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Soziale Würde und Gerechtigkeit statt Zivilität

Die Feministen machen gerne geltend, Menschenrechtler zu sein, insofern sie im Feminismus die radikale Idee zu sehen meinen, daß Frauen Menschen seien. Um so erstaunlicher ist es, daß sie nie vor das Bundesverfassungsgericht oder den europäischen Gerichtshof ziehen. Der Grund für Letzteres ist die Tatsache, daß sich Feministen de facto eben nicht für die Menschenwürde, sondern lediglich für die soziale Würde von Frauen interessieren.

Übersicht:


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tl;dr:

Der analytische Humanismus gewinnt aus dem allgemeinen Demütigungverbot nicht nur ein Konzept von Menschenrechte begründender Menschenwürde, sondern auch eine soziale Würde er Menschen. Sie unterscheidet sich erstens von der Menschenwürde dadurch, daß unser Anspruch auf sie weder unverletzlich oder unverlierbar, sondern einer vergeltenden Gerechtigkeit unterworfen ist, so daß – als neues Merkmal – kein Humanismus verständlich sein kann, der sich die Aufklärung einer vergeltenden Gerechtigkeit erspart. Und zweitens unterscheidet sie sich von der Menschenwürde dadurch, daß sie zum Einen Hilfspflichten für andere generiert und man zum Anderen durch eigenes Verhalten seine eigene soziale Würde beschädigen kann. Die Unterscheidung von Menschenwürde und sozialer Würde erlaubt einen tiefen Einblick in den Antihumanismus der feministischen Praxis.

I. Soziale Würde und Menschenwürde

Neben dem für jeden Humanismus wesentlichen Atheismus, der den begrifflich ziemlich komplizierten, nicht-reduktiven Physikalismus als Antwort auf das mind-body-problem nach sich zieht, beruhen sowohl der humanistische Freiheitsbegriff mit seiner antifeministischen Pointe als auch der humanistische Handlungsbregriff mit seiner antibiologistischen Pointe auf dem aus dem Demütigungsverbot fließenden und in den letzten posts entwickelten Konzept der Menschenwürde:

  • (A) Die unverlierbare Menschenwürde wurzelt in dem zum Moralerbe der Menschheit gehörenden Demütigungsverbot und erzeugt den theoretischen sowie den ethischen Humanismus: Freiheit ist Handeln aus Gründen (theoretisch) und Würde bedeutet Handeln in Freiheit (ethisch).
  • (B) Universelle Menschenwürde geht darauf zurück, daß die Menschen sich wechselseitig als Moralsubjekte ernst nehmen und zwar nicht nur in Bezug auf ihre höchstpersönlichen Belange, sondern auch im Hinblick auf ihre Fähigkeit zur moralischen Rücksichtnahme auf andere, gleichgestellte Moralsubjekte. Der besondere moralische Status, den Menschen als biologische Gattung haben, ist der, anderen Menschen einen moralischen Status in einer Gesellschaft überhaupt erst verleihen zu können. Die Pointe an der Menschenwürde ist daher, diejenigen Moralakteuere zu schützen, die die tragenden Elemente in allen konkret formulierten Moralsystemen einer möglichen Gesellschaft sind.
  • (C) Unverletzliche Menschenwürde meint den allen und in gleicher Weise zukommenden, unverbrüchlichen Anspruch aller Angehörigen der Gattung Mensch unabhängig von ihren Fähigkeiten und Leistungen ein humanes Leben in Würde ohne Gewalt, Erniedrigung oder Demütigung führen zu können. Daher ist Menschenwürde ein besonderes Recht auf Menschenrechte und Menschenrechte selbst haben diese Menschenwürde zum Ziel. Denn verletzen kann man bloß Ansprüche. Und genau das tut man, wenn man die Würde eines Menschen verletzt. Man verletzt einen Anspruch, den die betroffene Person legitimerweise anderen Personen gegenüber geltend machen kann.

Solche Menschenwürdeverletzungen aus (A)-(C), codifiziert als Menschenrechtsverletzungen, kommen auch in zivilisierten Gesellschaften vor z.B. als Straftaten, in Gefängnissen durch Aufseher oder sogar durch Gerichtsbeschlüsse, in Psychiatrien oder in Pflegeheimen. Und das, obwohl ein bereiter gesellschaftlicher Konsens darüber besteht, daß Verletzungen von Menschenrechten unter keinen Umständen gerechtfertigt werden können.

