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Feminismus und Maskulismus: Jenseits von Schoppes Verständnis

Anläßlich des Umzuges seines blogs hat Lucas Schoppe sich mal wieder hochgradig pragmatisch zum Feminismus geäußert. Das ist nicht unproblematisch, denn er scheint seine Rolle als spezifisches Aushängeschild der Männerrechtsbewegung nicht so recht ernst zu nehmen. Zwar hat sich Schoppe nach einem interessanten Start seines blogs inzwischen vom Maskulismus distanziert – was ich begrüße – und auch mit einer Männerbewegung hat er nichts zu tun – was ich ebenfalls begrüße – aber leider beschränkt er seine Aufmerksamkeit nicht auf Themen der Väterrechtsbewegung. Das ist insofern ein Problem, als Außenstehende kaum so differenziert zwischen den verschiedenen Bewegungen unterscheiden. Selbst Leszek, der zusammen mit Arne Hoffmann als exponiertester Vertreter des linken Maskulismus gelten kann, hält Schoppes blog fälschlicherweise für eine Quelle des linken Maskulismus. Sehen wir uns die Details an.

Die entscheidende Passage, um die es geht, ist die hier:

  • „Die Selbstzuschreibung als Antifeminist hingegen soll wohl an den Begriff „Antifaschismus“ erinnern und ist, soweit ich sehe, seltener als die Fremdzuschreibung. Der Begriff vollzieht dann Freund-Feind-Muster bloß von der anderen Seite aus nach. Er ist für mich sinnlos. Dort, wo feministische Positionen nicht rundweg inhuman sind, ist es unsinnig, sich in einer radikalen Gegenposition festzubeißen. Dort, wo sie inhuman sind, sind sie es nicht wert, die eigene Position grundsätzlich als Gegnerschaft zum Feminismus zu definieren und sich damit ganz von ihm abhängig zu machen. Einfach nur gegen den Feminismus zu sein – das ist an sich noch keine lohnende politische Haltung.“

Wie die meisten Aussagen von Schoppe klingt das erst mal ganz vernünftig, doch was passiert, wenn wir etwas länger nachdenken? Mein Ergebnis dessen habe ich bei AllesEvolution in einen knappen Kommentar gepreßt. Doch weil sich daraus etwas mehr ergeben hat, werde ich die dortige Diskussion hier noch einmal dokumentieren und leicht ergänzen:

I. Ich schrieb:

„Schoppe liegt mit seiner Diagnose zu Feminismus – wie er es auf seinem blog leider meistens tut – völlig daneben. Und wenn er z.B. der Feministin lightyear2000 auch nur zugehört hätte, dann wäre er vermutlich mit der Nase darauf gestoßen worden:

  1. Wahr ist, daß Feminismus, nachdem er sich politisch verankern und auf diese Weise Geld ergaunern konnte, pragmatische Trittbrettfahrer gefunden hat, die gewissenlos ihren ökonomischen Vorteil aus der entstandenen Situation schlagen. Aber das ist mit allen Strömungen so, die das schaffen, und hat nichts mit den Inhalten des Feminismus zu tun.
  2. Feminismus ist alles andere als irrelevant und insofern nur von pathologischem Interesse, wenn man sich für die Einzelnheiten individueller psychologischer Profile interessiert. Denn der Feminismus verbindet nachvollziehbare Intuitionen z.B. zu personaler Autonomie (relational autonomy) und der Entstehung von Wissen (situated knowledge) mit Rezepten (z.B. der Abschaffung des heterosexuell-normativen Komplexes) zur Überwindung von Hindernissen, auf die man infolge seiner Entscheidungen im Leben unvermeidlch trifft. Allein dadurch beansprucht Feminismus bereits, spezifische Erklärungen und deshalb ein – teilweise unausgesprochenes – Verständnis der sozialen Welt bieten zu können, einer Welt, die man nicht durch Organe wahrnehmen kann, sondern verstehen muß, um ihre Existenz, und das heißt, die Wechselwirkungen der Elemente in ihr, zu bemerken. In diesem Sinne ist Feminismus eine (ziemlich schlechte) Metaphysik. Biologismus funktioniert da im Grunde nicht viel anders, benötigt aber eine vorsintflutliche Wissenschaftstheorie, um Glaubwürdigkeit für seine Thesen herbeizupumpen.

Die Folgen im Fall des Feminismus sind dramatisch: Feminismus gibt daher nicht nur eine Orientierung im Leben, eine Richtschnur, nach der entschieden werden kann, was wichtig und unwichtig und was abhängig und unabhängig ist, er verspricht Handlungsmöglichkeiten – oder besser: Wirkmöglichkeiten – zur Verfügung zu stellen, die sonst nicht da waren, er verspricht, unfähige Menschen mächtig und dumme Menschen klug zu machen, weshalb man ihm seine politische Visionen auch abkauft.

An sich wäre das alles kein Problem, viele Ideologien benahmen und benehmen sich ähnlich und sie haben es nicht mal geschafft, sich zu unwichtigen Randphänomenen zu entwickeln, bevor sie wieder vergessen wurden.

Feminismus ist insofern eine Ausnahme, als er

  • i) erstens an bereits vorfeministisch bestehenden Strukturen anknüpft: “Um Frauen muß man sich in besonderer Weise kümmern.”.
  • ii) zweitens an geschlechtsunabhängige, moralische Intuitionen wie Gleicheit appelliert, so daß alle Antifeministen sich erst mal gegen den Verdacht wehren müssen, unmoralisch zu sein.
  • iii) drittens ein politisches Programm fährt, daß die Männer aus ihrer tradierten Rolle der Erzeuger, Bewahrer und Organisatoren der äußeren, nicht-privaten Welt vertreibt, und die Macht der angeblichen machtlosen Frauen dadurch auszuweiten versucht, indem er nicht die Frauen an die Erfordernisse der äußeren Welt heranführt, sondern die äußere Welt zu privatisieren sucht, sie umzustrukturieren versucht, damit tradiertes, weibliches Verhalten nicht nur in der inneren, privaten Welt eine Machtposition sichert, sondern auch in der äußeren Welt, in der bislang männliches Verhalten erforderlich war. Und letzteres ist keineswegs nur aus einer Laune der Männer heraus entstanden.

Die Folge ist, daß Feminismus die wirklichen, gegenwärtig bestehenden Organisationsstrukturen der Welt aus moralischen Gründen abbaut und destabilisiert und wir einfach nicht wissen, ob wir in einer privatisierten und daher von einem Weiblichkeitsideal nacheifernden Frauen dominierten Welt ebenso werden leben können oder ob uns unser Leben in der äußeren Welt dann nicht um die Ohren fliegt. (All das kann und gilt für Biologismus natürlich nicht.)

Feminismus ist daher keineswegs entweder (auch nur partiell) human und daher kein Problem oder inhuman und daher nicht der Beachtung würdig, sondern eine Metaphysik, die eine Gesellschaft zu einem anderen Funktionieren bringen will und zwar aus moralischen und damit nicht mal feministischen Gründen. Und in Zeiten des Postrukturalismus, wo die meisten Menschen den Sinn der Unterscheidung zwischen “wahr” und “falsch” nicht mehr verstehen und daher entweder pragmatisch sind oder die Moral heranziehen, um Entscheidungen zu treffen, kann er das auch schaffen, eben weil da kein Widerstand mehr ist. (Biologismus gehört natürlich in das Paradigma des Strukturalismus.)

Eine naturalisierte Theorie der Männerbewegung wird daher gebraucht, um diesen komplizierten Prozeß zu erkennen, dagegen zu argumentieren, Agenzien und Randbedingungen zu identifizieren, zu verändern, anti-metaphysisch zu sein, und den gegenwärtig vom Feminismus besetzen moralischen Intuitionen eine richtige Richtung zu geben, insofern eine geschlechtsunabhängige Gesellschaftsorganisation gefunden werden muß, deren Resourcen nicht komplett dafür draufgehen, sich um Frauen in besonderer Weise zu kümmern. Doch von moralischer Kompetenz i.S. einer Theorie der vergeltenden oder sozialen Gerechtigkeit gibt es in der maskulistischen blogossphäre nicht viel zu sehen und allein gegen Misandrie zu sein, ist in dieser Hinsicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und auch von der Kompetenz, Gesellschaft und damit auch Wirtschaft so zu organisieren, daß Freiheiten für gewünschte moralische Korrekturen entstehen, kann ich nichts sehen.

