jungs & mädchen

Startseite » Aufklärung » Synopsis – FINANZ TSUNAMI von Ernst Wolff

Synopsis – FINANZ TSUNAMI von Ernst Wolff

Die zentrale These des Buches „Finanz-Tsunami“ von Ernst Wolff lautet: „Die gelenkten und keineswegs freien Finanzmärkte prägen unsere demokratische Mitbestimmung, unseren Lebensstandard, unsere Ausbildungs- und Beschäftigungschancen oder unsere Kranken- und Rentenversicherungen wie kein anderer Lebensbereich jemals zuvor.“. Der folgende post reduziert den Inhalt dieses Buches auf seine wesentlichen Elemente und referriert dabei die historische Entwicklung unseres Finanzsystems sowie einige politischen Erklärungen, die sich damit formulieren lassen.

A. Das Finanzsystems entsteht – gekoppelt an die Realwirtschaft

(1) Die historische Entwicklung unseres Finanzsystems ist im wesentlichen die des US-amerikanischen Systems. Die Pointe der westlichen, wirtschaftlichen Entwicklung ist folgende: Ihr Start fällt mit dem amerikanischen Bürgerkrieg ab 1861 zusammen, was bedeutet, daß die großen Tycoons alle mit Waffen Geld verdienen – bis heute. In diesem Sinne ist Krieg immer gut fürs Geschäft einiger inklusive dem der Banken. Die Finanzindustrie schafft sich seit langer Zeit in aller Heimlichkeit ihre eigenen, zum Teil auf Gesetzen beruhenden Machstrukturen und hält so lange wie möglich an ihnen fest. Diese Tatsache ist eine der wesentlichen Quellen für die Erklärung der historischen Wirtschaftsentwicklung bis heute.

(2) Mit der FED wurde als Reaktion auf die US-Finanzkrise von 1907 aus dem Kreis der mächtigen, privaten Banken heraus eine weitere, ebenfalls private Bank gegründet, deren Zweck ist es, die Regierung kontinuierlich mit Geld zu versorgen, damit diese durch ihre Organe und Angestellten kontinuierlich handeln kann. Die FED fungiert damit als Zentralbank, die nur durch das Prinzip der Mindestreseve beschränkt wird, und zwar auf folgende Weise: Die Regierung gibt verzinsliche Staatsanleihen heraus, soviel sie eben benötigt, und diese kauft die FED dem Staat ab. Auf diese Weise kann die FED unbeschränkte Summen verdienen, solange der US-Staat existiert und die US-Regierung kann sich unbegrenzt mit Geld für ihre politische Agenda versorgen. Die FED, deren Bücher und Anteilseigner geheim sind, ist auch die einzige Institution, die das Recht hat, den US-Dollar herauszugeben, die Größe der umlaufenden Geldmenge und den Leitzins festzulegen. Dieses Privileg ging im Dezember 1913 vom US-amerikanischen Staat auf die FED, die eine private Bank und keine Regierungsorganisation ist, über. Offenbar sind FED und US-Regierung damit einen für beide Seiten nützlichen deal eingegangen und es liegt nahe, zu vermuten, daß die US-Regierung nach wie vor keine Gesetze erläßt, die diesem deal schaden könnten.

(3) Im 1. WK stand als Motiv die geopolitische Konkurrenz zwischen dem dt. Kaiserreich und Großbritannien im Vordergrund. Obwohl der damalige Präsident Wilson dem Volk versprochen hatte, im 1.WK neutral zu bleiben, willigte er ein, daß die US-Großbanken Frankreich, Russland, Italien Deutschland und Großbritanien Geld lieh, mit dem diese in den USA Waffen und andere Rüstungsgüter kaufen konnten. Die Folge war ein enormer Aufschwung der US-Industrie. Konsequenterweise traten die USA daher am 6.April 1917 in den Krieg ein, weil nach dem Ende des Zarenreiches ein Sieg Deutschlands wahrscheinlicher wurde. Der Kriegseintritt der USA war in diesem Sinne nicht mehr als ein Schutz der eigenen Investition, da Deutschland etwa 80x weniger Geld erhalten hatte, als allein bereits an UK gegangen waren. Bis zum November 1918 vergaben US-Banken Kredite in Höhe von 9,3 Milliarden US-Dollar – Geld, daß sie einfach als Buchgeld schöpfen konnten, ohne es vorher selbst verdienen zu müssen. Die Zustimmung des amerikanischen Volkes zum Krieg erlangte Präsident Wilson durch die Propagandaarbeit des von ihm selbst am 13.April 1917 gegründeten Commitee on Public Information, das Greuelgeschichten an die willfährige Presse lancierte.