  • Bei lokalen Konflikten von Menschenrechten kann es hilffreich sein, die eingetretenen Würdeverletztungen der Personen im Detail zu untersuchen – z.B. durch das BVerfG – und dem Verbot der schwereren Würdeverletzung den Vorrang zu geben. Generell gültige Regeln für diese Art von Vorrang anzugeben, hat sich aber als äußerst schwierig erwiesen und ich werde in diesen post nicht weiter auf diese offene Frage eingehen.

Aber nicht alle Würdeverletzungen sind erstaunlicherweise überhaupt Straftaten – was sie aber sein müßten, wenn das Strafrecht die Menschenwürde schützen soll:

  • (1) Ein Krankenhauspatient z.B., dessen Inkontinenz-Probleme eine Krankenschwester lauthals auf der ganzen Station verkündet, kann sich sicherlich zu Recht darüber beklagen, daß er in seiner Würde verletzt wurde, und daher nicht mehr so selbstsicher vor anderen Patienten auftreten kann. In der medizinischen Ethik spielen solche Fälle übrigens eine wichtige Rolle (Nordenfelt 2004).

Die Würde, die die Krankenschwester in (1) verletzt hat, unterscheidet sich von jenem universellen, unveräußerlichen und unantastbar Demütigungsverbot, auf das wir nach (B) angewiesen sind, wenn es darum geht, diejenigen Moralakteuere zu schützen, die die tragenden Elemente in allen konkret formulierten Moralsystemen einer möglichen Gesellschaft sind. Und doch ist das Verhalten der Krankenschwester kränkend und demütigend – allerdings auf eine reversible Weise.

  • (2) Eine Reversibilität der Kränkung und Demütigung ist z.B. nicht gegeben ist bei Folter: Der Zweck der Folter, wo es nicht nur um Geständnisse geht, sondern darum, das Opfer zu brechen, indem es sich selbst entwürdigen durch seine animalischen Schreie und durch seine letztendliche, kriecherischce Unterwerfung – in den Augen seiner Peiniger und in seinen eigenen Augen. Denn gefoltert bis zum Brechen des Willens wird nur, dessen Selbstbestimmung keine Bedeutung hat und für den (B) daher nicht gilt.

Reversibel hingegen sind Würdeverletzungen, für die wir eine Entschuldigungskultur praktizieren, i.e. bei Taten, die dem Opfer eine faire Chance lassen lassen, seine Würde durch eigenes Tun doch zu bewahren oder sie nach der Entwürdigung wieder herzustellen oder herstellen zu lassen. Solche, in einem noch aufzuklärenden Sinne schwächeren Würdeverletzungen ziehen sogar nicht in jedem Fall einen Anspruch auf Entschuldigung oder Wiedergutmachung nach sich: Wir haben klarerweise aus unserer sozialer Würde heraus nicht in allen Fällen ein Recht, nicht erniedrigt zu werden.

  • (3) Wenn wir etwas verbrochen oder z.B. auch nur den Mund zu voll genommen haben, dann müssen wir es hinnehmen, durch eine Zurechtweisung gedemütigt zu werden. Unbeschadet dessen gibt es prima facie einen Anspruch darauf, auch in Bezug auf die soziale Würde nicht gedemütigt zu werden.

Der Grund dafür ist ganz offenbar ein Konzept vergeltender Gerechtigkeit, daß die nur die soziale Würde beschränkt, nicht aber die Menschenwürde: Sogar ein Entführer, der mit dem Tod seines Entführungsopfers droht, darf nicht gefoltert werden und zwar selbst dann nicht, wenn dem Opfer dadurch eventuell das Leben gerettet werden könnte. Das motiviert die Einführung einer sozialen Würde, deren Verletzung z.B. infolge von Durchbrechungen der Intimssphäre in Pflegeheimen durch das Personal wir zwar ernst nehmen, die jedoch nicht durch die Menschenrechte ausbuchstabiert wird.

  • (4) Das bedeutet, daß die Menschenrechte begründende Menschenwürde in (A)-(C) jeder vergeltenden Gerechtigkeit vorgeht, die vergeltende Gerechtigkeit aber der keine Menschenrechte begründende sozialen Würde vorgeht. Denn nur Menschenrechte kann man weder verlieren, noch verwirken. Mit anderen Worten: Ohne einen Begriff vergeltender Gerechtigkeit kann es keinen Humanismus geben, der auf dem allgemeinen Demütigungsverbot beruht.

