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Gastbeitrag – Wieviel Prinz sein braucht es, um Sex mit einer Frau zu haben?

Den folgenden Beitrag hat mir eine Leserin dieses blogs zugeschickt. Der Text ist eine persönliche Beschreibung ihrer Erlebnisperspektive während einer sexuellen Begegnung mit einem Mann. Ich veröffentliche diesen Gastbeitrag ohne Veränderung und ohne jeden Kommentar.

Toni, 38 Jahre. Single. Investment Banker, und Makler. 3 Tage die Woche in Berlin: hier kann man 20x soviel Geld verdienen. Warum er dann nicht ganz nach Berlin kommt möchte ich wissen, er vermittelt Bodenständigkeit. Er hat Verantwortung in Hannover, seine Firma mit nunmehr 20 Mitarbeitern und die Familie. Das Schreiben mit ihm ist stockend, er ist schwer zu erreichen. Viele Termine und Verpflichtungen. Ich will das gar nicht weiter hinterfragen. Noch haben wir uns nicht persönlich gesehen, der Kontakt kam vor ca 2/3 Wochen auf einer Dating App zustande. Und außerdem sind wir doch für diesen Freitag verabredet. Er ist wieder in Berlin und hat sich eine Wohnung auf dem Ku’damm gekauft. 1,2 Millionen. Ich kenn mich im Makler Bereich so gar nicht aus und da es auch nicht mal ansatzweise mein Interesse weckt, lasse ich die Zahl stehen und wirken. Er ist wahnsinnig stolz, aber natürlich hat er es noch nicht geschafft irgend etwas für die Wohnung zu besorgen. Und ich, ich mache mir keine Vorstellung davon, was das heißt. Wir telefonieren nicht, bevor wir uns treffen, nein er hat natürlich einen Termin. Er schickt mir die Adresse, Ku’damm 167, zu dem Zeitpunkt bin ich bei einer Freundin, da sie Geburtstag hat, wollte ich wenigsten Blumen vorbei bringen. Sie selbst ist im Escort Service tätig, nunmehr über 10 Jahre. Ihre Skepsis erreicht natürlich nicht mein gesundes Misstrauen, sie schiebt mich ungewollt in seine Richtung. ‚Na ich werd doch wohl erkennen, wenn mich einer verarscht‘ Auf nach Berlin, abgesichert bin ich, Marta weiß Bescheid von Toni und Ku’damm 167.

Das Treffen scheint unter einem guten Stern zu stehen, ich bekomme genau vor der Tür ein Parkplatz. Tolles Haus, schwarzer Marmor. Das wirkt soviel mehr als nur die Zahl. Pünktlich auf die Minute. Von Toni nix zu sehen und auch nichts zu hören. Ne runde laufen wird mir gut tun. Back‘werk, Rossmann. Viel Gastronomie… die Minuten verstreichen. Wirkt das zu aufdringlich ihm zu schreiben das ich da bin und er nicht? Es ist viertel nach, mir bleibt nichts anderes übrig. Natürlich, er ist noch unverhofft in einen Termin gerutscht. Wie wichtig kann man sein? Inzwischen sitze ich im Back‘werk und trinke schlechten Kaffee, ich stecke mir selbst ein Ultimatum. Wenn der Kaffee leer ist, fahre ich. Es ist gut 10 nach halb. Okay, ich seh es ein. Ich fahr heim. Kaum sitze ich im Auto klingelt mein Handy, wo ich bin, es tut ihm leid, der Termin. Also zurück zu 167? Er ist irritiert, nein das wäre die falsche Nummer, ich soll einfach vor zum Bauhaus Baumarkt fahren. Also kompliziert ist das schon ein wenig. Will ich das? Aber was bitte soll passieren? Endlich begegnen wir uns. Nett. So stehen wir also auf dem Parkplatz und er erzählt mir von seinen Millionen Geschäften mit den Russen. Er holt kaum Luft. Der typische Mann den ich mit 18 Jahren für ‚wow sieht der toll aus‘ empfunden hätte. Braune Haare, braune Augen. Tolle volle Lippen. Lässig, überzeugt. Er strahlt aus das die Frauen ihn nicht stehen lassen. Der unangenehm Moment ist vorüber, ich will nicht nachtragend sein. Wir fahren also wieder Richtung 167 und dann passiert es, er erkennt das Haus und seine Bedeutung gar nicht. Hätte ich jetzt misstrauisch sein müssen? Nein, es ist eine Büro Adresse, und für ihn sei alles so neu hier. Dafür muss ich Verständnis haben, sage ich mir. Ich wäre im Wald ausgesetzt für immer verloren. Immerhin weiß er wo der gute Italiener ist zu dem er mit mir gehen wollte. Das gibt ihm Sicherheit und mir auch. Jetzt beginnt die Flirt Phase. Tiefe Blicke, analysieren der Farbe. Hier ein Kompliment, da ein Kompliment. Der gesunde Menschenverstand der ja schon 5 rote Schilder wild fuchtelnd in meinem Kopf hoch hält wehrt sich. Das kleine Mädchen, auf der Suche nach Abenteuer, nicht. Was soll schon passieren. Und wie langweilig wäre das Leben, wenn ich nur fein säuberlich jedes rote Schild sammle. Die Gespräche sind eher ermüdend, es geht nur um Millionen. Hier eine Immobilie dort eine Immobilie, ohne das je eine echte Referenz dabei. Alles Phantasieschlösser. Die Teller sind leer, die Gläser nicht. Toni trinkt und verträgt keinen Alkohol. Ist er doch mehr als ein Blender. Und warum empfinde ich diesen Wesenszug, als Frau, als so anständig, schließlich trinke ich selbst ja auch Wein. Wir lassen sein Glas stehen und laufen durch die Nacht. Und schon habe ich seine Lippen auf meinem Mund. Das kam unverhofft. Dennoch lasse ich es zu. Er ist geschickt, er gibt mir das Gefühl das wir alles in diese Nacht tun könnten, Kino, Club, Shisha Bar… und doch machen wir es nicht. Sein Ziel wird deutlich, er möchte in die Wohnung. Er hätte Gras dabei, wir müssten nur noch in den Späti Blättchen besorgen und vielleicht für mich was zu trinken – als würde ich allein Alkohol trinken. Auch das lasse ich noch zu. Und dann stehen wir vor der Haustür Ku’damm 115. Keiner weiß das ich hier bin, in meinem Chatverlauf ist davon nie die Rede. Abbrechen und heim fahren? Oder mit hoch gehen. Warum mir nicht sein Schloß zeigen lassen. Rosa Eingangstür. 70er Jahre blau gekacheltes Bad. Diese Wohnung wirkt als stünde sie schon mehrere Jahre leer. Keine Möbel bis auf ein Bett und eine Kleiderstange mit Bügeln und seinen Klamotten. Ich muss erkennen das ich mir 1,2 Million anders vorgestellt habe. Toni dreht den Joint, er ist in Hochstimmung. Schließlich bin ich in der Wohnung. Nein ich möchte keinen Zug vom Joint, wissentlich jegliches eigenständiges Handeln abgeben fühlt sich in diesen 4 Wänden einfach nur falsch an. Er ist enttäuscht & leicht gereizt und versucht mich aus der Reserve zu locken. Keine Chance, die 5 roten Schilder sind wirklich ganz schön rot. Er lenkt ein und macht den Joint aus, eine Berührung hier, eine Berührung da. Der Wein ist mir doch ein wenig zu Kopf gestiegen. Ich lasse es zu. Da es so gar keine Sitzmöbel gibt, bleibt nur das Bett. Es gibt keinen Sex, ja es gibt den Versuch und es gibt den Abbruch durch mich. Das ganze hat so gar nichts mit einer echten Begegnung zu tun. Alles geht viel zu schnell. Die Worte passen nicht zur Berührung.

