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#MannfuereinenTag – Männer gezielt manipulieren

Die biologistische Schlagseite des Maskulismus ist nach meiner Einschätzung der Hauptgrund, warum die soziale Rolle der Frau in der Gesellschaft von Humanisten und männerrechtsbewegten kaum kritisiert wird, insofern sie unsichtbar wird hinter vermeindlichen biologoischen Zwängen und eingebildeten evolutionären Dispositionen. Dieser post führt aus, was damit gemeint ist anhand der #MannfuereinenTag-Debatte.

Diese Debatte ist insofern interessant, als die Teilnehmer dieser Debatte – es sind durchweg Frauen – dabei nicht verhindern können, ein spezifisches Verständnis der sozialen Realität zu demonstrieren, daß – wenn der Biologismus recht hat – ihnen auf geheimnisvolle Weise logischer vorkommt, insofern es ihnen evolutionäre Vorteile bietet, die ihnen via biologischer Wirkzusammenhänge eingeflüstert werden. Richtig spannend wird es natürllich, wenn wir herausfinden werden, daß unter #MannfuereinenTag vor allem Propaganda gepostet wird – eine Sache, die bei Dominanz biologischer Einflüsse erstens wirkungslos, zweitens völlig überflüssig und damit kontraintuitiv für den Biologismus ist.

I. Propaganda von Frauen für Frauen

Sehen wir uns die Sache genauer an, indem wir zu einigen Kommentare zu #MannfuereinenTag-Debatte eine mildtätige Stimme der Aufklärung zu Wort kommen lassen. Dabei habe ich die üblichen, uninteressanten Propagandasprüche über gender pay gap etc. mal weggelassen und mich aus Zeitgründen auf die größten Klopper beschränkt.

1) „Nicht gefragt werden, wie ich das denn mit drei Kindern organisiere und wer sie betreut, während ich arbeite.“ Lauschen wir nun der Stimme der Vernunft:

  • (1) Die Pointe der Kommunikation besteht bekanntlich darin, etwas zu tun, was dem Adressaten der Kommunikation einen – nicht notwendigerweise guten – Grund gibt, seine Meinungen zu verändern. Ein Beispiel: Schreibt der Kapitän eines Schiffes ins Logbuch des Schiffes „Der Leichtmatrose ist heute betrunken.“, so kommt jeder Leser des Logbuchs zu dem Schluß, daß dies ein einmaliger Verweis an den Leichtmatrosen ist. Schreibt aber der auf Rache sinnende Leichtmatrose ins Logbuch „Der Kapitän ist heute nüchtern.“, so kommt jeder Leser des Logbuchs zu dem Schluß, daß der Kapitän normalerweise betrunken ist – so wahr die Eintragung auch sein mag. Denn im Logbuch stehen nur Dinge, die es lohnt, zu erwähnen – eine Sache, die man als Präsupposition der Logbucheintragung bezeichnet.
  • (2) Wenn also eine Frau gefragt wird, wie das mit den Kindern läuft, während sie arbeitet, dann läßt das darauf schließen, daß jeder, der diese Frage stellt, damit rechnet, daß sie im Regelfall Kinder hat. Wenn Männer das nicht gefragt werden, dann heißt das offenbar, daß es für Frauen normal ist, einen Mann zu finden, der sie schwängert, während es für einen Mann nicht normal ist, daß er eine Frau zum Kindermachen findet. Und in der Tat wissen wir aus den Statistiken der kirchlichen Sterbebücher, daß über Jahrhunderte hinweg sich etwa 80% der Frauen und 40% der Männer fortpflanzen.
  • (3) Wenn nun speziell nur Frauen diese Frage gestellt wird, dann rechnet der Frager damit, daß zuhause kein Mann sitzt, der die Kinder betreut – was dadurch erklärt wird, daß Frauen es vorziehen, den Mann arbeiten zu lassen und ihm den Existenzkampf für die komplette Familie allein führen zu lassen, so daß eine Frau mit Kindern eben nur dann arbeitet, wenn es sich absolut nicht vermeiden läßt. Das ist simples Alltagswissen. Daher ist eben vermutlich entweder zu Hause kein kinderhütender Mann verfügbar. Wenn es doch einen Mann geben sollte, dann legt das die weitere Vermutung nahe, daß die Frauen es regelmäßig ablehnen, ihren kinderhütenden Mann durchzufüttern, so daß ihm ebenfalls keine andere Wahl bleibt, als zu arbeiten.
  • (4) Offenbar beschwert sich die Schreiberin dieses Kommentars darüber, daß sie auf eine soziale Rolle festgelegt würde – entweder nicht zu arbeiten oder als Rabenmutter zu gelten, wenn man trotz Kinder seine persönliche, neoliberale Bestimmung darin sieht, sich meistbietend ans Kapital zu versklaven. Wie müßte nun die Realität regelmäßig beschaffen sein, damit das Äußern der Frage als kommunikativer Akt genau dies zu verstehen gibt? Erstens müßte sich das Problem der Existenzsicherung der Frau auf magische Weise von allein lösen. Denn nur dann ist die Tatsache, daß die Frau arbeitet, völlig auf die kritisierbaren Neigungen der Frau zurückzuführen. Zweitens müßte gelten, daß es keinerlei gesellschaftlich organisierte und staatlich finanzierte Formen der Kinderbetreuung gibt, die es den Frauen systematisch ermöglicht, als Mütter zu arbeiten, so daß sich EBEN NICHT jeder selbst denken kann, wie die Kinderbetreung stattfindet, wenn er auf eine normal arbeitenden Frau trifft und es GENAU DESHALB  einen Bedarf gibt, in nicht-rethorischer Weise danach zu fragen. Doch die Realität ist – wenigstens für Männer – völlig anders beschaffen, so daß der Inhalt der Bewerde irreführend ist.
  • (5) Die Pointe der Beschwerde als kommunikativer Akt hingegen liegt darin, daß es für die Selbstbestimmung von Frauen eine Zumutung sei, wenn ihre über sich selbst an ihren Konsequenzen gemessen werden. Doch gebe ich als eingefleischter Deontologe gerne zu, daß Konsequenzen sehr gut als Detektoren geeignet sind, um herauszufinden, ob eine Handlung nun moralisch bedeutsam ist oder nicht. Wogegen sich die Beschwerde der Frau zu richten scheint, ist die Tatsache, daß die Moral überhaupt als geeignet angesehen wird, die Selbstbestimmung der Frauen zu beschränken. Und das heißt ja wohl, daß sich Frauen in ihrer Selbstbestimmung über jede Moral hinwegsetzen dürfen – eine Sache, die nur dann begrifflich möglich ist, wenn die Menschenwürde einiger Menschen, der Frauen, bedeutsamer ist als die Menschenwürde anderer Menschen, der Männer, ist und die der erstgenannten Menschen, der Frauen, Vorrang hat, so daß Männern nichts anderes übrigbleibt, als Menschen zweiter Klasse zu sein – eine Idee, die wohl zurecht als Nucleus des Faschismus gelten kann.

