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Freiheit, Macht und Feminismus

Obwohl sich die meisten Männerthemen-Bewegten selbst als Humanisten sehen und Humanismus einen Begriff der Menschenwürde, der die Freiheit, etwas aus selbstgewählten Gründen zu tun, involviert, spielt der Freiheitsbegriff – oder in moderner Formulierung: der der personalen Autonomie – in maskulistischen Diskussionen kaum eine Rolle. Dieser post will verdeutlichen, daß dies ganz zu Unrecht der Fall ist.

Übersicht:


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I. Positive und negative Freiheit

Eigentlich müßte man aus der Determinismusdebatte ableiten, was in einem umfassenden Sinne unter der Freiheit von Personen eigentlich zu verstehen ist – nach dem Slogan „Frei ist alles, was nicht determiniert ist.“.

  • Aber diese philosophische Diskussion ist geradezu gewalttätig: Sie wird seit Jahrhunderten geführt und mit Sicherheit gehört sie zu denjenigen Themen, zu denen am allermeisten publiziert wurde. Für die Zwecke dieses postes drücke ich mich deshalb um weiteres Nachdenken hierzu und unterscheide lediglich zwischen einer negativen Freiheit, die sich in sozialen wie rechtlichen Abwehrrechten ausdrückt, und einer positiven Freiheit, die sich in sozialen wie rechtlichen Gestaltungsrechten ausdrückt.

Dabei muß man grundsätzlich unterscheiden, ob es um das Verhältnis der Bürger untereinander oder um das von Staat und Bürger geht. Die codifizierten Rechte sind überwiegend negative Freiheiten und wir gewinnen folgendes Schema:

Bürger vs. Bürger Bürger vs. Staat
rechtlich BGB / StGB / keine Drittwirkung Menschenwürde / Menschenrechte
sozial ? staatl. Paternalismus / Sozialgesetzgebung

Wie das soziale Verhältnis der Bürger und damit der beiden Geschlechter untereinander zu analysieren ist, ist relativ unklar:

  • a) Der Feminismus spricht von Machtverhältnissen, ohne daß der Machtbegriff jemals wirklich aufgeklärt worden wäre.
  • b) Der analytische Humanismus hat bisher nur die soziale Würde aufzubieten, die aus dem Verbot der Verletzung der Selbstachtung folgt.
  • c) Lucas Schoppe verwendet hier einen undefinierten Grundbegriff, die Zivilität.
  • d) Der Biologismus möchte hier alle Antworten der Evolution, die neuronalen Architektur des Gehirns und seiner Biochemie überlassen.

Dort, wo in der Tabelle das Fragezeichen steht, agieren Feminismus und Maskulismus zu vielleicht 90%. Es wird darum gerungen, wie das zwischenmenschliche Verhältnis der Geschlechter zu verstehen und zu regeln ist. Inbesondere wirft der Feminismus der Gesellschaft und ihren Organisationsformen wie auch den Männern vor, daß es den Frauen an negativen Freiheiten mangele – weshalb es z.B. eine rape culture gäbe – wie auch an positiven Freiheiten – weshalb es z.B. slut walks oder Frauenquoten geben müsse.

II. Analytischer Maskulismus

Entsprechend muß der auf diesem blog entwickelte analytische Maskulismus – von dem bisher noch kaum die Rede war – seine Hauptarbeit auf dem mit dem Fragezeichen markierten Gebiet leisten. Grundsätzlich gilt:

Mit der Vokabel „Maskulismus“ haben viele, wichtige Aktivisten der Männerbewegung wie z.B. Bernhard Lassahn, Wolfgang Jacobs oder Gert Riedmeier ein Problem: Sie argumentieren, daß sie im Grunde nur Menschenrechte für Männer wollten, keine Sonderrechte für Männer wie der Feminismus für die Frauen und daher die Bezeichnung „Maskulismus“ in schädlicher Weise irreführend sei.

