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Männlichkeit unter Druck – Victor Hugo

Das kulturelle Verständnis von Männlichkeit hat sich – wenig überraschend – vom biologischen Geschlechterdimorphismus aus entwickelt und die Neuzeit hat schnell verstanden, der körperlichen Überlegenheit der Männer ein politisches Verständnis abzugewinnen, dessen Pole zuerst von Hobbes und Rousseau entfaltet wurden.

Die schon Horaz bekannte Figur des puer robustus ist daher ausschließlich eine Interpretation von Männlichkeit. Männllichkeit besetzt aus diesem Grund eine von zwei generellen Möglichkeiten, wie ein Mensch als Person seinem Leben einen Sinn geben kann:

  • (A) Ein Mensch kann seinem Leben einen Sinn geben, indem er etwas von Bedeutung tut – und ist frei zu bestimmen, worin diese Bedeutung liegt. Und indem erst etwas getan werden muß, ist so ein Mensch immer historisch eingebettet.
  • (B) Ein Mensch kann seinem Leben einen Sinn geben, indem er etwas von Wert darstellt – und ist frei zu bestimmen, worin dieser Wert liegt. Würde dieser Wert von eigenen Tun abhängen, würde sich der Wert nicht von obiger Bedeutung unterscheiden. Also ist dieser Wert immer ahistorisch und höchstens der Zugang zu diesem Wert ist historisch eingebettet.

Eine Person, die es versäumt, ihrem Leben einen Sinn zu geben, wird persönlich und sozial destabilisiert und somit anfällig für das Phänomen der large scale mass formation, einer toxistischen Form der Gesellschaftsbildung, die typischerweise zu einem sich selbst zerstörenden totalitären System führt. Sowas ereignet sich eigentlich nur unter massivem Einfluß von außen und ist daher nicht der Regelfall.

Der überwältigende Teil der Männer wählt oder wächst in Variante (A) hinein und der überwältigende Teil der Frauen macht das mit Variante (B). Das ist kein Zufall, sondern geht auf eine Zeit zurück, in der es noch sehr viel mehr auf Körperkraft ankam, als heute.

  • Dieser Unterschied hat nichts Zwangsläufiges oder Deterministisches und wirkt sich nicht für alle Männer und Frauen gleich aus, da es innerhalb von (A) und (B) erhebliche Interpretationsspielräume gibt, die auch individuell z.B. im Interesse des ökonomischen Eigennutzes eingesetzt werden. Trotz der Interpretationsfreiheiten hat die (A)-(B)-Alternative systematische Geschlechterunterschiede in der Sozialization und der Entwicklung der Persönlichkeit zur Folge, ist statistisch in vielerlei Hinsicht erkennbar, und ist im Geschlechterverhältnis absolut dominant – worauf ich aber erst in einem späteren post eingehen werde.

In diesem post verfolge ich die kulturelle Entwicklung der Männlichkeitsvorstellung historisch weiter: Nachdem sich der puer robustus durch Diderot und Schiller zu einer Person auf der Suche nach Selbstgesetzgebung mit einer besonderen psychologischen Entwicklungsgeschichte und besonderen Fähigkeiten entwickelt hat, die eingebettet ist, in einen dynamisch variablen sozialen Kontext, der von dem puer robustus weiterentwickelt wird, wird es Zeit, sich zu überlegen, was der soziale Kontext für den puer robustus tun bzw. ihm antun kann. Victor Hugo hat sich diesen Fragen in seinem Romane Quasimodo gestellt, der aufgrund seiner Häßlichkeit, Behendigkeit, Mut und seiner Körperstärke als Ungeheuer ausgegrenzt und abgewertet wird.

  • Auf unserer spracharchäologischen Suche nach den kulturellen Ursprüngen des Verständnisses von Männlichkeit, referiere ich heute in zweiter Hand die Ideen des Romantikers Victor Hugo aus dem Buch Puer Robustus (2016) von Dieter Tomä. Dieser Artikel setzt die bei uepsilontiks begonnene Serie fort.

