den Unterschied macht.

Ich bin nicht sicher, ob ich das zuerst dämlich oder zuerst menschenverachtend finden soll. Daher hier noch mal für alle zum Mitschreiben:

  1. Der Lebenszweck des Mannes besteht nicht darin, einer Frau zu dienen – genauso wenig, wie es die Aufgabe eines Schwarzen ist, zu einem Weißen „Ja, Master Buana“ zu sagen.
  2. Eine Frau trägt die Folgen ihrer Entscheidung für eine Schwangerschaft selbst. Muß sie das nicht, weil der Vater ihr einige Dinge abnimmt, dann ist das ein Grund für sie zur Dankbarkeit gegenüber dem Mann.
  3. Die Aufgabe des Mannes besteht nicht nicht darin, der Frau das Gefühl zu verschaffen, eine Frau zu sein. Psychologischer Mißbrauch wie dieser mag an der Tagesordnung sein, aber das macht ihn nicht besser.
  4. Kann eine Frau sich nicht alleine als Frau fühlen, dann ist das armselig.
  5. Eine Sexualität zu haben, macht niemanden zu einem triebgesteuerten Egoisten – auch Männer nicht. Wenn für eine Frau Sex mit Männern eine Zumutung ist, dann sollte sie nicht Mutter werden.
  6. Männer haben das Recht, enttäuscht zu sein, wenn Frauen ihre Erwartungen nicht erfüllen.

Es ist schon ein wenig naiv, einem Maskulisten ein Buch zur Rezension zur schicken, ohne die posts seines blogs zu lesen. Denn daß 1.-6. richtig sind, wird in meinen post und in der maskulistischen blogossphäre seit Jahren diskutiert. Ich bin jedoch auch recht sicher, daß die Autorin keineswegs in männerfeindlicher Absicht geschrieben hat. Vermutlich hat sie sich einfach vorgestellt, wie eine Schwangerschaft für sie selbst oder eine typische Frau schön wäre und dann beschrieben, was der Mann zur Erfüllung dieses Traums betragen müßte – ohne im Mindesten darauf zu kommen, daß der Mann auch Wünsche und Präferenzen hat oder irgendeine menschliche unnd sexuelle Würde haben könnte, die durch das für den Traum der Frau geforderte Verhalten verletzt werden könnte. Das ist eine ganz normale empathische Fehlleistung, wie sie jeden Tag vorkommt und nicht von expliziter Männerfeindlichkeit getragen wird – denn diese wird so selbstverständlich gelebt, daß sie gar nicht auffällt.

Kapitel: Soziologie des Mannes

In diesem Kapitel scheint sich die Autorin als Feministin zu outen, aber ich denke, dieser Eindruck täuscht: So wie der Biologismus vieler Maskulisten eine Verlegenheitslösung ist angesichts der persönlichen Unfähigkeit, die sozialen Phänomene als Folge der willentlichen Entscheidung von Personen aus Gründen zu analysieren, ist auch hier der Feminismus eine Verlegenheitslösung bei der Deutung von Phänomenen innerhalb sozialer und psychologischer Zusammenhänge:

  • Die psychologischen Folgen von Pornographie bei Jungs? Dominanz des Mannes, Unterwerfung der Frau, gefühlsloser Sex. Gründe, aus denen wir dieser Deutung jeder anderen den Vorzug geben sollten? Fehlanzeige im Buch, keine Information, keine Ahnung.
  • Das Verständnis von Männlichkeit? Referat über Connells hegemoniale Männlichkeit als soziale Praxis: „Der hegemoniale Mann ist in unserer Gesellschaft also weiß, geht einer gut bezahlten Arbeit nach, ist heterosexuell, durchsetzungsfähig und in einer Machtposition. Doch dieser hegemonialen Form entsprechen nur die wenigsten Männer, da das Geschlecht immer in Verbindung zu anderen Kategorien steht wie Alter, Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung, sozialer Schicht oder Bildung. Die beste Machposition nach der hegemoniale Mann – so Connell – und sobald bestimmte Kategorien von dieser Form abweichen, stehen diese Männer hierarchisch unter der hegemonialen Form.“ Gründe, warum Connells Theorie wahr sein soll? Antwort des Buches: „Robert W. Connell hat Jahrzehnte als Mann gelebt und geforscht, sich dann aber zu einer Geschlechtsumwandlung entschieden und lebt nun als Frau namens Raewyn Connell. Sie kennt also beide Perspektiven auf unsere Gesellschaft: Vom Blickwinkel einer Frau und von dem eines Mannes.“. Vom evolutionär-biologischen Standpunkt ist das falsch und vom sozio-kulturellen Standpunkt auch, denn Connell hat jahrzehntelang als Mann gelebt und wurde entsprechend sozialisiert. Welcher Leser kann sich mit solchen Antworten oder Erklärungen zufrieden geben?