  • Doch all diese Kompetenzen werden innerhalb der nächsten 10-15 Jahre gebraucht, da man in dieser Zeit das Auftreten massiver Korrekturen in Sachen Globalisierung und liberalen Wirtschaftsfreiheiten erwarten kann. Für die Linken im Maskulismus dürfte das nicht uninteressant sein, denn außer einer (in meinen Augen naiven) Konflikttheorie soziologischer Klassen, wie sie bei Marx schon zum Einsatz kam, haben diese Leute nicht viel zu bieten, um “links” Leben einzuhauchen. DAS wäre ihre Chance, mehr als “integraler Antisexismus” aufzusagen. Doch werden sie es schaffen?

In meinen Augen sind 15 Jahre nicht sehr viel Zeit, wie man an den Zeiträumen sehen kann, die der Feminismus gebraucht hat, um seine Ideologie zu entwickeln: Der hat in seiner Hochphase zwischen 1970 und 1990 das Meiste erledigt. Der Maskulismus ist seit 15 Jahren dabei, was – nimmt man den literarischen Feminismus von Simone de Beauvoir als Startpunkt – 1965 oder vielleicht 1970 entspricht. Das bedeutet: doppelte Geschwindigkeit wird gebraucht, denn wer nichts zu bieten hat, wenn die Wirtschaft reorganisiert wird, der verliert das Rennen um die neue Schwerpunktbildung der Gesellschaft für die nächsten 100 Jahre.“

II. Peter Müller antwortete mir daraufhin wie folgt:

„Allerdings eines:

“wer nichts zu bieten hat, wenn die Wirtschaft reorganisiert wird, der verliert das Rennen, um die neue Schwerpunktbildung der Gesellschaft für die nächsten 100 Jahre”

ist originell, denn: Was haben Männer zu bieten ausser dem, was sie bereits einbringen?

Ausserdem markieren bei der sozio-ökonomischen Transformation andere, externe, Faktoren die roten Linien. Das Mann-Frau-Spannungsfeld ist da nachrangig und rückt eher bei Optimierungsmaßnahmen nach einer Transformation in den Vordergrund.

Insofern war es ja schon ein glücklicher Zufall, dass bei der Transformation in den 70ern/80ern (Umbau zur Tertiärwirtschaft) und der Optimierung in den 90er/00ern (Digitalisierung in der Breite) eine Bevölkerungsteilmenge (Eierstock-Trägerinnen in einem definierten sozialen Spektrum) ideologisch vor-mobilisiert war und damit die notwendige Beweglichkeit zur Nutzung für die Feinjustierung aufwies 😉

“Theorie der Männerbewegung”

  • * lol * Da gab es doch vor einigen Monaten hier eine Themenwoche zu. Was kam dabei heraus? Es wurde viel über Frauen und Feminismus geschrieben, aber herzlich wenig zu Theorien der Männerbewegung…“

Das sind sehr berechtigte Einwände, auf die ich folgendes entgegnen möchte:

Es gäbe für die verschiedenen, maskulistischen Strömungen schon Aufgaben zu lösen, die bislang noch kaum oder gar nicht diskutiert werden

1) Schuldenbasierte Wirtschaftsorganisation:

  • Hier könnten die Maskulisten einen Vorschlag machen zu einer Geldschöpfung, die NICHT durch Kredite organsiert ist, was bekanntlich einen Zwang zu Wachstum nach sich sieht, den wir uns Dank 7Milliarden Menschen resourcenmäßig und von der Umweltbelastung her nicht mehr leisten können. Während ich das LINKS an Maskulismus im Moment für leer halte, würde ich hierin ein lohnenswertes, politisches Betätigungsfeld sehen. Linke Maskulisten könnten eine moderne und geschlechtersensible Wirtschaftstheorie vorschlagen, die mehr kann, als einfach nur Marx aufzukochen.

2) Gesellschaftsstrukturentwurf:

  • Maskulisten könnten ein Freiheitsverständnis vorschlagen, daß Freiheit nicht nur als Freiheit des Vertragsschlußes interpretiert, wie das im Neoliberalismus geschieht. Wirtschaft wird im Moment um der Wirtschaft willen gemacht, was um 1820 eine dramatische Zunahme des Wohlstandes zur Folge hatte – ok, nicht allein, ein neuer Energieträger (Kohle) und ein neues Material (Stahl) starteten einen neuen Wirtschaftszyklus via Mobilität für alle. Aber der Freiheitsbegriff ist hier entscheidend, denn wenn wir davon wegwollen und Wirtschaft irgendwie an gesellschaftliche Strukturen koppeln wollen (ohne daß ich jetzt wieder die Zünfte will o.ä.), dann müssen wir uns fragen, wo ein Verlust an Freiheit dadurch eintritt und wenn er eintritt, ob er akzeptabel ist. Das wäre auch eine Frage der Moral.

3) Kooperationsmodelle:

  • Es gibt bisher kein ernsthaftes Modell, das erläutert, wie sich das Praktizieren von hypoagency implizierender Weiblichkeit – wie sie z.B. von Christof Kucklick beschrieben wird – auf paarweise soziale Kooperation oder kollektive Kooperation auswirkt. Und das, obwohl eigentlich von allen zugegeben wird, daß Familengesetze und Rechtsprechung sich in weiten Teilen in den Dienst einer Ausbeutung von Trennungsvätern stellen, und diese Tatsache kaum isoliert innerhalb einer ansonsten in Bezug auf Geschlechter ausgewogenen Gesellschaft vorkommen wird. Ein solches Modell würde einen ersten Schritt zu einer von der feministischen Metaphysik völlig unabhängigen Auffassung sozialer Wirklichkeit führen.

4) Männlichkeit:

  • Bislang wird Männlichkeit entweder als Mangelmenschlichkeit oder als Anhäufung erfolgswahrscheinlichkeits- maximierender Eigenschaften vorgestellt und diesen Leitlinien folgen die existierenden Klischees männlicher Sexualität. Das hat sich auf die Jungen bisher nicht sehr günstig ausgewirkt. Wollen wir das so lassen? Ich persönlich habe wenig Verwendung für eine Idee von Männlichkeit, aber das können andere anders sehen. Männlichkeit ist bisher kein Prinzip der Lebensführung, aber vielleicht gibt es ja Bedarf für ein der Weiblichkeit analoges Konzept, das sehr wohl verwendet wird, um Frauen Entscheidungen über ihre individuelle Lebensführung drastisch zu vereinfachen. Wenn das so ist, dann wäre es interessant, zu erfahren, wie es sich in paarweise und kollektive Kooperationen einfügen würde. Und die Dominanz der feministischen Sozialtheorie hat bisher keine alternativen Ideen dazu zugelassen.

III. Auch crumar hat umfangreich in einem Kommentar reagiert und weitere Kommentare angekündigt:

„Der Feminismus beansprucht – durchaus ausgesprochen – die soziale Welt in ihren Wechselwirkungen von Individuum und Gesellschaft theoretisch erklären zu können. Meine Sichtweise ist jedoch, der Feminismus ist zur Ideologie geworden, weil eine theoretische Erklärung der sozialen Welt auf einen Verweis auf die empirische Realität dieser sozialen Welt angewiesen wäre und der Feminismus dies gar nicht leisten kann. Der Terminus “rape culture” bspw. verdankt sich einer Hand voll Studien, deren fragwürdige Methoden zur Erzielung ihrer Resultate immer bekannter werden und langsam rudern auch Regierungsinstitutionen in ihren Veröffentlichungen zurück. D.h. der Terminus “rape culture” ist als feministische Setzung geschaffen worden, um zu diktieren, wie die soziale Welt wahrgenommen werden soll. Und ist vorläufiger Endpunkt einer Steigerung von Sätzen, einer sich selbst radikalisierenden Radikalisierung einer Theorie, die sich zurückverfolgen lassen:

  • “That some men rape provides a sufficient threat to keep all (!!!) women in a constant state of intimidation,” usw. Susan Brownmiller

Dass es bei Vergewaltigung demnach auch gar nicht um Sex geht, sondern selbstredend um männliche “power and control”. In diesem Fall ist – wieder einmal ausgesprochen – männliche Herrschaft das Thema und männliche Verantwortung und männliche Moral. Zu verdeutlichen wäre hier seitens des Feminismus jedoch gewesen, wie Angesichts einer seit Jahrhunderten strafbewehrten Handlung genau das SELBE Patriarchat diese “some men” mit der Billigung und Unterstützung von ALL men hart bestraft und zugleich Vergewaltigung als Mittel zur Durchsetzung männlicher Herrschaft (mass terrorism) verwendet. Hier scheint mir eine nicht nachvollziehbare, sich selbst widersprechende männliche Befehlskette zu herrschen. Als Tucholsky schrieb: “Alle Soldaten sind Mörder.” ließ das an Eindeutigkeit und Provokation nichts zu wünschen übrig – “Alle Soldaten sind potentielle Mörder.” hört sich wenig überzeugend an. “Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger.” ist jedoch genau der ideologische Eiertanz, der aus dem skizzierten Dilemma resultiert. Ist Vergewaltigung Mittel der männlichen Herrschaft, dann ist es völlig unlogisch, eine solche Handlung zu bestrafen und noch widersinniger ist es, diese sozial zu ächten. Geradezu IDIOTISCH wären jedoch MORALISCHE Appelle an Männer, solche Handlungen zu unterlassen. D.h. der feministische Appell AN die Moral und die Verantwortung der Männer muss demnach verpuffen und wirkungslos sein, nimmt man die feministische Theorie ÜBER Männer wirklich ernst. Warum sollten sie die sexuelle Gewalt gegen Frauen einstellen? Meine männliche Herrschaft beruht darauf – hat mir der Feminismus erzählt.