  • Auch die Filmindustrie in Hollywood half – wenig überraschend – mit geeigneten Filmen wie Der Kaiser, die Bestie von Berlin oder Der preußische Hundesohn tatkräftig mit. Durch den Espionage Act vom Juni 1917 unterband der amerikanische Gesetzgeber jede Kritik an diesem Vorgehen.

(4) Die FED hatte während des Krieges bei der Vergabe von Kriegskrediten eine entscheidende Rolle gespielt und durch Senkung des Leitzinses die US-amerikanische Industrie angekurbelt, welche sicher wiederum auf den Waffenexport spezialisierte. Nach dem Ende des 1.WK hatten US-Finanzwirtschaft und US-Politik daher zwei Probleme zu lösen: Umstellung der US-Wirtschaft auf die Belange in Friedenzeiten und das Eintreiben der Kriegskredite von zum großen Teil zahlunfähigen Schuldnern. Dabei kam ein Erlaß der Kriegsschulden nicht in Frage, da Deutschland am Boden lag und Großbritannien auf diese Weise aus seiner Weltmachtstellung ein Stück weit vertrieben werden konnte – was im Interesse der US-Politik lag. Das Resultat war der Vertrag von Versailles, bei dem Deutschland die alleinige Kriegsschuld bekam, um für 57 Jahre Reparationszahlungen in Gold, Devisen oder Sachgütern an die Siegermächte zu rechtfertigen, die diese dringend brauchten, um ihre eigenen Kriegsschulden in den USA abzuzahlen.

(5) Die erste der o.g. Aufgaben löste amerikanische Staat durch Umverteilung: Auf die erhöhte Arbeitslosigkeit und die Senkung des Bruttoinlandsproduktes reagierte die US-Regierung mit Ausgabenkürzungen. Die FED erhöhte den Leitzins, trieb Kredite ein und trieb die kleinen Konkurrenten der Tycoons in den Ruin. Die zweite o.g. Aufgabe reduzierte sich damit darauf, Deutschland wieder zahlungsfähig zu machen und sie wurde in zwei Schritten gelöst: Zunächst fachte die deutsche Regierung 1923 zusammen mit den dt. Banken eine Inflation nie dagewesenen Ausmaßes an und danach kamen US-Kredite großflächig zum Einsatz, welche die sog. Goldenen Zwanziger Jahre auslösten, aber letztlich auf einem kreditfinanzierten Importüberschuss beruhten. Gewinner einer Inflation sind immer diejenigen, die es rechtzeitig schaffen, ihr Vermögen in Edelmetallen, Land, Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen vor der Entwertung in Sicherheit zu bringen. Verlierer sind daher typsicherweise die Bezieher der kleineren Arbeitseinkommen. Auf diese Weise entledigte sich der dt. Staat 97,5% seiner Schulden, die er bei seinen Bürgern hatte – durch ihre Enteignung.

(6) im Mai 1930 wurde in Basel die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gegründet, um künftig die Reparationszahlungen des ehemaligen dt. Reiches abzuwickeln. Damit verfügten die USA über eine über den einzelnen Staaten angesiedelte Finanzinstitution, die amerikanische Finanzinteressen in Europa wahrnehmen konnten, denn die BIZ wurde von 3 amerikanischen Großbanken ins Leben gerufen: J.P. Morgan, First National City Bank of NY und Chase Manhattan. Erster Präsident wurde Gates White McGarrah, ehemaliger Generaldirektor von Rockefeller Chase National Bank. Die Interessen der BIZ umfaßten einen Aufstieg und damit eine finanzielle Unterstützung der Nazis, da diese im 25-Punkte Plan von 1920 und in Hilters Mein Kampf eine kriegerische Eroberung Osteuropas angekündigt hatten. Und aus dem 1. WK war bekannt war, wie profitabel Krieg ist. Zudem sperrte die kommunistische Sowjet-Regierung nach 1917 Russland als Markt für westliches Kapital, verstaatlichte das Bankensystem, schaffte das Privateigentum an Produktionsmitteln ab und errichtete ein Außenhandelsmonopol – all das sehr zum Ärger der großen US-Banken. Nach der Machtergreifung Hitlers investierten US-Firmen in Nazi-Deutschland bis 1941 ca. 475 Million US-Dollar.

