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Warum Wünsche keine Dispositionen sind

Die soziale Welt ist schon ziemlich übervölkert mit eigenartigen Gewohnheiten, noch seltsameren Phämonenen und Leuten, die man am liebsten nie getroffen hätte. Der Computerbiologismus macht alles noch verrückter und hier ist ein weiterer Grund, warum das so ist.

Übersicht:


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tl;dr:

Wünsche sind keine Dispositionen und mentale Erklärungen sind keine dispositionellen Erklärungen. Diese Position gab es schon vor über 60 Jahren unter dem Namen logischer Behaviorismus, der denselben Einwänden ausgesetzt ist wie der reduktionistische, semantische Physikalismus. Denn Mentales kann nicht zirkelfrei nur unter Bezug auf Handlungen definiert werden: Es lassen sich niemals alle mentalen Ausdrücke aus irgendeiner vorgegebenen Definition eines mentalen Ausdrucks ohne Sinnverlust eliminieren.

I. Wie kann man Personen vermessen?

Daß die Alltagspsychologie im nicht-reduktiven Physikalismus selbst eine Theorie und keine Verlängerung der Neurobiologie mehr ist, ist geradezu eine Bombe. Denn dieses Ergebnis rüttelt an an der Idee, daß man das Innenleben der Personen auf direkte Weise und ohne Informationsverlust aus der nebulösen Sphäre des Verstehens von Gründen in den vollausgeleuchteten OP der Naturwissenschaft shiften kann. Die beiden bekanntesten Projekte hierzu folgen übrigens beide einem methodologischen Individualismus:

  • (1) Hinter dem methodologischen Individualismus verbirgt sich die Idee, daß man fast alle Fragen beantworten kann, indem man den Menschen unabhängig von ihrer Wechselwirkung mit anderen Menschen betrachtet. Soziale Phänomene sind daher nicht sui generis, sondern nur als Aggregate zu analysieren.

Beide Projekte – die Verhaltenspsychologie und der Computerbiologismus (kurz: Biologismus) – und liegen aber im Sterben:

  • Die als Naturwissenschaft betriebene Verhaltenspsychologie entspringt ursprünglich der psychologischen Strömung des Behaviorismus und ist jener Teilbereich der Psychologie, welcher sich mit der Beschreibung, Erklärung und Voraussage des menschlichen Verhaltens in bestimmten Situationen beschäftigt. Ziel ist es, anhand des beobachteten Verhaltens wie beispielsweise Mimik, Gestik und die Analyse von Gesprächen auf die psychische Verfassung von Personen zu schließen und die Zusammenhänge von Verhalten und Umwelteinflüssen aufzuklären. Daraus entwickelte sich die Verhaltenstherapie.

Doch die Verhaltenspsychologie kämpft schon seit Längerem mit gravierenden Problemen: die in der Verhaltenspsychologie weit verbreitete Theorie Ego-Depletion scheint unhaltbar zu sein bzw. der Effekt der Trainierbarkeit der Willenskraft gar nicht zu existieren und nach den Ergebnissen des Reproducebility Projects Psychology ließen sich nur 31% aller psychologischen Studien komplett reproduzieren. Und ich sage voraus, daß diese Krise noch weitere Kreise ziehen wird.

Auch der Biologismus, der Wissen über Mentales aus der genetischen Ausstattung der Menschen ableiten will, schimmelt gerade von beiden Seiten aus simultan weg – in allen erdenklichen Farben:

  • i) Von biologischer Seite aus wird geltend gemacht, daß nach den Ergebnissen der großangelegten Forschungsprojekte HGP und ENCODE die wahre Bandbreite der biolgischen Funktionen von Genen – vor allem die Regulation der Genexpression – mit dem vom Biologismus benötigten Verständnis eines Gens als zwischen den Generationen via Selektion optimierten physiologischen Konstruktionsblaupause unverträglich ist und der Biologismus damit auf ein inzwischen in der Biologie überholtes, essentialistisches Verständnis von Genen angewiesen ist.
  • ii) Von humanistischer Seite aus wird geltend gemacht, daß der Biologismus die ordnungsstiftende Funktion des in Handlungserklärungen generierten, empirischen Wissens von allein Personen charakterisierenden, alltagspsychologischen Zuständen im Grunde ignoriert und auf ein Verständnis des Zusammenhangs von Gehirn und Geist angewiesen ist, das zwischenzeitlich widerlegt wurde.