  • Doch in diesem Fall unterschätzen sie die Rolle der Biologie: Denn nur Frauen werden schwanger und natürlich haben Frauen einen Anspruch auf staatlichen Schutz dieser Schwangerschaft als Teil ihrer reproduktiven Rechte. Andererseits kann es keine Kuckuckmütter geben, so daß die reproduktiven Rechte der Männer ihrem Inhalt nach nicht völlig symmetrisch zu denen der Frauen sein können. Die Bezeichung „Maskulismus“ ist also absolut gerechtfertigt und wird um so verständlicher werden, je mehr die Männerbewegung über das Thema Zwangsvaterschaft herausfindet.

Es ist klar, daß die reproduktiven Rechte der Menschen eine Folge ihrer Menschenwürde sind und damit zum Gebiet des Humanismus gehören.

III. Normative Geschlechterrollen

Was normative Geschlechterrollen sein sollen, weiß im Moment kein Mensch – ich auch nicht. Aber ich kann leicht angeben, wie ihr design auszusehen hat:

  • (1) Wir brauchen aus politischen Gründen eine inhaltliche Pointe bei der Analyse des sozialen Geschlechterverhältnisses, um überhaupt eine Alternative zur feministischen Deutung, die ja primär durch Moralforderungen getrieben wird, anbieten zu können. Diese Pointe wird von normativen Geschlechterrollen formuliert werden, denn die Standardtheorie des linken Maskulismus konnte bisher keine eigenen Geschlechterrollen formulieren.
  • (2) Denn der Biologismus gibt nur an, wie sich das Sozialverhalten evolutionär entwickelt hat – nämlich via Verwandtenselektion aus dem genetischen Eigennutz – nicht aber, wie es in einem normativen Sinne aussehen sollte: Der Biologismus beschreibt nur, er gibt und kann uns auch keine sozialpolitischen oder zwischenmenschlichen Ratschläge geben, die über den Aspekt der Wahrscheinlichkeit von Sex mit Frauen hinausgehen. Normative Geschlechterrollen dürfen wir vom Biologismus daher nicht erwarten.
  • (3) Wer einen neuronalen Determinismus oder auch nur einen Reduktionismus der mentalen Zustände im Hinblick auf zerebrale Zustände ablehnt, der benötigt einen Kulturbegriff, um überhaupt Einflüsse der historisch gewachsenen Zivilisation auf das Binnenverhältnis der beiden Geschlechter sichtbar machen zu können. Und der Biologismus kann natürlich keinen eigenständigen Kulturbegriff entwickeln, weil er dem methodologischen Individualismus folgt und daher alle sozialen Vorgänge aus dem Handeln und den Präferenzen der einzelnen, daran beteiligten Personen bzw. aus ihrem genetischen Eigennutz heraus erklärt: Das Kollektiv selbst ist explanatorisch überflüssig. Damit geht er windschief an der systematischen Pointe jedes Feminismus vorbei, die gerade beanspruchen, eine moralisch getriebene Kulturevolution abzugeben. Nur normative Geschlechterrollen würden daher dem Feminismus wirklich den Wind aus den Segeln nehmen.

Nur – warum sollten normative Geschlechterrollen nicht einfach ein Hirngespinst sein?

Soweit ist das ganz nett, aber die entscheidende Pointe sieht man erst dann, wenn man sich fragt, was normative Geschlechterrollen mit positiven und negativen Freiheiten zu tun haben könnten.

IV. Macht und Freiheit

Linke Maskulisten und Biologisten sind sich flächendeckend darüber einig, daß der negative Freiheitbegriff für alle praktischen Zwecke der Männerbewegung völlig ausreicht. Positive Freiheit wird als überflüssig oder gar als politisch gefährlich angesehen. Und wie nicht anders zu erwarten, wird auf diesem blog eine davon abweichende Meinung vertreten.

Formulieren wir mal – beschränkt auf die groben Zwecke dieses postes – den Freiheitsbegriff im Sinne der Determinismusdebatte um:

  • Wer ein negatives Freiheitsrecht ausübt, der hat die Macht, etwas zu verhindern.
  • Wer ein positives Freiheitsrecht ausübt, der hat die Macht, etwas zu ermöglichen.

