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#MenAreTrash-Argumente – und was sie wirklich lehren

Der mainstream-Maskulismus jubiliert: die Wende sei in Sicht, Frauen würden sich gegen Männerhaß wenden, das Empathie-Embargo gegen die Männer könnte womöglich abgebaut und der Feminismus von seiner einzigen bösen Komponente, der Misandrie, befreit und mit dem Rest schon ein arrangement gefunden werden. Ich bin in Bezug auf diese Art von appeasement-Politik etwas skeptischer und vermute bekanntlich, daß die Frauen schlicht um ihre Pfründe fürchten und daher lediglich Lippenbekenntnisse loslassen, die in keiner Weise ernst zu nehmen sind. Um diese These zu überprüfen, bin ich die auf genderama verlinkten Artikel und ihre Gegenargumente mal durchgegangen. Hier ist das Ergebnis.

Amelie Graen in der Huffington Post:

Männer sind kein Müll, weil:

  • (1) „es unter den vielen sexistischen Männern auch viele Männer gibt, die keine Sexisten sind.“
  • (2) „ein solcher Hashtag uns Frauen dabei hilft, ernster genommen zu werden.“
  • (3) „euer Hashtag […] nichts anderes, als unreflektierter, beleidigender und plumper Hass“ ist.
  • (4) „Männer uns [dann] nicht ernst nehmen“
  • (5) „Männer [eben nicht] mehr Respekt vor Frauen bekommen, wenn wir sie öffentlich beleidigen und als “Müll” bezeichnen. „
  • (6) „alle Männer in meinem Umfeld, die ich dazu befragt habe, haben das gleiche gesagt: Sie finden den Hashtag vor allem beleidigend und dumm.“
Christian Urban bei nordbayern.de:

Männer sind kein Müll, weil:

  • (7) diese Aussage einfach unanständig ist.
  • (8) es eine undifferenzierte Pauschalaussage ist.
  • (9) diese Aussage menschenverachtender, undifferenzierter Bullshit ist
  • (10) dies in einer Zeit, in der das Miteinander in vielen Lebensbereichen vom Gegeneinander abgelöst worden ist, nicht hilfreich ist.
  • (11) „dem Kampf für die Frauenrechte an sich ist mit solchen Aussagen nicht im geringsten geholfen“ ist.
Ariane Lemme bei der taz:

Männer sind kein Müll, weil:

  • (12) Das Herz linken Denkens ist, das Individuum statt die Masse zu sehen.
  • (13) welche Art von „Partner – im Leben, in der Liebe aber auch im Kampf gegen Unterdrückung von Frauen – sollen an ihrer Kollektivschuld leidende Männer sein?“
  • (14) „Auf Provokation reagieren die meisten nicht mit stiller Einkehr und Einsicht – sondern mit Trotz.
Jacqueline Büchi bei Watson.ch:

Männer sind kein Müll, weil:

  • (15) „Die Zuspitzung «Männer sind Müll» ist nicht zulässig. Menschen sind kein Müll.“
  • (16) Wie wären die Reaktionen wohl ausgefallen, hätte nach dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo jemand «Muslime sind Müll» getwittert?
  • (16) „Wer die Hälfte der Bevölkerung pauschal aufgrund biologischer Merkmale abwertet, sät neuen Hass anstatt den alten zu bekämpfen.“
  • (17) „Freundlichkeit ist in der [Geschlechter-] Debatte nicht vonnöten – aber ein Mindestmass an Respekt.“
Marc Felix Serrao bei der NZZ:

Männer sind kein Müll, weil:

  • (18) Aufgrund der Leistungen der Männer (die 39 männlichen Unterzeichner der amerikanischen Verfassung, Konrad Zuse, John Presper Eckert, John William Mauchly, Vinton Cerf, Robert Kahn, Jack Dorsey) haben Männer als soziale Gruppe diese Behandlung nicht verdient.

Versuchen wir, diese Argumente wenigstens im Prinzip zu durchdenken. Wie so oft, steht der moralischen Intuition der Journalisten dabei die begriffliche Unschärfe im Weg. Starten wir daher mit einer sprachlichen Erklärung auf Grundschulniveau:

  • (A) Würden wir einer Frau infolge einer Geburt Respekt zollen? Natürlich nicht, denn nicht die Person, sondern ihr Körper hat ein Kind bekommen und die Art, wie dies geschah, unterlag auch in keiner Weise der persönlichen Entscheidung der Person. Folglich ist es allein die Leistung einer Person und nicht ihre körperlichen Vorgänge, denen wir Respekt zollen.
  • (B) Verdienen Menschen als Menschen Respekt? Oder anders formuliert: Lassen sich einige oder alle Aspekte der Menschenwürde in Termen von Respekt formulieren? Wie an dieser Stelle bereits ausführlich diskutiert, kann die Menschenwürde weder auf Werte, noch auf Leistungen oder auf Fähigkeiten von Menschen zurückgeführt werden. Stattdessen meint Menschenwürde den allen und in gleicher Weise, i.e. univerell zukommenden, unverbrüchlichen Anspruch aller Angehörigen der Gattung Mensch unabhängig von ihren Fähigkeiten und Leistungen ein humanes Leben in Würde ohne Gewalt, Erniedrigung oder Demütigung führen zu können. Daher ist Menschenwürde ein besonderes Recht auf Menschenrechte und Menschenrechte selbst haben diese Menschenwürde zum Ziel.
  • (C) Und wie an dieser Stelle bereits dargelegt wurde, besteht die Pointe der Menschenwürde darin, diejenigen Moralakteuere zu schützen, die die tragenden Elemente in allen konkret formulierten Moralsystemen einer möglichen Gesellschaft sind. Mit anderen Worten: Der besondere moralische Status, den Menschen haben, ist der, anderen Menschen einen moralischen Status überhaupt erst verleihen zu können. Und das ist es, was Menschenwürde meint.

Also: Falls Respekt verdient werden muß, kann die Menschenwürde nicht in Termen von Respekt ausgedrückt werden, obwohl es für den Einzelnen möglich ist, aufgrund seines Tuns diese Menschenwürde in dem Sinne zu verwirken, daß seine Menschenrechte eingeschränkt werden können. Bei Straftätern z.B. beschränken wir die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 GG) und wir finden das auch nicht ungerecht.

Mit anderen Worten:

Das wahre Problem an #MenAreTrash liegt darin, daß dadurch

  • i) ohne Begründung
  • ii) das grundlegende Demütigungsverbot für Menschen verletzt wird, aus dem der analytische Humanismus abgeleitet wird
  • iii) und schwer vorstellbar ist, wie die Demütigung einer sozialen Klasse aus einem schuldhaften Verhalten dieser Klasse als Klasse jemals abgeleitet werden könnte.

Es ist klar, daß keiner der Autoren, die sich angeblich für Männer oder gegen #MenAreTrash stark machen, das erkannt oder kritisiert hat. Noch mal langsam: Niemandem ist aufgefallen, daß hier Männer gedemütigt werden.

  • Schlimmer noch: Mit (12) gibt die taz-Frau zu erkennen, daß sie nicht die geringste Ahnung davon hat, daß Universalisierbarkeit z.B. von Rechten oder anderen Gleichheitspostulaten das traditionelle, weil aus der französischen Revlution stammende Herz linker Politik ist. Und das ist natürlich auch der Grund, weshalb wie wahren Linken – also gerade nicht die Linksfaschisten, die heutzutage von den Medien gehypt werden – anti-Islamisch sein sollten. Denn der Islam kennt gerade keine gleiche Moral für Gläubige und Ungläubige – ganz im Gegenteil. Und das ist natürlich auch der Grund, weshalb kein Islam jemals mit irgendeinem vernünftigen Humanismus kompatibel sein kann.

Folglich gibt es auch – anders als der mainstream-Maskulismus dies suggeriert – für die manosphäre nicht den geringsten Grund zur Entwarnung. Denn keiner der genannten Autoren hat auch nur im Ansatz eine humanistische Einstellung gegenüber Männern. Stattdessen dominieren pragmatische Überlegungen, unethische Folgenabschätzungen oder leere Benimm-Ermahnung – was für ein moralisches Fiasko.


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