Mit der evolutionären Psychologie sieht es infolgedessen nicht viel rosiger aus. Beides wird auf diesem blog noch ausführlich Thema sein: Biologismus und evolutionäre Psychologie sind Ansätze, die im Fortgang der normalen Evolutionsbiologie widerlegt und überwunden wurden. Das ist ein völlig normaler Vorgang, doch wie gewöhnlich braucht es eine Weile, bis sich das auch überall herumspricht.

  • a) Für die manosphere wird der Wegfall des Biologismus wie eine Befreiung wirken, weil der Blick auf die sozialen Probleme der Männer nicht mehr durch die Vortäuschung einer künstlichen Normalität aus evolutionsgeschichtlichen Fiktionen getrübt sein wird.
  • b) Übrigens werden sich auch die Frauen und die Feministen sich die Zeiten des Biologismus und damit der alltagspsychologischen Unfähigkeit der Männer zurückwünschen. Denn ihnen ist am meisten daran gelegen, daß Wissen über die Handlungsgründe der Frauen unzugänglich ist.

Das systematische Versagen des für den Biologismus wesentlichen, methodologischen Individalismus wird uns im nächsten post beschäftigen. Hier wird es darum gehen, daß der Biologismus zwar beansprucht, das Verhalten der Menschen mit metaphysischem Letztbegründungsanspruch enträtselt zu haben, aber bereits bei der Analyse der elementarsten, empirischen Alltagsphänomene scheitert.

II. Beruht die Alltagspsychologie auf Dispositionen?

Die Frage, was Wünsche sind, ist auf diesem blog schon einmal beantwortet worden: Zum Grundwissen der Alltagspsychologie gehört es, zu wissen, daß es viele verschiedene Pro-Einstellungen von Personen gegenüber etwas gibt. Einige, aber nicht alle dieser Pro-Einstellungen sind hier bereits beschrieben worden. Diejenigen Pro-Einstellungen, die

  • a) nur Erfolgsbedingungen haben, nennen wir Bedürfnisse
  • b) sowohl Erfolgsbedingungen als auch Erfüllungsbedingungen aufweisen, nennen wir wegen (9) Wünsche.
  • c) lediglich Verhaltensbedingungen haben, nennen wir Präferenzen.

Im Folgenden wird nur von Wünschen i.o.g.S. die Rede sein.

Die erste, konkrete Idee, die man zur Naturalsierung des Inventars der Alltagspsychologie, der intentionalen Zustände, intuitiv haben kann, besteht darin, sie mit Dispositionen in Zusammenhang zu bringen.

  • (2) Im Grunde ist das eine Strategie, darzulegen, inwiefern das mind-body-problem auf einer Art Mißerständnis beruht und eigentlich gar keine Herausforderung darstellt, weil nur das für das Verständnis des Mentealen als relevant erklärt wird, was man beobachten kann, während alle inneren Vorgänge auf dem Mythos eines Geistes in der Maschine beruhen.

Kenner der Materie haben natürlich längst erkannt, daß der Computerbiologismus hier den logischen Behaviorismus benutzen könnte, um nachzuholen, was er hier versäumt hat. Eine etwas allgemeinere Auseinandersetzung mit dem semantischen Physikalismus als reduktionistische Theorie liegt übrigens hier bereits vor.

Ein besonders einflussreicher Vertreter mit zugleich anti-metaphyischer Einstellung war Gilbert Ryle, 1949, der sich gegen etwas wandte, was er Descartes Mythos nannte und so beschrieb:

  • i) Jeder Mensch besteht aus Körper und Geist. Der Körper besteht in Zeit und Raum, der Geist nur in der Zeit. Stirbt der Körper, dann kann der Geist eventuell seine Funktionen weiter ausüben. Folgerung: Nur Körper sind den natürlichen Kausalgesetzen unterworfen, nicht der Geist. Zwar ist der Geist kausal wirksam im Hinblick auf körperliche Vorgänge, aber wir wissen nicht, wie.
  • ii) Nur der Körper ist intersubjektiv zugänglich und damit öffentlich, der Vorgänge des Geistes hingegen sind privat. Folgerung: Nur der Geist selbst kann daher von ihnen wissen. Daher ist auch zweifelhaft, ob man jemand wissen kann, was andere Menschen denken und fühlen.