Victor Hugo entwirft den jungen, aber schon erwachsenen Quasimodo in den Augen der Öffentlichkeit als malus puer robustus. Doch der Leser weiß mehr, nämlich daß das Verhältnis von Quasimodo zur Welt aufgrund seiner Taubheit im Grunde ein einziges Mißverständnis ist, vor dem Quasimodo in die höchsten Höhen der Türme von Notre-Dame flieht. Insbesondere führt der Mangel an Vernunft bei Quasimodo nicht – wie bei Hobbes – zu einem Mangel an Moral. Das Besondere an Quasimodo als Verkörperung des puer robustus ist die Entstehung des gewalttätigen Bösen aus der Demütigung, die erst im Laufe schicksalhafter Ereignisse und nicht durch Vernunft überwunden wird.

Für die Entstehung des gewalttätigen Bösen aus der Demütigung gibt es für Victor Hugos Roman zwei Lesarten:

  • a) Quasimodos Psyche ist eingezwängt zwischen Hässlichkeit und Dummheit, die beide zu Wildheit und Wildheit wiederum zusammen mit überlegener Körperkraft zu Bosheit führt oder wengistens in diesem Fall geführt hat. Das haben weder Hobbes noch Schiller so gesehen.
  • b) Quasimodos soziale Erfahrungen aufgrund seines Äußeren beschränken sich auf Spott, Ablehnung und Verwünschungen. Demütigungen sind daher die primäre Nahrung seiner Psyche und es ist wenig verwunderlich, daß Quasimodo irgendwann diese Waffen gegen seine Mitmenschen einsetzt, ohne von irgendeiner Art Eigennutz motivisert zu werden. Auch die Geburt des Bösen aus der Demütigung, aus der sozialen Aggression, wurde vorher noch nie so explizit erzählt.

In beiden Fällen bekommt der puer robustus die soziale Rolle eines Opfers, was bei Hugo gewißermaßen der Startpunkt seines Romans ist. Und es ist nicht schwer zu sehen, daß genau dies wenigstens zwei weitere Entwicklungsmöglichkeiten für das Schwellenwesen des puer robustus erzeugt:

  1. Der puer robustus, gestartet als Opfer, wächst aus eigener Kraft über sich hinaus – was immer das im Detail heißen mag – und wird in einer gewissen Beziehung zum Held.
  2. Der puer robustus, gestartet als Opfer, hat nicht selbst die Kraft, über sich hinaus zu wachsen, sondern benötigt eine Art Katalysator der Erhabenheit, der sich mitleidig aus seiner Höhe zu dem Monster des gedemütigten puer robustus herabsenkt, und ihm hilft, sich vom Bösen zu befreien. Erst durch die Befreiung vom Bösen kann das erhabene Wesen zum puer robustus andere Gefühle entwickeln – und siehe: der Mythos von der Schönen und dem Biest wurde geboren.

Springen wir, ausgerüstet mit diesem Wissen, kurz zum modernen Geschlechterverhältnis: Es ist durchaus wesentlich, daß die weibliche Rolle der Schönen und Erhabenen, welche als Begründung für die weiblichen Privilegien bis heute eine zentrale Rolle spielt, voraussetzt, daß der puer robustus infolge von Demütigungen wild und böse wird. Die vorsätzliche Männerfeindlichkeit der Frauen ist vor diesem Hintergrund doppelt eigennützig:

  • Zum Einen erschafft sie erst die Rolle der Schönen und Erhabenen, die Frauen sich heute auch gerne ohne entsprechende Eigenschaften aneignen, und erlauben der nach Weiblichkeit strebenden Frau, sich wertvoller als Männer zu fühlen, und diesen Wert auch in jeder sozialen Interaktion einzufordern.
  • Zum Anderen tritt diese Rolle ein scheinbar utilitaristischer Grund auf für die ökonomischen Privilegien der Frau: Denn würden Frauen als schöne und erhabene Wesen schmutzige und gefährliche Arbeiten inklusive der psychischen Belastungen solcher Arbeiten erledigen, könnten sie ihre Schönheit und Erhabenheit am Ende dadurch verlieren und der puer robustus als schwaches Opfer der zweiten Lesart hätte folglich nichts, um sich von seiner wilden Bosheit zu befreien. Als Folge davon wäre der Gesamtschaden für die Gesellschaft deutlich größer – so die Hypothese – als er ist, wenn Frauen die niedrigen, schmutzigen und gefährlichen Arbeiten den Männern überlassen.

Nur ist eben leider das Geschlecht keine hinreichende Bedingung dafür, daß Schönheit und Erhabenheit entstehen und der gesellschaftliche Gesamtnutzen entsteht gerade unter Vernachlässigung der Rechte und Chancen aller Männer – und damit auch derjenigen, die nicht zum puer robustus taugen. Mit anderen Worten: Die Geschichte von der Schönen und dem Biest ist in keiner Weise verallgemeinerbar. Denn erstens sind nicht alle Männer häßlich und dumm – auch wenn das von Frauen über Männer notorisch behauptet wird. Und zweitens gibt es keinen Grund, alle Männer konstant zu demütigen, nur damit die Frauen von schmutzigen und gefährlichen Arbeiten verschont werden. Im Gegenteil, es ist zutiefst unmoralisch, ungerecht und antihumanistisch und verschafft denjenigen Frauen, die das ausnutzen, eine ökonomisch parasitäre Rolle.

  • Ich hoffe zudem, daß nunmehr geklärt ist, warum manche – zugegebenermaßen leicht unterbelichtete – Frauen, sich zu Verbrechern hingezogen fühlen: Ihnen stand während ihrer sexuellen Entwicklungsjahre einfach kein anderes Verständnis von Weiblichkeit zur Verfügung.

Kehren wir zurück zu Victor Hugo, der die Bosheit nicht dem Egoisten zurechnet, der dickköpfig seine Ansprüche durchsetzt, sondern dem Menschen, dem so etwas wie ein Ego oder eine personale Identität verweigert wird und der mit dem Mut der Verzweiflung zurückschlägt: Die Bosheit des Monsters ist bei Hugo Rache für verweigerte soziale Anerkennung, welche auf eine von zwei Weisen moralisch überwunden werden kann. Erst das Letztere macht das Monster wieder zum Schwellenwesen des puer robustus.

So wie Quasimodo bei Hugo ein schwaches Monster aus der mittelalterlichen Welt der Leidenschaften im zweiten o.g. Sinne ist, gibt es aber natürlich noch denjenigen puer robustus, der sich selbst aus seiner Opferrolle befreit: In seinem Roman Les Miserables arbeitet Victor Hugo die Figur des Straßenjungen aus, der im wesentlichen durch ökonomische Bedürftigkeit gedemütigt wird, und als Reaktion darauf zum spöttelnden und immer zum Scherzen aufgelegten Herumtreiber wird, der bestehende Regeln bricht, weil er sie brechen muß und sich mit Begeisterung neue Regeln gibt, weil es ihm so gefällt.

  • Der Herumtreiber angelt in der Gosse, wälzt sich im Mist und steht mit Sternen übersät wieder auf, er lebt wild und unverfroren, entwickelt sich unvorhergesehen, schließt sich anderen im Leid an und trennt sich wieder von ihnen, ist nachdenklicher Zeuge der gesellschaftlichen Wirklichkeit und der menschlichen Dinge. Und gerade deshalb hat er das Zeug, den Straßenpöbel zu jeder Art von Aufruhr aufzustacheln und hinter sich zu vereinigen: Die ganze Anarchie ist im Herumtreiber, im Straßenjungen, enthalten und es gibt tausend Geschichten, in denen dieser gesellschaftlich Kleine gar nicht schön und erhaben daherkommt und auf historisch zufällige, aber doch irgendwie vorhersehbare Weise auf einmal ganz groß wird, weil er zweierlei mit Nachdruck will: sich die Hose flicken zu lassen und die Regierung stürzen.

