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Was ist so wichtig an alltagspsychologischen Phänomenen?

Daß die Alltagspsychologie im nicht-reduktiven Physikalismus eine Theorie ist, ist für den Computerbiologismus ein ungeheures, systematisches Problem. Dabei sind gerade einige ziemlich seltsame, mentale Alltagsphänomene gute Indizien dafür, daß die Alltagspsychologie eine besondere, empirisch-normative Theorie und keine wie immer geartete Verlängerung der Neurobiologie ist. Das zeigt, daß der Computerbiologismus von unseren psychischen Phänomenen im Alltag nicht die leiseste Ahnung hat.

Übersicht:


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tl;dr:

Der aus dem überholten, essentialistische Genbegriff des Biologismus folgende methodologische Individualismus in der Alltagspsychologie wir in diesem post mit Hilfe von Alltagseispielen zwei Tests unterzogen, die für den Biologismus als experimentum crucis i.S. Poppers fungieren – mit fatalem Ausgang: Der Biologismus versagt in beiden Fällen, was darauf hinausläuft, daß intentionale Zustände nichts Psychisches sind.

I. Woher kommt der methodologische Individualismus?

Das Problem am Computerbiologismus (kurz: Biologismus) besteht darin, daß er selbst nicht genau weiß, was er eigentlich behauptet: So schwankt er – je nachdem, aus welchem Grund er eine Diskussion zu verlieren droht – in der Frage des Zusammenhangs von Gehirn und Geist zwischen dem nicht-reduktiven Repräsentationalismus, dem reduktiven eliminativen Materialismus und dem reduktiven logischen Behaviorismus hin und her. Die Gründe dafür sind ebenfalls nicht einheitlich und zwischen Böswilligkeit und Unfähigkeit ist eigentlich alles dabei. Was man jedoch identifizieren kann, sind wenige Kernkomponenten:

  • (1) Der essentialistische Genbegriff des Biologismus besagt, daß Gene den nur der Evolution unterliegenden, konstanten Wesenkern eines Organismus ausmachen, seine Charakteristika hervorbringen und in diesem Sinne die körpereigene Essenz repräsentieren. Durch die Entwicklung der molekularen Genetik seit den 1950igern wird diese Vorstellung insofern gestärkt, als die DNA ein lokalisierter Proteinstrang geometrischer Struktur darstellt, dem man besondere Kausalkräfte in Bezug auf diese Essenz zuschreiben darf. Denn die Gene schienen den Verlauf der Ontogenese zu determinieren, weil Gene Informationen zur Proteinsynthese codieren. Daß diese Vorstellung nicht stimmen konnte, zeigte bereits das Human Genome Project, welches klar machte, daß nur etwa 1% aller Gene Proteine codieren. Inzwischen hat das ENCODE-Project das Rätsel um die sogenannte junk-dna weitestgehend gelöst und damit den essentialistischen Genbegriff aus der molekularen Genetik verabschiedet (z.B. B. Maher: The Human Encyclopedia in: Nature 489, pp.46-48).

Dieser überholte, essentialistische Genbegriff des Biologismus zieht unmittelbar zwei Konsequenzen nach sich:

  • (2) Zum Einen ringt der Biologismus mit einem kausal motivierten, neuronalen Determinismus, von dem er aber selbst nicht genau weiß, wie er ihn verstehen soll. Mit diesen topics wird sich dieser post jedoch nicht beschäftigen.
  • (3) Zum Andern wird der Biologismus von seinem essentialistischen Genbegriff zu einem methodologischen Individualismus bei der Analyse der Alltagspsychologie gezwungen: Hinter dem methodologischen Individualismus verbirgt sich die Idee, daß man fast alle Fragen beantworten kann, indem man den Menschen unabhängig von ihrer Wechselwirkung mit anderen Menschen betrachtet. Soziale Phänomene sind daher nicht sui generis, sondern nur als Aggregate von etwas zu analysieren.

