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Frauen schlagen

maddes8t hat hier einen interessanten Artikel über soziale Dynamik innerhalb gewalttätiger Beziehung geschrieben: Einerseits bietet er eine schlüssige Argumentation gegen den Feminismus, und andererseits – und meines Wissens nach zum ersten Mal in der maskulistischen blogosphäre – öffent er die Tür zur Revision feministischer Geschlechterstereotype, indem er nach der maßgeblich von Frauen dominierten psychologischen Ätiologie von Beziehungsgewalt und ihren Einfluß auf unsere moralische Beurteilung von Tathergängen fragt.

Übersicht:


quality : good

I. Feminism hurts women too

Die Argumentation von maddes8t zum ersten Thema „Feminism hurts women too.“ – die den Fall jeglicher Notwehr mit Absicht außer Acht läßt – rekonstruiere ich wie folgt:

  • i) Das Leugnen der Mitverantwortung von Frauen an der Entstehung von Gewalt in Beziehungen ist – bis auf Ausnahmen – unhaltbar: Der weit überwiegende Teil der internationalen Forschung zeige, dass ca. die Hälfte aller Fälle häuslicher Gewalt wechselseitig und unter gegenseitigem aufschaukeln geschehe und in genau diesen wechselseitigen Fällen seien Frauen mehrheitlich die Initiatoren. In dem verbleibenden Teil ist die Ausübung von Gewalt etwa hälftig auf Männer und Frauen verteilt, so daß nur maximal einem Drittel aller Fälle Frauen die alleinigen Opfer sind.
  • ii) Daher ist es richtig zu sagen, daß in der Regel beide Beziehungspartner für die Entstehung von Gewalt in Beziehungen verantwortlich sind.
  • iii) Also: Jede Maßnahme gegen häusliche Gewalt, die das nicht beachtet, ist kontraproduktiv und kann keinen nachhaltigen Erfolg im Kampf gegen häusliche Gewalt haben.
  • iv) Infolge einer feministischen Politik sind allem Männer Adressaten von sozialen Maßnahmen zur Gewaltprävention und sie sind danach seltener erneut in gewalttätigen Beziehungen anzutreffen.
  • v) Frauen, die keine Adressaten von sozialen Maßnahmen zur Gewaltprävention sind, sind deutlich häufiger als Männer erneut in gewalttätigen Beziehungen anzutreffen.
  • vi) Sogenannte häusliche Gewalt ist unmoralisch und sollte vermieden werden.
  • vii) Also: Feministische Politik nützt den Frauen nicht entgegen ihrem eigenen Anspruch, wenn es darum geht, der Gewaltspirale in ihrem Leben zu entkommen – unabhängig davon, ob Frauen Gewalt ausüben, Gewalt provozieren oder Gewalt erleiden: Wer – wie der Feminismus – Verantwortung von Frauen leugnet, leistet häuslicher Gewalt unterm Strich Vorschub.
  • viii) Insbesondere gesteht die feministische Sichtwiese Frauen pauschal zu, jede Verantwortung und eigenen Handlungsspielräume abzulehnen, was das leidende Opfer nicht als frei entscheidendes und verantwortlich handelndes Subjekt, sondern nur noch als Objekt darstellt und diese Objektifizierung entwertet Frauen massiv und degradiert sie zu handlungsunfähigen unselbständigen nichtverantwortlichen Wesen zweiter Klasse.

Im Grunde ist diese Argumentation ebenso einfach wie richtig – wenn wir einmal annehmen wollen, daß die empirischen Behauptungen i), iv), v) richtig sind. Trotzdem hat sie in den Kommentaren zu verschiedenen Mißverständnissen darüber geführt,

  • unter welchen Umständen vorangegangene psychische Gewalt physische Gewalt rechtfertigt.
  • wie psychische Gewalt nachgewiesen werden kann.
  • welche moralischen Pflichten jemandem bei psychischer oder physischer Gewalt trotz der Tatsache abverlangt werden kann, daß er das Opfer dieser Gewalt ist.

Die Quelle dieser Mißverständnisse liegt in einer – hier sinngemäß wiedergegebenen – Bemerkung aus dem post:

  • (A) So, wie es keine Rechtfertigung geben darf, eine Frau zu schlagen, gibt es keine Rechtfertigung dafür, einen Mann bis aufs Blut zu reizen.

Da der post im Grunde zwei Themen hat – einerseits Feminism hurts women too. und andererseits Mitverantwortung bei der Entstehung von Gewalt – lohnt es sich nach der Quelle dieser Mitverantwortung aus (A) zu suchen: Genau das wird in diesem post gemacht. Dafür führen wir die folgenden, unmittelbar einleuchtenden Unterscheidungen ein:

  • 1. Schuld und Verantwortung bei Personen kann man leicht trennen: Verantwortung trägt man z.B. als Elternteil, insofern von Eltern gegenüber ihren Kindern Garantien verlangt werden, und nicht nach ihrer persönlichen Schuld z.B. an einem konkreten Unfall gefragt wird. Für die Zuschreibung von Verantwortung braucht man die Intentionen und das Wissen des Handelnden nicht zu kennen, für die Zuschreibung einer bestimmten Schuld hingegen schon.
  • 2. Die Verletzung einer bestehenden Verantwortung zieht immer eine Haftung des Verantwortlichen und daher Ansprüche anderer Personen gegen den Verantwortlichen nach sich. Diese Haftung kann aus moralischen Gründen geschehen, aber auch einfach Folge eines Organisationsprinzips einer Gesellschaft sein z.B. bei der Produkthaftung. Nur eine Haftung aus moralischen Gründen aber hat Folgen die moralische Beurteilung.
  • 3. Die Zuschreibung von Schuld hat immer Folgen für die moralische Beurteilung des schuldhaft Handelnden.
  • 4. Schuld oder Verantwortung aus moralischen Gründen bei der provozierenden Partei ersparen dem eskalierenden Addressanten der Provokation nicht die eigene moralische Beurteilung, aber sie spielen eine Rolle für seine Schuld oder Verantwortung: Was getan wird, weiß man schon dann, wenn man sich die Folgen des Tuns oder Unterlassens ansieht, denn wir benutzen genau sie, um zu entscheiden, ob etwas oder nichts getan wurde. Die Intentionen braucht man dafür nicht. Die Intentionen eines Handelnden spielen hingegen eine Rolle für die Frage, warum etwas getan wurde.
  • 5. Mit (1)-(4) können wir argumentieren, daß eine moralische Rechtfertigung unabhängig von Schuld oder moralischer Verantwortung ist. Denn die Folgen einer Handlung, vor der eine Moral schützen will, hängen erstens nicht ab von den Intentionen einer Person. Die moralische Verantwortung einer Person kann zweitens durch Unwissendheit ausgeschlossen werden, doch das wird nicht unsere Klassifikation einer Handlung als moralisch gut oder moralisch schlecht verändern, denn für Letzteres kommt es entweder auf die Folgen der Handlung an oder darauf, ob die Handlung einem moralischen Gesetz genügt.

Mit Hilfe von 1.-5. kommen wir auf (A) zurück: Angenommen eine Frau reizt faktisch ihren Mann bis aufs Blut und sie tut dies durch moralisch verbotene Handlungen. Dann hat sie wegen 1. und 2. ihre moralische Verantwortlichkeit ihrem Beziehungspartner gegenüber verletzt, so daß Ansprüche des Mannes gegenüber der Frau entstehen. Was beeinhalten diese Ansprüche des Mannes? Und wie ändern sie sich z.B. wegen 5. durch eine Fehleinschätzung seitens der Frau oder wegen 3. und 4. aufgrund ihrer auf Gleichgültigkeit beruhende Gedankenlosigkeit?

  • Im Grunde gibt es dafür nur drei Möglichkeiten: Gegenwehr – einen Spezialfall davon formuliert z.B. §32 StGB – Entschädigung und Vergeltung. Interessanterweise gibt es bei Verbalattakten keine Gegenwehr, sie entfalten ihre psychologische Wirkung, sowie sie begriffen wurden. Doch dafür können sie zum Ausgleich natürlich widerrufen werden. Entschädigungen für verbale Attaken sind eher unüblich – es sei denn, sie haben selbständige, pekuniäre Folgen: Vergessen wir diese daher in diesem post. Was uns wirklich an (A) interessiert, ist die Frage der Vergeltung, der moralisch gerechtfertigten Gegenattakte des Mannes und ihr möglicher Exzess. Konsequenterweise drehten sich die Diskussionen zu dem post auch oft um diese Frage.

Der Kommentator koriander spitzt genau dieses Problem der Vergeltung in einem Kommentar pointiert wie folgt zu:

  • (1) Junge Familie mit einem kleinen Kind. Mann ist Hauptverdiener, Frau hat während ihrer Ausbildung BabyPause eingelegt und nach 9 Monaten die Ausbildung wieder aufgenommen. Mann und Frau teilen sich Kindesbetreuung so fair wie möglich. Der Mann ist 8 Jahre älter als die Frau. Eines Tages eröffnet die Frau dem Mann, dass sie eine aussereheliche Affaire hat.
  • (2) Mann bleibt “cool” und beherrscht, hinterfragt sich, was er falsch gemacht hat, so dass es soweit kommen konnte. Verantwortung tragen, bloss nicht durch Kurzschlusshandlungen Ehe und Familie gefährden… Mal schauen, wie man das gemeinsam wieder auf die Reihe bringen kann. Innerlich kocht er…
  • (3) Kurz darauf eine gemeinsame Autofahrt… Im Autoradio wird Grönemeyer gespielt. “…Was Soll Das – sein pyjama liegt in meinem bett – sein kamm in meiner bürste steckt – was soll das…”. Frau als Grönemeyer-Fan singt unbedarft mit. Schnallt scheinbar nicht, dass der Song-Inhalt derzeit mehr als brisant ist. Mann bleibt beherrscht. Bloss keine Unbedachtheiten… Innerlich kocht er… Abends dann eine Aussprache. Er bewusst konziliant und ruhig (innerlich ist er zutiefst verletzt); sie mit einer abwehrenden Grundhaltung. Mann: “Ich will einfach nur begreifen, wieso… Sag mir, weshalb…”
  • (4) Frau: “All dieser Trott. Ich wollte einfach nur aus diesem Trott heraus.”
  • (5) Mann (flehender Unterton): “Ich sehe das doch auch, diesen Alltagstrott. Ich will das auch ändern. Lass uns dass doch gemeinsam angehen anstatt jeder für sich…”
  • (6) Frau (cool): “Wieso denn das? Ob allein oder gemeinsam, was ändert das?”
  • (7) Mann: “Hey, ich hab Verantwortung. Da ist unser Kind. Ich kann euch doch nicht einfach alleine stehen lassen…”
  • (8) Frau: “Wieso denn nicht?”
  • (9) Mann: “Wenn ich wollte. wäre ich von einem auf den anderen Tag verschwunden. Irgendein Job im Ausland; und wenn es an einer Hotelrezeption in Damaskus wäre. Ihr würdet mich nie mehr finden. Aber sowas ist nicht mein Ding.
  • (10) Frau mit schnippischen Ton: “Wieso denn nicht? Mach doch!!!”
  • (11) Patsch, patsch, patsch – drei Ohrfeigen. Ohne Nachdenken. Es haut einfach aus ihm raus.