Und was Vergleichbares würden wir als Männer machen, wenn wir mal für einen Tag eine Frau wären?

  • Wir würden uns Dank der oben beschriebenen Realität darüber freuen, daß uns jemand implizit ein Kompliment macht, sich fortgepflnzt zu haben, und sich mal jemand dafür interessiert, wie wir mit der für Männer unvermeidlichen Doppelbelastung so klar kommen und alles organisiert haben, so daß es den Kindern nicht schlecht geht.

Was sagt der Biologismus nun zu all dem?

  • Wenn wir aus den Statistiken der kirchlichen Sterbebücher wissen, daß über Jahrhunderte hinweg etwa 80% der Frauen und 40% der Männer sich fortpflanzen, dann folgt, daß Frauen in eben diesem Zeitraum (oder länger) einem nur halb so großen Selektionsdruck ausgesetzt waren als die Männer. Wir müssen daher im Sinne des Biologismus annehmen, daß die Varianz der Verteilungen aller Merkmals bei Frauen deutlich größer ist als bei Männern. Je breiter aber die Varianz der Verteilung ist, desto weniger kann man die Lage so beschreiben, daß das Verhalten der Frauen von der Natur in irgendeinem Sinne vorgegeben wird – wenigstens approximativ. Folglich sind die oben dokumentieren Präferenzen der Frauen im Sinne einer freiwilligen sozialen Wahl viel ernster zu nehmen, als das normalerweise in den üblichen Bildzeitungsforen zur Dawkins Thesen der Fall ist. Oder anders formuliert: Frauen sind freier als Männer. Doch wie üblich verstehen die Biologisten ihre eigene Theorie nicht.

2) „am Telefon nicht hören müssen: „Würden sie mich mal mit ihrem Chef verbinden„.. Hallo, ich bin der Chef, ah seltsam.“. Lauschen wir der Stimme der Vernunft:

  • (6) Wenn man in der Hierarchie ganz unten steht und sich bisher noch nie dafür qualifiziert hat, Verantwortung zu übernehmen, dann kann es einem in der Tat so vorkommen, als hätte eine hierarchische Arbeitsorganisation nur eine interne Komponente der Anweisungautorität. Doch wer es geschafft hat, mal über den Tellerrand hinaus zu sehen, der merkt, daß Chefs Forschungsgruppen, Abteilungen oder auch ganze Unternehmen nach außen nicht nur repräsentieren, sondern auch verteidigen und damit für ihre scheinbar Untergebenen ihren Kopf hinhalten müssen. In diesem Sinne gibt es für Chefs 2 Jobs: einen administrativen nach innen und einen kompetitiven nach außen. Die Folge ist, daß Chefs sich auf die großen Strukturen beschränken und keine Zeit für Details haben. Das müssen andere für sie erledigen, denn auch Chefs haben nur begrenzte Resourcen.
  • (7) Die Folge davon ist, daß Chefs normalerweise nicht so einfach am Telefon zu erwischen sind. Telefondienste machen in der Regel andere – die, die nicht als Chefs zwei Jobs haben. Wer also am Telefon „Würden sie mich mal mit ihrem Chef verbinden?“ gefragt wird, der sitzt vermutlich an einer Stelle, die in der Hierarchie nicht sehr weit oben liegt, und muß daher regelmäßig – undd zwar aus arbeitsorganisatorischcen Gründen – mit der Erwartung von Anrufern rechnen, daß sie selbst einen Chef haben. Und mehr noch: Ein Chef, der selbst Telefondienst macht, hat vermutlich nichts Dringenderes zu tun, als auf Kunden zu warten und das ist ein schlechtes Zeichen für das ganze Unternehmen bzw. die Forschungsggruppe.
  • (8) Die Pointe der Beschwerde als kommunikativer Akt liegt damit offenbar darin, zu suggerieren, als gäbe als einzige Erklärungsmöoglichkeit für so eine Frage das Geschlecht – was aber eben erst zu zeigen wäre und nicht als bewiesen vorausgesetzt werden kann. Und gezeigt werden, kann es nicht, da Chefs regelmäßig bereits aus arbeitsorganisatorischcen Gründen keinen Telefondienst schieben.