  • Ich glaube, der Feminismus hat mit dieser “Theorie” so viel Erfolg bei Frauen, weil er ein Gefühl und eine historische Erfahrung von weiblich empfundener (!!! ganz wichtig; wir Männer haben weibliche Macht durchaus erfahren) Ohnmacht als Theorie verpackt.

Die allergrößte Katastrophe für einen solchen Feminismus ist jedoch, wenn die behauptete, ungeheure Prävalenz von (sexueller) Gewalt gegen Frauen mit der empirischen Realität zusammentrifft, wonach die Anzahl der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen Jahr für Jahr permanent sinkt. Und genau das ist derzeit der Fall – nicht nur in den USA, sondern auch bei uns. Deshalb u.a. die ganzen Verschärfungen durch Redefinition des Straftatbestandes – verschiebe die Torpfosten und erfinde neue Regeln.

Der Feminismus ist die einzige politische Bewegung der Neuzeit, die in ständiger Angst vorm eigenen Erfolg lebt. Nicht nur, weil man um Pöstchen fürchtet, sondern weil sonst das gesamte theoretische Gebäude zusammenstürzt. Denn UNAUSGESPROCHEN stecken hinter diesen Erklärungsansätzen männlicher Herrschaft die bange Fragen: Warum sind sie, die Frauen, eigentlich nie aufgestanden? Warum haben sie nie revoltiert? Warum gab es nie einen Spartaka-Aufstand? Warum heiraten die Frauen immer noch den FEIND? Warum unterwerfen sie sich auch noch freiwillig? Oder anders herum: Was NÜTZT es eigentlich den Frauen in einem Zustand zu verbleiben, von dem der Feminismus behauptet, er sei der reinste Terror gegen Frauen gewesen, der nur Männer begünstigt? Bestritten wird, Frauen hätten bisher Entscheidungen für ihr eigenes Leben getroffen, die im ureigensten Interesse gewesen wären. Sie waren nämlich bisher nur strukturell verblendet. Das Problem ist: Sie wollen partout nicht aufhören damit. Weder mit der Struktur, noch mit der Verblendung.

Und du möchtest mit den feministischen Marionetten-Theoretikerinnen “Autonomie” diskutieren oder individuelle “Moral”? Der Höhepunkt feministischer Theorie war es bisher, Frauen eine “Komplizenschaft” an den bestehenden Zuständen einzuräumen; eine MIT-Verantwortung. Eine historische SCHULD haben Frauen nie getragen, an gar nichts. Frauen können gar nicht schuldig werden. Frauen haben eine eigene Moral und Verantwortung, nämlich gar keine. Unmündigkeit kann so viel Spaß machen!

Beklemmend wird es nur, wenn es aus diesem mentalen Zustand eine komplette Ideologie wird. Ich kann zu dieser feministischen Ideologie kein Gegenangebot aus maskulistischer Seite verfassen, weil ich – nach meinem Selbstverständnis – kein Ideologe bin. Ich muss mich mit diesem Unsinn auseinandersetzten – ich muss ihn aber nicht produzieren.“

Auf diese komplexe Antwort möchte ich Folgendes erwidern:

Wenn ich die Sache richtig sehe, dann steht hinter deiner Antwort die Frage, was für eine Art Theorie Feminismus eigentlich ist und dein Kommentar stellt sich gewissermaßen auf den wissenschaftstheoretischen Standpunkt des logischen Positivismus. Lax gesprochen funktioniert der so:

  • i) Wir haben eine strickte Trennung von Theorie und Beobachtung, was uns die Möglichkeit gibt, eine Theorie in fairer, d.h. unvoreingenommener Weise mit empirischen Daten zu konfrontieren und auf diese Weise zu testen.
  • ii) Wir formulieren eine empirische Theorie durch allquantifizierte Konditionale und vermeiden negative Existenzsätze, weil sie unprüfbar sind.
  • iii) Da wir aus logischen Gründen keine Theorie streng verifizieren können, beschränken wird uns auf das Falsifizieren mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit.

Ohne zu fragen, ob diese Art von Wissenschaftsverständnis richtig ist (ist es meiner Ansicht nach nicht), rekonstruiere ich deinen Standpunkt wie folgt:

  • Wenn das das richtige Paradigma ist, dann ist Feminismus doch offenkundig unglaubwürdig: eine rape culture gibt es nicht weder vom legislativen Standpunkt, noch vom statistischen. Stattdessen wollen die Frauen mit ihren angeblichen Unterdrückern zusammenleben, was mit der These der Unterdrückung inkompatibel ist.

Der Haken an der Sache ist meiner Ansicht nach: Feminismus ist keine empirische Theorie, sondern eine Metaphysik. Was heißt das im Detail? Ich gebe dir zwei Beispiele:

  • Im Grunde fragt ein traditioneller Metaphysiker: “Worin besteht die wahre Realität?”. Platons Antwort z.B. war im Phaidon, salopp formuliert, “In den unabhängig von unserer materiellen Welt jenseitig existierenen Ideen, deren unperfekte Kopien das Inventar unserer Welt ausmachen.” – womit er den ersten von zwei Teilbereichen traditioneller Metaphysik erfand: die Ontologie, die Auskunft über das Wesen all dessen geben will, was existiert. Der zweite Bereich eröffnet sich durch die möglichen Antworten auf die Frage: “Was sind die ersten Ursachen und Prinzipien der wahren Realität?” Bis in die Neuzeit hinein wurden religiöse Überzeugungen an dieser Stelle ins Feld geführt – und diese brauchen uns daher hier nicht weiter zu beschäftigen.
  • Aristoteles bis ins Mittelalter sehr wirkmächtige Gegentheorie besagt dagegen, daß dasjenige, worauf Allgemeinbegriffe Bezug nehmen, Teil unserer materiellen Welt sind, deren Inventar von Dingen mit einem Wesen gebildet werden, so daß man sie in Gattungen und Sorten hierarchisch kategorisieren kann. Zum Programm aristotelischer Ontologie gehört daher die Beantwortung von Fragen wie: “Welche Bereiche des Seienden gibt es, welche sind fundamental, welche abgeleitet?“, “Wie sind die einzelnen Bereiche strukturiert und warum gibt es Seiendes und nicht vielmehr nichts?” oder “Welches methodische Vorgehen ist der Metaphysik angemessen?“.

Was uns hier interessiert, ist die offensichtlich erteilte Erlaubnis metaphysischer Theorien, die Realität neu zu deuten. Anders formuliert: Metaphysische Theorien werden niemals durch Daten geprüft, denn sie dürfen ihre Daten durch theoriekonforme Surrogate ersetzen, metaphysische Daten sagen uns erst, welche Realität, welche Daten „in echt“ vorliegen. Und das macht der Feminismus ja auch ganz konsequent:

  • a) rape culture gibt es, weil die Gesetze zwar existieren, aber erstens von Polizei und Justiz unterlaufen werden und zweitens die Behandlung der vergewaltigten Frauen so mies ist, daß sie gar nicht erst zur Polizei gehen. Außerdem werden Männer unabhängig von der Strafdrohung zur Vergewaltigung ermutigt.
  • b) Frauen wollen gar nicht mit Männern zusammenleben, denn sie werden von der Gesellschaft zu solchen Entscheidungen im Dienste des Patriarchats manipuliert. Würden sie frei entscheiden, dann würden sie die Gesellschaft von Frauen vorziehen.