Die guten Piratenfilme laufen manchmal nach diesem Muster ab, in den schlechten geht es um irgendwelche Frauen, die dem Leben der Männer erst einen Sinn geben.

Interessanterweise kommt es hier nicht darauf an, daß diese Figur jung oder heranwachsend ist, sondern darauf, daß sie der wahre Repräsentant eines Volkes ist, welches unter Despotismus und Unrecht leidet. Auch ein Arbeiter im besten marxistischen Sinne z.B. kann diese Figur ausfüllen und seine Demütigung ist eine Folge seines Proletarierdaseins und der Verkümmerung seiner in geistiger Finsterins auswachsenden Kinder in einer Welt, die nach Sitte und Gesetz eine soziale Verdammnis nach der anderen künstlich erschafft: Das ganze Volk – oder eventuell auch eine bestimme ökonomische oder soziale Klasse – wird plötzlich zu einem puer robustus, zum von der Macht an den Rand gedrängten Schwellenwesen, welches ökonomische Motive hat, die staatliche Ordnung zu revidieren.

Das ist neu, das ist ein Gegenmodell zu Hobbes puer robustus, einer, der sich selbst aus seiner Opferrolle befreit, indem er – Barbar und Erlöser zugleich – stark genug ist, die Gunst der Gelegenheit für sich und andere zu ökonomisch wie politisch nutzen.

Wiederum spare ich die politischen Abwägungen, die Dieter Tomä im Anschluß an Victor Hugo’s Romane durchgeht, an dieser Stelle aus.

Der nächste Teil dieser Serie wurde hier veröffentlicht.


8 Kommentare

  1. yvonne52 sagt:

    Das ist ein interessanter Blickwinkel. Zwei Anmerkungen möchte ich da jedoch noch beifügen. Die sog. Demütigung des Mannes und seiner Manneskraft und männlichen Eigenschaften ist sehr sehr neu in der Geschichte. Erst seit ca. 20 Jahren wird Männlichkeit und männliches Verhalten überhaupt thematisiert. Vorher, dh. auch nicht lange vorher, ca. 50 Jahre, wurden vor allem Frauen und weibliches Verhalten unter die Lupe genommen und Frauen sog. „gefördert“, resp. grossflächig in den Arbeitsprozess integriert. Vorher reichte es als Frau, Hausfrau und Mutter zu sein. Dem war ab ca. 1970 nicht mehr so. Ja, auch Frauen rebellierten gegen ihr „Laufgitter“ und ihr (oft ödes) Hausfrauendasein. Der Mann war damals Alleinernährer und stellte dies auch nicht in Frage. Genau so wenig wie die Gesellschaft oder die Frauen. Damals wäre eine „Verachtung von Männern“ oder männlichem Verhalten total contra-produktiv gewesen. Wer wäre denn für die Familie aufgekommen, wenn Männer „gestreikt“ hätten? Frauen mussten damals vor allem gute hausfrauliche Fähigkeiten haben, Kinder gebären, aufziehen und erziehen. Dies war ihr Betätigungsfeld und ihrer Kreativität überlassen. Auch sie konnte nicht einfach „ausschären“. Mit der Pille und der Integration der Frau in den Arbeitsmarkt änderte das alles. Der Mann bekam plötzlich Konkurrenz auf dem Gebiet der soft Skills. Natürlich nicht in den Minen oder auf dem Bau.
    Bei den Frauen war die Anpassung auch nicht nur lustig. Oft litten und leiden sie an Doppel- und Dreifachbelastung. Ja eigentlich war diese rasche Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt für beide Geschlechter nicht problemlos. Heute, da das Muttersein ja nicht mehr reicht, versuchen Frauen mit ihrem Aussehen zu punkten. Ja, geht, bis zu einem gewissen Alter. Und dann? Niemand wird mit einem Instagram-girl alt und glücklich. Und die Männer? Die haben ihre „neue Rolle“ auch noch nicht gefunden. Man kann sagen, beide Geschlechter hängen irgend wie im luftleeren Raum. Beide Verhaltensweisen, männliches- und weibliches Verhalten stehen zur Zeit zur Disposition. Nicht nur Männer und ihr Verhalten werden zur Zeit abgewertet. Weiblichkeit und weibliches Verhalten ebenso. In Zeiten von Unsicherheit hat man schon immer den Feind aussen gesucht und gefunden. So ist es auch zwischen den Geschlechtern. Dabei ist der Culprit eigentlich die Gesellschaft, welche für beide Geschlechter Verbesserungen versprochen hat, welche jedoch ganz und gar nie eingetroffen sind.