(7) Auch der 2. WK war keineswegs nur eine Laune eines österichischen Wahnsinnigen, sondern wurde als Chance zur endgültigen Beantwortung der Frage angesehen, ob die USA oder Deutschland das britische Empire als nächste Weltmacht ablösen würden. Insbesondere war offen, wie die sowjetische Einflußsphäre für ausländisches Kapital wieder geöffnet werden konnte. Für beide Fragen änderten sich die in möglichen Antworten in dem Moment, als Deutschland und die Sowjetunion im August 1939 nicht nur einen Nichtangriffspakt abschlossen, sondern auch deutsche Kredite mit russischen Ölliferungen und anderen Rohstoffen bezahlt wurden. Zudem bekam Nazi-Deutschland durch die Aufteilung der baltischen Länder, Polen und Finnland den Rücken frei für einen Westkrieg. Als das Ultimatum der Franzosen und Briten von den Nazis zurückgewiesen wurde, erklärten sie Deutschland den Krieg. Für die Allianz aus US-Finanzindustrie und US-Politik war dies das Signal zum Lend-Lease-Act, daß es US-Konzernen erlaubte, kriegswichtige Güter gegen spätere Bezahlung an alle Kriegsparteien inklusive der Sowjetunion zu liefern. Die im 2.WK gewaltig aufgeblähte Rüstungsindustrie war auch nach dem Ende des 2. WK ein entscheidender Faktor in der Bilanz der US-Finanzindustrie: Die US-Wirtschaft hatte sich grundlegend verändert. Doch ohne einen Kriegsgegner kann man keine Waffen mit Milliardengewinnen verkaufen. Die Lösung für dieses Problem kam in Gestalt des sog. Kalten Krieges und seinen Stellvertreterkonflikten z.B. in Griechenland, Korea, Vietnam und Afghanistan.

(8) Im Jahr 1948 begann mit dem sog. Marshall-Plan das amerikanische Wiederaufbauprogramm Europas. Sein Erfolg erlaubte es der US-Wirtschaft, sich von der Rezession 1946-1948 und sich erneut auf die Bedarfe in Friedenszeiten umzustellen. Dieser Rückgang war auch darauf zurückzuführen, daß die meisten kriegsteilnehmenden Ländern kaum noch über US-Dollar verfügten, um amerikanische Waffen zu kaufen. Das Schema des Marshall-Plan als US-Konjunkturprogramm war bereits bewährt: Die US-Regierung vergab an 16 europäische Länder großzügige Kredite unter der Auflage, daß damit allein amerikanische Waren gekauft werden durften – was der Tatsache, daß die US-Industrie unter ihrer eigenen Überproduktion litt und dringend neue Märkte brauchte, sehr entgegen kam. Zugleich durften die Empfängerländer einen Betrag aus ihren eigenen Steuergeldern in Höhe des empfangenen Kredites nur in Absprache mit US-Vertretern ausgeben. Zusätzliche Hilfslieferungen wie Nahrungsmittel wurden allein mit amerikanischen Steuergeldern finanziert. Damit wurde einerseits im US-Inland durch Arbeit verdientes Geld über Europa den US-Banken zugeführt und realisierte die bis dahin größte Vermögensumverteilung von Steuerzahlern zu Konzernen und Banken, die die USA bis dahin erlebt hatten.