Toni beteuerte noch nie einen ONS gehabt zu haben. Und ich frage mich, wozu der Aufwand?…

Was macht uns so empfänglich für schöne Worte? Mit 20 wäre ich naiv genug sie zu glauben. Alles ist so beliebig geworden. Jeden Tag füttern uns die Medien mit der perfekten Liebe. Dem perfekten Bild. Nie ist die Rede von echten Menschen mit echten Ecken und Kanten. Alles ist so glatt & perfekt. Immerhin hätte ich, wenn ich so naiv denken möchte, der erste ONS von Toni sein können.

Moral, Pflicht und Kür.


29 Kommentare

  1. Fiete sagt:

    Was soll man dazu noch sagen?
    Bei Evochris läuft ja gerade eine Diskussion zum gleichen Thema ( an ), lediglich die Story ( von der FemiBRAVO ) ist ein wenig gestrafft:
    https://allesevolution.wordpress.com/2017/12/27/schlechter-sex/

    • Jemand wollte Gehör und ich habe das bewerkstelligt. Inwiefern der Beitrag realistisch oder vollständig ist, kann ich nicht beurteilen.

      Was bei Evochris läuft, weiß ich nicht, aber es kommt immer darauf an, was die Kommentare daraus machen.

  2. Peter Müller sagt:

    Haha, der arme Toni. Da hat er die Hoffnung, sich einen kostengünstigen Escort ertindert zu haben und dann endet es im Desaster.

    Wenn er doch wenigstens vorher ein hübsches Bild an die Schlafzimmerwand seiner AirBnB-Absteige genagelt hätte…

    OK, etwas pünktlicher hätte er auch sein sollen und vielleicht beim Essen doch eher weniger über sich labern und dem Mädel die Chance geben, sich zu präsentieren. Selber nur Stichworte geben, ihre Stories dazu anhören und interessiert Details aufgreifen und einen Faden knüpfen.

    Damit hätte sie selber sich in eine Vertrautheit reden können und wäre auf der eigenen Wohlfühlwolke neben ihm direkt in sein Bett geschwebt.

    Nichts ödet Mädels mehr an wie Getexte von Jungs aus deren Sphäre, die für sie so weit weg ist wie der Neptun.

    Aber vielleicht lernt er ja daraus. Immerhin, wenn es das erste Mal war…da klappt nicht alles auf Anhieb…

    • @PM

      „Damit hätte sie selber sich in eine Vertrautheit reden können und wäre auf der eigenen Wohlfühlwolke neben ihm direkt in sein Bett geschwebt.“

      Das scheint mir der zentrale Punkt zu sein, warum es nicht geklappt hat: Mangels eigenem Engagement entstehen auch keine Gefühle. Der Mythos ist bei Frauen nicht auszurotten, dass Gefühle der Frau für den Mann als psychische Reflexion auf den Mann sind und damit quasi allein von dem Mann kausal erzeugt werden. Und aus Erfahrung wird von der Dame schon gar nicht gelernt.