Über Macht habe ich schon einmal einen – leider nicht sehr guten – post gemacht. Seine Pointe bestand darin, daß

  • Macht, soweit sie von Personen ausgeht, nur erkannt werden, wenn man zuvor eine Störung der moralisch berechtigten und zivilisatorisch abgesicherten Gestaltungsspielräume einzelner Menschen detektiert hat und der Machtbegriff sich somit als implizit normativer Begriff erweist.“

Heute verstehe ich etwas besser, was ich damals geschrieben habe und ich formuliere es durch (6) – (7) neu:

  • (6) Macht zu haben, heißt, den sozialen Raum, in dem akzeptable Gründe, zu handeln, vorkommen können, bestimmen und nutzen zu können.

Diese Aussage macht nur Sinn, wenn nicht alle Handlungen Tätigkeiten als Träger haben, sondern sich in einem kulturellen Raum des Rationalisierens ereignen. Glücklicherweise haben wir genau diese Sichtweise bereits in einem früheren post zur Grundlegung des analytischen Humanismus bereitgestellt.

  • (7) Normativität und Macht sind kein Gegensatz: Macht ist nicht einfach die Abwesendheit von rechtfertigenden Handlungsgründen oder willkürliche Herrschaft. Denn Normativität übt Macht aus, indem sie praktische Rechtfertigungmöglichkeiten eröffent oder verschließt und soziale Macht muß sich mit der praktizierten Normativität einer Gesellschaft arrangieren, um wirksam werden zu können.

Freiheit findet also – metaphorisch gesprochen – nicht nur auf der anderen Seite des Determinismus statt, sondern auch in den Kanälen der Normativität. Wenn wir also verstehen lernen, wie – bildlich gesprochen – Normativität in die Welt kommt, dann verstehen wir auch, wie Macht und Freiheit in kulturellen Zusammenhängen in die Welt kommen. Und dann können wir auch das kulturell gewachsene Verhältnis der Geschlechter im Hinblick auf Macht und Freiheit analysieren in einer Weise, die dem Feminismus unmittelbar Konkurrenz macht und die zugleich für den Biologismus unzugänglich ist und vom linken Maskulismus schmerzlich vermißt wird.

Und ganz offensichtlich haben wir auf diese Weise auch eine Möglichkeit geschaffen, Informationen über die historische Entstehung der Ideale von Männlichkeit und Weiblichkeit, wie sie von Christoph Kucklick beschrieben wird, in das maskulistische Geschlechterverständnis einzubinden – Informationen, die im biologistischen Paradigma schlicht überflüssig sind.

V. Keiner kennt den Feminismus

Feminismus ist vor allem eine politische Bewegung [Becker-Schmidt & Knapp 2003], weshalb sie keine Skrupel hat, an sich eigenständige, soziologische oder philosophische Theorien zu kapern, und zu instrumentalisieren, sofern das denn ihren Zwecken dient.

  • Beispiele solcher Instrumentalisierungen sind der Multikulturalismus, der eigentlich eine Theorie ist, die das Verhältnis von Staat und kulturellen Staatsbürgergruppen regelt, von den Feministen aber dazu benutzt wird, Gruppenrechte zwischen Bürgern zu propagieren, sowie der Poststrukturalismus, dessen moralischer und epistemischer Relativismus heute zur Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher und sozialer Privilegien für Frauen genutzt wird.

Die Priorität des Politischen zeigt sich auch im Hang der Feministen, zugunsten des rhetorischen Erfolges die Fakten zu verdrehen, zu verschweigen und einfach komplett neue zu erfinden.

  • Bekannte Beispiele sind der gender pay gap, die Tendenz von Frauen, in Beziehungen Gewalt zu initiieren oder die Leugnung aller spezifisch bei Männern vorkommenden Problemen wie verkürzte Lebenserwartung, erhöhte Selbstmordrate, erhöhte Berufsunfälle, erhöhte Strafmaße bei vergleichbaren Delikten oder straflose Genitalverstümmelungen.

Ein anderer rethorischer Kniff ist die Mein-Feminismus-Variante: Sie besteht darin, die eigene feministische Position aus der Kritik zu nehmen, indem man behauptet, der selbstvertretene Feminismus wäre inhaltlich gerade so beschaffen, daß von einer vorgegebenen Kritik gar nicht erfaßt würde – und zwar angepaßt je nach Kritik.