(9) Durch die aus der Versorgung anderer Alliierter im WK2. stammende Überproduktion sahen sich die USA zu einem weltweit angelegten Warenexport genötigt. Dadurch wurden einerseits die protektionistischen Maßnahmen der USA zurück und die Propaganda des Freihandels hochgefahren und andererseits wuchs der Bedarf nach US-Dollar in den importierenden Ländern, so daß die weltweit im Umlauf befindliche Dollarmenge zunahm. Das GATT-Abkommen, die Gründung der Weltbank zur Förderung von Infrastrukturprojekten in Entwicklungsländern, die Gründung des IWFs als Kreditgeber letzter Instanz, die Gründung der Baseler Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Marshall-Plan, eine Kreditvergabe unter der Bedingung des Kaufs amerikanischer Waren vorsah, sind nur einige Folgen dieser Veränderung. Interessanterweise ist das Stimmrecht der Länder im IWF an die Höhe der Einlage gekoppelt, so daß der IWF seit Jahrzehnten von den USA dominiert wird. Darüber hinaus vergibt der IWF Kredite in der Regel nur gegen neoliberale Wirtschafts- und Sozialreformen – an Länder, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation keinen anderen Kreditgeber mehr finden können.

(10) Schon während des 2. WK zeichnete sich ab, daß die USA das infolge der Weltkriege ruinierte Großbritannien als Weltmacht endgültig ablösen würde. Die Folge war das Bretton-Woods-Abkommen im Juli 1944, in dem der US-Dollar mit $35 pro Unze an Gold gebunden und dadurch zur Weltleitwährung gemacht wurde, daß alle anderen Währungen – mit Aussanahme der der sog. Ostblockstaaten – in festem Wechselkurs an den US-Dollar gebunden wurden. Dieses Abkommen war vorher bereits in den wichtigsten Details von den USA und GB ausgehandelt worden, die anderen 42 Unterzeichnerstaaten hatten wenig zu sagen.  Dagegen benötigten die USA als weltweit stärkste Industrienation und größte Gläubigernation der Erde dringend neue Absatzmärkte, die durch das Bretton-Woods-Abkommen geschaffen wurden. Obwohl die USA 2/3 der weltweiten Goldreserven gehortet hatten, konnte deshalb eine Umtauschmöglichkeit nicht mehr garantiert werden, so daß Präsident Nixon am 15.8.71 die Gold-Dollar-Bindung aufhob: der US-Dollar wurde zum FIAT-Geld. Daraufhin lösten einzelne Länder ihre Währungen vom Dollar und begannen mit Währungsspekulationen. Die entstehenden Kursschwankungen motivierten die meisten Länder bis 1973 ihre Währungen ebenfalls freizugeben und dadurch das Bretton-Woods-System faktisch zu beenden.

(11) Die Stabilisierung des US-Dollars gelang 1974 mit dem Abschluß eines Abkommens der USA und Saudi-Arabien: Saudi-Arabien garantierte darin, dafür zu sorgen, daß innerhalb der OPEC Öl nur gegen US-Dollar gehandelt wurde und im Gegenzug sagen die USA dem fundamentalistischen, arabischen Regime Schutz und Waffenlieferungen zu. Auf diese Weise entwickelte sich der US-Dollar zum Petrodollar weiter, da Saudi-Arabien begann, US-amerikanische Staatsanleihen in großem Stil zu kaufen und die Erdöl-verbrauchenden Staat für den Öl-Handel gegen Gebühren US-Dollar kaufen mußten. Das zwang die nationalen Zentralbanken, einen großen Teil ihrer Devisenreserven in US-Dollar vorzuhalten, was dem US-Dollar den Status der Reservewährung einbrachte.

  • Interessanterweise haben einige Länder in jüngster Zeit versucht, ihr Öl oder Gas in Euro bzw. in Gold-Dinar zu handeln: Der Irak 1990 und Libyen 2006. Syrien begann 2006 seine Öl- und Gasimporte teilweise in Euro zu bezahlen. Der Iran wechselte 2002 die Hälfte seiner Devisenreserven in Euro. Im selben Jahr zog Nordkorea nach Venezuela begann mit dem Handel von Öl gegen  Waren. Russland erhöht seit mehr als 10 Jahren systematisch seine Goldreseven, was Russland auf lange Sicht erlauben könnte, aus dem gegenwärtigen Währungssystem auszusteigen. Zudem hat Russland 2008 eine eigene Energiebörse gegründet, wo auch gegen Rubel und Gold gehandelt werden kann. Und seit 2014 handeln China und Russland alle Energiekontrate bilateral nur noch in Rubel und Yuan – unabhängig vom Dollar.