    • „Erst seit ca. 20 Jahren wird Männlichkeit und männliches Verhalten überhaupt thematisiert.“

      Eigentlich belegt die Artikelserie über den puer robustus, daß Männlichkeit seit Horaz diskutiert wird. Auch die Abwertung der Männer ist nicht erst sei Simone de Beauvoir bekannt, (siehe dazu meine blog-Serie: https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2016/01/11/was-ist-feminismus-teil-1/), sondern die Abwertung der Männer war schon bei Goethe etabliert:

      „Willst du genau erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an; denn ihnen ist am meisten dran gelegen, daß alles wohl sich zieme, was geschieht.“

      Und das kann wohl nur daran liegen, daß die Frauen davon sozial, psychologisch und ökonomisch profitieren. Ließt man im Feminismus keine klassische Literatur mehr?

      „Vorher reichte es als Frau, Hausfrau und Mutter zu sein.“

      Ingbert Jüdts Buch: Der Mythos vom Patriarchat und der Niedergang des Feminismus: Band 1: Plädoyer für eine Historisierung

      belegt etwas ganz anderes. Insbesondere ist das Hausfrau-Dasein ein bürgerliches Wohlstandsphänomen, welches keineswegs normal war.

      „Dem war ab ca. 1970 nicht mehr so. Ja, auch Frauen rebellierten gegen ihr „Laufgitter“ und ihr (oft ödes) Hausfrauendasein.“

      Wenn es so war, wieso werden Frauen im Mittel seit genau dem Jahr dann immer unglücklicher?

      „Der Mann war damals Alleinernährer und stellte dies auch nicht in Frage.“

      Ja, Männerausbeutung ist ein kontinuierliches Phänomen.

      „Damals wäre eine „Verachtung von Männern“ oder männlichem Verhalten total contra-produktiv gewesen.“

      Ganz im Gegenteil – wie ich in folgendem post darlege:

      Extremismus als politischer Pragmatismus

      „Der Mann bekam plötzlich Konkurrenz auf dem Gebiet der soft Skills. Natürlich nicht in den Minen oder auf dem Bau.“

      75% der Frauen wählen z.B. ein subset von 25 aus 326 bei der IHK gelisteten Ausbildungsberufen. Von Konkurrenz würde ich da nicht wirklich sprechen.

      „Oft litten und leiden sie an Doppel- und Dreifachbelastung.“

      Wenn Frauen das Leben der Männer zu führen begonnen haben, dann kann das ja nur bedeuten, daß Männer diese Dreifachbelastung schon immer hatten – und sich nicht beschweren durfen.

      „Ja eigentlich war diese rasche Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt für beide Geschlechter nicht problemlos.“

      In Wahrheit sind Frauen von dem Versprechen ihrer eigenen Großartigkeit so geblendet, daß sie nie verstehen werden, daß Feminismus nur ein nudging ist, um Frauen in die Ökonomie der Steuer- und Sozialabgabenzahler hineinzulabern – was ja auch super klappt. Und die sozial toxischen Nebeneffekte der Männerabwertung werden einfach eingepreist oder sind egal. Aber um das zu verstehen, reicht eben das Bauchgefühl nicht aus.