  • Dieses temporäre Manöver hat natürlich Grenzen, denn immerhin müssen Feministen wissen, wie sie sich von Nicht-Feministen oder Antifeministen unterscheiden. Weniger offensichtlich ist, wie man diese Grenzen konkret finden will.

Die auf diesem blog vertretene Strategie gegen diesen move besteht darin, eine invariante Kerndefinition für jede Mein-Feminismus-Variante dadurch zu erzeugen, daß man diejenige Menge von Aussagen identifiziert, welche die Theoriegeschichte des Feminismus der 2. und 3. Welle des Feminismis erklärt und strukturiert. Denn es besteht Einigkeit darüber, daß der Feminismus vor Simone de Beauvoir, der Feminismus der Soufragetten, über keinerlei Theorie verfügte. Die gesuchten Aussagen lauten:

  • Für Frauen bzw. für Weiblichkeit ist der Freiheitsskeptizismus und der harte Determinismus falsch.
  • Das Geschlecht strukturiert die privaten Beziehungen und die Gesellschaft hierarchisch zu Ungunsten der Frauen. Die Befreiung der Frau ist daher die zentrale Aufgabe des Feminismus.
  • Männliche Macht und Herrschaft beruhen auf einem Betrug, dessen Mittel die unberechtigte Abwertung alles Weiblichen ist.
  • Es gibt ein objektiv richtiges und daher für alle verbindliches, moralisches Gebot, die Nachteile von Frauen zu beseitigen und die weibliche Befreiung zu fördern.

Die Folge ist, daß sich das Mein-Feminismus-Problem gegenüber den Kernintuitionen des Feminismus als Kondensat feministischer Theoriegeschichte als Scheinproblem entpuppt.

VI. MGTOW und feministische Praxis

Weniger offensichtlich ist, inwiefern der Feminismus eine Freiheitsbewegung und nicht nur eine Bewegung der sozialen Gerechtigkeit bzw. des Geschlechterrevanchismusses ist. Doch wenn wir (6) und (7) benutzen, werden die Zusammenhänge auf einmal transparent:

  • i) Negative Abwehrrechte zu haben und sie auch durchzusetzen, heißt, die durch Normen gestützte Macht zu haben, bestimmte Ansprüche gegen sich abzuwehren.
  • ii) Funktioniert diese Normativität richtig gut, wenn werden solche Ansprüche gar nicht mehr von anderen Personen gestellt, denn jeder weiß, daß diese ohnehin keine Chance hätten. Das aber hat zur Folge, daß man als Inhaber dieser negativen Abwehrrechte bestimmte kulturelle Zwänge, die solche Ansprüche normalerweise hervorbringen würden, gar nicht mehr sehen kann, denn man begegnet ihnen gar nicht mehr.
  • iii) Kulturelle Zwänge nicht mehr zu sehen zu können, heißt auch, nicht mehr auf das tradierte, kulturelle Funktionieren von etwas stoßen zu können und dadurch lernen zu können, dieses und seine Handlungsoptionen zu verstehen.
  • iv) Wer aber das kulturelle Funktionieren von etwas versteht, kann durch Unterordnung unter diese kulturelle Funktionsweise Erfolge durch sein eigenes Handeln erzielen, die eben anders nicht zu erzielen wären. Denn gehandelt wird immmer im kulturellen Raum der Rationalisierungen, Handlungen sind keine Tätigkeiten.

Und das ist dasselbe wie: Negative Freiheit ist die Abwesendheit fremder Macht und zugleich die Abwesendheit von bestimmten, dieser negativen Freiheit zugeordneten sozialen Erfolgsmöglichkeiten. Mit anderen Worten: Kulturbedingte Erfolge kann man nur haben, wenn man nicht ständig das auf Normen gestützte Recht ausübt, sich den sozialen Wirkungsmechanismen einer Kultur zu entziehen. Es ist klar, worauf das hinausläuft.

  • Es ist nichts Neues, daß wir es Männern zumuten, auf persönliche Belange zu verzichten und sich ganz dem Funktionieren eines Zusammenhangs, der Erfüllung einer Aufgabe und der Erbringung einer Dienst- oder Werkleistung unterzuordnen und zwar notfalls auch unter Einsatz des eigenen Lebens. Wir nennen das the disposable men. Diese Art von Entpersönlichung, von Verzicht auf eigene Subjektivität, ist eine Zumutung, die wir den Frauen ersparen, weshalb sie auch die einzigen Kandidaten sind, an denen wir die Chance haben, zu beobachten, wie Menschlichkeit eigentlich funktioniert: Frauen haben geschlechtsspezifische Abwehrrechte gegen diese spezielle Reduktion ihrer Person auf eine Leistung oder ein Verhalten.

Das bedeutet: Durch den Zuwachs an negativen Freiheiten gegenüber kulturellen Zwängen ziehen sich die Frauen simultan aus den kulturellen Wirkungsmechanismen im Vergleich zu den Männern immer mehr zurück. Also: Je stärker die negative Freiheit der Frauen anwächst, desto männlicher wird ihre Kultur.

  • Bemerken nun die normativ gut geschützten Frauen ihre kulturelle Wirkungslosigkeit, die nur von ihrer normativen Macht kompensiert wird, so bleibt ihnen als Schluß auf die beste Erklärung dieser Tatsache nur übrig, einen Mangel an positiver Freiheit zu vermuten. Denn die negativen Freiheiten haben die Frauen ja bereits komplett. Insofern die Männer aber kulturell dominieren, kann es – messerscharf feministisch gefolgert – gar nicht anders sein, als das Männer positive Freiheiten haben, die Frauen fehlen. Dies ist die Geburtssekunde der feministischen Praxis, die weder von Wissen um Feminismus, noch von feministischer Theorie getrieben werden muß, sondern nicht mehr als die tägliche Betroffenheit erfordert.

De facto ist das natürlich falsch: Denn nicht der Überhang an positiver Freiheit der Männer ist die Ursache ihrer sozialen Wirksamkeit, sondern das Fehlen negativer Freiheiten für Männer, die ihnen eine Verweigerung der Unterordnung unter die kulturellen Zwänge nicht gestatten. Und das Fehlen negativer Freiheiten bei Männern ist bekanntlich nichts anderes das Fehlen von Normen für Männer, längs derer sie selbst Macht ausüben könnten. Denn Normativität und Macht sind keine Gegensätze.

Der Preis, den die Männer zu zahlen haben, ist natürlich Demütigung – eine Demütigung, der sich die Anhänger der MGTOW-Bewegung systematisch entziehen und die daher die Sympathie des analytischen Humanismus haben, während sie nur die verächtliche Herablassung des Biologismus auf sich ziehen, weil sie es ablehnen, sich – evolutionär gesehen – attraktiv zu machen.

  • Es ist kein Zufall, daß der literarische Feminismus von Simone de Beauvoir als soziale Bewegung für mehr positive Freiheiten von Frauen gerade im Kielwasser des atheistischen Existentialismus von Sartre entstand. Und bis heute ist die Frage nach der richtigen, personalen Autonomie von Frauen als Theorie von der relationalen Autonomie eine zentrale Baustelle feministischer Theorie.

Und last not least ist es kein Zufall, daß die feministische Praxis eine normativ aufgeladene Bewegung zur Ermächtigung von Frauen und keine Gleichheitsbewegung ist, wie uns die wikipeda glauben machen will. Denn die von Betroffenheit und moralischer Empörung getriggerten Frauen möchten die Bequemlichkeiten (=negative Freiheiten) des angeblich existierenden Patriarchats behalten, und sie mit den Bevorzugungen des Feminismus (=positive Freiheiten) kombinieren – was letztlich nicht geschlechtsspezifisch, sondern nur menschlich, wenngleich widerwärtig ist. Und wäre der Feminismus kein politischer Geschlechterrevanchismus, dann wäre er von der feministischen Praxis längst vergessen worden – mitsamt aller feministischen Theorie.

 


14 Kommentare

  1. „Der Biologismus möchte hier alle Antworten der Evolution, die neuronalen Architektur des Gehirns und seiner Biochemie überlassen.“

    Die Biologen würden da einwenden, dass das nach einem naturalistischen Fehlschluss klingt.
    Was würde denn deiner Meinung nach das integrierte Modell dazu vertreten?

    • Naturalistischer Fehlschluß ist was anderes – bitte bei wikipedia nachlesen.

      „Was würde denn deiner Meinung nach das integrierte Modell dazu vertreten?“

      Das ist doch deine Theorie, oder? Solltest du diese Frage nicht beantworten können?

      • Aus Biologie moralische Vorgaben für das soziale Verhalten abzuleiten wäre ein naturalistischer Fehlschluss

        Das integrierte Modell ist das vorherrschende in der Biologie. Kann es sein, dass du zu einem Strohmann abgrenzt? Ich kenne niemanden der deinen biologismus vertritt.

        • Es freut mich immer wieder, wenn deine Kommentare von selbst klarstellen, daß du überhaupt nicht verstehst, was du da liest. Aber vielleicht liest du auch gar nicht. Das würde ich dir auch zutrauen.

        • „Das integrierte Modell ist das vorherrschende in der Biologie.“

          Außerdem ist das ja wohl leicht übertrieben – euphemistisch formuliert: Das sog. integrated model wurde von John Tooby und Leda Cosmides 1992 in „The Adapted Mind“ vorgeschlagen – einem Buch zur evolutionären Psychologie. Es ihr persönlicher Vorschlag, der keineswegs überall geteilt wird oder geteilt werden muß. Auch das sog. Standard Social Science Model ist allein die Rekonstruktion von Tooby/Cosmides, das allein zu dem Zweck gebastelt wurde, ihr eigenes Modell zu promoten. Es wurde keineswegs innerhalb der Soziologie und unabhängig von Tooby/Cosmides vorgeschlagen, alzeptiert und verwendet.

          Es ist eben wie immer bei dir: Da wird gelogen und gefälscht, was das Zeug hält.

          • Kennst du den jemanden, der sich dagegen ausspricht?
            Welche Positionen werden nicht geteilt und mit welchen Argumenten?

            Sind wir und denn einig, dass es mit deiner Vorstellung von biologismus nicht kompatibel ist?

            • „Kennst du den jemanden, der sich dagegen ausspricht?“

              Oh, das ist dein bestes Argument? Alles klar.

            • Du sagst, es wird nicht geteilt. Ich habe keine Ahnung auf wen du dich da berufst. Also Frage ich nach.
              Was ist denn dein Argument abseits „nein, das teilen viele nicht, aber ich sage nicht wer“

            • Nein, du sagst, daß alle, die sich nicht explizit gegen das Modell wehren, diesem Modell zustimmen.

              Und es ist ein Modell der evolutionären Psychologie, nicht der Biologie. Falls du den Unterschied nicht kennst, kannst du ihn googlen.

              Ansonsten helfe ich dir auch im neuen Jahr nicht weiter – nicht vergessen. 😉

  2. wollepelz sagt:

    Danke für den Beitrag.
    Nur eine kleine Anmerkung: Ich unterschätze die Biologie nicht. Ich merke sie jedesmal, wenn ich eine nette Frau sehe. Ich freue mich über nichts mehr als über das Lächeln einer Frau. Und natürlich gehört es zu den Menschenrechten, dass Frauen einen anderen Schutz als Männer brauchen. Da bin ich vielleicht ein wenig geschlechterstereotyp. Ich muss nicht auf Teufel komm raus alles dekonstruieren.

    Mir wäre es recht, wenn wir – Frau und Mann – viele Dinge neu und humanistisch „konstruieren“ würden.

    „Naturalistischer Fehlschluss“ – gab es da nicht ein wenig Kritik zu? 😀

    Ich denke auch, dass sich Elmar hier auf sichererm Terrain befindet. 😉

    Es ist zudem kein Begriff der Biologen.

  3. […] letzte post war eine Art Rückblick auf vergangene Entwicklungen und zugleich ein Ausblick auf das, was man sich als Nächstes […]

  4. […] Frauen haben die negative Freiheit und das Abwehrrecht, sich aus jeder Art von körperlicher Auseinandersetzung herauszuhalten. Eine Frau hat für solche primitiven Dinge ihre Männer, weil sie Dank ihrer zivilisatorisch höherstehenden Natur etwas Besseres ist als ein Mann und der Mann ist sogar stolz darauf, einer Frau wenigstens mit seiner Primitivität aushelfen und dienen zu dürfen. […]

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