Und so weiter – Stresstests für Feminismus sind einfach nicht empirisch, darüber lachen Feministen nur. Feminismuskritik muß anders verstanden werden, sie muß eine anti-metaphysische Kritik sein, denn sonst tangiert das den Feminismus überhaupt gar nicht.

Daher haben wir zwei Fragen zu lösen, wenn wir Feminismus wirklich schlagen wollen:

  • i) Was ist eigentlich der Kern aller 25< feministischen Varianten?
  • ii) Wie funktioniert eine Kritik des feministischen Kerns als Metaphysikkritik?

Nicht alle Feministinnen behaupten die Existenz einer rape culture, liberale Feministinnen nehmen davon häufig Abstand. Doch das hindert sie nicht daran, sich als Feministinnen zu verstehen. Warum ist das so? Um das zu beantworten, würde ich unterscheiden zwischen einer feministischen Praxis und einer feministischen Theorie. Beide haben nur wenig miteinander zu tun:

  • Entgegen den Forderungen der feministischen Theorie nach einer Autonomie der Frauen wie sie z.B. in der Diskussion über benevolenten Sexismus vorkommen, handelt die feministische Praxis paternalistisch, wenn sie z.B. für eine Frauenquote sorgt, die YES-MEANS-YES-Kampagne betreibt oder gegen Sexarbeit vorgeht, da es Frauen moralisch nicht zuzumuten sei, ihren Körper an Männer zu verkaufen.

Wie die feministische Praxis aus der feministischen Theorie hervorgeht, weiß ich im Einzelnen nicht und vermutlich ist es auch uninteressant, da die meisten Feministen Dumpfbacken sind, die einfach nur Quatsch erzählen. Doch das bedeutet nicht, daß es nicht lohneswert wäre, die feministische Praxis gesondert zu analysieren und zu bekämpfen, doch es ist ein anderes Problem. Was femimistische Praxis und feministische Theorie jedoch teilen, ist der Anspruch, die wahre Realität zu enthüllen – und damit metaphysisch zu sein.

Ok, was gibt es für Intuitionen, die einen Feminismus als Metaphysik speisen könnten?

  • i) Da ist zunächst mal eine Beschreibung der weiblichen Lebensweise: Verstrickt zu sein, in intransparente zwischenmenschliche Beziehungen ist DAS Hauptmotiv von Büchern, die man in Frauenbuchläden finden kann.
  • ii) Dann geht es um die Angabe der tieferen Bestimmung aller Menschen: Alle Menschen sollen frei sein, frei zu sein, ist die Erfüllung des menschlichen Schicksals, das hat Simone de Beauvoir bei Sartre einfach abgeschrieben, diese dumme Nuss. Und für Frauen heißt Emanzipation daher, sich aus der Verstrickung in intransparente zwischenmenschliche Beziehungen zu befreien, den Einfluß anderer auf ihre eigenen Entscheidungen zu minimieren.
  • iii) Praktisch geht es für Frauen daher darum, zu erkennen, wie diese Verstrickung, diese Einflußnahme aussieht.
  • iv) Und zuletzt muß eine Frau ihren Widerstand in diesen unfreimachenden Beziehungen begründen, sie muß einen moralischen Standtpunkt haben.

Ok, fertig. Damit sind die Themen, auf die die Metaphysik in jedem Feminismus reagiert:

  • personale Autonomie: Der feministische Standpunkt heißt hier „relationale Autonomie“.
  • Freiheit: Der feminsitische Standtpunkt heißt hier „psychologischer Determinismus“.
  • Erkenntnis: Der feministische Standpunkt heißt hier „situated knowledge“.
  • Ethik: Der feministische Standpunkt heißt hier „geschlechtsspezifische Tugendlehre“.

Also: Sollte der Maskulismus es hier fertig bringen, eigene anti-metaphysische Auffassungen zu entwickeln, dann schafft er es ganz sicher, jede feministische Praxis zu unterminieren. Die Konfrontation mit der Realität ist hingegen jedem Feminismus egal.

Was mich abschließend interessieren würde – wie ist das zu verstehen:

  • „Ich glaube, der Feminismus hat mit dieser “Theorie” so viel Erfolg bei Frauen, weil er ein Gefühl und eine historische Erfahrung von weiblich empfundener (!!! ganz wichtig; wir Männer haben weibliche Macht durchaus erfahren) Ohnmacht als Theorie verpackt.“

IV. Fazit:

Insgesamt sieht man an diesem post, daß Feminismus sehr viel weniger irrelevant ist, als Lucas Schoppe sich das so vorstellt.

today’s video:


21 Kommentare

  1. […] Elmar Diederichs äußert sich ebenfalls: Feminismus und Maskulismus: Jenseits von Schoppes Verständnis […]

  2. quellwerk sagt:

    Avoiceformen hat den Untertitel seines Logos von “Humanist Counter-Theory” in “Changing the Cultural Narrative” geändert. Dies wird begründet durch eine zu große Allgemeinheit des Begriffs „Humanismus“, was alle möglichen Interpretationen zulässt, z.B. schreibt ein Kommentator:

    „As a psychological movement it emphasizes subjectivity over objectivity and places far too much importance on feelings (at least this is the case for Rogerian humanism). In a nutshell, it is feminism without the gendered ideology and anything but human.“ I say this because what sets humans apart from animals is our ability to reason, not our ability to feel. animals are almost entirely subjective…“

    Formal könnte man sagen, dass das Narrativ, das geändert werden soll, sich auf eine überpersönliche Instanz bezieht, sich also von dem humanistischen Subjekt als Akteur abwendet. Insgesamt wird dies von der AVFM-Gemeinde positiv aufgenommen. Paul Elam war selbst Therapeut. Er denkt in soziologischen und sozialtherapeutischen Kategorien. Er ist erfolgreich damit.

    Es sieht so aus, als ob die nordamerikanische MHRA-Bewegung den Feminismus kopieren und den Diskurs manipulieren will. Sie wollen die Grundsätze der Therapien, der Psychologie und der Gesundheitsinstitutionen ändern.

  3. crumar sagt:

    @Elmar

    Ich ein Positivist???
    Nicht wirklich…

    Ich komme darauf zu sprechen bei den von dir formulierten Aussagen:

    „i) Wir haben eine strickte Trennung von Theorie und Beobachtung, was uns die Möglichkeit gibt, eine Theorie in fairer, d.h. unvoreingenommener Weise mit empirischen Daten zu konfrontieren und auf diese Weise zu testen.
    ii) Wir formulieren eine empirische Theorie durch allquantifizierte Konditionale und vermeiden negative Existenzsätze, weil sie unprüfbar sind.
    iii) Da wir aus logischen Gründen keine Theorie streng verifizieren können, beschränken wird uns auf das Falsifizieren mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit.“

    Der Knackpunkt an der Unvergleichbarkeit von naturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Forschung ist in meinen Augen, dass es keinen reproduzierbaren A0-Zustand in experimenteller Hinsicht gibt.
    Ein soziales Experiment ist eben *nicht* beliebig reproduzierbar – wenn alle Milgram kennen wird es irgendwann langweilig Milgram zu spielen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment
    Allein der Terminus „sozial erwünschte“ Antworten bei einer Umfrage sollte die Unvergleichbarkeit hinreichend darstellen. Reagiert Chlor als chemisches Element „sozial erwünscht“ in irgendeinem Experiment?
    Die meisten Wissenschaftler würden voraussetzen wollen: Eher nicht.

    „Falsifikation“ in den Sozialwissenschaften *unter dieser Voraussetzung* (!!!) ist nichts als ein unendlicher Regress. Und führt nirgendwo hin. Es ist nur eine Simulation von Naturwissenschaft.
    Aber das nur am Rande.

    Der Knackpunkt bei feministischen Aussagen m.E., die der Empirie Hohn sprechen ist also gar nicht, dass sie der Empirie Hohn sprechen, sondern dass sich damit eine Form der „feministischen“ Theorie etablierte, die suggerierte, die *nicht* existenten Zahlen wären aus der „feministischen“ Theorie *herleit- und erwartbar* gewesen. Und alle wollten das glauben.
    WENN das Patriarchat nur durch REPRESSION und ANGST über Frauen herrscht, DANN sollten in der Tat wenigstens X-% (setze hier eine möglichst hohe Zahl ein) aller Frauen von Gewalt- und Angsterfahrungen betroffen worden sein.