Und was Vergleichbares würden wir als Männer machen, wenn wir mal für einen Tag eine Frau wären?

  • Wir würden uns fragen, ob wir etwas falsch gemacht haben, so daß mit jemand anderen geredet werden muß, der möglicherweise kompetenter ist. Oder wir würden uns gar nichts fragen, wenn die Sache den eigenen Arbeitsbereich sowieso übersteigt – je nachdem..

Was sagt der Biologismus nun zu all dem?

  • Meine Vermutung ist, daß nicht mal die Vertreter der kruden Ideologie des Biologismus es schaffen, Beschwerden über Telefondienste evolutionären Kosten oder Nutzen anzudichten.

3) „Endlich mal ausreden.“.

  • (9) Bekanntlich reden Frauen nicht mehr als Männer, während die Anzahl der Worte individuell enorm schwanken kann. Anderslautende Gerüchte gehen bekanntlich auf ein schlecht durchgeführtes, psychologisches Experiment in den 70igern zurück, das erst in den 90igern wiederholt und korrigiert wurde, ohne daß sich diese Korrektur groß herum gesprochen hätte. Entsprechend dürfen wir vermuten, daß mit diesem Kommentar nicht gemeint ist, daß Männer Frauen ins Wort fallen müssen, weil sie sonst nicht zu Wort kommen, sondern weil sie es tun, weil sie dabei ungestraft davon kommen und irgendeinen psychologischen Gewinn daraus ziehen.
  • (10) Doch wann fallen wir eigentlich jemandem ins Wort? Ganz allgemein tun wir es, um Schlimmeres zu verhindern – und sei es, daß durch nutzlose Elaborate nur kostbare Zeit verschwendet wird. Die erste – und selbstverständlich auch für Männer – gültige Regel lautet daher: „Fällt dir jemand ins Wort, dann hast du vermutlich vorher einen Grund gehabt, den Mund zu halten.“. Doch natürlich ist in dem Kommentar etwas anderes gemeint. Gemeint ist, daß angeblich Männer Frauen nicht ausreden lassen und dadurch ihnen den Respekt als Personen entziehen, weil sie Frauen sind. Solche Fälle mag es geben, doch sie deuten eben nicht auf eine soziale Machtposition hin, denn die Pointe besteht hier darin, daß der Entzug des Respekts durch das Unterbrechen selbst ausgeführt wird. Niemand benötigt offenbar vorher eine Machtposition, um auf dieser Basis überhaupt anderen den Respekt als Person entziehen zu können.
  • (11) Nehmen wir also mal testweise an, ein Mann habe qua Geschlecht eine soziale Machtposition und eine Frau entzieht ihm als Person den Respekt. In Mafiafilmen führt so eine Konstellation regelmäßig dazu, daß als Zeichen der erneuten Unterwerfung Finger abgehackt werden oder ähnliches und zwar aufgrund einer infolge der Machtposition des Paten glaubhaften Drohung mit weit Schlimmerem. Können wir diese Art von Unterwerfungsrituale von Frauen gegenüber Männern aber nicht finden, dann folgt, daß eine angebliche Macht der Männer als Geschlecht über die Frauen nicht unabhängig von solchen Respektsbezeugungen wie Ausredenlassen besteht. Vielmehr muß es dann so sein, daß soziale Macht aus der Benutzung von jedem offenstehenden, sozialen Regeln entsteht, und folglich auch leicht verloren gehen kann, so daß es nicht ausreicht, zu einem Geschlecht zu gehören, um dauerhaft eine soziale Macht zu haben: Soziale Macht kann immer und von jedem gebrochen werden – und zwar durch soziale Interaktion.
  • (12) Nun ist es aber eine empirische Tatsache, daß das traditionelle Männlichkeitsideal vorsieht, daß Männer Frauen in jeder Situation beschützen, helfen und fördern – unabhängig davon, was eine individuell vorgegebene Frau durch vorangeganges Tun verdient haben mag. Wohlbekannte und oft kritisierte Varianten davon sind der Frauenbonus in Form des Strafnachlasses infolge der Geschlechtszugehörigkeit vor Gericht oder die Tatsache, daß Frauen von männlichen Prüfern bessere Noten für die gleiche Leistung bekommen als von gemischt-geschlechtlichen Prüfungskommissionen oder die Losung „Rettet Frauen und Kinder zuerst!“ etc.. Also: Eine soziale Machtposition der Männer, wie sie in dem obigen Kommentar nahegelegt wird, würde gegen das traditionelle Männlichkeitsideal verstoßen. Oder anders formuliert: Träfe „Endlich mal ausreden.“ einen Punkt in der bestehenden sozialen Realität, gäbe es das traditionelle Männlichkeitsideal nicht.
  • (13) Die Pointe dieser Beschwerde als kommunikativer Akt im Sinne eines Meinungs-updates beim Kommunikationsadressaten liegt damit offenbar darin, diese traditionelle Männerrolle zu leugnen – aus gutem Grund, denn Frauen profitieren im Alltag enorm von ihr und unfaire oder ungerechte Verhältnisse werden primär dadurch stabilisiert, daß man sich unsichtbar macht. Zweitens ist ein solches Leugnen auch wirksam, denn diese Art von Männlichkeit als soziale Rolle ist ein soziales Konstrukt, das nicht direkt beobachtet werden kann, sondern erschlossen werden muß.