Was ist in dieser kleinen Geschichte eigentlich wirklich passiert? Und inwiefern könnte das was mit Vergeltung zu tun haben? Wie können wir entscheiden, ob ein Exzess seitens des Mannes vorliegt? Und woher könnte der Mann eine Rechtfertigung für seine Gewalt beziehen – falls es eine gibt? Spielt es darüberhinaus eine Rolle, was die Frau wußte, was sie wollte oder worüber sie aus welchen Gründen bei diesem Dialog nicht nachgedacht hat? Und wer hat für was Verantwortung zu übernehmen? Und inwiefern realisiert (1)-(10) überhaupt eine Eskalation? Was wird dramatisiert, was wird – in irgendeinem Sinne – stärker, kleiner, schneller, schmaler, höher, schlimmer oder klarer?

II. Bürgerliche Prostitution

Zu diesem Teil hat meine Kommentatorin enailu wesentliche Ideen beigesteuert.

Was wir offenbar benötigen, um all diese Fragen zu beantworten, sind Paraphrasen von (1)-(10), die uns – im Gegensatz zu den dem fragmentarische Charakter von (1)-(10) – eine Erklärung von (11) erlauben. Wir erzeugen diese Erklärung in vier Schritten: Im ersten Schritt fragen wir uns, was passieren würde, wenn der Mann (M) die Frau (F) lieben würde und umgekehrt. Sollten wir unter dieser Annahme (1)-(10) auf keine rationale Weise erneut erzeugen können, gilt die Annahme einer wechselseitigen Liebe als Modell der Beziehung zwischen M und F als widerlegt. Stattdessen werden wir in dem Fall im zweiten Schritt annehmen, daß der Beziehung ein Geschäftmodell zugrunde liegt, das wir sukzessive aus (1)-(10) identifizieren werden. In einem dritten Schritt werden wir das rekonstruierte Geschäftsmodell überprüfen, indem wir (1)-(10) zu erklären versuchen. Ist die Erklärung akzeptabel, werden wir sie in einem vierten Schritt benutzen, um alle offenen Fragen zu beantworten.

Erster Schritt: Wir nehmen an, daß F und M einander lieben.

  • (1′) Junge Familie mit einem kleinen Kind. Mann ist Hauptverdiener, Frau hat während ihrer Ausbildung BabyPause eingelegt und nach 9 Monaten die Ausbildung wieder aufgenommen.  Der Mann ist 8 Jahre älter als die Frau.
    1. Wer sieht Kinderbetreuung nur als Belastung an, die es gerechterweise zu teilen gilt? Das gilt z.B. für Frauen, die infolge von Vergewaltigung schwanger geworden sind und aus irgendeinem Grund nicht abtreiben konnten. Sie sehen im Kind immer wieder den Vergewaltiger, was es ihnen unmöglich macht, sich an das Kind zu binden. Sie freuen sich nicht, mit dem Kind zu leben, wie das der Fall wäre, wenn sich das Paar liebt. Daher teilen M und F unter unserer Annahme die Kindesbetreuung einerseits so auf, daß das Kind damit am glücklichsten ist und andererseits so, daß beide mit dem Kind machen können, was ihnen am meisten Spaß macht, so daß jeder die Belastungen des anderen übernimmt, so weit es möglich ist.
    2. Eines Tages gesteht die F bebend und weinend dem Mann, dass sie eine aussereheliche Affaire hat, daß sie ihre Liebe verraten hat und inwiefern sie das als Fehler ansieht.
  • (2′) Wenn M und F einander lieben, dann funktioniert diese Liebe wie ein elastisches Band, daß Menschen fast Unmögliches versuchen und noch unter schlimmsten Bedingungen hoffen läßt. Für F bedeutet dies, daß sie M seine emotionale Schockreaktion nicht übelnimmt und für M bedeutet dies, daß er nicht vorschnell das Handtuch wirft. Also:

    1. Mann läßt seiner Anfangsbestürzung, seiner Enttäuschung und Trauer erst mal freien Lauf, nimmt sich eine Auszeit, und hinterfragt dann, was er falsch gemacht hat, so dass es soweit kommen konnte.
    2. Verantwortung tragen, bloss nicht durch emotionale Kurzschlussentscheidungen Ehe und Familie gefährden… 
    3. Mal schauen, wie man das gemeinsam wieder auf die Reihe bringen kann. Innerlich kocht er…
  • (3′) Kurz darauf eine gemeinsame Autofahrt… Im Autoradio wird Grönemeyer gespielt. “…Was Soll Das – sein pyjama liegt in meinem bett – sein kamm in meiner bürste steckt – was soll das…”.
    1. Liebe verträgt sich nicht mit Gleichgültigkeit und vor allem Gleichgültigkeit führt zu Gedankenlosigkeit: F als Grönemeyer-Fan schaltet das Lied trotzdem sofort ab und nimmt M in den Arm, denn ihr ist klar, woran M das Lied denken und was es ihn fühlen läßt. 
    2. M bleibt beherrscht: So einfach ist die Sache natürlich nicht erledigt. Innerlich kocht er und fühlt sich F fremd… Abends dann eine Aussprache. Er bewusst konziliant und ruhig (innerlich ist er zutiefst verletzt); sie mit einer abwehrenden Grundhaltung. Mann: “Ich will einfach nur begreifen, wieso… Sag mir, weshalb…”
  • (4′) F: “All dieser Trott. Ich wollte einfach nur aus diesem Trott heraus.”
    1. Wenn F M liebt, dann wird es dabei aber nicht bleiben, denn offen ist, ob F das selbst angesichts ihrer Gefühle M gegenüber als Fehler ansieht oder nicht.
    2. Daher würde F z.B. fortfahren: „Ich wollte es eigentlich gar nicht, die erste betrunkene Nacht war ein Fehler, damit hat alles angefangen. Zuerst wollte ich dir nichts sagen, dich nicht verletzen mit einer unwichtigen Sache, die sich niemals wiederholene sollte, aber als unserer nächste Krise kam, war die Versuchung zu groß und als ich gemerkt habe, daß mir das auch Kraft gegeben hat, den Trott durchzustehen, wurde das regelmäßig. Aber es hat immer an mir genagt und nun kann ich nicht mehr damit leben.“
  • (5′) M (flehender Unterton): “Ich sehe das doch auch, diesen Alltagstrott. Ich will das auch ändern. Lass uns dass doch gemeinsam angehen anstatt jeder für sich…”
  • (6′) F (völlig aufgelöst): „Ja, ich weiß, das war alles scheisse, in diesem ganzen Trott hat jeder von uns nur noch funktioniert wie eine Maschine und ich hab gar nicht mehr gesehen, daß du auf mich eingehst, du warst auch immer nur weg. Ok, das ist kein Grund, nicht mit dir zu reden, aber ich hab es einfach nicht fertig gebracht, diese angewöhnte Sprachlosigkeit zu überwinden, ich hab total versagt und dann kam dieser Typ, der es für mich einfacher gemacht hat, mit diesem Versagen weiterzufunktionieren – ich schäme mich total. Dabei wollte ich doch immer nur dich und ich weiß wirklich nicht, wie mir das alles aus dem Blick geraten konnte ….“

Unter der Annahme, daß M F liebt, sehe ich an dieser Stelle keine Möglichkeit mehr, ein (7′) aus (6′) in glaubhafter oder auch nur rationaler Weise hervorgehen zu lassen derart, daß (11) entsteht. Und zwar nicht dehalb, weil ich aus irgendwelchen Gründen unter allen Umständen ausschließen könnte, daß F von M geschlagen wird, sondern will in (6′) einige neue Optionen von M entstehen, so daß wir ausschließen können, daß es eine subtile Art von Ausweg- losigkeit wie in (10) sein wird, die M dazu führen könnte, F zu schlagen. Und genau das und nicht mehr mußte gezeigt werden.

Zweiter Schritt: Identifikation des Geschäftsmodells

Wenn ich also bis hierher recht habe, dann ist die gegenseite Liebe zwischen F und M hinreichend dafür, daß M F nicht aus dieser Folge von Situationen heraus ohrfeigt. Damit ist die Wahrheit der Gechichte von koriander ein guter Grund, zu glauben, daß zwischen M und F keine gegenseitige Liebe besteht. Was stattdessen zwischen M und F besteht, nennen wir Geschäftsmodell. Und da wir keine Ahnung haben, was das bloß sein könnte, versuchen wir jetzt, es aus der Geschichte von koriander heraus zu identifizieren.

  • (1“) Junge Familie mit einem kleinen Kind. Mann ist Hauptverdiener, Frau hat während ihrer Ausbildung BabyPause eingelegt und nach 9 Monaten die Ausbildung wieder aufgenommen. Mann und Frau teilen sich Kindesbetreuung so fair wie möglich. Der Mann ist 8 Jahre älter als die Frau. Eines Tages eröffnet die Frau dem Mann, dass sie eine aussereheliche Affaire hat.
    1. Wenn F mit M nicht aus Liebe zusammen ist, dann gehört es zum Geschäftsmodell, daß F und M aufgrund des Altersunterschieds im Grunde in verschiedenen Leben stecken und ihre Schnittstelle vor allem das Kind zu sein scheint. Das Kind wird entweder von F oder von M vor allem als Problem gesehen, als Last. Denn nur Lasten verteilt man hälftig.
    2. Es ist nicht schwer, einzusehen, daß der Effekt des Altersunterschieds für F darin besteht, daß M seine Resourcen in die Ausbildung von F und das gemeinsame Kind stecken kann, denn seine Ausbildung ist abgeschlossen. Bei älteren Männer kann eine Frau zusätzlich leichter abschätzen, ob er in seinem Leben Erfolg haben wird oder nicht.
    3. Doch ist an dieser Stelle noch unklar, worin die Motive von F bestehen. Immerhin wäre es denkbar, daß sie es sich selbst als Leistung zuschreibt, einen älteren, erfolgreichen Mann bei sich zu halten, der ihrer eigenen Meinung auch viele andere Frauen haben könnte. Doch das können wir im Moment nicht entscheiden.
    4. Wir wissen ebenfalls noch nicht, welche Einstellung F zu der Tatsache ihrer Affaire hat, und welche Gedanken sie diesbezüglich gegenüber M hat.
  • (2“) Mann bleibt “cool” und beherrscht, hinterfragt sich, was er falsch gemacht hat, so dass es soweit kommen konnte. Verantwortung tragen, bloss nicht durch Kurzschlusshandlungen Ehe und Familie gefährden… Mal schauen, wie man das gemeinsam wieder auf die Reihe bringen kann. Innerlich kocht er…
    1. Daß M unter diesen Umständen cool bleibt, belegt, daß er bereits weiß, daß die mit F gemeinsam geteilten, vergangenen Erlebnisse nicht zur Folge haben werden, daß F ihm gegenüber verständnisvoll oder nachsichtig sein werden, ohne daran zu erkennen, daß F an M emotional nicht gebunden ist. Dabei ist er bereits an die Einseitigkeit gewöhnt, F in jeder Situation, in der F innerhalb der Ehe entscheidet, ihr eine neue Motivation geben zu müssen, da sie das gemeinsame Ziel nicht aus eigener Kraft im Auge behält. Denn M betrachtet ihr Fremdficken als seinen Fehler, obwohl es doch ihre Sache gewesen wäre, Angebote anderer Männer für das gemeinsame Interesse an einer funktionierenden Familie auszuschlagen.
    2. Daher muß M ebenfalls strategisch und auf mögliche Entwicklungen vorausschauend handeln und vermeiden, F einen Anlaß zu einer Entscheidung zu geben, deren Folgen er nicht wünscht. M handelt hier klarerweise unter der permanenten Bedrohung des Verlassenwerdens.
    3. Die emotionale Bindung von M an F erkennt man daran, daß M sich als Person gegenüber F für das große gemeinsame Ziel zurücknimmt. F sieht dafür keinen Anlaß.
    4. Die Punkte a. und c. zusammen charakterisieren nicht nur die emotionale Asymmetrische des Geschäftsmmodells, das Bestreben von M, durch Kurzschlußhandlungen nicht Ehe und Familie zu gefährden, macht auch deutlich, daß er bereits erlebt hat, daß F bereit ist, Probleme auf Kosten der Ehe zu eskalieren, um sich durch Eerhöhung des psychologischen Drucks auf M durchzusetzen.
  • (3“) Kurz darauf eine gemeinsame Autofahrt… Im Autoradio wird Grönemeyer gespielt. “…Was Soll Das – sein pyjama liegt in meinem bett – sein kamm in meiner bürste steckt – was soll das…”. Frau als Grönemeyer-Fan singt unbedarft mit. Schnallt scheinbar nicht, dass der Song-Inhalt derzeit mehr als brisant ist. Mann bleibt beherrscht. Bloss keine Unbedachtheiten… Innerlich kocht er… Abends dann eine Aussprache. Er bewusst konziliant und ruhig (innerlich ist er zutiefst verletzt); sie mit einer abwehrenden Grundhaltung. Mann: “Ich will einfach nur begreifen, wieso… Sag mir, weshalb…”
    1. Indem F lauthals mitsingt, demonstriert sie, daß sie keinen Gedanken daran verschwendet, wie es M gehen mag, weil sie ein Affaire hat. Und es ist schwer vorstellbar, daß sie einfach nur nicht an diesen Umstand gedacht hat, so wie man einen Schlüssel beim Rausgehen vergißt: Gleichgültigkeit gegenüber den verletzten Gefühlen von M ist viel naheliegender. Und sollte es bei F doch Gedankenlosigkeit gewesen sein, dann macht diese deutlich, wie wenig für F davon abhängt, was M nun denken oder tun mag. Denn Sorgen macht sie sich darum nicht. Denkbar ist sogar, daß sie M einen Vorgeschmack darauf geben will, was ihn bei einer Aussprache erwartet, eine Art Drohung, was passieren könnte, wenn M zu fordernd werden könnte.
    2. Die Gründe, aus denen M beherrscht bleibt, und der psychologische Druck, unter dem er steht, sind bekannt, doch es dürfte ein weiterer Grund hinzukommen. Denn nun wird M klar, daß es mit der emotionalen Bindung von F an M nicht weit her sein kann. Auszuflippen macht daher für M wenig Sinn, denn F dürfte sich konsequenterweise davon nur wenig beeinflussen lassen.
    3. Stattdessen scheint M hier auf eine Vernunftlösung zu setzen: Wenn die Bindung – so sie jemals bestand – schon so weit abgebaut ist, daß F den Song ohne Zögern mitsingt, dann kann M nicht mit seinen Gefühlen und seiner Liebe als Argumente in die Diskussion gehen, sondern muß sich darauf einstellen, in der kalten Atmossphäre beiderseitigen Nutzen zu argumentieren. Entsprechend ruhig gibt sich M gegenüber F.
    4. Für das praktizierte Geschäftsmodell heißt das, daß M von F in ihrem Leben eher geduldet als erwünscht ist und selbst kleinste Zugeständnisse von F an M oder sonstige Zustimmungen müssen von M explizit und in jeder Entscheidungssituation – monetär oder psychologisch – erkauft werden. In diesem Sinne besteht das Geschäftsmodell von F in einer permanenten Aufforderung von F an M, in einem übertragenen Sinne korrumpiert zu werden, nach einem Fluß von Tributleistungen, um den Widerwillen von F gegen M einzuschläfern und die Kooperation von F zu erkaufen.
  • (4“) F (in abwehrender Grundhaltung) : “All dieser Trott. Ich wollte einfach nur aus diesem Trott heraus.”
    1. Die abwehrende Grundhaltung von F legt nahe, daß sie es für ihr gutes Recht hält, eine Affaire zu haben, so wie man bei einem Vertrag eine Entschädigung verlangen kann, wenn die Ware plötzlich nicht mehr so beschaffen ist, wie dies früher mal der Fall war. Insofern scheint es aus Sicht von F die Schuld von M zu sein, daß F auf eine Affaire ausweichen mußte, denn immerhin hätte M ja F zufriedenstellen können – was aber offenbar nicht der Fall war.
    2. Zwar ist es richtig, daß F auch innerhalb der Ehe nicht das Eigentum von M ist, doch der Zorn von M richtet sich auf den Frage, wie F es mit ihren (vermeindlichen) Gefühlen vereinbaren konnte, eine Affaire zu beginnen. Doch darauf scheint F gar nicht zu kommen, sie scheint es für selbstverständlich zu halten, sich zu holen, was sie vom Leben erwartet, wo immer sie will, schon dann, wenn sie sich nicht mehr wohl fühlt. Daß dies ein Fall von grundsätzlicher, emotionaler Kälte ist, scheint ihr gar nicht in den Sinn zu kommen: Denn selbst Tiere binden sich an die Hand, die sie füttert.
    3. Das Geschäftsmodell ist daher ein von Moment zu Moment immer wieder zu erneuerndes Austausch- verhältnis – wobei die Geschichte offenläßt, was F an M liefert. Belegt ist als Gegenleistung nur ihre Gegenwart im Leben von M.
  • (5“) M (flehender Unterton): “Ich sehe das doch auch, diesen Alltagstrott. Ich will das auch ändern. Lass uns dass doch gemeinsam angehen anstatt jeder für sich…”
    1. Im Grunde widerspricht M hier seinem bei (3“) bereits demonstrierten Wissen und appelliert flehendlich an eine Liebe, von der M verzweifelt hofft, daß sie trotz allem da ist. Da M sich an F emotional gebunden hat, sie liebt, ist das nicht überraschend, wenn auch unvernünftig.
  • (6“) F (cool): “Wieso denn das? Ob allein oder gemeinsam, was ändert das?”
    1. Von irgendwelchen persönlichen Gemeinsamkeiten will F aber offenbar nichts wissen: Das Geschäfts- modell umfaßt ihre Mitwirklung am Ehe- und Familienprojekt und keinesfalls weitergehende Ansprüche auf das persönlichen Leben von F oder ihre sonstigen Gefühle. F ist nicht der Meinungen, jemals weitergehenden Selbstverpflichtungen zugestimmt zu haben – auch nicht konkludent. Letzteres findet M an dieser Stelle offenbar gerade raus.
  • (7“) Mann: “Hey, ich hab Verantwortung. Da ist unser Kind. Ich kann euch doch nicht einfach alleine stehen lassen…”
    1. Daß F persönliche Gemeinsamkeiten nicht als Teil des Geschäftsmodells sieht, hat M auch wider Erwarten kapiert. Konsequent appelliert er daher an das Verantwortungsgefühl von F als Mutter dem gemeinsamen Kind gegenüber, an ihre grundsätzliche Kooperationsbereitschaft, um eine Fortsetzung des gemeinsamens Projektes Ehe und Familie sicher zu stellen – und bekennt sich in Vorleistung dafür zu seiner Verantwortung als Vater.
  • (8“) Frau: “Wieso denn nicht?”
    1. Doch auch in diesem Punkt scheint F das Geschäftsmodell anders auszulegen als M, denn aus seiner Verantwortung als Vater entläßt sie ihn mit nur einer einzigen, rhetorischen Frage.
  • (9“) Mann: “Wenn ich wollte. wäre ich von einem auf den anderen Tag verschwunden. Irgendein Job im Ausland; und wenn es an einer Hotelrezeption in Damaskus wäre. Ihr würdet mich nie mehr finden. Aber sowas ist nicht mein Ding.
    1. Doch M kann nicht so recht glauben, daß er wirklich überflüssig wäre und hält die Gleichgültigkeit von F im Grunde für aufgesetzt und vorgespielt, für eine Trotzreaktion, weil er sie wegen ihrer Affaire zur Rede stellt, obwohl er sich ihrer Meinung nach damit in Dinge einmischt, die ihn einen Scheiß-Dreck angehen.
    2. Daher malt er F aus, daß er sehr wohl verschwinden könnte und – in der Annahme, daß man ihn übel vermissen würde – trumpft er kurz auf „Ihr würdet mich nie finden.„. Doch M ist das Tributzahlungsmodell seiner Ehe nicht aus dem Kopf gewichen, so daß er sogleich beschwichtigt: „Aber sowas ist nicht mein Ding.„.
  • (10“) Frau mit schnippischen Ton: “Wieso denn nicht? Mach doch!!!”
    1. Doch F greift die von M unvorsichtigerweise geschaffene Gelegenheit zur Eskalation, die M mit der Vision seines Verschwindens geschaffen hat, spontan auf und kündigt das Geschäftsmodell im Brustton der Überzeugung: „Mach doch!!!„. Denn „Wieso denn nicht?“ ist hier redundant, es sei denn, es signalisiert, daß M ohne Probleme für sie oder das Kind durch jemand anderen ersetzt werden kann: Es ist schwierig, sich eine herzlosere Objektifizierung vorzustellen.

Dritter Schritt: Erklärung der Eskalation

Das auf den ersten Blick Verwirrende an der Geschichte von koriander besteht darin, daß zwei Handlungsstränge ineinander gewoben sind: Der eine besteht darin, daß M erkennt, daß und worüber F ihn getäuscht hat, daß seine Ehe eben nicht auf gegenseitiger emotionaler Bindung beruht, sondern lediglich auf einem Geschäftsmodell, das nur bei asymmetrischer Bindung funktioniert, weil da man bei F von einem Fall verdeckter oder besser: bürgerlicher Prostitution sprechen kann. Interessanterweise ist M zwar durch psychologischen Druck dazu gebracht worden, dabei mitzuspielen, aber die Existenz des Geschäftsmodells bürgerlicher Prostitution war ihm deshalb keineswegs klar, obwohl er bemerkt hat, daß gemeinsam Geteiltes für das Verhalten von F gegenüber M keine Rolle spielt. Der zweite besteht darin, daß die Frau das Geschäftsmodell gegenüber M kündigt. Wenn man sich nun unter einer Eskalation vorstellt, daß sich zwei Parteien emotional hochputschen und immer irrationaler werdende Sachen machen oder sagen, dann liegt interessanterweise keine Eskalation vor. Stattdessen wird M durch das Verhalten von F aus dem Stadium der Unwissendheit vertrieben, indem sie sukzessive Optionen schließt, in der Illusion gegenseitiger Liebe das gemeinsame Projekt Ehe und Familie weiter fortzuführen. Das und nichts anderes erhöhrt sicherlich den psychologischen Dampfdruck bei M, doch deshalb dominiert hier nicht Irrationalität, denn M erkennt, daß ein großer Traum seines Lebens in der geplanten Weise nicht in Erfüllung gehen wird. Ob F von Anfang an das Geschäftsmodell bürgerlichere Prositution praktizierte oder ob sie erst später stillschweigend und in M täuschender Weise dazu übergegangen ist, läßt die Geschichte von koriander leider nicht erkennen.

Damit scheint es eine Kombination von Motiven gegeben zu haben, aus denen M in der Geschichte von koriander F geohrfeigt hat.

  • M ohrfeigt F als Bestrafung, weil sie ihn über ihre bürgerliche Prostitution getäuscht hat, weil sie ihn in dem Glauben gelassen hat, seine Lebensträume würden sie interessieren, während es deren Scheitern ganz offenkundig nicht tut. M hätte F auch mit einem Faustschlag niederstrecken können, aber eine Ohrfeige drückt die Bestrafung deutlich besser aus.
  • M ohrfeigt F als Rache für ihre unprovizierte Kaltschnäuzigkeit bei ihrer Verteidigung einer Affaire.
  • M ohrfeigt F aus in Wut übergeschlagener, enttäuschter Liebe.
  • M ohrfeigt F als Bestrafung für die Respektlosigkeit, daß sie ihn nur als Mittel, als Objekt und nicht als Person behandelt hat.

Damit bleibt uns im vierten Schritt nur noch übrig, die durch den post von maddes8t aufgeworfenen Fragen zu beantworten.

III. Das Problem der Vergeltung

Nachdem wir das Modell bürgerlicher Prostitution abgeleitet haben, können wir zur Ausgangsfrage zurückkehren: Was war falsch daran, daß M F geschlagen hat?

  • 6. Was wir erwarten können, ist, daß Frauen und Feministen sich dumm stellen und behaupten, die Praxis bürgerlicher Prostitution könne nicht nachgewiesen werden. Sie werden behaupten, daß nichts davon wörtlich gesagt worden und alles andere bösartige Einbildung einer kranken Psyche wäre. Stattdessen sei der Mann von Natur aus bösartig, gewalttätig und es sei davon auszugehen, daß er jederzeit wieder ohne Grund oder Anlaß Frauen schlagen würde. Das ist vorhersehbar und die einfachste Abwehr dessen ist der Hinweis auf das alternative Szenario, das wir unter (1′)-(6′) im Detail beschrieben haben.

Offenbar gilt deshalb: Die simple Leugnungsstrategie bürgerlicher Prostitution funktioniert bei genau denjenigen Männern, die noch niemals die Liebe einer Frau erlebt haben. Und daraus folgt: Je häufiger wird diese Leugnungs- strategie bei anderen Menschen erleben, desto verbreiteter ist die Ansicht, daß Männer in ihrem bisherigen Leben noch nie auf Frauen gestoßen sind, die ihre Männer lieben und mit deshalb mit ihnen kooperieren wollen.

Was wir darüberhinaus erwarten können, ist, daß Feministen, Frauen und interessanterweise auch einige konservative Maskulisten ihrer Gewohnheit freien Lauf lassen, solche Aussagen als frauenfeindlich und daher als irgendwie unwahr zu bezeichnen.

  • 7. Doch offenbar ist das absurd, da in diesem post von einem Einzelfall und den Folgerungen die Rede ist, die man für jeden einzelnen Fall ziehen kann, wenn man einer Frau begegnet, die das Modell bürgerlicher Prostitution praktiziert. Weder wird in diesem post behauptet, daß alle oder die Mehrheit der Frauen bürgerliche Prostitution praktizieren würden, noch daß sie aus irgendwelchen biologischen Gründen dazu neigen würden. Das Einzige, was hier getan wird, ist das, was wirklich wichtig ist: Männern zu erklären, wie sie mit ihren individuellen Erfahrungen fertig werden können. Die Frage, unter welchen Bedingungen solche Erfahrungen wie häufig auftreten, interessiert in diesem post nicht.

Nachdem wir die Hürden für eine nüchterne, moralische Beurteilung beseitigt haben, kehren wir zu (A) zurück:

  • (A) So, wie es keine Rechtfertigung geben darf, eine Frau zu schlagen, gibt es keine Rechtfertigung dafür, einen Mann bis aufs Blut zu reizen.

Wir erkennen nun, daß der zweite Teil von (A) unglücklich formuliert ist und zwar in Termen von psychologischen Folgen. Besser können wir es nun mit Hilfe von 1. – 5. wie folgt formulieren:

  • (A‘) So, wie es keine Rechtfertigung geben darf, eine Frau zu schlagen, gibt es keine Rechtfertigung für eine Frau, einen Mann darüber zu täuschen, daß sie in der Beziehung zu ihm nur als bürgerliche Prostitutierte auftritt und ihn ohne sein Wissen nicht als Person, sondern nur als Mittel, als Objekt behandelt. Letzteres ist moralisch falsch und wenn wir formulieren, daß wir den Ausbruch von M verstehen, dann meinen wir, daß es eine moralische gerechtfertigte Empörung von M aufgrund eines moralischen Fehlverhalten von F gibt, welches erklärt, wie M seinen Gefühlen durch physische Gewalt nachgeben konnte. Das impliziert nicht, daß seine physische Gewalt moralisch gerechtfertigt wäre. Die psychische Gewalt von F aber führt zu ihrer Mitverantwortung bei der Entstehung von Beziehungsgewalt und genau das ist der Grund, warum wir in der Geschichte von koriander die Schuld von M reduzieren, ohne ihn deshalb aus seiner Verantwortung zu entlassen.

Vielleicht war das den meisten Lesern intuitiv ohnehin klar, aber meiner Einschätzung nach war die explizite Herleitung von (A‘) im Detail angesichts der im Umlauf befindlichen Unwahrheiten über Beziehungsgewalt der Mühe wert. Und sie wirft noch einen weiteren Vorteil ab, denn sie legt dar, inwiefern Feminismus Frauen schadet: Wer Frauen dazu verleitet, ihre Mitverantwortung obiger Art bei der Entstehung von Beziehungsgewalt zu ignorieren, der darf sich nicht wundern, wenn Frauen ihre Fehler wiederholen, was ihr Risiko, Gewaltopfer zu werden, offenbar selbstverschuldet beträchtlich erhöht.

Eine Frage konnte in diesem post jedoch nicht geklärt werden:

  • War M in der Geschichte von koriander gegenüber F zu einer Vergeltung mit physischer Gewalt moralisch berechtigt?

Soweit ich das im Moment sehe, würde jede glaubwürdige Antwort auf diese Frage davon abhängen, daß wir über einen gut entwickelten Begriff vergeltender Gerechtigkeit verfügen. Das ist im Moment jedoch leider nicht der Fall. Leicht einzusehen ist aber, daß dieser Begriff benötigt wird. Denn in Extremfällen bejahen bzw. verneinen wir physische Gewalt:

  • i) Falls F versucht, M zu töten, darf M in Abwehr dessen F töten.
  • ii) Falls F M beleidigt, dann darf M F nicht töten.

Denn ii) erkennt jeder im Gegensatz zu i) sofort als unverhältnismäßig und wir bezeichnen Kulturen, die das anders sehen, sogar zu Recht als unzivilisiert. Doch was passiert, wenn actio und reactio schwächer ausfallen?

  • iii) Wenn F M beleidigt, darf M F dann auch beleidigen oder gar verleumden?
  • iv) Wenn F M verleumdet, darf M F dann betrügen?
  • iv) Wenn F M betrügt, darf M F dann bestehlen?

Hier versagen unsere Intuitionen zur Verhältnismäßigkeit leicht. Und genau das ist das Problem: Es fehlt uns an intuitiver, moralischer Beurteilungskompetenz. Das gilt für den Maskulismus im Moment ganz generell.

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