    Und nun musst du das nur noch „beweisen“.
    Wie ich oben schilderte wurde nun aber „Repression“ und „Angst“ zur einzig testbaren Größe.
    Hingegen „Nutzen“ und „Korruption“ zur Begründung für eine „Duldung“ oder „Unterstützung“ völlig ausgeschlossen.
    Der „Beweis“ konnte also nur noch in eine Richtung erbracht werden: Warum sich Frauen nicht GEMÄSS feministischer Theorie verhielten, wonach das System GEGEN ihre Interessen verhielt.

    Das für mich komische ist, sie haben den Kanon des als männlich kritisierten Verständnisses von Wissenschaft nicht einen Moment verlassen und es ist ihnen gelungen, dies als „feministische Wissenschaft“ zu verkaufen.
    WENN es Transsexuelle gibt, DANN stellt es natürlich HETEROSEXUALITÄT in Gänze in Frage – nur wer wie Popper denkt, konstruiert gesellschaftliche Norm von deren Ausnahmen.
    Was beweist ein Anteil von 0,01% der Bevölkerung für deren (99,99%) sexuelle Normen und Identität?
    Nix.
    Nur wenn ich wirklich davon überzeugt bin, die Existenz der *Ausnahme* FALSIFIZIERE die Annahmen der absoluten Mehrheit, kann eine solche Konstruktion wie „Heteronormativität“ mehr als banaler Blödsinn sein.
    Natürlich sind 99.99% aller Menschen automatisch „Norm setzend“.

    Ich finde ja, du bist am interessantesten zu lesen, wenn du deiner Intuition nachgehst, also quasi laut denkst:

    „Ok, was gibt es für Intuitionen, die einen Feminismus als Metaphysik speisen könnten?

    „i) Da ist zunächst mal eine Beschreibung der weiblichen Lebensweise: Verstrickt zu sein, in intransparente zwischenmenschliche Beziehungen ist DAS Hauptmotiv von Büchern, die man in Frauenbuchläden finden kann.
    ii) Dann geht es um die Angabe der tieferen Bestimmung aller Menschen: Alle Menschen sollen frei sein, frei zu sein, ist die Erfüllung des menschlichen Schicksals, das hat Simone de Beauvoir bei Sartre einfach abgeschrieben, diese dumme Nuss. Und für Frauen heißt Emanzipation daher, sich aus der Verstrickung in intransparente zwischenmenschliche Beziehungen zu befreien, den Einfluß anderer auf ihre eigenen Entscheidungen zu minimieren.
    iii) Praktisch geht es für Frauen daher darum, zu erkennen, wie diese Verstrickung, diese Einflußnahme aussieht.
    iv) Und zuletzt muß eine Frau ihren Widerstand in diesen unfreimachenden Beziehungen begründen, sie muß einen moralischen Standtpunkt haben.“

    Das ist aber nicht Metaphysik, sondern Begründung, warum eine bestimmte, historisch zu bestimmende, weibliche Lebensweise zu einer bestimmten weiblichen Theoriebildung über und eine Befreiung oder eine Aufforderung zur Befreiung von dieser Lebensweise geführt hat.
    Ich glaube, wir haben wegen dieser Geschichte *unsere* und die Frauen haben *ihre*.

    Am spannendsten finde ich dann die Frage, wie eine Lebensweise eine Beobachtung strukturiert, die eine Theorie der Beobachtung strukturiert, die eine Theorie der Lebensweise strukturiert, die eine Theorie der Beobachtung strukturiert. 😉

    Auf deine Sätze bezogen: Warum ERSCHEINEN Frauen zwischenmenschliche Beziehungen intransparent zu sein? Unterscheidet sich dies von einer männlichen Wahrnehmung zwischenmenschlicher Beziehungen? Und wenn ja, warum ist das so?
    Welche Formen zwischenmenschlicher Beziehung empfinden Männer und welche Frauen als „intransparent“ und warum ist das so? Welche Bedürfnisse an Durchschaubarkeit, Verbindlichkeit und Voraussagbarkeit („Transparenz“ übersetzt) haben Männer und Frauen – gesetzt dem Fall, diese sind verschieden und wie trägt man dieser Differenz Rechnung?

    An diesem Punkt bin ich quasi „Differenzmaskulist“ ich gehe nämlich nicht davon aus, dass Männer und Frauen das Selbe meinen, wenn sie über einen scheinbar identischen Sachverhalt reden.

    Aber das für heute und jetzt…schönen Gruß, crumar

    • quellwerk sagt:

      „Am spannendsten finde ich dann die Frage, wie eine Lebensweise eine Beobachtung strukturiert, die eine Theorie der Beobachtung strukturiert, die eine Theorie der Lebensweise strukturiert, die eine Theorie der Beobachtung strukturiert“

      Eine Beantwortung dieser Frage würde in diesen Wechselbezug eingreifen und zum Input für eine Theorie der Beobachtung werden und ist damit nur eine Antwort für einen abgelaufenen Zeitpunkt. Diese Antwort ist nicht wissenschaftlich falsifizierbar, weil sie den Wechselbezug verändert hat. Der ursprüngliche Wechselbezug ist nicht reproduzierbar, wie du richtig schreibst. Daher zielen solche Antworten oft gar nicht auf die Erklärung des Wechselbezuges, sondern gehen gleich an seine Manipulation. Diese Überlegungen gelten aber nur für weiche soziale Phänomene, die manipulierbar sind. Harte soziale Beziehungen,die z.B. das nackter Überleben sichern, können mit einer Theorie erklärt werden, die falsifizierbar ist, weil die Antwort den Wechselbezug nicht beeinflusst und dieser dadurch reproduzierbar ist.

    • @crumar

      „Ich ein Positivist??? Nicht wirklich…“

      Es geht darum, dein Argument zu rekonstruieren. Wenn dein Argument anders funktioniert, dann ist das ein Problem. Wenn deine Meinung ehrlicherweise eine andere ist, dann nicht.

      „Der Knackpunkt bei feministischen Aussagen m.E., die der Empirie Hohn sprechen ist also gar nicht, dass sie der Empirie Hohn sprechen, sondern dass sich damit eine Form der “feministischen” Theorie etablierte, die suggerierte, die *nicht* existenten Zahlen wären aus der “feministischen” Theorie *herleit- und erwartbar* gewesen. Und alle wollten das glauben.“

      Wenn ich das richtig verstehe, dann geht dein Beispiel mit der Repression und Angst etwa so:

      i) Fälsche eine Statistik über Symptome bei Frauen.
      ii) Erfinde eine feministische Theorie, die behauptet, daß
      a) der männlich-heteronormative Komplex diese Symptome hat
      b) diese Symptome aus der Statistik zu bestimmen Folgen führen können,
      iii) Folgere, daß diese Folgen nicht im Interesse der Frauen liegen.
      iv) Zeige, daß die falsche Statistik de facto nach der feministischen Theorie zu erwarten ist.
      v) Folgere, daß die feministische Theorie verifiziert ist.

      Das Beispiel mit den Transsexuellen geht hingegen so:

      i) Hypothese: Alle Menschen sind heterosexuell.
      ii) experimentum crucis: Es gibt Transsexuelle.
      iii) feministische Folgerung: Heterosexualität ist nicht die Norm.
      iv) Deine Kritik: Dieser Gedankengang legt allenfalls offen, wie Feministen „Norm“ definieren, nicht aber Tatsachen über Heterosexualität.
      Bemerkung: Das ist immer noch die alte, männliche Wissenschaft.

      Beide Beispiele funktionieren ganz verschieden:

      Der Fehler im ersten Fall liegt darin, selbst wenn die Statistik stimmt, aus der Tatsache, daß eine Theorie mit Daten kompatibel ist, weder folgt, daß der männlich-heteronormative Komplex existiert, noch daß er so wirkt, wie behauptet. Die Epizykeltheorie der Planetenbewegung war auch mit den Beobachtungen kompatibel, die Schwerkraft aber wirkt anders und der Rest ist eine Folge der Relativität der Bewegung, der nichts über Kausalverhältnisse aussagt.

      Der Fehler im zweiten Fall ist der, daß mehr gefolgert wird, als widerlegt wurde: Heterosexualität ist trotz Transsexualität noch genauso dominant wie zuvor, erstere wird nur nicht streng von der Natur hervorgebracht.

      Ich finde ja, du bist am interessantesten zu lesen, wenn du deiner Intuition nachgehst, also quasi laut denkst:

      “Ok, was gibt es für Intuitionen, die einen Feminismus als Metaphysik speisen könnten?

      „Das ist aber nicht Metaphysik, sondern Begründung, warum eine bestimmte, historisch zu bestimmende, weibliche Lebensweise zu einer bestimmten weiblichen Theoriebildung über und eine Befreiung oder eine Aufforderung zur Befreiung von dieser Lebensweise geführt hat.“

      Richtig. Denn – wie ich im nächsten post zeigen werde – diese (feministische) Metaphysik entsteht, wenn die genannten Intuitionen auf bestimmte Zweifel darüber treffen, was man erkennen kann. Letzteres ist immer das Motiv dafür, eine bestimmte Metaphysik zu treiben.

      Wenn das stimmt, dann beruht die Metaphysik des Feminismus (=relationale Autonome + situated knowledge + psychologischer Determinismus + geschlechterspezifische Tugendlehre) auf einer spezifischen Unfähgigkeit – bzw. dem Glauben daran. DAS ist die Antimetaphysik, die wir suchen müssen.

      „Ich glaube, wir haben wegen dieser Geschichte *unsere* und die Frauen haben *ihre*.“

      Die Männer betreiben ihre eigene, „männliche Metaphysik“? Interessante These, welche könnte das sein?

      „Am spannendsten finde ich dann die Frage, wie eine Lebensweise eine Beobachtung strukturiert, die eine Theorie der Beobachtung strukturiert, die eine Theorie der Lebensweise strukturiert, die eine Theorie der Beobachtung strukturiert. “

      Ich bin ja ein großer Freund von Sarkasmus, aber leider ist mir entgangen, wovon du hier redet.

      „Und wenn ja, warum ist das so?“

      Das weiß ich im Moment auch nicht.

      „Welche Formen zwischenmenschlicher Beziehung empfinden Männer und welche Frauen als “intransparent” und warum ist das so? Welche Bedürfnisse an Durchschaubarkeit, Verbindlichkeit und Voraussagbarkeit (“Transparenz” übersetzt) haben Männer und Frauen – gesetzt dem Fall, diese sind verschieden und wie trägt man dieser Differenz Rechnung?“

      So wie ich das sehe, wird die von mir gesuchte Antimetaphysik behilflich sein, diese Fragen zu beantworten.

      „An diesem Punkt bin ich quasi “Differenzmaskulist” ich gehe nämlich nicht davon aus, dass Männer und Frauen das Selbe meinen, wenn sie über einen scheinbar identischen Sachverhalt reden.“

      Und wie hilft uns diese Vermutung jetzt weiter?

      • crumar sagt:

        @Elmar

        Mein Problem ist:

        „Wenn ich das richtig verstehe, dann geht dein Beispiel mit der Repression und Angst etwa so:

        i) Fälsche eine Statistik über Symptome bei Frauen.
        ii) Erfinde eine feministische Theorie, die behauptet, daß
        a) der männlich-heteronormative Komplex diese Symptome hat
        b) diese Symptome aus der Statistik zu bestimmen Folgen führen können,
        iii) Folgere, daß diese Folgen nicht im Interesse der Frauen liegen.
        iv) Zeige, daß die falsche Statistik de facto nach der feministischen Theorie zu erwarten ist.
        v) Folgere, daß die feministische Theorie verifiziert ist.“

        An dem von dir hier skizzierten ist wirklich ALLES falsch.
        Und mir ist nicht wirklich klar, an welchem Punkt wir uns so dermaßen haben missverstehen können.

        Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt und das habe ich anscheinend nicht.
        Die FÄLSCHUNG von Geschichte beginnt in dem Augenblick, wo du behauptest, die Resultate der Geschichte liefen auf „Diskriminierung“ von, ALLER Frauen heraus.
        D.h. du UNTERSTELLST, es gäbe gar *kein Interesse* an diesen *Resultaten* aus Sicht von Frauen.
        Du UNTERSTELLST, sämtliche Geschichte habe sich ereignen können GEGEN die Interessen von Frauen.

        Wie REALISTISCH ist eine solche Behauptung?

        Warum gab es nie die große Revolte ALLER Frauen?
        Wo war der Spartaka-Aufstand (vs. SpartakUS-Aufstand) und wo die BäuerINNEN-Kriege?
        Es hat sie NIE gegeben.

        Der Ausgangspunkt einer „feministischen“ Geschichte und Geschichtsschreibung ist demnach eine LÜGE.
        Ich brauche keine Statistik über SYMPTOME bei Frauen zu fälschen, die gesamte Vorgehensweise ist erstunken und erlogen.

        In der Realität waren Männer und Frauen immer ZUSAMMEN bspw. in der kapitalistischen Produktionsweise – aber proletarische Frauen und Männer haben diese anders erlebt als BÜRGERLICHE Frauen und Männer.
        Das ist der Job von bürgerlichen Feministinnen: „Sisterhood!“ – nämlich vergessen zu machen, welche anderen Lebenserfahrungen damit verbunden sind, auf der EINEN und auf der ANDEREN Seite der Barrikade zu sein.

        Der Job der *bürgerlichen* Feministinnen ist, dir im Nachhinein schmackhaft zu machen, es gäbe historisch ein kollektives OPFERsubjekt namens „Frau“, auf dass sich diese berufen können (für welche Ansprüche whatsoever).

        Und meine Position ist: Diese Frau hat es NIE gegeben.
        Das ist eine LÜGE, eine FARCE und simple bürgerliche Propaganda.

        Schönen Gruß, crumar

        • @crumar

          Was ich – es hat etwas gedauert – nun verstanden habe, ist, daß nach deiner These tatsächliche – auch z.B. in der Vergangenheit vorgekommene – geschlechterrelevante Sachverhalte, die in Wahrheit eine Erklärung in dem kooperativen Nutzen für beide Geschlechter finden, von Feministen künstlich umgedeutet werden, indem

          i) diese Entstehungserklärung aus dem wechselseitigen Nutzen geleugnet oder übersehen wird
          ii) die unrealistissche Annahme gemacht wird, doe Unterdrückung der Frauen sei eine nachgewiesene, empirische Tatsache
          iii) und der in Rede stehende Sachverhalt im Lichte dieser Annahme so gedeutet wird, daß er der Annahme nicht widerspricht.

          Dem will ich auch gar nicht widersprechen, im Gegenteil.

          Mein topic war etwas anders: Ich habe mich gefragt, wie jemand dazu kommt, diese unrealistische Annahme überhaupt intuitiv plausibel zu machen. Hat man sich, dann kann man – wie von dir beschrieben – allerlei Unsinn damit machen.

          Doch mich interessiert immer: Wie fängt alles an?

  4. crumar sagt:

    @Elmar Teil 1

    Ich bin natürlich *kein* Positivist.

    Aber produziere ganz gehörige Missverständnisse, die damit zu tun haben, dass wir beide in deinem „frame“, nämlich Metaphysik, diskutieren, ohne ein gemeinsames Verständnis von dem entwickelt zu haben, was für uns eigentlich „Metaphysik“ ist.

    Um nicht sofort auf der Meta-Ebene zu landen, möchte ich dies an deinem Kommentar diskutieren:

    „Das Beispiel mit den Transsexuellen geht hingegen so:

    i) Hypothese: Alle Menschen sind heterosexuell.
    ii) experimentum crucis: Es gibt Transsexuelle.
    iii) feministische Folgerung: Heterosexualität ist nicht die Norm.
    iv) Deine Kritik: Dieser Gedankengang legt allenfalls offen, wie Feministen “Norm” definieren, nicht aber Tatsachen über Heterosexualität.
    Bemerkung: Das ist immer noch die alte, männliche Wissenschaft.“

    Von „Bemerkung“ ausgehend: Die feministische „Beweis“führung konnte nur plausibel oder ansatzweise glaubwürdig wirken, weil diese an Popper ansetzte.
    „Alle Schwäne sind weiß.“ ist dem dem Moment falsch und widerlegt, wenn ein schwarzer Schwan gesichtet worden ist.
    Das ist also feministisches Judo: Nutze die Stärken deines (männlichen) Gegenübers, um ihn zu Fall zu bringen.