Die Folge ist, daß die Analyse der empirischen, alltagspsychologischen Phänomene, die der Biologismus aufzuklären beansprucht, als experimentum crucis für den Biologismus im Sinne Poppers gelten kann. Wie wir wissen, weigert sich der Biologismus konsequent, eine eigene Analyse der Alltagspsychologie zu erstellen, weil er ausschließlich naturwissenschaftliche Veröffentlichungen als empirische Grundlage jeder Diskussion zu akzeptieren bereit ist.

  • Ein interdisziplinäres Projekt wie der Biologismus, der Biologisches und Psychologisches irgendwie plausibel verbinden will, darf das natürlich nicht tun, ohne seinem eigenen Anspruch zu widersprechen: Jedes Projekt, daß wissenschaftlich ernst genommen werden will, muß zeigen, daß es verstanden hat, was es seinen Quellen nach aufzuklären beansprucht. Nur der Biologismus meint ganz offenbar, sich an die üblichen wissenschaftlichen Standards nicht halten zu müssen. Denn psychologisches Wissen benötigt er für seine Ideologie nicht, so daß er de facto – und damit im Widerspruch zu seinen eigenen Einlassungen – einen eliminativen Materialismus praktiziert.

Das allein macht den Biologismus entweder zirkulär oder für unsere gegenwärtige Welt vollkommen irrelevant. Testen wir nun zusätzlich seinen methodologischen Individualismus.

II. Test 1: Warum überhaupt intentionale Zustände?

Wenn der methodologische Individualismus des Biologismus wahr wäre, dann würden wir erwarten, daß sich intentionale Zustände als zweistellige Relationen zwischen einer Aussage und einer Person analysieren lassen sollten: Denn nur das Gehirn derjenigen Person, daß diese intentionalen Zustände hegt, erzeugt ja nach genetischen und hormonellen Vorgaben eben diese intentionalen Zustände. Typische Beispiele für intentionale Zustände sind Wünsche und Überzeugungen.

Doch wenn wir an Alltagsbeispielen genau das machen, was der Biologismus zu tun beansprucht, dann finden wir, daß sie dreistellige Relationen zwischen einer Aussage, einer Person und einer nicht uninteressanten Art und Weise eines Gegebenseins eines Sachverhaltes sind. Betrachten wir dazu das folgende Beispiel:

  • (4) Nehmen wir an, die Person A sieht gerade einen Bär, der just in dem Moment eine Person angreift. Dann wird er eine Überzeugung des Inhalts p=“daß ein Bär angreift“ haben. Nehmen wir weiter an, A realisiert nicht, daß er selbst mit der angegriffenen Person identisch ist, z.B. weil er das Ganze durch eine Anordnung von Zerrspiegeln beobachtet. In diesem Fall wird er wohl lediglich eine Warnung rufen und daher vielleicht vom Bären gefressen werden. Realisiert A aber, daß er selbst es ist, der angegriffen wird, so wird er weglaufen oder sich verteidigen und nicht vom Bär gefressen werden. Der entscheidende Punkt ist, daß diese Reaktionen nicht anders ausfallen werden, wenn A zu halluzinieren oder lediglich einen Film zu sehen glaubt.

In (4) wird demonstriert, daß die Überzeugung mit dem Inhalt p in Verhaltenserklärungen zusammen mit einer noch unbestimmten Art des Gegebenseins von p benutzt wird, die über eine Bestimmung der in der Überzeugungszuschreibung explizit vorkommenden Indexwörter wie z.B. “ich“, “hier“ oder “jetzt“ hinausgeht. Wenn wir uns daher im Sinne Strawsons fragen, wie wir Wissen von den intentionalen Zuständen von A erlangen können und – wie hier im Supervenienzabsschnitt dargelegt – das tun, indem wir durch Erklärungen erfolgreich Handlungsgründe beibringen, dann stellt sich heraus, daß wir dabei zusätzlich noch eine Art von Perspektive, eine epistemische Perspektive ξ ,  angeben, die A auf den Inhalt p hat – z.B. ob er ihn für real oder eine echte Bedrohung ausreichend hält. Was in einer Erklärung intentionalen Verhaltens daher wirklich vorkommt, ist eine dreistellige Relation zwischen A, p und ξ. Ohne ξ würde gar keine Erklärung zustande kommen. Mit anderen Worten:

  • (5) Ein intentionaler Zustand Φ einer Person, von dem wir wissen, insofern wir er erfolgreich in einer Handlungserklärung vorkommt, hat mindestens zwei Komponenten, die Aussage p und die epistemische Perspektive ξ . Zu sagen, welchen intentionalen Zustand A ist, heißt daher immer auch – ein klein wenig – zu sagen, was A über sich und über die Welt weiß.

Überraschend, nicht wahr? Man nennt dieses Phänomen gelegentlich auch hidden indexicality (e.g. Haas-Spohn, 1994). Intentionale Zustände Φ sind daher offenbar deshalb so gut für Verhaltenserklärungen geeignet, weil es ihre explanatorische Funktion ist, Arten des Gegebenseins eines Teils der Welt, eines Kontextes, in den Inhalten des Geist zu spezifizieren: Es ist in ihnen eine epistemische Perspektive ξ auf die Welt in intentionalen Zuständen implizit enthalten, die dafür sorgt, daß z.B. Sätze, die intentionale Zustände zuschreiben, intensionale Sätze sind.

  • Definition: Ein Aussagesatz ist intensional genau dann, wenn die Ersetzung aller referierenden Ausdrücke s z.B. Eigennamen oder Kennzeichnungen durch andere Ausdrücke, die auf dasselbe Bezug nehmen, nicht möglich ist, ohne daß sich der Wahrheitswert des Aussagesatzes ändert. Man spricht manchmal auch von einem opaken Kontext.

Denn mit dem referierenden Term s in p wechselt in jedem Fall die Art des Gegebenseins ξ des intentionalen Zustandes Φ für A, weil s einen Beitrag zur sprachlichen Bedeutung von p liefert. Machen wir uns diesen entscheidenden Punkt mal an einem Beispiel klar:

  • (6) Nehmen wir an, daß jemand mit s auf die Venus Bezug nimmt. Dann kann er das durch s=“Morgenstern“ oder s=“Abendstern“ tun, denn in beiden Fällen ist die Venus gemeint. Aber „Der Morgenstern ist der Abendstern.“ drückt eine asronomische Erkenntnis aus, weil zu „Abendstern“ und „Morgenstern“ unterschiedliche Verfahren gehören, einen Stern zu identifizieren: der hellste Stern am Morgen bzw. am Abend. Würde dieses Identifikationsverfahren keinen Beitrag zur sprachlichen Bedeutung von „Morgenstern“ bzw. „Abendstern“ liefert, dann wäre „Der Morgenstern ist der Abendstern.“ genauso informativ wie „Ein Jungeselle ist ein unverheirateter Mann.“. Doch er ist informativer, denn es handelt sich bei „Der Morgenstern ist der Abendstern.“ um eine empirisch wahre Aussage über Planeten. Diese Argumentation stammt ursprünglich von Frege, 1892.

Wenn daher z.B. Überzeugungen einen Beitrag zur Erklärung des intentionalen Verhaltens liefern sollen, dann müssen sie differenzierter erklärt werden als allein durch den geistigen Besitz von sprachlich repräsentierten Inhalten p.

Die Pointe an dieser Stelle ist, daß die sog. versteckte Indexikalität intentionaler Zustände massive Zweifel an folgenden Aussagen weckt:

  • Gedanken zu haben, ist etwas Psychisches – eine These, auf die jeder Biologismus zwingend angewiesen ist und die zum ersten Mal systematisch von Putnam 1975 untergraben worden ist.
  • Will man einen Gedanken identifizieren, so genügt es, die Wahrheitsbedingungen desjenigen Satzes anzugeben, der diesen Gedanken ausdrückt.