Und was Vergleichbares würden wir als Männer machen, wenn wir mal für einen Tag eine Frau wären?

  • Wir würden auch mal unsere Meinung sagen und diese gegenüber Männern mit der Leichtigkeit eines griechischen Halbgottes durchzusetzen, anstatt um des lieben Friedens willen, alles zu schlucken, was von den Frauen an Empathielosigkeit und Kooperationssabotage so kommt und geduckt zu versuchen, weit unterhalb des weiblichen Radars und damit fernab von potentiellen Störungen des sozilen Friedens durch Frauen unser eigenes Ding zu machen. Wir Männer müßten uns nicht mit der sozialen Macht der Frauen abfinden, die aus der permanenten Drohung mit dem Abbruch des sozialen Kontaktes entsteht. Aber wir – und insbesondere die Maskulisten – tun leider genau das und erst die MGTOW-Bewegung ist eine ernsthafte Bedrohung für die Macht der Frauen, die daher auch sehr viel mehr Aufmerksamkeit durch Frauen erhält als Maskulismus.

Was sagt der Biologismus nun zu all dem?

  • Nichts. Seiner Ansicht nach kann es soziale Rollen zwar geben, aber entweder stimmen sie mit biologischen Dispositionen überein oder ihr Einfluß ist so klein, daß er vernachlässigt werden kann. Insbesondere wird die MGTOW-Bewegung vom Biologismus notorisch kleingeredet, insofern sie keinen evolutionären Nutzen für sich verbuchen könnte.

4) „Zu allen Panels, Workshops und Diskussionsrunden eingeladen werden. Und nicht, um über die „männliche Sicht“ zu reden.“. Und wir lauschen wieder der Stimme der Vernunft:

  • (14) Es liegt im Wesen von Panels, Workshops und Diskussionsrunden, daß dort nicht jeder, sondern nur eine handverlesene Auswahl von Leuten willkommen ist. Somit gilt auch für Männer, daß man keineswegs aufgrund etwaigen Vorzeigens seines Geschlechtsteils allein als Redner oder Vortragender eingeladen wird, sondern es gibt typischerweise 3 Qualifikationsrunden: Empfehlung durch Publikationen oder einen Kontakt, Aufforderung sich mit einem Konzept zu bewerben und am Ende die erneute Prüfung des eingereichten Beitrages selbst. Dieser Kommentar möchte dem Leser suggerieren, daß Frauen in allen Äußerungen zu Sachthemen – Geschlechterthemen gelten dafür als zu weich – für inkompetent gehalten werden, weil sie Frauen sind und Männer auch dann für kompetent in Sachthemen gehalten werden, wenn sie es nicht sind, weil sie Männer sind – wenigstens im Vergleich zu Frauen.
  • (15) Für die potentielle Erklärung der Wahrheit dieser Aussage gibt es klarerweise zwei Optionen: Entweder geht es in diesen Panels/Workshops/Diskussionsrunden überhaupt nicht um Qualität oder gute Argumente, sondern nur um Macht z.B. weil der Wahrheitsbegriff ohnehin sinnlos, der epistemische Relativismus wahr und objektive Wissenschaft unmöglich ist. Dann liegt die Pointe dieser Beschwerde als kommunikativer Akt im Sinne eines Meinungs-updates beim Kommunikationsadressaten darin, daß sich die beschwerdeführende Frau nicht ausreichend hofiert, geehrt und als wichtig gebauchpinselt fühlt, denn was auf diesen Panels/Workshops/Diskussionsrunden gesagt wird, spielt für irgendwelche späteren Entscheidungen ohnehin keine Rolle, da statt Argumenten die Willkür der Macht regiert. Da nun aber der weibliche Maßstab hierfür wenigstens subjektiv ist, wird de facto eine Unterordnung aller anderen Menschen unter die persönliche Befindlichkeit als Frau gefordert und der Kommentar reduziert sich seiner kommunikativen Pointe nach auf „Es ist ungerecht, daß ich machtlos bin, eben weil ich Macht haben will.“.
  • (16) Oder aber es kommt doch irgendwie auf Argumente an. Dann kann der Kommentar höchstens dann wahr sein, wenn Männern geglaubt wird, weil sie Männer, aber trotzdem inkompetent sind. Im Vergleich dazu wird Frauen nicht geglaubt, weil sie Frauen sind, obwohl sie kompetent sind. Nun gehört es bekanntlich zu den Kernthesen jeder Frauenbewegung und jedes Feminismus, daß Männer sie von ihrer Welt, der externen, nicht-familiären Welt ausgeschlossen und auf die familiäre Welt beschränkt hätten. Und es besteht kein Zweifel daran, daß diese Trennung heute nicht existiert. Folglich müßte es einen eklatanten Qualitätssprung nach vorn in der externen Welt gegeben haben dadurch, daß Frauen in ihr kompetent zu arbeiten begonnen haben, obwohl ihnen nicht geglaubt wird: Die durch die kompetente und erfolgreiche Arbeit der Frauen in der externen Welt erzeugten Tatsachen haben Folgen auch dann, wenn schlecht über diese Folgen gedacht wird. Doch dieser Qualitätssprung durch das Eingreifen der Frauen in die externe Welt ist nirgendwo zu finden. Also: Es ist nicht wahr, daß Männern in der externen Welt geglaubt wurde, weil sie Männer sind, obwohl sie in Wahrheit inkompetent sind.
  • (17) Drittens ist es empirisch falsch, daß Frauen nicht geglaubt wird, obwohl sie kompetent sind: Denn die meisten Frauen beschweren sich darüber, daß sie in der männlichen Arbeitswelt ständig zeigen müssen, daß sie kompetent sind. Wenn es aber nicht wahr ist, daß Männern geglaubt wird, obwohl sie inkompetent sind, dann zeigt die Beschwerde der Frauen, Kompetenz nachweisen zu müssen, daß sie mit den Männern in einer Welt sind, in der vor allem Fakten zählen – egal, was gesagt wird. Und wer sich darüber wundert und das als neu und ungewöhnlich empfindet, der lebt sonst in einer anderen Welt, in der ihm qua Geschlecht geglaubt wird, ohne daß er irgendetwas beweisen muß. Also: Es sind die Frauen, denen gelaubt wird, weil sie Frauen sind derart, daß regelmäßig darauf verzichtet wird, daß Frauen ihre Worte durch Taten auch glaubhaft machen müssen.
  • (18) Die Pointe dieser Beschwerde als kommunikativer Akt im Sinne eines Meinungs-updates beim Kommunikationsadressaten liegt damit offenbar darin, eine weitere soziale Asymmetrie unsichtbar zu machen – daß Männern nicht geglaubt wird und sie sich daher darauf beschränken müssen, Tatsachen zu schaffen, die niemand ignorieren kann, während für Frauen das Gegenteil gilt.