      „Nicht nur Männer und ihr Verhalten werden zur Zeit abgewertet. Weiblichkeit und weibliches Verhalten ebenso.“

      Bei Frauen findet die Abwertung zu recht statt – nicht weil sie Frauen sind, sondern weil sich fast alle wie Arschlöcher benehmen und alles um sich herum sozial vergiften.

      „So ist es auch zwischen den Geschlechtern.“

      Sehe ich nicht so. Auf diesem blog wird daran gearbeitet, daß die Männer im Geschlechterkrieg endlich zurückfeuern, statt sich alles gefallen zu lassen.

      • diehassrede sagt:

        Schon eine recht gute Erwiderung, dieses Stusses, welches das deutsche Fräulein so ablässt.

        Mal zu den grundlegendsten Fakten. Schaut man sich die Statistiken an, so stellt man fest, dass Anfang des 20. Jhds 20% der gesetzlich versicherten Beschäftigten Frauen waren. Dieses änderte sich erst Ende der 20er Jahre wo der Anteil stieg, aber nur deshalb weil Männer häufiger arbeitslos waren, da diese in der (Export—)Industrie gearbeitet haben. Auch im 3. Reich dürft sich diese Zahl nicht grundlegend geändert haben, interessanterweise haben Frauen aus dem (Groß)Bürgertum weiterhin ihre Hausmädchen gehabt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich dieses nicht grundlegend.

        Das sind einfach die Fakten. 20% ist der Anteil der einfach arbeiten musste. Nun kommt ein weiterer Punkt hinzu: Am Ende des 2. Weltkrieges gab es einen Frauenüberschuss und das war ein Fundamentalproblem. Wohin mit den Fräuleins? Interessanterweise wurden dann zunächst Männer importiert, die ledig waren und keine Kinder hatten. Eigentlich nur mit 2 oder 3 Jahresverträgen, danach sollten sie mit dem Ersparten zurück. Interessant deshalb, weil es noch genügend Arbeitskräfte und —Reserven gab.

        Zum Thema doppelte Belastung:
        Der eigentliche Treiber der Emanzipation dürfte der sein, dass es eben elektrische Haushaltsgeräte gab und somit die Hausarbeit einfach zu erledigen war. Zudem waren Konserven und Ähnliches einfach erschwinglich, was zuvor zusätzliche Arbeit kostete.

    • crumar sagt:

      @yvonne

      Interessant finde ich, dass durch dich retrospektiv ein Deutschland nach dem 2 WK konstruiert wird, welches gar nicht existiert hat. Es gab die BRD und die DDR mit durchaus unterschiedlichen Geschlechtermodellen und was du referierst, ist eine durch die Politik möglich gemachte Systemalternative zu dem der DDR; der „Alleinernährerlohn“ in der BRD basierte auf einem Klassenkompromiss, der aufgekündigt worden ist.

      Mit ökonomischen Konsequenzen für Männer der BRD – so ist z.B. die Steuerklasse 1 tatsächlich als „Junggesellensteuer“ eingeführt worden, die CDU gewann Wahlen mit der durch Umlagen finanzierten Rente, die eine Witwenrente vorsah, die es per Definition gar nicht geben konnte und per Heirat war die Frau bei der Krankenkasse des Mannes „mitversichert“ (dito als „Familienversicherung“ für die Kinder), was auf gut Deutsch hieß, die anderen Beitragszahler (also Männer) zahl(t)en für sie mit. Von dem steuerlichen „splitting“, welches massiv Ehen mit großen Gehaltsunterschieden (also bspw. einer Hausfrau) subventionierte gar nicht zu reden.