Im Grunde ist das ein Moment, wo jeder das Donnern eines Erdbebens im eigenen Verstand hören sollte. Verstärken wir es durch ein paar winzige Anomalien:

  • (7) Nehmen wir an, die Person A hat einen stressigen Tag und läuft nervös in seinem Zimmer umher. Nehmen wir an, das Zimmer habe zwei Fenster an derselben Wand, die jeweils auf einen nahegelegenen Kais zeigen, an dem an dem ein Schiff liegt. Angesichts dessen bleibt A kurz stehen und denkt A wahrerweise: „Das ist das Schiff meines Freundes mit dem wir so oft zum Angeln gefahren sind.“. Nun macht A wieder ein paar Schritte, blickt wieder aus dem Fenster und denkt erneut: „Das ist das Schiff meines Freundes mit dem wir so oft zum Angeln gefahren sind.“. Doch A wird dieses Mal mit guten Gründen diesem Gedanken nicht glauben:  Denn A glaubt fälschlicherweise, daß sich seine visuelle Umgebung geändert hat, insofern er beim ersten Mal vor dem ersten und beim zweiten Mal dem zweiten Fenster steht und dasselbe Schiff kann schließlich nicht zur selben Zeit an zwei Liegeplätzen liegen. Doch in Wahrheit ist ist der visuelle Kontext für beide Äußerungen derselbe, denn A lief  zwischendurch herum und, ohne zu merken, führte ihn sein Rundgang vor dasselbe, erste Fenster zurück.

Aus (7) folgt, daß visuelle Merkmale eines Äußerungskontextes allein die epistemische Perspektive ξ, die zu dem intentionalen Zustand Φ gehört, nicht festlegen können. Insbesondere kommt es für ξ offenbar darauf an, was A nicht weiß. Und solange es nichts gibt, daß gegen solche Fälle eine Garantie abgibt, kann A nicht wissen, daß es wahr ist, daß er sich mit seinem intentionalen Zustand Φ auf ein bestimmten Sachverhalt bezieht, der p wahr macht oder auf einen Sachverhalt, der p falsch macht. Mit anderen Worten: Intentionale Zustände Φ sind aus sich heraus empirisch unterbestimmt in Bezug auf alles, wovon die Inhaltskomponente p von Φ handelt.

III. Test 2: Was wissen wir von den eigenen intentionalen Zuständen?

Wenn der methodologische Individualismus des Biologismus wahr wäre, dann müßte es ausreichen, diejenige Person z.B. über ihre Wünsche oder Überzeugungen zu befragen, die sie hegt, um eine vollständige Auskunft zu bekommen.

  • (8) Denn aufgrund seiner intentionalen Zustände kann man nur handeln, wenn man von ihnen weiß, denn andernfalls könnte man nicht unterscheiden z.B. zwischen der Überzeugung, daß man vor einem Bär steht und der Hoffnung, daß das, was vor einem steht, ein Bär ist – wie immer man auch zu so einer Hoffnung kommen mag (z.B. Jäger). Offensichtlich aber macht dies für das Handeln einen gewaltigen Unterschied.

Wissen von den eigenen intentionalen Zuständen werden wir hier Selbstwissen nennen und wir werden intentionale Zustände jetzt noch feiner individuieren: Im Moment unterscheiden wir an Φ zwei Komponenten, nämlich p und ξ. Nennen wir nun das, worin sich die Hoffnung, daß p und die Befürchtung, daß p, unterscheiden, die Einstellung φ. Beispiele für intentionale Zustände sind wie gewohnt z.B. Wünsche, Überzeugungen, Hoffnungen, Erwartungen, Bewertungen, Absichten und dergleichen mehr.