Ryle zufolge beruht das komplette mind-body-problem auf einem Kategorienfehler. Dabei gilt:

  • Einen Kategorienfehler begeht, wer einen Ausdruck so benutzt, als gehöre er zu einer anderen Kategorie.
  • Zwei Ausdrücke gehoeren genau dann zur selben Kategorie, wenn man den einen in allen Kontxten durch den anderen ersetzen kann, ohne dass Unsinn entsteht. Beispiel für Uninn: „Sie kam heim in einer Flut von Tränen und in einer Sänfte.“
  • Beispiele fuer Kategorienfehler: a) Die Verfassung eines Landes fuer ein schattenhaftes Wesen halten, das ebenso existiert, wie das Parlament. b) Auf dem Fussballplatz neben den Aktionen der Spieler auch den Mannschaftsgeist sehen wollen. c) Den durchschnittlichen Steuerzahler für eine Person halten.

Der Kategorienfehler, der dem mind-body-problem zugrunde liegt, ist die folgende Annahme, die Ryle auch mentalistisch nennt:

  • Mentale Ausdrücke wie „sich erinnern“, „denken“, „wahrnehmen“, „glauben“, „wollen“ beziehen sich auf verborgene Ereignisse oder Vorgänge im Inneren bzw. im Geist.

Doch tatsächlich würden diese Asudrücke Ryle zufolge verwendet werden, um öffentlich zugängliche Handlungen zu charaktersieren und die Art und Weise ihrer Organisation zu beschreiben. Was den Willen, Willenentschlüsse und Willensakte angeht, hatte Ryle ein besonderes Interesse. Denn er argumentiert:

  • Nie sagt jemand, er sei um zehn Uhr vormittags damit beschäftigt gewesenm dieses oder jenes zu wollne oder er habe fünf schnelle und leichte und zwei langsame und schwere Willensakte zwischen Frühstück und Mittagesses ausgeführt.“ (Ryle, 1949, p.81)

Außerdem macht Ryle geltend:

  • Wenn Willensakte verborgene, geistige Vorgänge wären, könnte kein Richter oder Lehrer je wissen, obdas Verhalten eines Angeklagten bzw. Schülers nun willentlich war oder nicht.
  • Wenn Willensakte innere Handlungen wären, dann müßten sie selbst entweder willentlich oder unwillentlich sein. Sind sie willentlich, dann gibt es einen unendlichen Regreß an Willensakten. Sind sie unwillentlich, dann: Will ich etwas unwillentlich, z.B. weil ich nicht widerstehen kann, dann wird man kaum sagen, dies sei mein Wille.

Stattdessen würde es laut Ryle nur in moralischen Zusammenhänge darauf ankommen, ob etwas willentlich war oder nicht, so daß Ryle folgende Definition vorschlägt:

  • (4) Eine unerwünschte oder mißglückte Handlung ist willentlich genau dann, wenn der Handelne Kenntnisse und Fähigkeiten besessen hätte, die Handlung richtig auszuführen und nicht durch äußere Umstände von der richtigen Ausführung abgehalten worden wäre.

Über einen Geist zu verfügen, heißt demnach, gewisse angemessene Muster beobachtbaren Verhaltens an den Tag zu legen bzw. mindestens dazu zu tendieren. Verhalten ist alles, was Organismen aus eigenem Antrieb und damit freiwillig tun können und beobachtbar ist. Verhalten, daß seiner Identität nach psychologische Komponenten mit einschließt, wie z.B. das Unterschreiben eines Schecks, wird dabei vernachläßgt. Entsprechend versucht der logische Behaviorismus, die Bedeutung mentaler Ausdrücke so zu konstruieren, daß sich diese nicht lediglich auf private Zustände und Ereignisse beziehen, sondern auf öffentlich zugängliche und intersubjektiv verifizierbare Tatsachen.

Ryle zufolge besteht der fundamentale Irrtum bei Descartes Mythos somit darin, daß Erklärungen, in denen wir das Verhalten von Personen auf ihre Wünsche, Motive, Überzeugungen oder andere Charakterzüge zurückführen, als Kausalerklärungen auffaßt. In Wahrheit seien sie aber dispositionelle Erklärungen.

  • (5) Wenn man einem Gegenstand eine Disposition zuschreibt, dann sagt man damit, daß sich dieser Gegenstand unter bestimmten, gesetzmäßigen Bedingungen auf eine bestimmte Weise verhalten wird. So wird, z.B. eine Glasscheibe zerbrechen, wenn sie von einem Stein getroffen wird, weil sie zerbrechlich ist. Entsprechend bezeichnen mentale Ausdrücke wie z.B. „eifersüchtig“ Dispositionen von Personen.