      • Peter Müller sagt:

        Elmar,

        vielleicht ist sie ja lernfähig, ausschließen kann man es nicht. Wobei sie allerdings die Komfortzone der totalen Verantwortungsprojektion auf andere verlassen müsste.

        Der letzte Absatz des Gastbeitrags deutet ja tatsächlich eher darauf hin, dass sie lieber allen anderen die Schuld gibt um vor sich selber weiterhin als reiner, unbefleckter Engel dastehen zu können…

        • D.D sagt:

          @peter, jeder ist lernfähig, selbst Toni wird es sein. Dein letzter Absatz zeigt, was Männlein und Weiblein so gerne tun: Annahmen über Äußerungen. Nur ja die richtige Schublade suchen. Glauben wir doch jedes Verhaltensmuster schon einmal gesehen zu haben. Bewerten ist so leicht.

          • Peter Müller sagt:

            D.D.,

            bei Toni bin ich mir sicher. Den Aufwand treibt der nicht mehr, nur um am Ende bedröppelt und ohne Abschuss aus dem Bett steigen zu müssen.

            OK, auch das Mädel aus der Story wird was gelernt haben: „So einen Scheiß mache ich nicht mehr“

            Ihre Motivlage für das ganze schimmert ja ein wenig aus dieser Passage heraus:

            „zu dem Zeitpunkt bin ich bei einer Freundin, da sie Geburtstag hat, wollte ich wenigsten Blumen vorbei bringen. Sie selbst ist im Escort Service tätig, nunmehr über 10 Jahre. Ihre Skepsis erreicht natürlich nicht mein gesundes Misstrauen, sie schiebt mich ungewollt in seine Richtung. ‚Na ich werd doch wohl erkennen, wenn mich einer verarscht‘ “

            Neugierde wie sowas wohl ist und ein „Was meine Freundin kann, kann ich auch“ Gefühl. Um Toni gehts ihr nicht. Der könnte auch Horst oder Walter oder Jussuf heissen…

            Schubladen sind schon genial, wenn sie passen. Und witzig, wenn frau diese selber aufzieht und „steck mich da rein“ ruft…

      • D.D sagt:

        @elmar, der zentrale Punkt, warum es nicht geklappt hat, ist die Geschichte davor. Falsche Angaben und Unpünktlichkeit bringen weder Mann noch Frau dazu Vertrauen aufzubauen. Fehlendes Engagement ist sicherlich ein Puzzleteil. Aber in dem Fall wäre das hier mehr als fehl am Platz. Toni wollte offensichtlich Oberflächlichkeit. Und simpel betrachtet ist es nur Enttäuschung. Das Wort ist so perfekt. Ent – Täuschung. Kann man Toni vorwerfen das die Dame enttäuscht war? Ja und nein, denn das Bild welches wir von einem Unbekannten haben, ist das, was wir selbst im Kopf entstehen lassen. Ja zurecht könnte ich jetzt sagen, dies entsteht durch Äußerungen. Allerdings haben wir in dieser virtuellen Zeit verlernt echte Menschen kennenzulernen. Wieviel Zeit bleibt, um eine erste Begehung zu reflektieren. Wieviel Kaffee werden getrunken, bevor wir uns ein Bild machen. Die Dame hatte von Toni ein Bild im Kopf, welches es so nicht gab. Und so bröckelte die Täuschung mit dem ersten echten Moment, als er nicht pünktlich war…

        • @D.D.

          Es kommt mir wenig glaubwürdig vor, daß solchen Kleinigkeiten eine zentrale Rolle zugesprochen wird, da sie die nachfolgende Dynamik in keiner Weise erklären können.

          • D.D sagt:

            @elmar, mir hat mal jemand gesagt; ‚jedes Gespräch (oder wie in dem Fall, jede Begnung) hat eine Dynamik. Und Dynamikwechsel tun entweder weh oder sind furchtbar peinlich‘

            Und im Text steht etwas von einem unangenehmen Moment, somit ist doch die Dynamik wessentlich beeinflusst?

  3. hengisthamar sagt:

    Komischer Vogel. Ein Weichei. Frauen gehören nicht in teure Wohnungen eingeladen sondern ins FremdgehHotel oder auf den Rücksitz.

  4. Thomas sagt:

    Lieber Elmar,

    mir gefällt die „Geschichte“, denn sie offenbart gleich mehrere Dilemmata.

    Zunächst: Die Autorin wirkt auf MICH als Frau und Gesprächspartnerin angenehm, jemand mit dem ich gern ausgehen würde. Sie kann sich ausdrücken, hat was im Kopf, ein bisschen bauernschlau aber auch abenteuerlustig und selbstbestimmt. Tolle Frau.

    ABER, und da gebe ich Dir recht, die Bezogenheit auf Toni passt nicht zum Bild der selbstbewussten starken Frau, das sie von sich zeichnet. Nein, er ist weder für den passenden Italiener, eine anregende Unterhaltung oder eine angenehme Atmosphäre zum Vögeln verantwortlich. It takes two to tango!