Doch interessanterweise führen solche Befragungen nicht besonders weit. Um das einzusehen, benutzen wir eine Analogie und betrachten ein repräsentationales System S, daß einen mentalen Zustand Φ hat:

  • i) Sei Q ein Thermometer, dessen Zeigerstand die Außentemperatur repräsentiert. Dann repräsentiert kein Zeigerstand von Q den Repräsentationszustand von Q, nämlich daß jeder Zeigerstand, die Außentemperatur repräsentiert. Also: Überträgt man dies auf das Haben intentionaler Zustände, indem man den Repräsentationszustand als Einstellung φ und den Zeigerstand p als Inhalt auffaßt, dann folgt daß das Haben von Φ durch Q nicht impliziert, daß Q die Einstellung φ , die zu Φ gehört, kennt.
  • ii) Nehmen wir an, das Thermometer sei mit einem Alarmsystem für niedrige Außentemperaturen gekoppelt. Dann beinhaltet der Alarmzustand einen Inhalt über den Zustand des Thermometers, nicht aber über den Repräsentationszustand des Thermometers, denn es wird mit dem Alarm nichts über die Außentemperatur induziert, sondern über das, was ihr Zeigerstand repräsentiert. Also: Überträgt man dies auf das Haben mentaler Zustände, dann folgt zwar, daß Q die Einstellung φ=Warnung bzgl. Φ hat, aber den Inhalt p von Φ nicht schon aufgrund des Alarms kennt. Doch daraus folgt noch mehr: Kein Repräsentationszustand erzählt durch seinen Inhalt, wie er zustandegekommen ist. (Wäre es anders, dann müßte Fodors Repräsentationalismus in bezug auf Alltagspsychologie interessant sein. Doch das ist nicht der Fall.)
  • iii) Und schon gar nicht kann das repräsentationale System, die Repräsentationen, die es liefert, verifizieren: Denn das Thermometer könnte kaputt sein. Hätte also das Thermometer ein Bewußtsein, dann könnte es nicht selbst entscheiden, ob sein Zeigerstand auf etwas real eistierendes Externes, ein Ereignis oder einen Sachverhalt, zurückzuführen ist oder nicht.

Also: Aus i) und ii) folgt, daß bei intentionalen Zuständen Einstellungsidentifikation nicht Inhaltsidentifikation und Inhaltsidentifikation nicht Einstellungsidentifikation impliziert. Salopp formuliert: Wenn man etwas über den intentionalen Zustand Φ weiß, den man hat, dann folgt daraus nicht, daß man den Rest irgendwie erschließen kann, daß dieser Rest wie ein zu hebender Schatz in einem schlummert.

Doch es kommt noch besser: Aus iii) folgt zusätzlich, daß das Haben von Φ nicht impliziert, daß Q weiß, wie Φ entstanden ist. Also: Daß Q Φ hat, impliziert weder, daß Q die Einstellung φ zu Φ kennt, noch etwas anderes über Φ weiß – nämlich ξ.

  • (9) Folglich erlangt man auch nicht schon allein via Introspektion Wissen über die wesentlichen Aspekte von Φ. Das genügt offenbar, um schließen zu dürfen, daß Wissen über intentionale Zustände immer inferentielles Wissen sein muß.nDenn selbst, wenn wir nicht-inferentiell von Φ und φ wissen könnten, so könnten wir doch keinesfalls nicht-inferentiell von der richtigen Zuordnung von φ zu Φ wissen. Und schon gar nicht wissen wir – wie in (7) vorgemacht – nicht-inferentiell von ξ. Daher ist es möglich, daß man φ nicht identifiziert, wohl aber p und umgekehrt. Dies kann z.B. leicht passieren, wenn man über das Begriffswort von φ nichts weiß oder sich darüber irrt.

Statt mit dem methodologischen Individualismus des Biologismus erfolgreich zu sein, zerspleißen uns also offenbar die intentionalen Zustände in immer mehr Komponenten: Für jedes Φ von A gibt es logisch unabhängige p,  ξ, φ, über die Informationen wiederum notorisch knapp sind. In den ersten beiden Tests hat der methodologischen Individualismus in der Alltagspsycchologie völlig versagt.

Wie tief mag dieses Versagen reichen? Und welche Diagnose dafür ist die richtige? Der nächste post wird darauf eine überraschende Antwort liefern.