Die Probleme bei dieser Art von semantischen Physikalismus sind allzu bekannt:

  • Bei der Definition von Clusterbegriffen ist es kaum möglich alle Gegenbeispiele zu vermeiden, was bedeutet, daß man für sie kein eindeutiges set notwendiger oder hinreichender Bedingungen finden läßt.
  • Es ist unmöglich, mentale Ausdrücke zirkelfrei in ausschließlich physikalischer Sprache zu definieren.

Letzteres müssen wir uns genauer am Beispiel eines Definitionsvorschlages ansehen, um die volle Tragweite dieses Zirkeleinwandes zu verstehen. Betrachten wir folgendes Beispiel:

  • A will einen Schnaps, wenn A zu Hause ist, sich Schnaps im Kühlschrank befindet und er sich den Schnaps holt oder wenn er in einer Kneipe ist und er ihn bestellt oder eine Einladung zum Schnaps sofort annimmt.

Das Problem ist, daß zu dieser Definition von Wollen sofort Gegenbeispiele auftauchen: Nicht jeder, der Schnaps will, wird sich auch einen genehmigen wie z.B. ein Alkoholiker, der gerade versucht, seine Sucht zu überwinden. Oder denken wir nur an jemanden, der eigenlich Schnaps will, aber abgelenkt wird oder gerade Besseres zu tun hat, als zu trinken. Daher muß offenbar die Definition verbessert werden:

  • A möchte einen Schnaps, wenn A zu Hause ist, sich Schnaps im Kühlschrank befindet und er sich den Schnaps holt, falls er gerade nichts Wichtigeres möchte und glaubt, daß Schnaps im Kühlschrank ist oder wenn er in einer Kneipe ist und er ihn bestellt, falls er es nicht gerade vorzieht, z.B. über Fußball zu streiten oder eine Einladung zum Schnaps sofort annimmt – es sei denn, er glaubt, einen guten Grund zu haben, diese Einladung abzulehnen.

In dieser Definition von Wollen tauchen die mentalen Ausdrücke „möchten“, „vorziehen“ und „glauben“ aber wieder auf, ohne daß wir sie eliminieren könnten, was die Definition aber zirkulär macht. Auch die Anzahl der Gegenbeispiele ist damit nicht erschöpft. Denn A muß offenar auch körperlich dazu in der Lage sein, sich Schnaps zu holen usw., was infolge eines Gebrechens oder auch des Fehlens von Schwerkraft nicht möglich sein kann etc.. Der Punkt ist: Solche Definitionsschwierigkeiten sind offenbar notorisch.

Mit anderen Worten: Man kann die Realisation von Wünschen bei Personen nicht direkt beobachten. Man kann muß schon verstehen, daß es für Personen heißt, überhaupt Pro-Einstellungen zu haben, um erkennen zu können, daß diese Personen in einer konkreten Situation einen bestimmten Wunsch hegen.

III. Wünsche im Biologismus

Es gibt eine Menge grundverschiedener Pro-Einstellungen in der Alltagspsychologie, aber der Biologismus schert sie alle über einen Kamm und nennt in der Regel nur Beispiele, in denen in Wahrheit von nichts anderem als Bedürfnissen die Rede ist.

Das Interessante daran ist, daß das gerade Suchtphänomen sogar am Alltagsverständnis von Bedürfnissen völlig vorbeigeht. Denn zum Einen gibt es Bedürfnisse, die selbst keine Sucht sind, wie z.B. einzuatmen und zum anderen gibt es Süchte, die keine Bedürfnisse sind, wie z.B. die nach sozialer Anerkennung. Denn wie hier bereits gezeigt wurde, ist es Bedürfnissen völlig egal, auf welche Weise sie zufrieden gestellt werden – was seinerseits für die wenigsten Pro-Einstellungen gilt.

  • Noch wesentlicher scheint mir zu sein, daß die Möglichkeit, süchtig zu werden, evolutionär extrem unvorteilhaft ist: Offenbar sind Süchtige im Mittel weder besonders attraktiv im Hinblick auf sexuellen Selektion, noch sind sie besonders effizient, sich und anderen ein Auskommen zu sichern oder sonstige Vorteile zu maximieren oder Risiken zu minimern. Wie kommt es eigentlich, daß die Möglichkeit, süchtig zu werden, nach so vielen Generationen noch nicht evolutionär ausgemerzt wurde? Warum funktioniert der Biologismus eigentlich nicht bei allen physiologischen Merkmalen?