Und was Vergleichbares würden wir als Männer machen, wenn wir mal für einen Tag eine Frau wären?

  • Sie würden anfangen zu reden, anstatt konsequent den Mund zu halten und ihre Taten für sich selbst sprechen zu lassen. Das würde Männer sehr viel transparenter machen und wir würden sie und ihre Probleme viel besser verstehen. Doch wem nicht geglaubt wird, der hat in der Gesellschaft vor allem die Stellung des ausgebeuteten Arbeitstieres, dessen Gedanken vor allein eines tun sollen – nicht weiter stören.

Was sagt der Biologismus nun zu all dem?

  • Nichts. Reden zu schwingen, kommt in der Berechnung der evolutionären Reproduktionskosten als Posten in der beschränkten Perspektive des Biologismus nicht vor: Vom Labern kriegt man keine Kinder.

5) „Einmal als krasser Hengst statt als Schlampe gelten, weil man im Leben mehr als einen Sexualpartner hatte.“. Erlauben wir der Stimme der Vernunft zu sprechen:

  • (19) Arne Hoffmann hat in seinen Büchern vielfältig darüber berichtet, daß etwa 15% der Männer 40% der Frauen und 40% der Männer etwa 80% der Frauen mit Sexualität versorgen, während rund 60% der Männer zeitlebens nur sehr spuradisch Sex haben. Daraus folgt nicht nur, daß es sich bei Frauen keineswegs so verhält, daß bei ihnen quasi zufällig die Liebe hinfällt, wo sie will, sondern von ihnen in Wahrheit systematisch geleugnete Partnerwahlkriterien gepflegt werden. Es folgt ebenfalls, daß die Frauen die Bremser sind, wenn es um das Zustandekommen von Sex geht. Es folgt nicht, daß den Frauen Sex keinen Spaß macht oder unwichtig wäre, wie das der Biologismus gerne behauptet.
  • (20) Das bedeutet, daß sich die Geschlechter unterschiedlich anstrengen müssen, um einen Sexualpartner zu bekommen, und weil das so ist, eben Sex bei Männern mit Frauen auf echte Qualitäten als Person, die auch ztüberzeugen, und bei Frauen mit Männern auf eine relative Gleichgültigkeit in der Wahl ihnrer Sexualpartner und damit darauf schließen läßt, daß Sexualität bei solchen Frauen keine Körpersprache der Intimität, sondern reiner Hedonismus ist. Deshalb sind Männer mit vielen Sexualpartnern krasse Hengste und Frauen mit vielen Sexualpartnern Schlampen. Denn es geht keineswegs darum, daß der Sex bei den Geschlechtern unterschiedlich bewertet wird und deshalb wären Frauen mit vielen Sexualpartnern ebenso krasse Hengstinnen, wenn sie wie die Männer jetzt alles aufbieten würden, um die Männer ins Bett zu kriegen und die Männer wie die Frauen jetzt als Reaktion darauf nur Abfälligkeiten von sich geben würden.
  • (21) Die Pointe dieser Beschwerde als kommunikativer Akt im Sinne eines Meinungs-updates beim Kommunikationsadressaten liegt damit offenbar darin, zu verschleiern, daß sie dieses tatsächliche Mißverhältnis in der Verfügbarkeit von heterosexuellem Sex benutzen, um ihre eigene Sexualität zu instrumentalisieren. Dieses Phänomen ist seit Generationen bekannt unter dem Namen „bürgerliche Prostitution“ – ein Phänomen, dessen Existenz der Biologismus nicht anerkennen kann, wenn er konsequent ist. Doch der Biologismus teilt je gerade die große Stärke des Feminismus: Inkonsistenz.

Und was Vergleichbares würden wir als Männer machen, wenn wir mal für einen Tag eine Frau wären?