 


16 Kommentare

  1. „Der essentialistische Genbegriff des Biologismus besagt, daß Gene den nur der Evolution unterliegenden, konstanten Wesenkern eines Organismus ausmachen, seine Charakteristika hervorbringen und in diesem Sinne die körpereigene Essenz repräsentieren.(…) Daß diese Vorstellung nicht stimmen konnte, zeigte bereits das Human Genome Project, welches klar machte, daß nur etwa 1% aller Gene Proteine codieren“

    Hier fehlt vollkommen das eigentliche Argument, nämlich warum Gene, die keine Proteine codieren, nichts zum Wesenskern des Organismus beitragen können und auch seine Charakteristika nicht hervorbringen können.

    ist das nur mit Proteinen möglich? Was machen diese Gene denn dann und warum kann das nicht die behaupteten Effekte hervorbringen?

    • „Hier fehlt vollkommen das eigentliche Argument, nämlich warum Gene, die keine Proteine codieren, nichts zum Wesenskern des Organismus beitragen können und auch seine Charakteristika nicht hervorbringen können.
      ist das nur mit Proteinen möglich?“

      Du hast recht, da fehlt noch was. Aber wie ich schon zig mal sagte: Der Biologismus scheitert an zwei Fronten – an der humanistischen und an der biologischen.

      Als Physiker brauche ich etwas Zeit, mir die molekulare Genetik der neusten Zeit reinzupfeifen. Daher kommt der humanistische Teil zuerst.

      Aber du kannst dich ja selbst vorbereiten, weil du ja weißt, aus welcher naturwissenschaftlichen Richtung die Angriffe auf die Bedeutung deines blogs kommen werden. Vielleicht ließt du ja auch endlich mal ein Biologiebuch.

      • „Du hast recht, da fehlt noch was“

        Da fehlt das komplette Argument. Du müsstest dich mit „der Teil,der nicht Proteine codiert enthält Informationen zum Wachstumsplan Mensch und damit auch des Gehirns, der dann eben diese Charakteristika hervorbringt“ auseinandersetzen.

        „Aber wie ich schon zig mal sagte: Der Biologismus scheitert an zwei Fronten – an der humanistischen und an der biologischen.“

        Auch für die humanistische Seite bist du die tatsächlichen Argumente im praktischen noch schuldig oder nicht?

        Dazu noch:

        Wenn der methodologische Individualismus des Biologismus wahr wäre, dann müßte es ausreichen, diejenige Person z.B. über ihre Wünsche oder Überzeugungen zu befragen, die sie hegt, um eine vollständige Auskunft zu bekommen.

        (8) Denn aufgrund seiner intentionalen Zustände kann man nur handeln, wenn man von ihnen weiß, denn andernfalls könnte man nicht unterscheiden z.B. zwischen der Überzeugung, daß man vor einem Bär steht und der Hoffnung, daß das, was vor einem steht, ein Bär ist – wie immer man auch zu so einer Hoffnung kommen mag (z.B. Jäger). Offensichtlich aber macht dies für das Handeln einen gewaltigen Unterschied.“

        Das blendet bereits das unterbewußte aus.Man kann sich unwohl fühlen, weil eine Gefahr aufgenommen worden ist, ohne deren Ursache (Bär) genau zu kennen. Und es berücksichtigt nicht, dass wir mit einer Gemengelage von Wünschen zu tun haben, die zusammen spielen und auch soziale Aspekte einbeziehen. Etwa so abstrakte wie der Wunsch nach Status, Anerkennung in der Gruppe und Gemeinschaft und nach Signalling eines hohen Partnerwertes etc.

        Dann berücksichtigt es auch nicht, dass die Vorgabe dieser Wünsche und Dispositionen keineswegs Berechenbarkeit signalisiert.

        Ein einfaches Beispiel wäre das Schachspiel: Es enthält nur einen einfachen Wunsch: den Gegner zu schlagen. Man kann dabei in einigen Situationen den besten Zug berechnen. Aber eben keineswegs den genauen Verlauf einer Partie.
        Eine „Schachpartie“ mit wesentlich mehr Zielen, die für verschiedene Leute verschieden wichtig sind, wäre noch weit weniger zu berechnen.