    Die erste Kunst ist hier, dir eine Hypothese in den Mund zu legen, die du – Elmar – in Kenntnis der Geschichte niemals tätigen würdest: „Die Geschichte der Menschheit ist durchgängig und allumfassend geprägt von heterosexueller Orientierung und Identität.“ Spätestens wenn du die antike griechische Kultur studiertest, wärst du mit einer solchen Aussage eher zögerlich. Der feministische Clou ist, dir den *Gegenbeweis* zu einer Aussage unterzuschieben, den du bestenfalls mit geschlossenen Augen unterschrieben hättest.

    Ende Teil 1

  5. crumar sagt:

    Teil 2

    Die hypnotische Sprachfigur: Sie vereinnahmen dich, Elmar, auf der Basis deines Geschlechts, für Aussagen von bspw. Physiokraten des 18 Jahrhunderts, deren Motivation aus der KONKRETEN Geschichte absolut nachvollziehbar ist und behaupten diese als AHISTORISCHE Konstante.

    Auf der Basis einer Geschichte, in der Produktivität einer Gesellschaft sich an der Kopfzahl der Gesellschaft misst, ist die Geburtsrate von Frauen und Männern und deren Heterosexualität zu diesen ZWECK ein ernsthaftes Thema. Wenn ich Arbeitskraft = 100% setze und der Bedarf an Arbeitskraft sich mit 20 multipliziert, dann müssen 20 Arbeitskräfte geboren werden. Wenn nur 3 geboren werden, habe ich ein ernsthaftes Problem meinem ZIEL näher zu kommen. Es sei denn ich schaffe es durch den Beitrag von was auch immer – z.B. Wissenschaft – dass die Arbeit von 3 die von zwanzig ersetzt.

    An diesem Punkt wird Hexenverbrennung zweckrational.

    Gesetzt dem Fall natürlich, ich kann die Anzahl von Mäulern stopfen, die somit produziert werden.
    Ist das so, dann muss die Landwirtschaft bspw. produktiver werden, ist dem nicht so, dann verrecken die überzähligen Mäuler und die Kirche spendet Trost.

    Weil dem *sehr* viel früher nicht so war, kannten die römischen Frauen der Oberschicht Mittel der Empfängnisverhütung – aber die Latifundien dienten auch der (von Sklaven betreuten) Viehzucht oder der Gemüseproduktion und das Korn kam aus Ägypten.
    Es gab also DAMALS überhaupt keinen Grund für die „Frucht des Leibes“ und deren Überproduktion.
    Die griechischen Männer der Oberschicht zwangsheirateten irgendwelche Frauen, um mit diesen erbberechtigten Nachwuchs zu zeugen und hatten ansonsten Spaß mit Prostituierten und Mätressen und Knaben.

    An dieser Stelle ein wenig „Evolutionsgeschichte“ für Männer: Die MÜTTER suchten (und suchen noch heute) in der Regel die passenden Gattinnen aus. Nach Kriterien, die nicht unbedingt gängigen Vorstellungen von dem beinhalteten, was Männer unter „weiblicher Attraktivität“ verstehen.
    Oder anders herum: Die Mutter deiner Kinder sollte evtl. das werden, was du im Kerker und Dunkel der Nacht, besoffen und gefesselt ficken würdest.
    So paarten sich historisch also Alpha-Mann und Alpha-Frau, Christian.

    An diesem Punkt wird Hexenverbrennung ebenfalls zweckrational.

    Im ersten Fall verbrennt du die blöden Schlampen, die noch Kenntnis von empfängnisverhütenden Maßnahmen haben und im zweiten Fall eine binnengeschlechtliche Konkurrenz (Schlampen) – was sehr gut erklärt, warum Hexenverbrennung solch ein intergeschlechtlicher Erfolgsfall werden konnte.

    Ende Teil 2

  6. crumar sagt:

    Was wiederum bedeutet: JEDE feministische Geschichte und Geschichtsschreibung läuft *zwangsläufig* auf eine FÄLSCHUNG hinaus.
    D.h. die BLOSSE Existenz anderer sexueller Identitäten oder Orientierungen macht nur im Rahmen einer feministischen Geschichtsschreibung Sinn, in dem diese als Widerstand GELTEN.
    Und „gelten“ heißt, ich muss diesen Geltung verschaffen.

    In dem Fall (ich übertreibe hier) wird die Existenz einer nicht-heterosexuellen Sexualität aber nicht nur verwendet, um die sexuelle Orientierung der Mehrheit einer Gesellschaft in Frage zu stellen, sondern sie behaupten das ANDERE sexuelle Orientierungen und Identitäten überhaupt eine Form von Widerstand SIND.

    Nur wenn ich behaupte, „Lesbianismus“ wäre *mehr* als eine sexuelle Orientierung, macht „Lesbianismus überhaupt nur einen Sinn.
    Nur wenn ich behaupte, Lesbianismus wäre überhaupt und auch nur annähernd nur eine MEINUNG, macht diese Behauptung einer IDENTITÄT Sinn.
    Weder ist aber „Lesbianismus“ eine Politik, noch überhaupt eine Meinung.

    Diese IDENTITÄT ist aber kein Produkt einer Handlung, sondern einer einer ZUSCHREIBUNG (=SETZUNG).
    D.h, „IDENTITÄR“ oder Identität ist ebenso eine soziale Konstruktion mit einem bestimmten INTERESSE, diese als genuine „Identität“ (also voraussetzungslos) ERSCHEINEN zu lassen.

    Ende Teil 3

    Schönen Gruß, crumar

    • quellwerk sagt:

      Ich unterschreibe alles.

      Willst du diese Gedankengänge nicht einmal an einer aktuellen Konstruktion versuchen, i.e. an der Homoehe (als Euphemismus: „Ehe für alle“.)
      Ich habe dsbzgl. schon einige Auseinandersetzungen mit Nachtschattengewächs und Adrian gehabt. Ich bin so gefahren, dass ich den Fortpflanzungsgedanken in den Mittelpunkt gerückt, hier einen Mangel festgestellt und diesen in der ungleichen Verteilung der Reproduktionsrechte zwischen Männer und Frauen verortet habe. Die Gegenseite ist so vorgegangen, den Begriff der Ehe mit der Wirklichkeit zu vergleichen, hier eine Nichtübereinstimmung festzustellen, was eine Anpassung des Ehe-Begriffs an die gesellschaftliche Realtiäten zur Folge haben soll. Examplarisch ist diese Argumentation an der einfallslosen Antje Schrupp zu begutachten:

      https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2015/august/ehe-nach-bedarf

      Erst gibt sie eine tendenziöse historische Einordnug des Ehe-Begriffs, in der alles Mögliche ( was aber unbestreitbar vorhanden ist) vorkommt, nur nicht der Wille zur Fortpflanzung bei den Männern und die Frage, wie dieser anzuheben sei. Dann unterwandert sie den Ehebegriff dahingegehend, dass er im Grunde nur ein Ausdruck von care-Arbeit sei, weshalb wg. des Demographiewandels die Ehe ein Rückzugsort für Alte, Gebrechliche, Kranke und alleinstehender alte Lesben (wie Antje Schrupp) wäre.

      Insgesamt erfährt der „care“ Begriff, so wie die „intersektionalität“, eine Konjunktur beim Feminismus (ein Gedanke, der von Foucault, nämlich die „Sorge um sich“, ins Spiel gebracht wurde). Feminismus ist ein Zusammenschluss intellektuell unbegabter Frauen, die, wie ein moving target, alle paar Monate einen neuen Begriff auf den Markt schmeissen und sich wie Schmeissfliegen darauf werfen und solange daran saugen, bis es Zeit für den nächsten wird.

      • crumar sagt:

        @quellwerk

        Ich habe kurz in den verlinkten Artikel hineingelesen.
        Aaaargh.
        Wie schafft diese Frau eigentlich eine solche Aneinanderreihung von verwirrten Sätzen, ohne dass ihr Kopf implodiert?

        „Feminismus ist ein Zusammenschluss intellektuell unbegabter Frauen, die, wie ein moving target, alle paar Monate einen neuen Begriff auf den Markt schmeissen und sich wie Schmeissfliegen darauf werfen und solange daran saugen, bis es Zeit für den nächsten wird.“

        Auf der einen Seite: WORD! 🙂

        Auf der anderen Seite ist das m.E. Ausdruck eines komplett gewandelten Verständnisses linker Politik, die so – manipulativ – durchgesetzt werden soll.

        Setze mich heute Abend noch einmal an die Schrupp und deinen Kommentar.