Etwas in der Art wurde bereits von Avishai Margalit (2006-2011 Prof. am Institute of Advanced Studies) vorgedacht – nur nannte er es nicht soziale Würde: In seinem Buch Politik der Würde geht es um eine Gesellschaft, die in dem Sinne anständig ist, als sie ihren Bürgern keinen Anlass gibt, sich entwürdigt, das heißt in ihrer Selbstachtung verletzt, zu fühlen. Als zentrale Bestandteile einer Anständigeit (hier: soziale Würde) betrachtet er z.B.

  • (5) eine geschützte Privatsphäre
  • (6) das Wahrgenommenwerden als Individuum
  • (7) die Kontrolle über sich selbst und die eigenen Angelegenheiten.

Die Einführung einer sozialen Würde, die über die Menschenwürde hinausgeht, rechtfertigt sich auch dadurch, daß die Menschenwürde vor allem negative Abwehrrechte generiert, während die soziale Würde auch eine Vielzahl positiver Hilfsverpflichtungen begründet:

  • (8) Wer es ablehnt, andere Träger sozialer Würde zu unterstützen, deren Würde aufrechtzuerhalten, der beschädigt sogar seine eigene soziale Würde. Offenkundig ist dies bei Menschen, die noch nicht, nicht mehr oder überhaupt niemals in der Lage sind, sich um ihre eigene soziale Würde bzw. Menschenwürde zu kümmern. Vor allem Hilfsorganisationen arbeiten schon immer sehr erfolgreich mit diesem Motiv (Stoecker 2002), wenn es darum geht, Mitglieder oder Spenden zu werben.

Damit tritt das hier verfochtene humanistische Konzept der sozialen Würde in dierkte Konkurrenz zum unanalysierbar schwammigen Wortungetüm der Zivilität, das von Lukas Schoppe in die Welt gesetzt und seitdem ohne Sinn und Verstand vom linken Maskulismus wiederholt wird. Und es scheint dem der Zivilität vor allem deshalb überlegen zu sein, weil es den Gerechtigkeitsbegriff erstmals kontrolliert humanistisch ins Spiel bringt:

  • (9) Vergeltende Gerechtigkeit ist höchstens das, was Verletzungen der sozialen Würde – und nur der sozialen Würde – aufhebt.

Diese Adäquatheitsbedingung für vergeltende Gerechtigkeit wird später noch eine wesentliche Rolle spielen und zwar einerseits für die Entwicklung einer humanistischen Geschlechterrollenkritik und andererseits für eine normative Kritik des Feminismus.

II. Selbstverletzung der sozialen Würde

Das hier geschilderte Werte-Paradigma der Menschenrechte ist nicht nur offen für metaphysische Spekuationen über einen Wert der Gattung Mensch, sondern ebenfalls für religiös motivierte Bedingungen, die für eine solche Wertstellung von Menschen notwendig ist. Im Islam funkioniert das so – unabhängig davon, ob er politische Ambitionen hat oder nicht:

  • (10) Wer sich als Atheist von seiner durch Allah gegebenen Natur abwendet, der verdient konsequenterweise den Schutz der Menschenrechte nicht mehr, weil er seine Würde verloren hat. Bei Andersgläubigen kann man noch überlegen, ob sie religiösen Irrtümern erlegen sind, aber ein Atheist wendet sich freiwillig von seiner menschlichen Natur ab, von dem, was bewertet wird und verliert daher jeden Wert und jede Würde als Mensch.

Durch (10) wird unter einem bestimmten Aspekt deutlich, warum ich immer Probleme mit dem linken Maskulismus habe:

  • Auf der einen Seite geht im linken Maskulismus immer linke Politik vor Männerpolitik – was ich als ideologische Bürde ebenso hinderlich wie unnötig finde. Auf der anderen Seite weigern sich die Linken, die antihumanistischen Tendenzen im Islam zur Kenntnis zunehmen, während sie zugleich vorgeben, Humanisten zu sein – freilich ohne jemals irgendetwas Substanzielles über Humanismus sagen zu können. Und seit die Linken mit gespaltener Zunge sprechen, kann und will ich nicht mehr links sein.