Insgesamt ist das Buch eher eine Enttäuschung und ich bin mir nicht sicher, wie ernst die Autorin ihren Text selbst nimmt. Eines aber ist sicher: Zeit und Mühe, Männer zu verstehen und herauszubekommen, was sie denken und was ihnen wichtig ist, wurde erkennbar nicht investiert und daher bringt das Buch auch keinerlei Fortschritt. Sollte sich also irgendwann mal herausstellen, daß dieses Buch nur geschrieben wurde, um durch die Bedienung von Gemeinplätzen und die Wiederholung inkonsistenter Geschlechterklischees Geld zu verdienen, dann wäre das in meinen Augen die natürlichste Existenzerklärung für dieses Buch.

 


11 Kommentare

  1. LoMi sagt:

    “ Die Lektion sieht das Problem darin, daß durch die biologische Verbindung der Mutter zum Kind eine natürliche mentale Symbiose entsteht, die den Vater mental und emotional ausschließt.“

    Das ist das klassische Klischee. Dem Mann wird eine Form von Schwangerschaftsneid unterstellt. Ich persönlich kenne keinen Mann, der auch nur ansatzweise hätte schwanger sein wollen. Dieses Klischee arbeitet in der Tat mit einer Überhöhung von Schwangerschaft. Diese ist ganz sicher für eine Frau ein intensives und besonderes Erlebnis. Für den Mann ist das fremd und abwesend und nichts, was er vermissen würde, weil er sich nicht danach sehnt, schwanger zu sein. Insofern gibt es hier auch keine Gefühle des Ausgeschlossenseins.

    In einer funktionierenden Beziehung. In einer solchen kann der werdende Vater ganz normal Anteil daran haben, auch wenn er das Körpergefühl der Schwangeren nicht teilen kann. Das ist auch nicht notwendig. Es ist als Mann möglich, Vorfreude zu empfinden, ohne sich in die Schwangere hineinversetzen zu müssen. Emotional udn verstandesmäßig kann der werdende Vater sehr wohl ein Bild davon gewinnen, was sich da entwickelt.

    Gefühle des Ausgeschlossenseins mögen aber dann entstehen, wenn die Schwangere beginnt, aus der Schwangerschaft einen Elitestatus zu machen. Ausschluss wird, so meine ich, aktiv hergestellt. Es ist meine subjektive Beobachtung, dass sich junge Mütter eine umfassende Erziehungskompetenz zuschreiben, auch wenn sie damit genauso wenig Erfahrung haben wie der Vater. Manche mögen schon in der Schwangerschaft in diese Mütterrolle mit inklusiver Selbsterhöhung rutschen. Vermutlich ist die Idee, dass die werdende Mutter eine intensivere Beziehung zum Kinde habe dank der körperlichen VErbindung, bereits eine Form dieser ausschließenden Selbsterhöhung. Wer das betont, überschätzt nicht nur die körperliche Ebene, sondern markiert auch diesen Unterschied, der ein qualitativer Unterschied sein soll.