        Schönen Gruß, crumar

        • quellwerk sagt:

          Ich bin mir meiner Rechtschreibschwäche bewusst, gerade wenn es um die Verwendung von ss,s und ß geht. Ich lasse meine Texte nie über eine Rechtsschreibkorrektur laufen. Wenn es noch mehr von meiner Sorte geben sollte, hier ein nützliche Information:

          Man verwendet „ß“ u.a.
          nach einem (gleichermaßen als lang geltenden) Doppelvokal (Diphthong): heißen, außen.

          also heisst es: Schmeißfliegen und schmeißen.

          • quellwerk sagt:

            Mein Gott: heißt und nicht heisst. Ich sach’s ja.

            • crumar sagt:

              @quellwerk

              Das kommt davon, wenn man noch uraltes Hiphop-Zeug verwendet! 😦

              „WORD!“ heißt: „Du sagst es!“, „Stimme ich zu 100% zu!“ 🙂
              Ich wollte auf gar keinen Fall deine Rechtschreibung kritisieren und schon mal gar nicht, die Verwendung von ss und ß.

              Ganz ehrlich: Die Regeln des Einsatzes habe ich bis heute nicht begriffen.
              Warum heißt es „Gruß“ aber „Kuss“?
              Weil der eine Vokal länger gesprochen wird?
              „Kloß“ und „Floß“, „Schoß“ völlig logisch, so wie „Stress“, „Schuss“, „Genuss“ wäre ein prima Indikator.
              Aber warum heißt es bei den Verben dann „grüßen“, „küssen“, jedoch „schießen“ und „genießen“???

              Ich könnte mir vor Wut in den Hintern „beißen“ – bzw. ich „biss“ mir bereits mehrfach in diesen.
              Aaaaaargh.

              In welchen Fällen ich falsch liege, sagt mir ebenfalls meine Rechtschreibkorrektur. 😉

              Schönen Gruß, crumar

            • quellwerk sagt:

              Hey, so habe ich dich auch gar nicht verstanden. Hiphop WORD kannte ich. Mir sind meine Fehler selbst aufgefallen, weil du mich zitiert hattest. Abgesehen davon bin ich nicht aus Zucker. Wenn du es so gemeint hättest, wie du geglaubt hast, dass ich es verstanden habe, wäre es ok gewesen. Lieber eine knackige Breitseite, als eine Behandlung mit Samthandschuhen. So, ich glaube jetzt haben wir’s. Bis dann. 🙂

          • Peter sagt:

            >>Man verwendet “ß” u.a.
            nach einem (gleichermaßen als lang geltenden) Doppelvokal (Diphthong): heißen, außen.<<

            Sowas wie dieses seltsame ß gibts bei uns (in der Schweiz) nicht. Ich frage mich manchmal, ob mich Leute wegen der "Fehler", d.h der Nichtverwendung dieses ß für ungebildet halten. Wird in der Schweiz nicht verwendet. Geht ganz gut ohne.

  7. crumar sagt:

    @quellwerk

    Himmel hilf, was habe ich für schlaue Mitmänner….

    „Eine Beantwortung dieser Frage würde in diesen Wechselbezug eingreifen und zum Input für eine Theorie der Beobachtung werden und ist damit nur eine Antwort für einen abgelaufenen Zeitpunkt.“

    Das meine ich.
    Diese Frage ist nur unter konkreten historischen Voraussetzungen konkret zu beantworten.

    „Diese Antwort ist nicht wissenschaftlich falsifizierbar, weil sie den Wechselbezug verändert hat. Der ursprüngliche Wechselbezug ist nicht reproduzierbar, wie du richtig schreibst. Daher zielen solche Antworten oft gar nicht auf die Erklärung des Wechselbezuges, sondern gehen gleich an seine Manipulation.“

    Jup – es ist gar nicht mehr die Frage, wie ein Sachverhalt erklärbar ist, sondern wie der Wechselbezug so konstruierbar bzw. als nicht existent erklärt werden kann, wie es eben die politischen Mittel hergeben.
    Wenn ich eine Gesellschaft *konstruieren* kann, in der ahistorisch *alle* Männer über *alle* Frauen geherrscht haben, dann muss mich der WECHSELSEITIGE Bezug der Geschlechter aufeinander nicht wirklich interessieren.
    Männer = Dominanz, Frauen = Unterordnung.
    Reicht doch.
    Ich muss nur die Machtmittel haben, DIESE Konstruktion durchzusetzen.

    „Diese Überlegungen gelten aber nur für weiche soziale Phänomene, die manipulierbar sind. Harte soziale Beziehungen,die z.B. das nackter Überleben sichern, können mit einer Theorie erklärt werden, die falsifizierbar ist, weil die Antwort den Wechselbezug nicht beeinflusst und dieser dadurch reproduzierbar ist.“

    Angenommen, wir haben beide ein ähnliches Verständnis von Humor: „WEICHE soziale Beziehungen sind manipulierbar und HARTE soziale Beziehungen falsifizierbar.“

    Ich habe sehr, sehr, sehr herzlich gelacht! :))))

    Vielen Dank und schöne Grüße, crumar

    • quellwerk sagt:

      Ich lache gern und viel und bin immer für einen guten Witz zu haben, auch wenn er auf meine Kosten geht.

      Ich habe tatsächlich nur deine Formulierung des Wechselbezugs zwischen Denken und Sein aufgegriffen, weil ich mich aktuell mit dem Sozialkonstruktivismus beschäftige und einen ähnlichen Gesichtspunkt bei einem Autor wiedergefunden habe, der als Sozialkonstruktivist begonnen hatte und sich im Laufe seines Forscherlebens immer mehr zum Naturalisten entwickelt hat: Bruno Latour. Sein Schwerpunkt ist Wissenschaftssoziologie. Feministen erklären den einzelnen Wissenschaftlter und seinen Gegenstand als irrelevant für die Entstehung einer bestimmten Wissenschaft, wie z.B. die Physik. Sie postulieren ein unbestimmtes „Soziales“, welches dafür verantwortlich sei, das dieser Wissenschaftler und dieser wissenschaftliche Gegenstand entstanden ist. Latour hat sich davon abgesetzt. Er sagt: Zuerst gibt es den Wissenschaftler mit seinem konkreten Erkenntnisinteresse und darum herum bilden sich Assoziationen, die man sozial nennen könnte.
      Er sagt damit also, dass die Idee, in diesen wissenschaftlichen Wechselbezug mittels sozialer Konstruktion einzugreifen, alles mögliche bewirkt, nur keinen Erkenntnisgewinn. Erkenntnisgewinn wäre das Feststellen von Gesetzmäßigkeiten, die der Falsifaktion zugänglich sind. Dies ist es wohl auch, was du sagst. Ich sehe diesen „naturalistischen turn“ skeptisch, weil seine Beweiskraft genauso groß ist, wie die sozialkonstruktivistische These. Es läuft darauf hinaus, dass Latour sich für einen Perspektivenwechsel entscheidet, den man auch sein lassen könnte. Dann stellt sich die Frage, ob es Wissenschaften gibt, die per se gegen den Sozialkonstruktivismus immun sind. In Anbetracht der Sachlage, dass Mathematik und Logik, als auch Biologie genderistisch unterwandert werden, ergibt sich die Vermutung, dass der Idee des Einfluss der Perspektive auf das wissenschaftliche Objekt und Subjekt, keine Grenzen gesetzt sind. Wenn es eine Grenze gäbe, dann müsste der Gegenstand so unabweisbar unabhängig von der Perspektive sein, dass jeder Sozialkonstruktivismus daran scheiterte. Dies meinte ich mit den „harten“ Faktoren. Naiver Weise habe ich diese Faktoren in einem Bereich vermutet, der durch rohe Triebe determiniert ist: der Überlebenskampf.
      Deine Belustigung kommt vielleicht durch eine sexuelle Konnotation zustande, in der das Weiche die Vagina der Frau ist, die durch das Harte des Penis manipuliert wird. Aber selbst da kann die Perspektive den harten Gegenstand, die Erektion, so verändern, dass seine Falsifikation, die Erektionsstörung, nicht mehr das Ergebnis eines rein biologischen Sachverhalts ist (Alter, körperliche Fitness, Heterosexualität) und somit reproduzierbar wäre. Die wachsende sexuelle Abstinenz der grassfressenden jungen Männer in Japan sind wohl kaum biologisch zu erklären, eher mit einer in die Gesellschaft zersetzend eingreifenden Perspektive, wie die des Feminismus.

  8. […] Auch bei Elmar Diederichs gibt es etwas zu man-tau: Feminismus und Maskulismus: Jenseits von Schoppes Verständnis. […]

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