      D.h. aus männlicher Sicht wurde in der BRD ein System etabliert, welches das Modell der Ehe förderte und alleinstehende Männer benachteiligte mit der Verheißung, dies sei nur ein temporärer Zustand, bis sich der Mann eine Frau sucht, heiratet und eine Familie gründet.
      Diese Konstruktion des „Normalfalls“ war gepflastert mit finanziellen Boni.
      Die Idee, dass Frauen dieses Modell abgelehnt hätten und sie in dieses hineingezwungen worden wären, lässt sich nicht aus ihrem Wahlverhalten ablesen. Bis Anfang der 1970er wählte die Mehrheit der Frauen CDU (und die der Männer SPD).

      Das von dir geäußerte: „Oft litten und leiden sie an Doppel- und Dreifachbelastung.“ für Frauen lässt sich als tatsächliche weibliche „Mehrarbeit“ nur für ein historisch kleinen Zeitraum nachweisen. Rosin (Das Ende der Männer) hatte unfreiwillig statistisches Material für die USA zur Verfügung gestellt, aus dem hervorging, die Zeit der weiblichen Mehr(!)arbeit, resultierend aus einer tatsächlichen Doppelbelastung war deckungsgleich mit der Entstehung der zweiten feministischen Welle.
      Diese Mehrarbeit fand sich vorher nicht (ganz im Gegenteil) und danach auch nicht.
      Faktisch arbeiten beide Geschlechter heute in der Kombination von Erwerbs-, Haus- und Sorgearbeit gleich viel (die Männer eher mehr).

      Die feministische Strategie der Manipulation durch Sprache ist geschickt und lässt sich einfach entlarven: in einem Single-Haushalt ist ein Single per Definition immer „doppelt belastet“, da er oder sie Erwerbs- und Hausarbeit alleine verrichten muss. Erst in einem Zustand der vollendeten Arbeitsteilung nach Geschlecht in einem Paarhaushalt gibt es überhaupt eine „Einfachbelastung“.

      Wenn du schreibst: „Heute, da das Muttersein ja nicht mehr reicht, versuchen Frauen mit ihrem Aussehen zu punkten.“ glaube ich, du hast einen Punkt, aber ich weiß nicht welchen.
      Das Dasein als Mutter wurde so negativ aufgeladen, als wäre eine biologische Tatsache schon eine Diskriminierung und als wäre „Kinderwunsch“ eine heimtückische Erfindung des „Patriarchats“, für dessen Realisierung man Frauen entschädigen müsse und um die frohe Doppelbotschaft unter das Volk zu bringen, ist „Vereinbarkeit“ auch nie ein Problem von Vätern. Nun ja.

      Das Problem junger Frauen scheint mir eine Reaktion darauf zu sein, „dass männliches- und weibliches Verhalten (…) zur Zeit zur Disposition“ stehen.
      Und zwar auf ziemlich obskure Weise.
      Wenn man versucht, sich auf einem Sexual- und Partnermarkt als Produkt zu einem möglichst hohen Preis zu verkaufen, dann kann sowohl der Gebrauchs- als auch der Tauschwert für das andere Geschlecht herausgestellt werden.
      Job (Einkommen), kochen, putzen, Alltag organisieren, Team- und Konflikt- und Kompromissfähigkeit gehören zum Gebrauchswert (für beide Geschlechter) und sozialer Status, Attraktivität, „Sexyness“ usw. zum Tauschwert.
      Was diese jungen Frauen mit ihrem Fokus auf Aussehen auf Instagram usw. also ausstellen, ist ihr Tauschwert und nur ihr Tauschwert.

      In den USA nimmt die Inszenierung von Weiblichkeit und „Sexyness“ (dickes Makeup, riesige künstliche Brüste und dicker Hintern, hautenge Kleidung, lange künstliche Fingernägel, lange künstliche Wimpern, lange Haare etc.) Züge einer Karikatur an.
      Ich habe das Gefühl, diese Ausstellung von sexualisierter „Hyperweiblichkeit“ ist eine Reaktion darauf, dass diesen (?) Frauen Weiblichkeit als Gebrauchswert abhanden gekommen ist.