    Schließlich, und das ist für mich der zentrale Aspekt: Spätestens seit „Mee-Too“ sollte eigentlich auch den Frauen klar geworden sein, dass es für einen Mann, der bei Verstand ist viel zu riskant wäre, sich auf eine ihm unbekannte Frau einzulassen oder überhaupt auf diese Form der Begegnung.

    Unbefangene Annäherungsversuche oder gar lustvolle ONS kann es nicht mehr geben bzw. bleibt einem bestimmten Typ Mann vorbehalten, nämlich den Hassadeuren oder Männern, die nichts (mehr) zu verlieren haben.

    Tja, liebe Frauen, so ist das mit den Lebenslügen, irgendwann fliegen auch die auf.

    • „Unbefangene Annäherungsversuche oder gar lustvolle ONS kann es nicht mehr geben bzw. bleibt einem bestimmten Typ Mann vorbehalten, nämlich den Hassadeuren oder Männern, die nichts (mehr) zu verlieren haben. “

      Volle Zustimmung.

    • wollepelz sagt:

      Sie hat Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache.

      Sie ist dumm.

      Sie hat den Kerl über eine Dating App kennengelernt und geht völlig unsicher in eine Situation, die sie nicht abschätzen kann. Was wäre denn gewesen, wenn der geschilderte Depp kein Depp, aber ein krimineller Depp gewesen wäre?

      Ich bin zwar ohnehin aus dem Spiel heraus, aber eine solche Frau treffen? Eine Frau, die praktisch mit jedem ausgeht? Eine Frau, die es offensichtlich länger mit einem Depp aushält, weil er reich ist?

      Ne, ich bin zwar ohnehin aus dem Spiel raus, aber mit einer solchen Frau käme ich gar nicht erst wieder rein.

  5. Imion sagt:

    Immer wieder interessant, das es Frauen tatsächlich nur auf das Geld ankommt. So lange sie noch von den Millionen Träumen konnte, war alles in Ordnung, kaum zeigt sich, das er nicht so viel hat, schon ist sie weg. Wann hören Frauen endlich mal auf, permanent von Männern für Sex Geld zu verlangen und sich so ihr Leben zu finanzieren? Wann bringen Frauen endlich mal Leistung in unserer Gesellschaft?

    • Siggi sagt:

      > So lange sie noch von den Millionen Träumen konnte, war alles in Ordnung, kaum zeigt sich, das er nicht so viel hat, schon ist sie weg

      Genau das habe ich auch gedacht. Viele Worte drumherum, aber darauf lief es hinaus.

  6. Shitlord sagt:

    Joah… also, wenn man auf tinder eine Schlampe findet, wird die nicht feucht, wenn man nicht hält, was man verspricht.

    Und die Moral von der Geschicht?

    Man verspricht Frauen nichts.

  7. D.D. sagt:

    Die Geschichte um Toni. Meine Geschichte… Ja, Elmar hat Recht, es ist meine Erlebnisperspektive. Und natürlich wird Toni seine haben. Die Dating App, keine Sorge ich habe mich selbst gelöscht. Drei Dates gab es, Toni war das erste. Und wirklich, alle drei Männer waren so unterschiedlich, wie ihr sie euch nur vorstellen könnt. Das allein war möglich, weil ich nicht bewerte und in Schubladen packe. Natürlich habe ich einen Selbsterhaltungstrieb, der offensichtlich nicht ganz so ausgeprägt ist, denn ja, Toni hätte auch kriminell sein können. Aber das hätten die nächsten beiden Herren auch sein können. Und wie langweilig wäre das Leben immer Angst vor der nächsten Tür zu haben. Für manche Männer oder Frauen mag das leichtsinnig sein, aber diese Ängste kenne ich nicht. Ich finde es eher befremdlich mir ständig Sorgen machen zu müssen. Und macht uns das nicht aus, wie unterschiedlich wir sind in unserem Tun und Handeln?..

    Die Millionen, es gibt Frauen die sich davon beeindrucken lassen. Es gibt auch solche Männer, ich kenne einen. Mir ist weniger mehr, nicht Besitz macht frei. Und Toni war zu keinem Zeitpunkt ein Millionär in meinem Kopf. (Aber das glaubt eh keiner, da das Klischee einfach zu verlockend ist, um darauf rum zu reiten, also ‚Feuer frei‘ 😉 )

    Das Gewerbe von Marta, dafür bin ich so ungeeignet, wie Elmar selbst eine solche Dame zu buchen.

    Ich habe nach den drei Dates etwas für mich erkannt. Wir alle habe einen blinden Fleck, eine dunkle Stelle. Etwas, was innerlich ‚kaputt‘ ist in uns. Sie hemmt uns, gleichzeitig macht sie uns einzigartig. Erkennen ist der erste Schritt, es sich eingestehen der Zweite… wachsen und ändern erfordert Ehrlichkeit. Zu sich selbst und zu anderen.

    Aber wie leicht lassen wir uns doch ablenken, so wie manchen Herren hier von meinem Text. Es ist soviel leichter einen anderen Menschen zu bewerten und zu verletzen. Fehlende Lernfähigkeit, Dummheit, Geld Gier… Aber auch das ist menschlich, denn das ist eure Erlebnisperspektive.