Denn vom humanistischen Standpunkt aus, ist (9) inakzeptabel: Menschenwürde ist ein universeller Anspruch, den man nicht verlieren kann und als Recht auf Menschenrechte schützt sie immer und für alle in derselben Weise vor Ungerechtigkeiten. Verletzungen der Menschenwürde – z.B. durch Gefängnis – sind (sogar nach Ansicht des BVerfG in einer Entscheidung zu Art. 2 GG, die mir im Moment nicht einfällt) im Grunde nur zulässig, wenn durch eine vorangegangene Tat die Menschenwürde anderer Menschen beschädigt wurde.

Wie ist das eigentlich mit sozialer Würde? Kann man durch eigenes Verhalten seine eigene soziale Würde so verletzen, daß sie nicht mehr generell vor Ungerechtigkeiten durch andere schützt, so wie das in (9) beschrieben wurde? Im Mittelalter z.B. wurde das so gemacht: Verhängte der Papst die Bannbulle über einen Menschen, dann sprach der König in der Regel auch die sog. Reichsacht aus. Heute fragen wir stattdessen, ob die soziale Würde irgendwelche Pflichten gegenüber sich selbst zur Folge hat. Denn nichts anderes könnte Konsequenzen in Sachen Gerechtigkeit haben.

Der Kern eines Lebens in sozialer Würde ist der praktizierte Anspruch auf Selbstachtung und zwar – im Unterschied zur Menschenwürde – nicht einer Selbstachtung als Mensch und Teil einer Gemeinschaft, sondern einer Selbstachtung als Person: Nur diese Sichtweise macht verständlich wie es zum jedem Humanismus zugrundeliegenden Demütigungsverbot kommen kann. Selbstachtung ist von Stolz, dem Bestreben, viel von sich selbst zu halten und von Eitelkeit, dem Bestreben, daß andere viel von einem halten, verschieden und kommt vor allem in zwei Ausprägungen vor:

  • (11) dem Umstand, daß man nicht andere Menschen alles mit sich machen läßt, was ihnen so einfällt.
  • (12) dem Umstand, daß man sich nicht vor anderen erniedrigt, indem man sich vor ihnen z.B. aus Eitelkeit oder aus Berechnung als Person verleugnet.

Von Pflichten gegenüber sich selbst kann man nur sprachen, wenn man sich von Ansprüchen ohne weiteres selbst entbinden kann.

  • (13) Von sozialer Würde wissen wir aber schon aus (8), daß sie eine Pflicht generiert, anderen, die ihre soziale Würde nicht aus eigener Kraft aufrecht erhalten, zu helfen. Und wenn wir sagen, daß auch soziale Würde in dem Sinne universell ist, daß sie – als Anspruch – allen Menschen in gleicher Weise zukommt, dann verpflichtet allein aus Symmetriegründen die eigene soziale Würde, sich selbst zu helfen, diese soziale Würde aufrecht zu erhalten.

Also: Auch die soziale Würde erzeugt Ansprüche gegen sich selbst, von denen man sich nicht selbst enbinden kann, so daß sie Pflichten gegen sich selbst erzeugt. Doch von der Achtung ihrer Würde können andere Menschen mich ebenfalls nicht entbinden.

  • (14) Folglich kann man sich in einer Weise verhalten, die die eigene soziale Würde verletzt. Und allein aus Symmetriegründen führt das dazu, daß man infolge seines eigenen Verhalten nicht mehr verlangen kann vor allen Ungerechtigkeit geschützt zu werden.

Das Verbot zu lügen z.B., ist eindeutig eine Pflicht, die man anderen Menschen gegenüber hat. Ganz anders verhält es sich bei der Pflicht, vor anderen Menschen nicht zu kriechen, seine Meinungen und Wünsche nicht zu verleugnen – selbst dann, wenn man es durch Kriecherei in einer bestimmten Hinsicht weit bringt. Und z.B. kriecherische Menschen behandeln wir zu Recht nicht mit dem Respekt, den wir anderen, normalen Menschen entgegenbringen.

III. Männer, Feminismus und soziale Würde

Die Unterscheidung zwischen Menschenwürde und sozialer Würde sowie die Tatsache, daß es eine Pflicht zur Erhaltung der eigenen sozialen Würde gibt, so daß jede Selbsterniedriegung zum Verlust des Schutzes vor Ungerechtigkeiten führt, haben unmittelbare Anwendungen in der feministischen Praxis.