      Ein angeführtes Argument ist, mit der (zunehmenden, s. Putzroboter) Automatisierung der Hausarbeit ist ein Teil der Notwendigkeit der weiblichen Rolle verschwunden, mit der Vergesellschaftung durch Kinderkrippen- und -gärten, Ganztagsschulen, aber auch Lieferdiensten in Sachen Fertignahrung oder Nahrungsmitteln generell ein weiterer.

      Man kann auf youtube lustige Videos anschauen, in denen junge Frauen in Interviews verwirrt auf die männliche Frage reagieren, was sie denn für Eigenschaften für eine Paarbeziehung „an den Tisch bringen“.
      Die reichen von „ich bin der Tisch“ bis alle Spektren von „ich bin attraktiv und sexy“ und eine „unabhängige starke Frau“.

      Die männliche Perspektive der Eigenschaften des Gebrauchswerts für eine Paarbeziehung wird nicht nur völlig verfehlt, sondern sie ist offensichtlich für diese jungen Frauen nicht existent.
      Man hat sie darauf dressiert, dass „Nützlichkeit“ (s.o.) für einen anderen Menschen – insbesondere für einen Mann – geradezu eine Beleidigung ist.
      D.h. man bekommt keine „weiblichen Eigenschaften“ im Austausch, sondern ihr „erotisches Kapital“ ist ihre Eigenschaft – dass sich dieses erotische Kapital im Lauf der Zeit verschleißt, wird ihnen aber nicht beigebracht.

      Das Gerede über die „toxische Männlichkeit“ und die Veränderungsbedürftigkeit von Männern und deren Verhalten halte ich daher auch (!) für einen Versuch der Ablenkung von dem Umstand, dass man(n) von Frauen heute gefälligst nichts zu erwarten hat, schon gar nicht traditionell „weibliches Verhalten“, welches sich nicht in der Ausstellung nutzloser Tauschwerte erschöpft.
      Das wird m.E. nach hinten losgehen.

      Wo ich dir teilweise zustimme ist, die „Gesellschaft (hat) (…) für beide Geschlechter Verbesserungen versprochen (…), welche jedoch ganz und gar nie eingetroffen sind“, weil tatsächlich ein Geschlecht die Opferrolle zugesprochen bekommen hat (s. „Doppelbelastung“, s. „Vereinbarkeit“) und den Diskurs bestimmt.
      Weder haben Männer/Väter eine Stimme in den Medien oder in der Politik, noch werden sie überhaupt gefragt und Kritik an Frauen/Weiblichkeit wird inzwischen als „frauenfeindlich“ oder gar „Hass“ dargestellt. Was auf die hegemoniale Stellung aller Spielarten des Feminismus hinweist.

      Dies erschwert es, neue Geschlechterrollen auszuhandeln, weil der Veränderungsbedarf nur auf einer Seite gesehen werden soll (!).
      Das Problem ist, die „woken“ Pseudo-Linken glauben wirklich, dass sie mit Scham, Schuld, Beleidigung auf Dauer Zwang ausüben können, weil sie sich der Realität nicht stellen wollen, „aushandeln von Kompromissen“ erfordert die Existenz von zwei gleichberechtigten Parteien.
      Auch das wird m.E. selbst mittelfristig nach hinten losgehen, weil man schwerlich Männer und traditionelle Männlichkeit als „Feind“ (oder „toxisch“) titulieren kann und dann von ihnen erwarten, dass sie ihrer traditionellen Rolle gerecht und in einer traditionellen Paarbeziehung aufgehen werden.
      MGTOW kann man als Kündigung eines solchen Verhältnisses verstehen, in dem für Männer keine Vor-, sondern nur noch Nachteile bestehen.

    • uepsilonniks sagt:

      Erst seit ca. 20 Jahren wird Männlichkeit und männliches Verhalten überhaupt thematisiert.

      https://man-tau.net/2015/01/26/warum-mannerfeindschaft-modern-ist/

  2. […] Es folgt ein Gastbeitrag von Elmar (zu Part Six): […]

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