Was mit diesen Ländern ziemlich schnell danach passiert ist, kann man sogar bei Wikipedia nachlesen: Alle diese Staaten zählen irgendwie zur Achse des Bösen – wie überraschend.

B. Die Entkopplung des Finanzsystems von der Realwirtschaft

(12) Im Jahr 1974 kam es zu einer schweren Krise der amerikanischen Realwirtschaft – der Nachkriegsboom, der sich aus der US-Kriegswirtschaft und dem Freihandel gespeist hatte, war beendet und es begann in den USA die größte Rezession seit der sog. Großen Depression in den 1930igern. Daher verfiel man auf die Idee, völlig neue Produkte (die Finanzderivate) zu kreieren und neue Märkte zu etablieren, die sich einer Sättigung mit realen Produkten entziehen konnten. Zugleich versuchte man die Produktionskosten in der Industrie durch Einsatz von Robotern und digitaler Technologie zu minimieren, sowie Produktionsprozesse in Billiglohnländer mit inexistenten Sicherheitsvorschriften zu verlegen: die sog. Globalisierung begann, die traditionellen Arbeitsplätze verschwanden, die Löhne sanken und die Menschen wichen in den Dienstleistungssektor aus. Die nun folgende Deregulierung des Finanzsektors, welche gegen Ende der 70iger einsetzte und vor allem von Theatcher und Reagan vorangetrieben wurde, war insofern nur eine Reaktion auf das Ende des Booms in der Realwirtschaft und der damit einhergehenden Verringerung der Verdienstmöglichkeiten für Investoren. 1999 erfolgte die Abschaffung des Trennbankengesetzes (Glas-Steagall-Act) durch Bill Clinton, welche als Reaktion auf den Börsencrash 1929 erlassen worden war und die Einleger schützte, indem des im Wertpapiergeschäft engagierten Investmentbanken verbot, das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft zu betreiben.  Der Finanzsektor wuchs im Verhältnis zur Realwirtschaft plötzlich überproportional (ca. um den Faktor 4 mehr) und entkoppelte sich beginnend in den 80igern kontinuierlich von der Realwirtschaft. Man spricht von einer Finanzialisierung. Insbesondere erhielten die Banken die Erlaubnis eigene hedge-Fonds zu betreiben und damit durch Tochtergesellschaften auf genau die Weise zu handeln, die ihnen gesetzlich als Bank verboten war.

  • Ein Beispiel zur Finanzialisierung in Deutschland ist die Zerstörung der bis dahin gut funktionierenden Rente durch Einführung der privaten Altersvorsorge, die dem künftigen Renter einerseits schadet und andererseits 10 Milliarden Gebühren pro Jahr in die Kassen der privaten Versicherer spült. Daß wir heute sicher sein können, in 40 Jahren trotz eigener Beiträge im Grunde keine eigene Rente zu bekommen, wurde in Kauf genommen.

(13) Interessanterweise erzeugten die Finanzderivate u.a. eine notorische Instabilität der liberalisierten Finanzmärkte – was strukturell auf die Einführung von Rückkopplungen in die Finanzmärkte zurück zu führen ist. Da Finanzderivate im wesentlichen Wetten sind, die auf Umverteilung abzielen, stellte sich 1998 der erste Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems mit der Krise des 1994 gegründeten und zunächst fabelmäßig erfolgreichen LTCM-Hedgefonds ein, der diese Instabilität gut illustriert. Da infolge kursierender Gerüchte imassenhaft Kreditausfallversicherungen gekauft worden waren und zwar ganz legal von Personen, die nicht an LTCM beteiligt waren, liefen am Ende im September 1998 gegen LTCM Wetten in Höhe von ca. einer Billion US-Dollar und LTCM verlor an einem einzigen Tag 553 Millionen. Um diese Wetten nicht fällig werden zu lassen, wurde LTCM damals von 14 Großbanken mit einer Finanzspritze von 3,65 Milliarden US-Dollar gerettet – was im Vergleich zur Auszahlung der Kreditausfallsicherungen relativ günstig war. Der Fall LTCM machte unmißverständlich klar, daß man systematisch an der Funktionsweise der Finanzmärkte etwas ändern mußte. Doch von politischer Seite aus geschah unabhängig von der Parteizugehörigkeit gar nichts, die rechtliche Deregulierung der US-Finanzmärkte ging weiter.