    Ein anderer Grund für das Ausschlussgefühl mag der sein, dass die Mutterwerdung bei manchen leider gleichzeitig eine gewisse Enterotisierung bedeutet. Damit ist nicht gemeint, dass es weniger Sex gibt. Vielmehr meine ich eine Wesensänderung, eine Änderung der Orientierung, des Lebensbezuges. Nicht wenige Frauen, so mein Eindruck, entwickeln dann eine starke Fixierung auf das Kind und alles drumherum, so dass ihr Frausein nur noch Muttersein ist. Andere INteressen werden vernachlässigt, was auch das Interesse an Männern einschließt als das Interesse am Mann. Letzteres ist eine gewisse Grenzüberschreitung, eine Konfrontation mit Differenz, mit Irritation, Reibung.

    Gut, ab hier könnte man sicher in einen Rant verfallen…

    • Ich stimme zu, solche Fälle kommen häufiger vor und sie scheinen auch unabhängig davon zu sein, ob der Vater oder ein anderer Mann sich in einer romantischen Beziehung zu der Frau befindet. Das Kind wird in diesen Fällen keineswegs mehr als gemeinsame Angelegenheit mit einem Mann betrachtet, sondern mehr als persönliche Angelegenheit.

      Eine extreme Verlängerung dessen scheint mir der Fall zu sein, in dem Mütter sich selbst töten und ihre Kinder dabei mitnehmen, da sie außerstande sind, in dem Kind ein unabhängiges Wesen zu erblicken.

      • LoMi sagt:

        Die Autorin gibt offenbar insgesamt sehr handgestrickte Antworten, weshalb es nicht verwundert, dass dies nur Klischees sind. Das Klischee des rücksichtsvollen, charmanten, einfühlsamen Schwangerschaftsbegleiters ist geradezu typisch, es könnte in jedem verdammten Ratgeber so stehen. Zumindest sidn diese Tipps nicht neu, oft gehört und gelesen. Deine Punkte 1.-6. kann ich jedenfalls voll unterschreiben. Ich würde behaupten, es ist dieses Klischee selbst, welches Friktionen schafft und am Ende dieses Gefühl des „Ausgeschlossenseins“ produziert, denn eine solche Übererwartung sieht den Mann ja tatsächlich nur als Dienstleister an. Insofern ist es ein guter Rat, der die Krankheit schafft, die er zu heilen vorgibt.

        Interessant ist auch die Egozentrik, die aus diesen Tipps spricht. Die Bedürfnisse der Frau, ihre Sichtweise, ihre Wahrnehmungen werden verabsolutiert und finden keinen Widerpart. Der Mann soll sich elastisch anpassen und Rücksicht nehmen. Das birgt die Gefahr, dass sie ihre Wehwehchen zu ernst nimmt, ihre Ängste irgendwann mal als Wirklichkeitsabbildungen missversteht usw., genau das also, was auch sonst oft bei Frauen zu beobachten ist, wenn ihr Umfeld ihnen immer recht gibt. Aber im Grunde ist das auch unfair, denn der seine Bedürfnisse unterdrückende Mann ist nicht mehr ehrlich (was man gegenüber seinem Partner sein sollte), er nimmt sie nicht mehr ernst, aber sagt es ihr nicht (um falsche Rücksicht zu nehmen). Genau an diesen Punkten wird er innerlich kündigen…

        • LoMi sagt:

          Man schaue mal, zu welch Themenbreite die Autorin sich äußert…

        • >Genau an diesen Punkten wird er innerlich kündigen…

          Oft wird in Internetanzeigen von Frauen ein Mann verlangt, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Würdest du vermuten, daß damit auch gemeint ist, daß ein Mann diese Frauenklischees ohne Berücksichtigung seiner Person mitmachen soll oder geht es nur darum, daß die Frau auf Kosten des Mannes Witze machen will?

          • LoMi sagt:

            Gute Frage.
            Sich selbst nicht zu ernst nehmen – das ist ja auch ein vielbenutztes Klischee. Das gilt einfach als gut. Wer sich selbst zu ernst nimmt, ist irgendwie schräg.