Aber nehmen wir spaßeshalber einmal an, der Computerbiologismus würde sich ausschließlich auf die Bedürfnisse wie Nahrung oder Sexualität beschränken, um argumentativ haltbar zu sein. Was würde dann passieren?

Es ist an dieser Stelle leicht absehbar, daß viele – aber nicht unbedingt alle – Bedürfnisse eine biologische Quelle haben: Daß ein Säugling nicht frieren, hungern oder eine volle Windel nicht spüren will, ist vermutlich eine Sache mit der er auf die Welt gekommen ist. Das ist weder erstaunlich, noch erwähnenswert. Auch für sehr elementare Präferenzen mag das gelten. Doch während die Voreiligen an dieser Stelle bereits innerlich aufjubeln, ist anderen klar, daß das Grab der Biologismus anfängt, Formen anzunehmen. Und zwar so:

  • i) Gäbe es nur Bedürfnisse, dann wäre die deterministische Grundintuition des Biologismus und ihre biologische und evolutionäre – leider auch völlig akzidentielle – Verbrämung ein viel stärker Gegner, als er ist in Wahrheit ist. Doch da es noch mehr Pro-Einstellungen gibt, sind die Chancen des Computerbiologismus gering.
  • ii) Der Biologismus hat die Idee, daß wenigstens die Bedürfnisse biologischer Provenienz etwas Zwingendes für die Entscheidungen im Rest des menschlichen Daseins an sich haben. Wenn man jedoch zeigen kann, daß diese Bedürfnisse untergehen oder wenigstens durch andere Pro-Einstellungen überlagert oder überschrieben werden können, dann könnte man eine persönliche Freiheit unserer Entscheidungen etablieren, die verständlich macht, daß Menschen im Laufe ihres Lebens wirklich dazulernen, sich über ihre biologischen Dispositionen erheben können, und daher der kulturelle Anteil an jeder Entscheidung dominiert – falls die Person jahrelang brav an sich gearbeitet hat. Der Biologismus bleibt bislang jedes Argument schuldig, warum das trotz vieler Beispiele z.B. von Asketen nicht möglich sein soll.
  • iii) Wenn der Determinismus aber nicht zwingend ist, dann haben Menschen eine Chance – wenngleich keine Garantie – auf personale Autonomie. Wir erinnern uns, daß personale Autonomie zwei approaches hat: einen prozeduralen der Entscheidungsentstehung und einen strukturellen der Entscheidungsbegründung.  Es ist klar, daß der von Feministen bevorzugte Ansatz der prozeduralen Entscheidungsentstehung viel bessere Chancen hat, mit einem Determinismus verträglich zu sein, als der strukturelle Ansatz der Entscheidungsbegründung. Schon aus diesem Grunde ist leuchtet ein, daß der Computerbiologismus nicht unbedingt die schärfste Waffe gegen Feminismus sein wird – aus begrifflichen Gründen muß es schärfere Waffen geben.

Wenn also schon das alltagspsychologische Verständnis des Computerbiologismus nicht allzu viel zu bieten hat, sollte wenigstens sein Determinismus etwas besser sein. Es wird sich zeigen, daß das nicht der Fall ist.


12 Kommentare

  1. „Von biologischer Seite aus wird geltend gemacht, daß nach den Ergebnissen der großangelegten Forschungsprojekte HGP und ENCODE die wahre Bandbreite der biolgischen Funktionen von Genen – vor allem die Regulation der Genexpression – mit dem vom Biologismus benötigten Verständnis eines Gens als zwischen den Generationen via Selektion optimierten physiologischen Konstruktionsblaupause unverträglich ist und der Biologismus damit auf ein inzwischen in der Biologie überholtes, essentialistisches Verständnis von Genen angewiesen ist.“

    Wenn ich mir die beiden Projekte anschaue, dann sehe ich da nichts, was die von dir dargelegten weiteichenden Widersprüche tatsächlich darstellt.

    Das Gene die Genexpression regulieren ist ja nichts neues und steht in keinem Widerspruch zu den in der Evolutionsbiologie vertretenen Theorien.