(14) Das Auftreten des zweiten Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems kam daher geradezu zwangsläufig: 2006 geriet der amerikanische Immobilienmarkt durch Bündelung von Subprime-Krediten ins Straucheln und brachte die Wall-Street zum Taumeln. Die Situation verschäfte sich, bis im Oktober 2008 der Fortbestand des Finanzsystems auf dem Spiel stand, was in der sog. Eurokrise zum Ausdruck kam: der größten Vermögenumverteilung in der Geschichte der Menschheit. Man ließ in Öffentlichkeit jedoch nur eine Bank pleite gehen, und führte den slogan „too big to fail“ ein. Dies führte die Investoren noch nachhaltiger von der Realwirtschaft in die Finanzwirtschaft, daß sich dort das Risiko durch staatliche Garantien begrenzen läßt. Dieses Geld fehlte gleichzeitig in der Realwirtschaft, um langfristig höhere Steuereinnahmen des Staates und damit einen Abbau der Staatsschulden zu erreichen. Das aber ist ein doppeltes Problem, da die ständig anfallenden Zinszahlen nur über ein kontinulierliches Wachstum abgefangen werden können. Die Rolle des Geldbeschaffers haben daher inzwischen die Zentralbanken übernommen, die Geld ohne realen Gegenwert als Buchgeld schöpfen und den Banken zu minimalen Zinsen zur Verfügung stellen. Zinsänderungen und Geldmengenregulierung sind die zentralen Instrumente einer Zentralbank. Die kontinuierliche Erhöhung der Geldmenge hat zu enormen Finanzblasen geführt. Niedrige Zinsen machen zudem die private Altersvorsorge für die Bürger schwieriger.

(15) Das Geld der Zentralbanken floss abe primär in die Finanz- und nicht in die Realwirtschaft: Da die Weltwirtschaft stagnierte, gab es nur wenig Investitionsbedarf und die Gewinnerwarungen in der Realwirtschaft sind immer noch unattraktiv – ganz im Gegensatz zu den niedriegen Zinsen, die Spekulaten anlockten. Echte Veränderungen von politischer Seite blieben nach wie vor aus. Im Gegenteil – in der zweiten Eurokrise 2010 übernahm faktisch die Troika aus Europäischer Zentralbank, IWF und EU-Kommission die Regie und ignorierte die Politikerdarsteller ganz offen: In Italien und Griechenland wurden die Technokraten der Hochfinanz als Regierungschefs eingesetzt und der Syriza in Griechenland drehte die Troika einfach den Geldhahn ab. In diesem Sinne ist Griechenland ein gutes Beispiel für die Krise politischer Repräsentation: der Ausgang von Wahlen ist für die Ereignisse im Grunde bedeutungslos geworden. Seitdem drucken die Zentralbanken Geld, um das marode Finanzsystem zu stützen. Die Konsequenzen eines Crashs wären: Untergang zinsabhängiger Einrichtungen wie Renten- und Pensionskassen, die Vernichtung von Buchgeld und Stillstand der weltweiten Geldströme.