    Dana

    • Peter Müller sagt:

      Dana,

      „Aber wie leicht lassen wir uns doch ablenken, so wie manchen Herren hier von meinem Text. “

      Wir haben hier nur Deinen Text, um den dreht sich alles, er liefert die Informationen, formale, informelle und auch die subtilen Hinweise zwischen den Zeilen.

      Was fehlt ist tatsächlich eine elementare Meta-Information:

      Warum hast Du diesen Text geschrieben und hier veröffentlicht?

      Doch wohl nicht um uns Kommentatoren bloß zustellen und zu versuchen uns zu beschämen? („Es ist soviel leichter einen anderen Menschen zu bewerten und zu verletzen“)?

      Oder wolltest Du diese Botschaft: „wachsen und ändern erfordert Ehrlichkeit. Zu sich selbst und zu anderen“ loswerden und damit auch Deinen Frust darüber ablassen, dass arme Würstchen sich zu millionenschweren Hechten schönlügen, damit sie wenigstens bei Tinder eine abkriegen?

      „Mir ist weniger mehr, nicht Besitz macht frei. Und Toni war zu keinem Zeitpunkt ein Millionär in meinem Kopf. “

      Haha, doch war er. Zwar nur kurz und genau in dem Moment, wo diese abstrakten Zahlen sich für dich materialisierten, quasi greifbar wurden. Hier die Stelle aus Deinem Text:

      „…ich bekomme genau vor der Tür ein Parkplatz. Tolles Haus, schwarzer Marmor. Das wirkt soviel mehr als nur die Zahl.“

      Das aus dem „tollen Haus mit schwarzem Marmor“ dann eine unmöblierte Absteige mit rosa Tür und 80erjahre-blau gefliestem Bad wurde, hat wesentlich zu Deinem Unbehagen beigetragen. Auch dies geht aus Deinem Text gut hervor.

      Aber genug Interpretationen Deines Textes. Solange Deine Intention nicht klar ist, lässt er sich nur als Erfahrungsbericht lesen. Und solche werden immer daraufhin abgeklopft „Was können wir daraus lernen“

      Das hier viele dabei die Perspektive von Toni einnehmen und den Lernstoff aus diesem Blickwinkel aufnehmen ist naheliegend.

      • D.D. sagt:

        Peter,

        ‚Das hier viele dabei die Perspektive von Toni einnehmen und den Lernstoff aus diesem Blickwinkel aufnehmen ist naheliegend.‚

        Genau das ist für mich nicht naheliegend gewesen. Für eine Sache einstehen und nach Lösungen suchen ist richtig. Dabei aber in letzter Instanz den Fehler dann doch bei der Frau lagern, nicht. Menschen neigen dazu sich groß zu machen, mit Reichtum, mit Status, vermeintlichen Kontakten..

        Toni hätte auch Status wählen können und ich hätte genauso reagiert. Es geht in der Geschichte nicht um das Geld, es geht um die Unzulänglichkeit sich selbst ehrlich zu zeigen. Wenn ich jemanden nicht genug bin, weil ich so bin wie ich bin, dann ist das so.

        Offensichtlich ist aber Selbstwahrnehmung, Darstellung und Wirkung die eigentliche Herausforderung. ‚Die Kommentatoren zu beschämen..‘ Nein ich lerne und dafür bin ich dankbar. Habe ich den Austausch so oder auch völlig anders erwartet? Nein. Wie auch, das Thema ist keine vier Wochen alt für mich.

        • Peter Müller sagt:

          Dana,

          „Toni hätte auch Status wählen können“

          Realistischerweise wohl eher nicht. Nicht-monetärer Status wie Berühmtheit/Bekanntheit oder auch Intellekt sind zum einen leicht auch aus der Ferne nachprüfbar und zum anderen nicht so die Attraktionen beim Tindern/Blind-Dating. Er hätte also ein hohes Risiko gehabt, bereits im Vorfeld des Dates abserviert zu werden.

          „Wenn ich jemanden nicht genug bin, weil ich so bin wie ich bin, dann ist das so.“

          Aus der Perspektive einer gut behüteten und umschwärmten jungen hübschen Frau ist dieses Leitmotiv im Kontext Mann-Frau-Beziehungen nachvollziehbar. Sie hat reiche Auswahl. Selbst wenn sie 99,9% der Männer die sie begehren aussortiert, hat sie immer noch genug Kandidaten für ein erfülltes Liebesleben. Deshalb muss sie sich für gewöhnlich bei Männern auch nicht groß schauspielerisch anstrengen.

          Jetzt nimm mal als Gedankenkonstrukt die Perspektive eines Toni (Name austauschbar) ein: Mann mit normaler Libido und dem inneren Wunsch diese auch auszuleben. Dazu noch das gesellschaftlich etablierte Konzept der weiblichen Trophäe, welches eine „Eroberung“ einer Frau zu einem Treibsatz für das männliche Ego macht.

          Und jetzt steht der arme Tropf da und stellt fest: Von alleine interessiert sich keine Frau für ihn, den Mr. Niemand und schon gar nicht interessiert sich eine für seine Libido. Und selbst wenn ihm eine von alleine nachrennen würde, fehlt die vom Umfeld erwartete Trophäe, also die Eroberungsleistung.

          Kurzum: Wenn er so ist wie er ist, ist er für niemanden genug.

          Nach Deiner Logik könnte er sich jetzt einen Strick nehmen und aufhängen oder sich kastrieren lassen oder ins Kloster gehen. Die spannendere Alternative dagegen: Sich bei Frauen interessant zu machen. Und dies halt, wenn es die Substanz nicht hergibt, wenigstens an der Oberfläche.

          Es ist wohlfeil, aus Sicht einer jungen hübschen Frau die totale Ehrlichkeit zu erwarten. Hat sogar schon eine Prise Arroganz drin. auf jeden Fall jede Menge Egozentrik. Dieses „Wärst Du gleich ehrlich gewesen, dann hätte ich nicht dich gedatet, sondern einen anderen“ offenbart schlicht einen unauflösbaren Zielkonflikt in dem Spiel.

          • D.D. sagt:

            Peter,

            Aus der Sicht eines Mannes. Ich kenne endlich einen Sinn, mir ein (männliches) Fake Profil zuzulegen 😉 Wahrscheinlich würden wohl zwei Profile mehr Sinn machen, ein KFZ Mechaniker und ein Toni. Aber dann müsste ich mir die Schreibweise der Männer aneignen. Schwierig.

            Es gibt die, die offen sagen dass sie einen ONS suchen – manche mit mehr Charme manche mit weniger.
            Dann gibt es jene die ziemlich schnell Bilder wollen, bedeckt und unbedeckt (und da die Anfrage nach unbedeckten Bildern so groß ist, ist selbst Misstrauen da, wenn Mann nach einem bedeckten Bild fragt) Es gibt die super netten und einfachen (ein Gespräch sollte schon entsteht, nur nett sein ist schwierig) und dazwischen noch ein paar Poser. Es gibt so so viele normale Männer (was ich durchaus positiv meine) was in vielen Profilen fehlte ist der Satz, die Beschreibung eine Möglichkeit etwas zu schreiben. Nur auf ein Bild, würde ich nie schreiben. Übrigens habe ich alle drei angeschrieben und alle drei getroffen, du hast recht die Auswahl ist zu groß. Von den ganzen zig Männer die mich angeklickt haben, habe ich gerade mal einen Bruchteil betrachten können. Das wäre ein Fulltime-Job gewesen. Da ist es schwer als Mann raus zu stechen. Und ein Foto ist nie (zumindest bei mir) der Grund einen Mann anzuschreiben.
            Wenn das jetzt bei dem Mann soviel anders ist, in Menge, dann ist es doch noch erstaunlicher dass sie so still und ohne wehende Fahnen nur durch Profile klicken und ❤️ verteilen.

            Ja, ich gebe dir Recht, um aufzufallen sollte Mann sich Gedanken machen, wie. Aber intelligente Männer erfinden doch keine Geschichten?!… warum also nicht den Tonis dieser Welt beibringen sich zu bilden. Das muss kein Studium sein, Bildung gibt es auf vielen Ebnen. Euer Bestreben an die Frauenwelt ist doch auch, dass diese darüber nachdenkt, ob dieses miteinander jetzt und in Zukunft sinnvoll ist. Und da sind wir wieder bei meinem Konflikt, es kann nicht nur die Gruppe Mann, oder Gruppe Frau geben. Wenn es in den eigenen Reihen so unwissende und schwierige Personen gibt.

            • Peter Müller sagt:

              Dana,

              „Ich kenne endlich einen Sinn, mir ein (männliches) Fake Profil zuzulegen…schwierig“

              Vor allem ist es zeit-intensiv. Aber wenn Du das Geschlechterthema aus mehreren Perspektiven heraus betrachten möchtest, wäre so ein Rollentausch-Experiment sehr informativ für Dich.

              „was in vielen Profilen fehlte ist der Satz, die Beschreibung eine Möglichkeit etwas zu schreiben“

              Du meinst es gab keinen thematischen Aufhänger auf den Du Dich im Anschreiben direkt hättest beziehen können? Ja, sowas vereinfacht sicher den Erstkontakt. Das Dilemma der Männer hier: Einen Bezug auf ein „Männerinteresse“ (Fußball, Autos, ausgefallenes Hobby) schreckt Frauen eher ab. Hihi und einen weiblichen Bezugspunkt anzuführen („Gehe gerne Klamotten shoppen und liebe Schuhe“) dürfte Frauen erst recht noch viel extremer abschrecken.

              „Und ein Foto ist nie (zumindest bei mir) der Grund einen Mann anzuschreiben“

              Ja, die Anforderungen der Frauen an die Männer sind, was Aussehen angeht, häufig sehr bescheiden: 10-20 cm höher als sie selber und gegenüber den Freundinnen vorzeigbar. Das reicht schon. OK, die
              Details hängen dann natürlich von dem geltenden Konsens in der Peer-Group (also den Freundinnen) ab. Spielen aber beim ersten Date keine wirkliche Rolle.

              Geht also nicht nur dir so sondern vielen…

              „erstaunlicher dass sie so still und ohne wehende Fahnen nur durch Profile klicken und ❤️ verteilen.“

              Ach, Jungs erfreuen sich manchmal ohne weitere Gedanken an ein Date einfach nur an den Bildern oder genießen ihr Kopfkino beim Lesen der Profile und sind dann so fair, dem Mädel im Gegenzug ein Kompliment zu machen.

              „Euer Bestreben an die Frauenwelt ist doch auch, dass diese darüber nachdenkt, ob dieses miteinander jetzt und in Zukunft sinnvoll ist“

              Wow, hat hier jemand derart ambitionierte Ziele?

              „es kann nicht nur die Gruppe Mann, oder Gruppe Frau geben“

              Das ist ja auch nur eine Kategorie, In jeder dieser „Gruppen“ stecken immer Menschen mit ihren jeweils ganz eigenen Erfahrungen, Werten, Vorstellungen und Wünschen. Selbst bei Frauen, die ja deutlich kollektivistischer angelegt sind, ist nicht eine Frau die man kennenlernt wie die andere. Jede hat ihre eigene Geschichte. OK, man kann sie grob typisieren und so manches Klischee ist reproduzierbar.

              Am Ende sind wir aber alle doch so verschieden wie wir gleich sind 😉

  8. Thomas sagt:

    Liebe Dana,

    vielen Dank für Deine netten, erklärenden Worte.

    Ja, Du hast recht, aus mancher Zeile hier ist eine Menge Zorn und viel Vorurteil zu hören.
    Ich habe damit auch meine „Probleme“ weil es über einen Kamm schert, was sich nur schwer verallgemeinern lässt. Jede Erlebnisperspektive bleibt nun mal individuell.

    Gleichwohl ist dieser Angang an das Thema auch ein bisschen wohlfeil, denn natürlich hätte Deine „Geschichte“ einen ganz anderen Zungenschlag gehabt, wenn Toni bei Dir um die Ecke in einer KFZ-Werkstatt arbeiten würde.

    Zudem lese ich – wie die meisten hier – Deine Zeilen immer auch mit dem Wunsch, daraus für MICH etwas lernen zu können. Wie denken Frauen? Was ist das Hanslungsmotiv? usw. Und da, liebe Dana, hast Du bei allen Kommentatoren offensichtlich den gleichen Nerv getroffen: „Die Frau“ nimmt sich was sie will, lässt sich ausführen, unterhalten und bei Gefallen auch vögeln – aber eben nur dann. Du entscheidest das, Du wählst. Toni ist austauschbar. Und das Toni vielleicht nicht an Sex sondern an einer ernsthaften Beziehung mit Dir interessiert war, scheinst Du nicht mal in Erwägung zu ziehen.

    In Deiner „Geschichte“ schwingt also viel Erwartungshaltung an Toni mit. Eine Erwartungshaltung die „Männer“ so oder so ähnlich einfach nur zu gut kennen: Männer wollen nur Sex. Und Sex gibt es für Männer nun mal ausschließlich als Belohnung.

    Tja, und damit sind wir bei des Pudels Kern: Charme, Geist, Esprit, Humor (was teure Bildung voraussetzt) – alles klar, das mag für den ONS sogar noch gelten – aber für die Entscheidung einer Frau an der Seite eines Mannes zu bleiben, ihm vielleicht sogar Kinder zu schenken, zählt doch eher Satus und Geld.

    Schwache Männer, arme Männer, dumme Männer gehen in der Regel leer aus. Der ostdeutsche Mann zum Beispiel gilt auf Partnerbörsen als die am schwersten zu vermittelnde Klientel – weil er genau diesen Nimbus hat, ein Looser zu sein. So was macht schon mal wütend als Mann.

    Selbstverständlich ist das ein Klischee und wiederum nur eine Schublade. Und natürlich kann Frau das so machen, denn als Mann würde ich es – wäre ich so privilegiert wie Frauen – auch so halten. Es ist ein Tauschgeschäft, auf das ich mich einlassen kann oder eben nicht.

    Nur ist diese unausgesprochene Verabredung zwischen den Geschlechtern von den Frauen einseitig aufgekündigt worden, denn die Entscheidung darüber ob es die Belohnung gibt, trifft allein die Frau, was Du am Beispiel Toni einmal mehr sehr deutlich gemacht hast.

    Schlimmer noch. Frauen können jetzt diese Entscheidung auch noch Jahre danach zu ihren Gunsten revidieren. Ein me-too reicht dafür mittlerweile. Warum Frauen das tun sollten? Keine Ahnung, Motive fallen mir dafür zumindest genug ein. Die primitiven sind die naheliegenden. Brüderle oder Kachelmann lassen grüßen. Du dunklen Stellen auf Deiner Seele übrigens auch. 😉

    Am Ende der „Geschichte“ bleibt für mich ein düsteres Bild – das wird nicht gut enden, fürchte ich.

  9. D.D. sagt:

    Lieber Thomas,

    Hätte sie einen anderen Zungenschlag,… wohl kaum. Du nimmst wieder an und bewertest.
    Toni und eine ernsthafte Absicht auf eine Beziehung. Nehmen wir an dem wäre so, dann könntest du mir vorwerfen das ich nicht schon an der Tür ‚leb wohl‘ gesagt habe. Dann lese ich daraus, und auch du wirst ja schon die ein oder andere Frau nicht gewollt haben, dass Frauen generell inaktiv sind und sich dem Mann nicht an den Hals werfen. Aber woher kommen dann all die Geschichten über ‚er wollte mich doch nur flach legen‘ Das würde bedeuten Frauen behaupten dies, weil sie mit der Zurückweisung nicht zurecht kommen. Weil sie ihr sexy Antlitz nicht in der Öffentlichkeit verlieren möchte. Und weil sie zu ihrer gelebten Sexualität nicht stehen. Aber wie es diese Gruppe von Frauen gibt, so gibt es doch auch all die Tonis und seiner bis ins kleinste geplante Masche. Die wahrscheinlich behaupten jede Frau zu bekommen. Die auch mit ihrer gelebten Sexualität nicht realistisch umgehen. Wenn ich jetzt alle Männer so bewerte und so mein Single Dasein erkläre, wie gehe ich dann noch wertungsfrei durchs Leben? Wie bin ich dann noch offen für neue Begegnungen? Die Schuld bei dem Gegenüber lagern wollen, würde für mich bedeuten Selbstbestimmtheit aufgeben.