        • „Auch für die humanistische Seite bist du die tatsächlichen Argumente im praktischen noch schuldig oder nicht?“

          Im Gegenteil, die sammeln sich doch seit Anfang des Jahres kontinuierlich an. Es wundert mich, daß du das nicht bemerkst. Liegt vermutlich daran, daß du dich nur entscheidest, ob du meine posts nicht verstehen oder gar nicht erst lesen willst.

          „Das blendet bereits das unterbewußte aus.“
          Nein. Das sog, Unterbrwußte ist eine Hilfskonstruktion, die nur innerhalb eines deterministischen Paradigmas Sinn macht. Dasselbe hat djadmoros auch vorgebracht und meine Antwort benötigt einen eigenen post.

          Mir ist völlig klar, daß der Kern des Biologismus ein kruder neuronaler Determinismus ist.

          • Mir scheint die größte Schwäche deines Ansatzes ist, dass sie nie wirklich aufgreift, was eigentlich vertreten wird.
            Aus meiner Sicht solltest du vielleicht erst einmal einen Artikel machen, der anhand tatsächlicher Aussagen aus der Biologie ermittelt, was dort vertreten wird.

            Denn mit deinem Verständnis von Determinismus kämpfst du im wesentlichen Strohmänner nieder. Da liegen dann vielleicht subjektiv aus deiner Sicht überall erlegte Gegner rum, tatsächlich aber eben nur ein paar Ballen Stroh.

            Es fehlt an einer Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Theorien im Gegensatz zu dem, was du meinst, was sie vertreten oder vertreten sollten.

            • „Mir scheint die größte Schwäche deines Ansatzes ist, dass sie nie wirklich aufgreift, was eigentlich vertreten wird.“

              Ja, das war zu erwarten. Wann immer man dir deinen Biologismus zerlegt, behauptet du wie ein Wendehals, daß er eigentlich etwas ganz anderes aussagt.

              Kennen wir – wird keinen Erfolg haben.

            • Du löscht leider meine Erwiderung. Gibt es dafür irgendwelche Regelungen oder erfolgt das willkürlich?

            • Das liegt daran, weil ich alles lösche, was total schwachsinnig ist oder nicht zum Thema des posts gehört. Vor allem bei dir sehe ich da ganz genau hin, weil du sonst alle Diskussionen kaputt machst. Ansonsten habe ich in der ganzen Zeit, in der dieser blog online ist, weniger als 5 Kommentare löschen müssen. Nur du hast die Tendenz, Müll zu labern.

  2. […] als dem Gehirn der Personen abhängen und soziale Phänomene Aggregate dieser Phänomene sind. Ein weiteres experimentum crucis besteht daher darin, die Identitätsbedingungen des Inventars der Alltagspsychologie, der […]

  3. […] ist empirisch falsch ist, weil es erstens der Komplexität des Gehirns Hohn spricht und zweitens eine Menge alltagspsychologischer Phämonene darauf hindeuten, daß intentionale Zustände Werkzeuge der Wissensbeschaffung sind, nicht aber […]

  4. […] Stattdessen weisen intentionale Zustände eine versteckte Indexikalität auf, die wir benutzen, um zu  charakterisieren, was autonom handelnde Personen aktuell wissen oder […]

  5. […] keine Beschreibung der Aktivitäten des Gehirns, sondern sie erweißt sich als eine empirisch-normative Theorie zur Charakterisierung von […]

  6. […] pure intentional system theory (IST): Ihr Inventar sind die hier schon mehrfach (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7) thematisierten intentionalen Zustände, die allein mit Hilfe der Rationalitätsvermutung das […]

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  9. […] Soziales Verhalten unterliegt nach (5) einem methodischen Individualismus, der zusammen mit sozialen Kooperationsstrategien gut verträglich ist mit der Vorstellung einer […]

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