  • Mit vielen Frauen schlafen, die uns den ganzen Tag Komplimente machen, ohne daß wir diese auch nur im Geringsten verdient haben oder uns sonst darum bemühen. Und wir würden diesen Sex sofort wieder vergessen, da er uns so gut wie nichts bedeuten würde, insofern er aus Gelegenheit und nicht aus vorher geschaffener persönlicher Intimität heraus geschieht.

Was sagt der Biologismus nun zu all dem?

  • Hier stimmt er zu und bestätigt, daß es viel schwieriger für Männer ist, ihre Sexualität zu leben als für Frauen – was aus humanistischer Sicht einen Eingriff in die Menschenwürde darstellt. Die Gründe, die er dafür anführt sind freilich andere. Sie liegen in der Natur und sind der menschlichen Einflußnahme entzogen. Entsprechend gibt es nur eine biologische Disposition zur Abrichtung von Männern zur Ausbeutung von Sexualität und keine selbstbestimmte, weibliche Kultur der Selbstprostitution.

6) „Alles sagen, was ich denke.“. Lauschen wir ein letztes Mal der Stimme der Vernunft:

  • (22) Es gibt zwei Lesarten dieses Kommentars: Er kann darauf hindeuten, daß es gegenwärtig soziale Normen gibt, die festlegen, was Frauen in der Öffentlichkeit zu äußern haben unabhängig davon, was sie dadurch verschweigen, oder er kann bedeuten, daß es Frauen im Moment freisteht, ohne Erwartung sozialer Konsequenzen, einer sozialen Norm zu folgen und dadurch anderen Menschen etwas vorzuspielen, und ihnen statt eines Zwangs nur die persönliche Übung und courage fehlt, öffentlich zur eigenen Meinung zu stehen. Versuchen wir, in beiden Fällen das Problem zu lokalisieren. Dafür nehmen wir – sehr approximativ – an, daß soziale Normverstöße in der Regel zukünftige Verluste in Sachen soziale Kooperation zur Folge haben.
  • (23) Im ersten Fall werden Frauen, die sich nach sozialen Normen richten, offenbar als sichtbare Personen homogenisiert – ein Phänomen, daß wir Männer aus dem Alltag gut kennen: Nur selten hört man von Frauen mal einen Standtpunkt, der nicht schon von 20 anderen Frauen wiederholt wurde, Originalität wird fast nie geboten. Diese Art der Homogenisierung kann entweder darauf zurückgehen, daß Frauen im Dienste der Gesellschaft instrumentalisiert werden oder darauf, daß das Befolgen sozialer Normen, das Verwirklichen des Weiblichkeitsideals zu einem kontrollierbaren Prozeß zu machen. In beiden Fällen wissen Frauen vorher, was sich in der sozialen Realität infolge der Regelbefolgung ändert. Das Spektrum möglicher Realität wird vorhersehbar und ihr Verhalten durch erwartbare Folgen getriggert, anstatt kreativ über Gründe motiviert.
  • (24) Daß Frauen sich als Personen homogenisieren, ist unvereinbar mit der Annahme, daß Normbefolgung sich für Frauen in Sachen Kooperation negativ auswirkt. Denn das würde bedeuten, daß die Gesellschaft sanktioniert, was sie fordert. Folgerung: Wenn Feministen behaupten, daß die Gesellschaft Menschen zu Frauen macht, um sie nachher abzuwerten, dann kann das nicht stimmen. Und es kann nicht bestritten werden, daß ein dominantes Weiblichkeitsideal besteht, daß wirtschaftlich enorme Bedeutung hat.  Also: Frauen sind frei, das Persönliche aus der sozialen Interaktion zu eliminieren, ohne deshalb die soziale Kooperation selbst zu verlieren: Wenn Frauen sich als Personen zurückziehen, dann gilt das nicht als rationaler Grund die, soziale Kooperation zu modifizieren – was eine nicht unerhebliche Freiheit für Frauen darstellt und im Widerspruch zu der Annahme steht, daß die Gesellschaft Frauen im großen Maßstab instrumentalisieren würde.
  • (25) Vor dieser Überlegung ist es völlig einleuchtend, zu schließen, daß genau derjenige jede soziale Kooperation sprengt, der alles sagt, was er so sagen will – falls man damit rechnen muß, daß verschiedene Menschen verschiedene und damit möglicherweise konfligierende Interessen haben. Und wer darin keinen Nachteil sieht, weshalb er es als Beschränkung ansieht, nicht alles sagen zu können, was er will, der befindet sich mit seinen sozialen Kooperationspartnern nicht auf Augenhöhe, sondern kann nur in der Position sein, ALLEIN zu entscheiden, ob eine soaziale Kooperation zustandekommt oder nicht – was nichts anderes als soziale Herrschaft ist.
  • (26) Das intendierte Meinungs-update dieser Kommunikation liegt auf der Hand: Es soll Frauen noch mehr Dominanz verschafft werden.

Und was Vergleichbares würden wir als Männer machen, wenn wir mal für einen Tag eine Frau wären?

  • Dann wären die meisten Männer vermutlich völlig sprachlos und mit den neuen, sprachlichen Gestaltungsmöglochkeiten erst mal völlig überfordert, weil sie normalerweise komplett in der Aufgabe aufgeben, reibungslos im Dienste und zum Nutzen der Frauen zu funktionieren, anstatt sich als Personen verbal Raum zum Handeln zu verschaffen.

Was sagt der Biologismus nun zu all dem?