Erstes Beispiel: Alltagssexismus

Während Feminismus mit Hilfe der existierenden feministischen Theorie relativ leicht zu definieren ist, kann man die Anliegen der feministischen Praxis nur sehr viel schwerer auf den Punkt bringen. Sexismus im Alltag aber gehört auf jeden Fall dazu:

  • Eigentlich bedeutet Sexismus soviel wie „Einstellung oder Verhalten, das auf traditionellen stereotypischen Geschlechterrollen basiert.“ Der Begriff des Sexismus wird hingegen von einigen Vertretern feministischer Theorien und Feministen so verstanden, daß das Opfer von bzgl. einer Klassenhierarchie abwertenden oder persönlich grenzüberschreitenden Handlungen, die lediglich das Geschlecht als Motiv haben, am unteren Ende eines Machtgefälles stehen muß. Doch tatsäcchlich ist genau das Chauvinismus. Diese Gleichsetzung von Sexismus und Chauvinismus führt in einem postulierten Patriarchat dazu, daß Frauen sich nicht sexistisch verhalten können. Falls eine Geschlechterhierarchie bereits vorliegt, ist für die Verifizierung sexistischen Verhaltens dann nur noch der Empfängerhorizont wesentlich: Welches Verhalten inwiefern abwertend ist oder welche Grenze überschreitet, legt weder die Identät der Handlung noch die Intention des Handelnden fest, sondern allein die situationsabhängige Einstellung und Einschätzung des Adressaten der Handlung fest. Es herrscht trivialerweise keine Einigkeit unter Feministen darüber, was gegen einen so definierten Sexismus zu tun ist. Andere Feministen wie z.B. Bernice Johnson Reagon bestreiten sogar, daß die Mannigfaltigkeit sexistischer Phänomene sich zu einer Minimalexplikation von Sexismus kondensieren läßt. Eine offizielle Sexismusdarstellung findet sich hier.

Die Pointe beim dieser Art von „Vorurteile und Machgefälle“-Alltagssexismus liegt auf dem Machtgefälle, da nicht mal Feministen sich trauen, zu leugnen, daß Frauen Vorurteile gegenüber Männern haben, und damit eine kulturelle Misandire pflegen: Angeblich gäbe es diskriminierenden Strukturen, deren Existenz sich durch „x% bei Frauen weniger“-Statistiken beweisen lasse. Überlicherweise arbeiten sich der linke und der biologistische Maskulismus daran ab, solche Statistiken zu widerlegen. Die Unterscheidung zwischen sozialer und Menschenwürde erlaubt es, das schematische complaining der feministischen Praxis zu erkennen und zu durcbrechen:

  1. Finde eine soziale Würdeverletzung von Frauen in Abhängigkeit von traditionellen Geschlechterrollen.„: Die feministische Praxis gibt sich gerne hysterisch, wenn Männer passiv auf eine gute Partie wartende Frauen ungeschickt ansprechen. Damit folgen bei Geschlechter den traditionellen Rollenerwartungen, die deshalb einen Beitrag zur sozialen Würde der Geschlechter liefern, weil sich ein Mann, der nicht den Mumm hat, Frauen anzusprechen, verächtlich unmännlich macht, und eine Frau, die selbst Männer anspricht, sich dadurch sogar erniedrigt, indem sie zu erkennen gibt, sich für die primitive, männliche Sexualität und gar für die barbarische Natur eines Mannes zu interessieren.
  2. Gebe Verletztungen der sozialen Würde fälschlicherweise als Verletzungen der Menschenwürde aus.„: Verletzungen der sozialen Würde sind meine Verletzungen der Menschenwürde und die Menschenwürde wird durch ungeschicktes Ansprechen nicht verletzt, weil (A)-(C) nicht tangiert werden. Dennoch behaupten Feministen Menschenrechtler zu sein und für die Würde der Frau als Mensch zu kämpfen – was nicht einfach nur übertrieben, sondern schlicht falsch ist, wie uns dieser post erklärt.
  3. Mache aus Schwäche Stärke.„:  Die Folge ist, daß die feministische Praxis oft und mit Recht nicht ernst genommen wird. Doch genau das sehen Feministen als Beleg für die Existenz diskriminierender Strukturen an, weil angeblich Menschenrechtsverletzungen bei Frauen nicht ernstgenommen würden.

Ein anderes schönes Beispiel dafür ist die Hollaback-Kampagne.