    Es gibt eben gerade keine Kostruktionsbaupläne, sondern Wachstumspläne.
    Ein Teil der auch von mir vertretenen Theorien aus der Geschlechtertheorie erfordern das geradezu, etwa wenn bestimmte Gene anders ausgedrückt werden, wenn der Testosteronstand höher ist.

    Hier zB ein Artikel aus dem jahr 2011 bei mir, der darauf aufbaut:
    https://allesevolution.wordpress.com/2011/09/24/wachstum-hoxgene-und-hormonelle-steuerung/

    • „Wenn ich mir die beiden Projekte anschaue, dann sehe ich da nichts, was die von dir dargelegten weiteichenden Widersprüche tatsächlich darstellt.“

      Weil eben nichts deutlicher als dieser Kommentar macht, daß du von der empirischen Naturwissenschaft der Biologie keinen blassen Schimmer hast.

      • Dann kannst du sicherlich auf einen biologischen Artikel verweisen, der deine These entsprechend vertritt.

        Das Steuerungsgene maßgeblichen Einfluss haben ist ein alter Hut, kein widerspruch.
        Das bei einem komplexen Organ die Pläne eine hohe Bedeutung haben ist nur logisch.
        Das ist ungefähr so als würdest du sagen, dass für das Verständnis eines Computers dessen Pläne unwichtig sind, es könne nichts spezialisiertes geben, weil Grafikkarte und Hauptprozesser letztendlich beide aus Silikonkomponenten bestehen

        • „Dann kannst du sicherlich auf einen biologischen Artikel verweisen, der deine These entsprechend vertritt.“

          Es gibt sehr viele. Du könntest sie dir auch selbst aus Wikipedia rausziehen, anstatt von mir zu verlangen, daß ich dir die Windeln anziehe.

          Im übrigen hatte ich dir schon mitgeteilt, daß der humanistische Teil der Widerlegung des Biologismus erst zu Ende geführt wird, bevor die naturwissenschaftliche Widerlegung erfolgt.

          Ich weiß, daß du es nicht ertragen kannst, wenn ich nicht nach deinen Vorgaben arbeite, aber damit wirst du wohl leben müssen.

          • Aber ich gebe auch selbst noch mal was dazu:

            ftp://134.214.32.76/pub/cours/marais/Aline/Ellegren_NatRev07.pdf

            Abstract | Differences between males and females in the optimal phenotype that is
            favoured by selection can be resolved by the evolution of differential gene expression in
            the two sexes. Microarray experiments have shown that such sex-biased gene expression
            is widespread across organisms and genomes. Sex-biased genes show unusually rapid
            sequence evolution, are often labile in their pattern of expression, and are non-randomly
            distributed in the genome. Here we discuss the characteristics and expression of sexbiased
            genes, and the selective forces that shape this previously unappreciated source of
            phenotypic diversity. Sex-biased gene expression has implications beyond just
            evolutionary biology, including for medical genetics.

            • Ein tpisch biologistisches Verhalten: Es wird eine Veröffentlichung zu einem Thema zitiert, um das es gar nicht geht und behauptet, daß damit alles gezeigt und weitere Fragen überflüssig seien.

              Im Grunde ist das eine feministische Strategie, um die kritischen Fragen derjenigen, die nachdenken, zum Schweigen zu bringen.

              Ich glaube, daß dieses notorische Verhalten der Biologisten dem Maskulismus mehr schadet, als alles andere.

  2. […] Phämonene darauf hindeuten, daß intentionale Zustände Werkzeuge der Wissensbeschaffung sind, nicht aber Dispositionen. Insbesondere kommen intentionale Zustände Personen zu, nicht aber Gehirnen. Das Biologisten das […]

  3. […] Es gibt generell keinen Zusammenhang zwischen einzelnen mentalen Zuständen und Verhaltensweisen. Die Folge ist, daß in der Definition eines einzelnen mentalen Ausdrucks wie z.B.  […]

  4. […] Folge ist, daß Wünsche keine Dispositionen sein können. Stattdessen ist die Alltagsspychologie keine Beschreibung der Aktivitäten des […]

  5. […] pure intentional system theory (IST): Ihr Inventar sind die hier schon mehrfach [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7] thematisierten intentionalen Zustände, die allein mit Hilfe der Rationalitätsvermutung […]

  6. […] Wünsche und Meinungen sind Elemente der alltagspsychologischen Theorie, deren Funktion allein darin […]

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