  • Nichts, Biologisten lassen sich komplett verarschen, denn alles, was wir tun, entspricht seiner Ansicht nach im Ergebnis evolutionören Vorteilen, systematishe Manipulationen, die ihrerseits sogar evolutiont kostspielig sein könen. haben in seinem Weltbild keinen Platz. Und die Frauen kommentieren sowas wie üblich mit „Es gibt immer einen, der verarscht und einen, der sich verarschen läßt. Und der hat selbst schuld.“. Vermutlich ist das der Grund, warum Menschen, denen Biologismus als genetisch-biochemisch-evolutionär unwiderstehliche Disposition so logisch vorkommt, eher selten sind.

II. Welche Kommunikation betreibt die Frauenbewegung?

Blicken wir zurück auf das, was wir uns in mühevoller Kleinarbeit verschaft haben. Einerseits soll durch weibliche Kommunikation eine soziale Realität vorgegaukelt werden, die nicht besteht:

  • i) In 1. wird suggeriert, daß es keinerlei gesellschaftlich organisierte und staatlich finanzierte Formen der Kinderbetreuung gibt, die es den Frauen systematisch ermöglicht, als Mütter zu arbeiten.
  • ii) In 2. wird so getan, als würden Frauen aufgrund ihres Geschlechtes für unwürdig oder unfähig angesehen werden, eine führende Position in der Wirtschaft zu übernehmen.
  • iii) In 3. wird behauptet, daß Männer systematisch daran arbeiten, Frauen den Respekt als Personen zu entziehen.
  • iv) In 4. wird unterstellt, daß Männern gelaubt wird, was sie sagen, weil sie Männer sind.
  • v) In 5. wird implizit angenommen, daß Männer und Frauen den gleichen Zugang zu Sexualität haben.
  • vi) In 6. wird suggeriert, das weibliches Leben gesellschaftsweit instrumentalisiert würde.

Andererseits wird eiskalt Propaganda dafür gemacht, daß

  • i) es für die Selbstbestimmung von Frauen eine Zumutung sei, wenn ihre über sich selbst an ihren Konsequenzen gemessen werden, insofern Frauen mehr wert sind als Männer.
  • ii) Männer sich mit den Aussagen von Frauen auch entgegen jeder Vernunft zufrieden geben.
  • iii) die traditionelle Männerrolle als kostenloser Beschützer, Diener und Versorger der Frauen gar nicht ausgeübt wird.
  • iv) jede beschwerdeführende Frau zu Recht nicht ausreichend hofiert, geehrt und als wichtig gebauchpinselt wurde.
  • v) Frauen ihre Sexualität nicht instrumentalisieren.
  • vi) Frauen die sozialen Verhältnisse noch stärker beherrschen, als sie es ohnehin schon tun.

Warum ist das ein interessantes Ergebnis? Und warum lohnt es sich, das Versagen des Biologismus zur Schau zu stellen?

  • Es ist bekannt, daß Menschen andere Menschen über Jahrtausende versklavt haben – aus Profitgier.
  • Wer sich mit den Geschichte der Stadt Liverpool auseinandersetzt, der stößt auf die interessante Tatsache, daß der Rassismus nicht das Motiv des europaischen Sklavenhandels war, sondern – weil er viel später populär wurde – seine moralische Entschuldigung.
  • Zweifellos funktioniert die private und staatliche Ökonomie zum Vorteil der Frauen auf Kosten der Männer: Frauen werden von Männern versorgt und es gehört sogar zu den sprichwörtlichen und von Frauen konsequent eingeforderten guten Manieren, daß Männer für Frauen bezahlen.
  • Es muß also eine geheimnisvolle Macht geben, die stärker ist, als die durch Rassismus beschönigte und im europaischen Sklavenhandel dokumentierte Profitgier der Menschen. welche dafür sorgt, daß Männer Frauen finanzieren.
  • Der Biologismus will uns weißmachen, daß es diese Macht nicht gibt, da all das auf magische Weise eine unabänderliche Folge evolutionärer Kosten-Nutzen-Rechnungen sei.

Aber ich vermute, daß die o.g. Propaganda nur deshalb nötig ist, weil die biologischen Einflüße auf die Menschen bei weitem nicht ausreichen, um zu erklären, was in der Welt geschieht und sich in ihr verändert. Mit anderen Worten: Wäre ich ein feministischer Propagandist, dann würde ich den Biologismus predigen. Denn das macht die soziale Macht der Frauen am ehesten unsichtbar. Und nur eine unsichtbare Macht kann lange Zeiträume über stabil wirksam bleiben. Und nur das macht die weibliche wie auch die feministische Zelebrierung von Frauen als Opfer erklärbar. Denn mehr Kinder – und nur das zählt für den Biologismus – bekommen Frauen vom Opfergequatsche allein nicht.

 

 

 

 


5 Kommentare

  1. luisman sagt:

    Du reduzierst Evolution immer auf das Ueberleben der sich am haeufigsten Reproduzierenden. Es sind aber zwei weitere Aspekte von Evolution nachgewiesen. Kin selection, d.h. Zurueckstellung von eigenen Reproduktionsinteressen zum Vorteil der Verwandtschaft. Vermeintlicher Altruismus, oder Kooperation ausserhalb der Verwandtschaft solange Reziprozitaet vorhanden ist, um sich Gruppenvorteile fuer die eigene Tribe zu verschaffen.