Es kann offenbar erstens von Fall zu Fall die feministische Praxis erfrischend lächerlich machen, sie ernst zu nehmen und absolut verrückte Maßnahmen zum Schutz der Frauen vorzuschlagen.  Zweitens verdanken Feministen ihren Erfolg nicht dem, was sie sagen, sondern Einstellungen, die die feministische Praxis gar nicht thematisiert, so daß es antifeministisch witzlos ist, der feministischen Praxis inhaltlich zu begegnen, wie dies Lucas Schoppe immer tut. Und drittens wäre es im Sinne einer sozialen Männerbewegung geradezu revolutionär, wenn Männer oder sogar Maskulisten begründen würden, inwiefern das Verhalten der Frauen selbst eine Verletzung ihrer sozialen Würde aus Gerechtigkeitsgründen ausschließt. Leider traue diese echte Form von Opposition derzeit weder dem linken, noch dem biologsitischen Maskulismus zu.

Zweites Beispiel: Allies

Es ist kein Geheimnis, daß das Beste, was ein Mann in den Augen der Feministen tun kann, darin besteht, ein Allie, ein feministischer Alliierter zu sein. Für Allies gibt es verbreitete und sehr präzise Verhaltensmaßregeln. Wer sie sich durchließt, der erfährt, daß Männer sich für Frauen zurücknehmen sollen, weil sie Männer sind und daß sie Frauen und nicht Argumenten folgen sollen, weil sie Frauen sind. Insbsondere soll Frauen geglaubt werden, weil sie Frauen sind und Allies sollen sich vor allem darum kümmern, daß Frauen sich wohl fühlen und zwar aufgrund des Geschlechterunterschieds und in der übrigen Zeit soll der Allie alle Nicht-Allies dazu bewegen, Allies zu werden. Kurz: ein Allie ist ein Mensch, der auf seine Funktion als Instrument für die feministische Sache oder die Bequemlichkeit der Frauen reduziert wird.

  • (15) Und Dank (14) können wir daraus schließen, daß das Beste, was der Feminismus für Männer seiner eigenen Ansicht nach übrig hat, darin besteht, Männer dazu zu bringen, gegen ihre eigene Pflicht zur Erhaltung ihrer sozialen Würde zu verstoßen.

Damit können wir zum ersten Mal im Detail nachweisen, daß die feministische Praxis antihumanistisch ist, ohne auf dem inzwischen fast unbrauchbaren Sexismusbegriff herumzukauen. Die verwaschene Rede von Zivilität erlaubte das bisher nicht. Gegenüber dem bisherigen, sehr abstrakten Argument des humanistischen Antifeminismus, daß jeder Feminismus auf einem falschen Freiheitsbegriff beruht, ist das ein Fortschritt, der klarmacht, wieso der linke Maskulismus zu Unrecht die Nähe der feministischen Praxis sucht.

Last not least erlaubt es die Einführung des Begriffs der sozialen Würde, zu erkennen, inwiefern die feministische Praxis die traditionellen Geschlechterrollen perpetuiert, anstatt sie zu durchbrechen, wie er es behauptet. Denn im Fall des Alltagssexismus kann das benötigte Verständnis der sozialen Würde der Frauen nicht unabhängig von den traditionellen Geschlechterollen konstituiert werden. Daraus folgt, daß die feministische Praxis mit der feministischen Theorie nur sehr entfernt etwas zu tun hat und eine selbständige Analyse benötigt.

Literatur:

  • Margalit, Avishai: Politik der Würde, Berlin 1997
  • Nordenfelt, Lennart: The Varieties of Dignity, in: Health Care Analysis, 2004, Vol. 12, No. 2, pp.69-81
  • Schaber, Peter: Menschenwürde als Recht, nicht erniedrigt zu werden, in: Stoecker, Ralf (Hrsg.): Menschenwürde – Annäherung an einen Begriff, Wien 2003, pp.119-131.
  • Stoecker, Ralf (Hrsg.): Menschenwürde – Annäherung an einen Begriff, Wien 2003
  • Stoecker, Ralf: Die Würde des Embryos, in: Groß, Dominik (Hrsg.): Ethik in der Medizin in Lehre, Klinik und Forschung, Würzburg 2002 pp. 53-71.

3 Kommentare

  1. […] kann als soziale Würde oder als Menschenwürde vorkommen und letztere – verstanden als universelle und unverlierbare […]

  2. […] Der analytische Humanismus hat bisher nur die soziale Würde aufzubieten, die aus dem Verbot der Verletzung der Selbstachtung […]

  3. […] kann als soziale Würde oder als Menschenwürde vorkommen und letztere – verstanden als universelle und unverlierbare […]

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