            Aber was bedeutet es, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen? Kann man vielfach interpretieren: Wer sich selbst nicht zu ernst nimmt, kann sich selber veralbern, kann albernes an sich selbst entdecken. Er kann also sich auch mal aus der Distanz beobachten und kann sein eigenes Sein und Tun reflektieren. Das klingt an sich nicht schlecht. Es klingt nach jemanden, der nicht zur Rolle erstarrt, sondern seine Rolle auch mal ablegen kann. Andererseits könnte es aber auch heißen, dass jemand von seinen Überzeugungen und Wünschen Feierabend macht, also kompromissbereit ist. Der, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, ist „locker“, so als Bild und Klischee. Der, der sich ernst nimmt, ist unlocker, emotional, hart – dazu passt am besten das Bild dessen, der für Überzeugungen kämpft. Da ist er ernst, feierlich bis aggressiv und bereit, sich zu streiten, wenn etwas gegen seine Überzeugungen geht. Das ist unbequem. Ein solcher Mensch macht ungern Kompromisse, der ist auch nicht gut zu lenken, im Zweifel sind ihm seine eigenen Überzeugungen auch wichtiger als die Beziehung zu einer Frau.

            Also für mich klingt diese Erwartung beim Dating wie die Forderung danach: „Mann, Deine Überzeugugnen kannst Du draußen in der Welt vertreten, aber nicht mir gegenüber. Ich will davon nichts hören.“

            • „Also für mich klingt diese Erwartung beim Dating wie die Forderung danach: “Mann, Deine Überzeugugnen kannst Du draußen in der Welt vertreten, aber nicht mir gegenüber. Ich will davon nichts hören.” “

              Würde ich jetzt auch vermuten …. kann das aber schlecht begründen. Ich würde vorsclagen, daß wir mal ein Übersetzungsmanual für Männer beim dating machen.

              Das würde dann in „nullter Näherung“ so aussehen:

              „ein Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht“ bedeutet „ein Mann der genug Geld hat und bereit ist, es für eine Frau auszugeben“

              „ich spreche fließend sarkatisch“ bedeutet „ich benehme mich wie die Axt im Walde und kann oder will das auch nicht abstellen“

              „ich bin naturverbunden“ bedeutet „Respektiere, daß Weiblichkeit etwas besonderes Bedeutet, daß du zu bewundern hast“

              „Ich bin empathisch“ bedeutet „Es gibt Fälle, wo mein Standpunkt war ist, weil ich eine Frau bin.“

              etc..

              Machst du mit?

            • LoMi sagt:

              „Machst du mit?“

              Sehr gerne! Es gibt solche Übersetzungen wohl schon, aber wir können hier noch ein bisschen interpretative Fantasie walten lassen.

              Hier zum Beispiel geht noch mehr:
              „“ein Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht” bedeutet “ein Mann der genug Geld hat und bereit ist, es für eine Frau auszugeben”“

              Mit beiden Beinen im Leben stehen, heißt: Geld haben, richtig. Aber vor allem heißt das, vom Leben nicht umgeworfen zu werden, sich der Wirklichkeit zu stellen, also kurz und knapp: keine Probleme zu haben, keine Sorgen. Wer mit beiden Beinen im Leben steht, hat es im Griff, der löst seine Probleme udn braucht keinen Rat. Was wollen die Frauen dann also? Sie wollen keinen Mann, der ihnen von ihren Sorgen berichtet und dem sie zuhören müssen, weil er Sorgen hat. Sie wollen Sorgenfreiheit, wenn sie Zeit mit ihm verbringen. Er soll sie schlicht unterhalten.

            • “ Es gibt solche Übersetzungen wohl schon, aber wir können hier noch ein bisschen interpretative Fantasie walten lassen. “

              Ich hab gegooglet – Fehlanzeige. Hast du mehr gefunden?

            • >Sehr gerne!

              ok, sehr gut – ich schick dir was an deine email-Adresse… vielleicht am WE.

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