    Ich unterscheide in ehrlich und unehrlich. Und es ist erschreckend wie unehrlich sowohl Männer als auch Frauen zu sich und der Gesellschaft sind. Schon allein das schließt mich aus, mich einer Gruppe anzuschließen. Wie kann ich für die Sache der Gruppe einstehen, wenn ich weiß, das dort auch (aus meiner Sicht) unehrliche Menschen Gehör finden?..

  10. Thomas sagt:

    Liebe Dana,

    nein, da haben wir uns falsch verstanden, denn wäre Toni ein KFZ-Mechaniker gewesen und Du hättest ihn trotzdem in gleicher Weise begehrt – volle Lippen usw. – dann wäre das für MICH ein riesiger Unterschied, da so weder die Millionen, noch die tolle Wohnung am Kudamm noch der Edelitaliener eine Rolle gespielt hätte, sondern ausschließlich er, Toni und seine Attraktivität. Ich werte also nicht sondern spreche allein von meiner Wahrnehmung Deiner „Geschichte“.

    Und selbstverständlich werfe ich Dir auch nix vor. Du beschreibst eine Situation, wie sie millionenfach auf der Welt vorkommt. Du hast sie erlebt und vielleicht daraus etwas für Dich mitgenommen – was mich freuen würde für Dich. Dein Erlebnis zur Diskussion zu stellen, ist für mich reflektiertes Mensch-Sein und der einzige Weg als Mensch zu wachsen – sowohl für mich als Lesern als auch für Dich als Protagonistin. Insofern bin ich Dir dankbar dafür.

    Allerdings beschreibst Du mit Deiner „Geschichte“ eben auch ein Ur-Dilemma zwischen Mann und Frau. Ja, ich halte Narzissmus für DIE Krankheit unserer modernen Gesellschaft und habe die belastbare Erfahrung gemacht, dass Frauen mit Zurückweisung überhaupt nicht umgehen können, will das aber nicht als Vorwurf an „die Frauen“ verstanden wissen.

    Zum einen gibt es Narzissmus unter Männern natürlich auch und zum anderen muss eine Zurückweisung schmerzhaft sein, wenn man doch ständig erklärt bekommt Männer wollten eben IMMER. Und schließlich dürften Männer in Sachen Zurückweisung schlicht eine deutliche höhere Frustrationstoleranz haben als Frauen, weil sie es gewohnt sind zurückgewiesen zu werden.

    Und damit schließt sich der Kreis, denn für mich stellt sich nun die spannende Frage, wie wäre Deine Geschichte weitergegangen wenn es Toni gewesen wäre, der NEIN zu so viel weiblicher Passivität gesagt oder aber auf halber Strecke realisiert hätte, dass jedes weitere „Investment“ in Dich nicht lohnt.

    Ich will Dir damit nicht zu nahe treten oder unterstellen bzw mutmaßen, doch dass Toni für Dich dann ein Arsch gewesen wäre, der Dich eh nur flachlegen wollte, wäre für MICH zumindest die erwartete weibliche Reaktion.

    Auf Zurückweisung durch den Mann, folgt Selbstaufwertung der Frau, durch Abwertung des Mannes. Funktioniert immer – und gilt auch mit umgekehrten Vorzeichen. Doch jetzt passiert etwas ganz spannendes: Für die Abwertung des Mannes durch die Frau gibt es einen gesellschaftlichen Konsens, andersherum gilt das nicht. Ungleichgewicht der Macht – nicht gut für gesellschaftlichen Frieden.

    • D.D. sagt:

      Lieber Thomas,

      Frustration, hervor gerufen durch die Abweisung eines Mannes. Ich habe jetzt echt lange überlegt, bin viele Momente durch gegangen…
      ich wollte verstehen, wie es sich anfühlt. Und ja, es gibt drei solcher Momente. 1&2 sind erklärbar und beschreiben nicht deinen geschilderten Blick. 3 ist das was du meinst. Und ja, dass ist ein sehr ernüchternder unschöner Moment.
      Warum erleben Männer jetzt diesen Moment? Weil jede Frau inaktiv ist und Mann gezwungen ist den ersten Schritt zu tun? Weil Frauen heute wollen und morgen nicht?
      Ich bin fasziniert, wie simpel die Lösung zu sein scheint. In der Umsetzung dann leider nicht mehr so leicht, denn alte Verhaltensmuster aufbrechen ist ein langer Prozess. Zudem nur machbar, wenn der Betroffene erkennt und gewillt ist. Der Mehrwert für beide Seiten muss erkennbar sein. Kann er aber nicht, so lange er von Vorwürfe und Anschuldigungen überlagert wird.

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