    Zum anderen scheinst Du zu meinen, dass Genweitergabe, oder Evolution immer zielstrebig auf etwas zusteuert. Es ist aber so dass in einer Spezies nur bestimmte Gene immer (mit Ausnahme der katastrophalen genetischen Fehler) weiter gegeben werden. Daneben gibt es die Spandrilen, d.h. Variationen ohne Auswirkungen, weil da halt freier Raum fuer Variationen ist. Dann gibt es eine praktisch unendliche Zahl von Variationen von denen keiner weiss welche langfristigen Auswirkungen sie haben. Die DNA besteht ja nicht nur aus Genen, sondern vor allem aus Transkriptoren, die, abhaengig von den Umweltbedingungen der Zellen, bestimmte Gengruppen kopieren oder eben nicht. Stichwort Epigenetik. D.h. zufaellige Umweltbedingungen (der Zellen, der Koerpers, des Tribes) spielen beim Reproduktionserfolg einzelner Gene oder Gengruppen eine weit staerkere Rolle als vormals angenommen.

    Also 1. den Reproduktionserfolg kann man nicht nur auf eine Einzelperson betrachtet definieren. Und 2. sind die Auswirkungen von (auch selbst geschaffenen) Umweltbedingungen meist nur sehr langfristig zu beobachten, und damit beim Menschen praktisch nicht verifizierbar, ohne einen stabilen Beobachter ueber tausende von Jahren hinweg.

    Wenn man, wie Du anscheinend, Evolution als zielstrebige Genweitergabe durch Reproduktion Einzelner definiert, landet man automatisch im Konundrum des Biologismus. Brenn Deinen Strohmann weiter ab wenn Du magst, das traegt aber nicht zu weiteren Erkenntnissen bei.

    • Na ja …. Kin Selection ist ein Konzept, daß vealtet ist. Die entscheidende Dissertation dazu ist diese hier:

      Holland, Maximilian. (2012) Social Bonding and Nurture Kinship: Compatibility between Cultural and Biological Approaches. North Charleston: Createspace Press.

      Auch Tante Wiki hat sich dazu geäußert:

      https://en.wikipedia.org/wiki/Nurture_kinship
      https://en.wikipedia.org/wiki/Social_Bonding_and_Nurture_Kinship

      Mich würde daher interessieren, wie du den Zusammenhang zwschen der (widerlegten) Hypothese der kin selection und der These des vemeindlichen Altruismus siehst.

      „Zum anderen scheinst Du zu meinen, dass Genweitergabe, oder Evolution immer zielstrebig auf etwas zusteuert.“
      Nein, meine ich nicht. Und meine Argumentation auf diese These auch an keiner Stelle angewiesen.

      „Wenn man, wie Du anscheinend, Evolution als zielstrebige Genweitergabe durch Reproduktion Einzelner definiert, landet man automatisch im Konundrum des Biologismus.“

      Ich weiß ja nicht, wie du Evolution definierst, aber die Biologisten und auch Dawkins betrachten immer einzelne Gene von einzelnen Individuen – was in meinen Augen eine methodische Schwäche ist, weil das in der Biologie längst anerkannte Phänomen der multiple selection nicht abgebildet werden kann.

      • luisman sagt:

        Die drei Evolutionsmodelle, u.a. kin selection
        Sapolsky 2010:

        ab ca. 19:00 bis ca. 41:00
        und

        ab ca. 4:00 bis ca. 9:00

        M. Holland ist ziemlich weit hinten auf meiner reading list…so wie alle Sozialwissenschaftler.

        Wenn Du unter Biologismus verstehst, dass jedes Verhalten nur darauf ausgerichtet ist die eigenen Gene zu reproduzieren, dann wuerde ich deiner Definition zustimmen. Man muss das aber nicht herabwuerdigen, denn vor 30-40 Jahren haben das fast alle geglaubt. Das ist halt nur etwas veraltetes Wissen.

        Evolutionaere Biologen und Psychologen versuchen Spezies-typisches Verhalten auf Genetik und biologische Phaenomene zurueckzufuehren. Dabei ist vieles auch nachweisbar, aber es gibt unzaehlige Verhalten, die evolutionaer gar keinen oder wenig Sinn machen. Sexuelle Selektion zum Beispiel. Eine Vielzahl von Verhalten werden auch einfach nur ausprobiert, weil sie halt moeglich/erlaubt sind (nicht kurzfristig zum Tod fuehren), aber keiner weiss oder kann planen ob das zu einem evolutionaeren Vorteil fuehrt. Anders ausgedrueckt, Verhalten mutiert ebenso wie Gene, ziellos, und die Umweltbedingungen entscheiden darueber was sich durchsetzt.

        • @luisman

          „Man muss das aber nicht herabwuerdigen, denn vor 30-40 Jahren haben das fast alle geglaubt. Das ist halt nur etwas veraltetes Wissen.“

          Genau das sage ich ja schon seit Jahren. Es besteht kein Zweifel daran, daß zerebrale Zustände mentale Zustände beeinflussen – sonst würde Alkohol ja auch gar nicht funktionieren. Aber es ist eben zu einfach, mentale Zustände als Dispositionen auszugeben und diese als Ergebnis einer evolutionären Kosten-Nutzen-Rechnung hinzustellen.

          „Verhalten mutiert ebenso wie Gene, ziellos, und die Umweltbedingungen entscheiden darueber was sich durchsetzt.“

          Stimme völlig zu. Die Frage ist, wie man das ziellose von einem möglicherweise zerebrale induzierten Verhalten unterscheiden kann. Und der Biologismus versucht nicht mal, so einen Unterschied zu finden.

  2. […] – Männer gezielt manipulieren #MannfuereinenTag – Männer gezielt manipulieren […]

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