(16) In dieser Situation, der Bedrohnung eines Zusammenbruchs des Finanzsystems, deinem Finanz-Tsunami vergleichbar wäre, bleiben 4 Optionen:

  1. Der IWF greift mit eigener Währung ein: Der IWF hat sich der nur zwischen Staaten gehandelnten Sonderziehungsrechte bereits 2007 bedient.
  2. Helikoptergeld: Wenn die Kaufkraft der Währung sinkt, kann die Zentralbank direkte Geldgeschenke an die Konsumenten machen (das sog. leistungslose Grund- oder Mindesteinkommen). Das würde die Preise anheizen und wäre vermutlich ein Weg in die Hyperinflation, die immer zu Lasten der kleinen und mittleren Vermögen geht. Wer aber auf Schuldenbergen sitzt, profitiert. Auch eine kontrollierte Inflation von 25-30% im Jahr ist denkbar.
  3. Diktaturen: Sie könnten unpopuläre Maßnahmen wie die Bargeldabschaffung zur Rettung der Finanzwirtschaft durchsetzen. Das Erstarken populistischer Bewegungen kommt sicher nicht von ungefähr und wurde vermutlich von langer Hand vorbereitet.
  4. Krieg: Die global führende Wirtschafts- und Handelsmacht ist inzwischen China und sie haben die USA verdrängt. Auch das System des Petrodollar gerät immer mehr unter Druck. Ein Krieg wäre in der Realwirtschaft profitabel und könnte den Kollaps der Finanzmärkte hinausschieben. Kleinere Länder in NahOst, China und Russland sind mögliche Kriegsgegner. Die Zerstörung arabischer Ölquellen würde der US-Fracking-Industrie dringend benötigte Einnahmen verschaffen.

(17) Finanzelite, Medien und Politk haben auf den jüngst gewachsenen Unwillen der Bevölkerung bereits reagiert und ihrerseits 4 realitätsfremde Mythen in die Welt gesetzt, welche die Gemüter besänftigen oder wenigstens beschäftigen soll:

  • Reset: „Der crash trifft alle in der gleichen Weise – wie 1948, was zu größter Gleichheit führen wird.“. Doch schon 48 war im Vorteil, wer mehr als nur Bargeld besaß wie z.B. Land, Häuser, Anteile an Firmen, sonstige Wertsachen: Es gab nie eine Gleichheit. Vor allem kann man davon ausgehen, daß sich die Finanzelite auf den crash systematisch vorbereitet.
  • Das Licht aus dem Osten: „Die New Development Bank und die Asian Infrastructure Investment Bank werden zu Weltband und IWF ein Gegengewicht bilden und diese aufhalten.“. Doch auf diese Banken arbeiten mit US-Dollar, sind also nicht wirklich eine Gefahr im Hinblick auf die anstehende, drastische Abwertung des Dollar. Vor allem China hält US-Staatsanleihen in Billionenhöhe, die sofort an Wert verlieren würden, wenn das gegenwärtige System zu wanken begönne – was China daher kaum wollen wird.
  • Politische Reformen: „Mehr Demokratie wird langsam aber nachhaltig die Zustände ändern. Wir müssen nur Verständnis füreinander haben und zusammenarbeiten.“. Die politische Kaste der repräsentativen Demokratie hat sich aber seit der französischen Revolution zusammen mit der Finanzelite entwickelt. Daß dieser Pakt plötzlich aufgekündigt werden könnte, wäre für beide Seiten nachteilig. Und der Fall Griechenland zeigt, daß Wahlen inzwischen nichts mehr ausrichten – sofern sie nicht ohnehin mit dem Geld der Finanzelite massiv beeinflußt werden.
  • Nationalismus: „Nationale Eigenlösungen könnten Abhilfe schaffen.“. Doch gerade mit Hilfe der Konflikte zwischen den Nationalstaaten hat sich die Finanzelite so prächtig entwickelt – lokale Gesetze können umgangen, Machtverhältnisse verschleiert und einzelne Länder gegeneinander ausgespielt werden. Die selbst globalisierte Finanzelite fördert daher nationale, lokal-ethnische und andere Minderheitenbewegungen nach Kräften und klarerweise kommt der Multikulturalismus der Finanzelite dafür wie gerufen. Sie haben ihre Lektion gelernt.

Der Zusammenbruch des Finanzsystem kommt so sicher, wie das nächste Beben in der San Francisco Bay – man weiß nur nicht, wann es kommt. Bis dahin sind Transparenz und Aufklärung die besten Waffen.

 

Interessante links zum thema:


1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Choose your language:

Categories

Archive

%d Bloggern gefällt das: