jungs & mädchen

Startseite » Antifeminismus » Masku-Trolle gibt es nicht

Masku-Trolle gibt es nicht

Wer sich für Frauen, Männer und deren Probleme als Geschlechter interessiert, der wirft meistens google an und sucht nach dem Wort “Feminismus”. Offensichtlich geschieht dies aus zwei Gründen: Erstens fehlt hier jede intuitive Vorstellung davon, wie die Probleme zwischen den Geschlechtern analysiert werden könnten und zweitens hat jeder schon mal davon gehört, daß Feministen sich irgendwie damit beschäftigen. Und obwohl schließlich auch keiner nach der SPD googlen würde, wenn er sich für für Probleme der Arbeiter interessiert, trauen wir dem Feminismus erstaunlicherweise eine Geschlechterkompetenz zu, die wir der Kirche in Sachen Religion schon seit Jahrhunderten verweigern. Und der jüngste hype der Genderstrategen ist ihre Opposition gegen sogenannte Maskutrolle, i.e. Männerrechtler, die in feministischen blogs und Foren auftauchen und die dort gewohnte inhaltliche Homogenität feministischer Geschlechter-beschwerden durch frauenfeindliche und rechte Polemik zu stören scheinen. Aber – gibt es sowas eigentlich?

Übersicht:


quality: good

tl;dr – Zusammenfassung für Eilige

Trolle, Feminismus, Maskulismus, Antifeminismus, männerfeindlich, frauenfeindlich – das alles geht ziemlich unnötigerweise durcheinander und in diesem post werden wir Themen und Intentionen den richtigen labeln anhand von Beispielen aus der Praxis zuordnen. Dabei zeigt sich, daß die Definitionskompetenz des Feminismus in Sachen Geschlechter bei weitem hinter den üblichen Erwartungen zurückbleibt: Denn Maskutrolle gibt es aus begrifflichen Gründen einfach nicht. Wütende Männer hingegen sind etwas ganz anderes.

I. Was unterscheidet den Lobbyisten vom Troll?

Obwohl in einer Demokratie als Staatsorganisationsprinzip Interessenvertretung nicht etwa als notgedrungenes Übel zugelassen, sondern als Instrument des Aufspürens der divergierenden Interessen Einzelner explizit erwünscht ist, gilt Lobbyismus in westlichen Kulturen als anrüchig. Der Grund dafür liegt meiner Ansicht nach darin, daß Lobbyisten absichtlich nur einen Teil der Verantwortung für alle wahrnehmen und darauf vertrauen, daß alle anderen sich ebenso für ihre Interessen stark machen wie sie selbst für die ihren.

  • (1) Offensichtlich liefert diese Beobachtung allein bereits Informationen über Feminismus: Denn wenn Feminismus nicht ohne die Vorstellung einer Dominanz der sozialen Klasse der Männer in allen möglichen Aspekten des Zusammenlebens von Menschen zu haben ist, dann bedeutet Männlichkeit gegenwärtig, Verantwortung für alle und damit auch für alle Geschlechter zu übernehmen.

Folglich müssen wir zwischen einem männerfeindlichen und einem nicht-männerfeindlichen Feminismus unterscheiden:

  • (2) Nicht-männerfeindlicher Feminismus befürwortet das Prinzip das normative Prinzip der Selbstverantwortung für alle Geschlechter und entläßt Männer aus ihrer titanischen Rolle, Verantwortung bis zum Erfolg für alle zu übernehmen. Nicht-männerfeindlicher Feminismus ist folglich definitionsgemäß ein Lobby-freundlicher Feminismus.

Ob es nicht-männerfeindliche Feministen gibt, sei hier dahin gestellt und ich persönlich habe massive Zweifel, ob es sie gibt. Die Existenz männerfreundlicher Frauen, die sich im Sinne der Männerinteressen stark machen, läßt sich jedoch leicht belegen.

  • (3) Männerfeindlicher Feminismus betrachtet hingegen nur Männer als Urheber soziologischer wie auch politischer Ordnung und negiert entweder die Wirksamkeit oder die Handlungsmacht der Frauen. Die Folge ist, daß Männer benachteiligten Frauen etwas schulden und die feministischen Varianten unterscheiden sich erheblich in der Frage, wie das alles zu verstehen ist. Entsprechend ist männerfeindlicher Feminismus auch lobbyfeindlich und er betrachtet sich selbst als Widerstandsbewegung, die nicht auf dem normativen Prinzip der Selbstverantwortung beruht, sondern auf der Empörung über die moralische Verkommenheit der Resultate männlicher Alleinverantwortung. Männerfeindlicher Feminismus ist damit klarerweise keine humanistische Bewegung.

Wenden wir nun das Merkmal der Lobbyfreundlichkeit auf Maskulismus an, dann zeigt sich, daß linker Maskulismus eine Lobbybewegung ist:

  • (4) Der linke Maskulismus ist eine Bewegung für die Menschenrechte aller Geschlechter und insbesondere der Männer so wie es Amnesty International für politische Gefangene ist. Linker Maskulismus stärkt aber auch für die Menschenrechte von Frauen. Sonstige Vorteile von Frauen überläßt er hingegen – gemäß dem normativen Prinzip der Selbstverantwortung – den Frauen und vertraut darauf, daß er im Gespräch mit der Frauenlobby zu einem fairen Ausgleich der Interessen aller kommen kann. Damit ist linker Maskulismus offenbar sowohl frauenfreundlich wie auch männerfreundlich und muß generell als libertär und humanistisch bezeichnet werden.

Die Folge ist, daß sich der linke Maskulismus zum Beispiel und unter anderem für die Rechte von Vätern, die Rechte von Kindern auf beide Elternteile und die rechtliche Regelung des Versorgungsausgleichs im Scheidungsfall interessiert.

  • (5) Darüberhinaus ist linker Maskulismus aber auch eine Lobbybewegung für Männer, die sich gegen falsche und verächtliche Meinungen aller Geschlechter – auch des männlichen – gegen Männer wendet. Solche Meinungen können von Biologisten oder Feministen vertreten werden, indem Männer als ausschließlich triebgesteuert und bar jeder Vernunft und Moral hingestellt werden und sie können das gesellschaftliche Klima beeinflußen, indem z.B. die Polizei das Gewaltschutzgesetz vor allem gegen Männer richtet und die Justiz Männer für dasselbe Verbrechen härter bestraft als Frauen.

Diese Lobbyarbeit für Männer betrifft natürlich auch noch andere Bereiche wie z.B. die für Männer deutlich schlechtere Gesundheitsvorsorge sowie die Tendenz, daß Männer in Berufen arbeiten, die deutlich gefährlicher oder gesundheitsschädlicher sind als häufig von Frauen gewählte Berufe, so daß Männer hier besser geschützt werden müßten.

Zweifellos – und linke Maskulisten bedauern das sehr – gibt es auch andere Männer, die sich ebenfalls in maskulistischen Foren tummeln und alles andere als links sind. Sie werden vom linken Maskulismus als Radikale bezeichnet und sind oft in derselben Weise frauenfeindlich, in der Feministen oft männerfeinlich sind: Sie sind enttäuscht über viele unglückliche Ereignisse in ihrem Leben, für die sie allein Frauen die Verantwortung geben und sie glauben im Ernst, daß Frauen ihre Rechte wegzunehmen und sie von gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher oder politischer Teilhabe auszuschließen, ein taugliches Mittel sei, um die Sonne in ihrem Leben wieder scheinen zu lassen. Die hier beschriebenen Radikalen sind klarerweise frauenfeindlich, anti-humanistisch und da auch das Prinzip der Selbstverantwortung negiert wird, insofern Männer nun wieder auch für Frauen die Verantwortung zu tragen haben, ist er sogar männerfeindlich. Diese Radikalen folgen lediglich einer schwer verständlichen, politisch rechten Ideologie und das libertäre label des linken Maskulismus ist für sie völlig ungeeignet.

  • (6) Die Folge ist, daß Maskulismus, insofern wir von ihm Männerfreundlichkeit verlangen, ein linker Maskulismus ist, der weder intendiert, die Rechte der Frauen zu schmälern, noch die Lobbyvertretung der Frauen als Klassenfeind betrachtet. Stattdessen erwartet er die Frauenlobby auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen als politischen Partner, weil der er davon ausgeht, daß nur mit ihm ein fairer und gerechter Ausgleich aller Interessen gefunden werden kann. Sollte Feminismus daher eine Frauenlobby sein, ist linker Maskulismus keinesfalls anti-feministisch.

Damit kommen linke Maskulisten auch nicht als Kandidaten für sogenannte Masku-Trolle in Betracht. Denn während wir unter Trollen im Netz typischerweise Leute verstehen, die mit polemischen Methoden versuchen, Verbündete für ihre vermeindlich gerechte Empörung zu irgendeinem Thema zu finden, suchen linke Maskulisten das Gespräch mit der Frauenlobby, denn sie wissen ganz genau, daß gesellschaftsweite Gerechtigkeit höchstens dann erreicht werden kann, wenn im kollektiven Aggregationsprozeß der Einzelentscheidungen die Interessen von Frauen und Männern durch Lobbybewegungen sichtbar werden. Und Maskulisten wollen einfach schon deshalb nicht alles für sich, weil die Verantwortung für Frauen zu übernehmen nie erfolgreich und damit nie zu gesellschaftlichem Frieden führen kann: Jedes Lehrbuch über Pädagogik singt seit Jahrzehnten dieses Lied der Autonomie.

II. Feministische Männer und vernünftiger Antifeminismus

Es gibt Feministen, die bestreiten, daß Männer sich kompetent zu feministischen Themen äußern könnten oder äußern sollten. Solche Feministen sehen linke Maskulisten konsequenterweise auch nicht als poltische Partner, denn wie soll man mit jemanden einen Interessenausgleich finden, der diese Interessen gar nicht versteht?

  • (7) Diese Sichtweise allein ist bereits ein Indiz für die Existenz von männerfeindlichen Feministen. Denn solange Frauen nicht allein auf diesem Planeten leben, tangiert ihr feministisches Handeln, daß als politisches Handeln gesellschaftsverändernd wirken soll, immer auch die Belange aller andern und es ist schwer vorstellbar, wie man die Autonomie z.B. von Männern als soziale Klasse respektieren kann, ohne sie oder ihre Lobby anzuhören.

Während die Existenz männerfeindlicher Feministen nicht weiter verwunderlich und in der Literatur auch dokumentiert ist, sorgen die Anstrengungen frauenfeindlicher Feministen immer noch für jede Menge Artikel im Netz und Rauschen im Blätterwald der Massenmedien. Jüngstes Beispiel ist das Erscheinen des neuen Buches unserer bundesverdienstgekreuzten Vorzeigefeministin Alice Schwarzer über Prostitution, in dem sie beansprucht, durch Aufhebung der 2002 erfolgten Legalisierung der Prostitution und der Kriminalisierung der Prostitutionskunden nach schwedischem Vorbild, die Situation einiger –  möglicherweise in eine präkäre Lage geratener – Frauen über den bestehenen Rechtsschutz hinaus zu verbessern.

Interessanterweise ist Schwarzers Vorstoß von der Seite der Betroffenen und ihren Lobbyorganisationen wie Hydra, der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen oder der der Prostituiertenverband Dona Carmen sowie von anderen Feministen wie dem Feministischen Institut Hamburg scharf zurückgewiesen worden: Während Schwarzer den Schutz der Frauen durch das Prostitutionsverbot propagiert, sagen sie für diesen Fall einen Anstieg der Kriminatlität voraus. Darüberhinaus sehen sie einen völlig unzumutbaren Eingriff in die Selbstbestimmung der Sexarbeiterinnen und Freier. Auch die Medien und die politische Klasse teilen diesen Standpunkt wie man hier, hier und hier nachlesen kann. Diesen Stimmen folgend halten wir hier fest:

  • (8) Es gibt frauenfeindliche Feministen und einige von ihnen sind Frauen.

Daß Feminismus nicht frauenfreundlich sein muß, ist sogar unter Feministen ein alter Hut. Denn während die erste feministische Welle Anfang des 20. Jahrhunderts sich auf gleiche Rechte und gleichen Zugriff auf gesellschaftliche Ressourcen von Frauen und Männern ein, z.B. für aktives und passives Wahlrecht, Berufswahlrecht oder den Zugang zu Universitäten beschränkte, beschäftigte sich die zweite feministische Welle primär mit der sozialen Benachteiligung von Frauen. Die dritte feministische Welle reagierte ab etwa 1990 auf die Tatsache, daß Fraueninteressen mit Frauen, die nur als Angehörige einer gesellschaftlichen Klasse betrachtet werden, aufgrund ihrer klasseninternen Diversität nicht adäquat gefördert und zur Geltung gebracht werden können. Entsprechend wird eine essentialistische Vorstellung einer universell-gültigen, weiblichen Identität, wie er in der zweiten Welle noch propagiert wurde, von der dritten Welle als frauenfeindlich abgelehnt.

  • (9) Doch diese Beispiele zum Prostitutionsverbot zeigen ebenfalls, daß Feministen nicht notwendigerweise frauenfeindlich sind. Die Folge ist, daß es eben eine empirische Frage und jeweils im Einzelfall zu klären ist, welcher feministische Vorstoß nun wem in welcher Weise nützt. Die medial gern gesehene, aber sogar von Feministen belächelte Koinzidenz von Frauenfreundlichkeit und Feminismus ist dermaßen euphemistisch, daß ihre Unglaubwürdigkeit nur noch durch die Existenzannahme eines Patriarchats angesichts milliardenschwerer, staatlicher Frauen- und Feminismusförderungen übertroffen werden.

Nichtsdestoweniger gibt es mit dem Bundesforum Männer selbsternannte, profeministische Männerrechtler, die ebenfalls beanspruchen, eine Lobby für Männer zu sein. Angesichts der Tatsache, daß Feminismus frauenfreundlich, frauenfeindlich wie auch männerfeindlich sein kann, stellt sich die Frage, was man unter einem profeministischen Verein für die Interessen von Jungen und Männern verstehen soll. Denn in der Satzung steht eigentlich nur, daß “die Gleichstellung der Geschlechter und die Geschlechterdemokratie insbesondere mit Blick auf die Lebenslagen von Jungen, Männern und Vätern zu fördern” sei.

Klickt man sich durch die online-Artikel, so fällt aber sofort auf, daß die Lebenswirklichkeit der Jungen und Männer in Termen feministischer Ideologie analysiert wird. Ein wesentliches Problem daran wird am Beispiel sofort deutlich: Wenn z.B. im Bundesforum Männer behauptet wird, daß die feministische Durchbrechung traditioneller Rollenbilder von Männern wie Frauen als Erleichterung empfunden wird, dann ist das im Grunde ein Fall von grober Irreführung.

  • i) Daß eine Erleichterung eintritt, muß nicht bedeuten, daß die Jungen und Männer das auch gewollt haben: Nicht alles, was jemandem einen Vorteil verschafft, wird deshalb auch gewünscht. Die Männer könnten völlig andere Wünsche gehabt haben, speziell diese Erleicherung könnte ihnen völlig unwichtig gewesen sein.
  • ii) Man erfährt nichts darüber, ob Jungen und Männer diese Erleichterung überhaupt präferiert haben, denn es wird nichts darüber gesagt, was die Jungen und Männer für diese Erleichterung haben aufgeben müssen. Es ist nicht mal klar, daß die Jungen und Männer überhaupt irgendeine Erleichterung wünschen. Viellicht ziehen sie ja das harte Leben eines ehrenhaften Spartaners vor und pfeifen auf jegliche Erleicherungen?
  • iii) Selbst wenn die Jungen und Männer eine Erleichterung präferieren und wünschen, folgt daraus nicht, daß sie deren Eintritt als Folge feministischer Korrekturen ansehen und wünschen. Würde es z.B. Trend werden, daß die Frauen ihre Kaffeehausrechnung beim flirt mit Männern selbst bezahlen, dann wäre dies zweifellos eine Erleichterung für Jungen und Männer, aber das bedeutet nicht, daß sie dafür irgendeinen Feminismus wollen oder brauchen.

Was hier klarerweise fehlt, ist, daß die profeministische Männerbewegung mit den Jungen und Männer darüber redet, was sie selbst wirklich wollen, was sie am liebsten hätten. Doch das passiert nicht, da die feministische Marschrichtung hier von vornherein feststeht. Das label “profeministisch” steht hier vor allem für die Bevormundung von Männern – eine Sache, die auch schon bei dem Prostitutionsbeispiel aufgefallen ist.

Das eigentliche Problem besteht jedoch darin, daß das Bundesforum Männer die soziale Lage der Männer in feministischem Vokabular beschreibt. Dabei wird kein Wort darüber verloren, ob die soziale Lage der Jungen und Männer überhaupt durch Konzepte wie “Rollenbild” analysiert werden kann. Selbst wenn das im Fall der Mädchen und Frauen analog der Fall ist, warum sollte die Lage der Jungen und Männer strukturgleich und isomorph sein? Im Gegenteil weiß doch der Feminismus, daß die Lage aller Frauen nicht gleich ist, das war ja der Grund für die 3. Welle des Feminismus und hat inzwischen zu einem Sammelsurium feministischer Auffassungen geführt. Daß die Lage der Jungen und Männer als feministischem Antagonisten dennoch keinen weiteren eigenen Gedanken erfordert, ist daher prima facie doch mehr als unglaubwürdig. Und genau in diesem Moment betreten die Antifeminsten die Spielfläche, denn ihre Aufgabe ist es, solche feministisch motivierten Analysen zu kritisieren.

  • (10) Maskulismus als libertäre und humanistische Lobbybewegung für Männer und Menschenrechte ist primär eine politische Bewegung. Sie beschäftigt sich analog zum Feminismus mit Menschen und vor allem den Problemen und Mißständen der und für die Männer. Seine primäre Aufgabe besteht nicht darin, die Ursachen, Quellen und Motive dieser Mißstände zu finden und zu verstehen, sondern sie zu beseitigen. Das ist der Grund, warum Maskulisten mit Feministen kooperieren können.

Antifeminismus hingegen beschäftigt sich in völliger Disanalogie zum Feminismus offenbar nicht mit Menschen, sondern mit den Meinungen von Menschen und um das deutlich zu machen und ihn von pejorativen Einstellungen gegenüber Frauen abzugrenzen, wollen wir von einem vernünftigen Antifeminismus sprechen. Mit ihm liegt das Bundesforum Männer tatsächlich fortwährend im clinch.

  • (11) Vernünftiger Antifeminismus ist eine theoretische Bewegung, die die soziologischen und philosophischen Thesen und Argumente feministischer Theorien und Analysen anzweifelt und seine Intention besteht nicht darin, den Feminismus als politische Bewegung zu entmachten. Vielmehr wird eine Theorie zu einem Thema dadurch antifeministisch, daß der Feminismus ihr widersprechende Thesen aufstellt. So war z.B. die philosophische Kritk am Konstruktivismus während der ersten Welle des Feminismus keineswegs antifeministisch, doch sie wurde es spätestens mit der dritten Welle des Feminismus.

Natürlich gibt es auch einen Antifeminismus im abgeleiteten und nachgeordneten Sinne, der sich dezidiert mit Feminismus befaßt, um z.B. die Rolle der political correctness für die feministische Bewegung zu verstehen oder das diskriminatorische Potential feministischer Konzepte wie “hegemoniale Männlichkeit” oder “patriarchale Dividende” auszuloten versucht. Doch auch diese Form von Antifeminismus ist nur an der Wahrheit, nicht aber an Menschen oder Frauen interessiert. Vernünftiger Antifeminismus ist daher weder männerfreundlich, noch frauenfeindlich. Die Folge ist:

  • (12) Maskulismus kann antifeministisch auftreten, aber er muß es nicht. Antifeministen können sich für Männerrechte oder politische Fragen interessieren, aber dieses Interesse ist nicht Teil der antifeministischen Intention. Insbesondere ist Antifeminismus keine politische Bewegung und Frauenfeindlichkeit ist keine hinreichende Bedingung für Antifeminismus.

Antifeminismus argumentiert für Thesen, denen der Feminsmus widerspricht. Doch würde es keine Feministen geben, dann würden die Antifeministen dieselben Behauptungen aufstellen, wie sie es heute in Gegenwart von Feministen tun: Es sie sind Analytiker, die an der Wahrheit interessiert sind, ihre Opposition zum Feminismus ist rein zufällig – und der Rest einfach nur feministischer Verfolgungswahn.

Die meisten blogger des maskulistischen Netzwerkes schreiben maskulistische und antifeministische posts, was für Feministen anscheinend sehr verwirrend ist. Und es gibt kaum einen feministischen oder maskulistischen post zu Geschlechterfragen, unter dem man keine maskulistischen, feministischen, antifeministischen, männerfeindlichen oder frauenfeindlichen Kommentare findet. Der vernünftige Antifeminismus lokalisiert die Quelle solcher Phänomene aber nicht – wie der Feminismus – in einem Geschechterkampf um dominante Gesellschaftsstrukturen, sondern ganz einfach in dem begrifflichen Unfug, den klarerweise der Feminismus hier angerichtet hat. Denn wir erinnern uns an die feministische Eingangsthese:

  • (13) Maskutrolls sind Männerrechtler, die aus frauenfeindlicher Einstellung heraus, Feministen mit rechtsradikaler Polemik aus dem politischen Geschäft drängen wollen.

Eine dichtere Ansammlung begrifflicher Kuriositäten ist wohl nicht leicht zu finden. Denn mit Hilfe dieses posts wir wissen nun:

  • (14) Maskulismus ist libertär, humanistisch und damit links, nicht aber rechtsextrem.
  • (15) Maskulismus impliziert keinen Antifeminismus.
  • (16) Antifeminismus ist keine politische Bewegung.
  • (17) Maskulismus ist frauenfreundlich.
  • (18) Maskulismus interessiert sich für die Frauenlobby, aber nicht für Feminismus.
  • (19) Feminismus kann frauenfeindlich und damit nicht per definitionem die Frauenlobby sein.
  • (20) Antifeminismus ist weder frauenfeindlich noch männerfreundlich.
  • (21) Antifeminismus wird nicht durch eine Opposition zum Feminismus motiviert.

Gelegentlich wird den Antifeministen von Feministen höhnisch vorgeworfen, sie hätten kein Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen, kein Bewusstsein für die Arbeit, welche Frauen im Haushalt und bei der Betreuung von Kindern ohne Anerkennung und ohne finanzielle Entschädigung leisten oder für die Doppelbelastung von Frauen. Es ist nun klar, daß weder vernünftiger Antifeminismus als theoretisches Projekt noch linker Maskulismus als libertäre und humanistische Lobbybewegung für Männer hier aufgerufen sind, Lobbyarbeit für Frauen zu leisten. Nach dem Prinzip der Selbstverantwortung müssen das die Frauen und meinetwegen auch die Feministen selbst tun – alles andere wäre männerfeindlich.

  • (22) Denn das Mißverständnis, dem solche Feministen aufsitzen, besteht weiterhin darin, Männern die Verantwortung bzgl. aller Menschen dafür zuzuschieben, daß alles läuft, daß alle Probleme für alle Leute irgendwie erfolgreich und zwar – bitte schön – moralisch einwandfrei gelöst werden. Doch weder Maskulismus noch Feminismus können das jemals leisten und solchermaßen lobbyfeindliche Feministen dokumentieren nicht mehr und nicht weniger als eine massive Selbstüberschätzung ihrer eigenen Ideologie.

Denn die meisten Feministen habe eine wirklich wichtige Sache noch nicht begriffen: Herrschaft über sich selbst ist nicht nur die einzige, moralisch nicht fragwürdige Form der Herrschaft, sie ist auch die einzige Verfügungsmacht, die langfristig die Individuen glücklich machen kann. Entscheidend ist für uns an dieser Stelle darüberhinaus, daß aus (14)-(21) folgt:

  • (23) Maskutrolle gibt es nicht.

Wenn daher Feministen im Maskulismus einen politischen Gegner wähnen, dann erschaffen sie ihn sich in freier Entscheidung selbst, denn den vernünftigen Antifeminismus bekommen sie auf jeden Fall gratis dazu. Mit anderen Worten: Die Definitionskompetenz des Feminismus in Sachen Geschlechter kommt mehr oder weniger einer Katastrophe gleich.

Was ich Feministen dagegen sofort glaube, ist die Existenz wütender Männer, die gelegentlich unter frauenfeindlichen Abschweifungen Feministen vorwerfen, Männer und ihre Rechte und Interessen zu ignorieren sowie darüberhinaus Männer großflächig zu diffamieren. Aber woher das nun wiederum kommt, ist eine andere Frage, die vielleicht von antifeministischem Interesse, für den linken Maskulismus aber ohne Belang ist.

III. Maskulistische und antifeministische Projekte

Der Leidenschaft mit der sich Feministen durch begriffliche Mißverständnisse wie “Antifeministen sind frauenfeindlich.” oder “Maskulisten sind rechtsextrem.” selbst das Leben schwer machen, kann man am besten begegnen, indem man maskulistische und antifeministische Projekte schildert. Dabei ist Maskulismus das politisch wichtigere, Antifeminismus das anspruchsvollere Unternehmen. Die unten genannten Listen sind natürlich unvollständig und enthalten nur paar eine Orientierung gebende Beispiele.

A) Maskulistische Projekte

  1. Öffentliches Bewußtsein für Sexismus von Frauen gegenüber Männern schaffen
  2. Durchbrechung des falschen Geschlechterstereotyps vom männlichen Gewalttäter und Anerkennung männlicher Opfer durch häusliche oder sexualisierte Gewalt auch seitens von Frauen
  3. Aufhebung der sozialen Diffamierungen von Männern als soziophatische Sexbestien, die man bestenfalls im Krieg als Kanonenfutter benutzen kann.
  4. Rechtliche Entsorgung von unverheirateten und Scheidungsvätern abschaffen, damit Kindern ihr Recht auf beide Eltern garantiert wird.
  5. Entwicklung eines politischen Programms, daß es politischen Partnern erlaubt, Profil und Handlungsmöglichkeiten der Maskulisten abzuschätzen

B) Antifeministische Projekte

  1. Entwicklung eines Standardmodells für den Feminismus, das es erlaubt, die Unterschiede zwischen den Feminismusvarianten sichtbar zu machen und diese zu vergleichen.
  2. Entwicklung einer Theorie der Gerechtigkeit, die es erlaubt, Geschlechtergerechtigkeit anders als durch die bisher vom Feminismus favorisierten und wenig aussagekräftigen Auszählungsgleichgewichte in Politk und Wirtschaft zu messen.
  3. Analyse der soziologischen Kooperation von Geschlechtern
  4. Entwicklung eines Konzeptes zu medialen Präsentation der maskulistischen Blogosphäre
  5. Aufklärung der psychologischen und explanatorischen Bedürfnisse, denen der Feminismus bei Menschen und insbesondere bei Frauen entgegenkommt

Klarer kann man vermutlich gar nicht zeigen, daß Maskulismus und Antifeminismus zueinander völlige komplementäre Bewegungen sind.

Diese Listen sind selbstverständlich offen und ich fordere alle Leser auf, in ihren Kommentaren weitere Themen vorzuschlagen.


9 Kommentare

  1. Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die die Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen.

    Aus Sicht des Feminismus sind die Beiträge aus den Maskulismus nicht sachbezogen, da sie die Filterbubble stören.

    • Richtiger Hinweis, aber leider ist nicht klar, ob das eine Anmerkung oder eine Kritik ist.

      • Es ist eher eine Kritik. Du definierst mir zu einfach weg.

        Ich halte es für wichtig, dass man zunächst erst einmal sauber herausarbeitet, welche Definition es für Maskutrolle gibt und warum die andere Seite darunter subsumiert. Dann kann man seine eigene Subsumtion darunter stellen und erklären, warum sie die bessere ist.

        Ansonsten bleibe es aus meiner Sicht ein aneinander vorbeireden mit verschiedenen Definitionen.

        • „Ich halte es für wichtig, dass man zunächst erst einmal sauber herausarbeitet, welche Definition es für Maskutrolle gibt und warum die andere Seite darunter subsumiert. Dann kann man seine eigene Subsumtion darunter stellen und erklären, warum sie die bessere ist.“

          Das kannst du natürlich gerne machen. Leider handelt mein post gar nicht von den Vor- und Nachteilen verschiedener Definitionen des Ausdrucks „Troll“. Es besteht daher auf keine Gefahr aneinander vorbeizureden, denn der Troll-Spruch ist nur ein Aufhänger, um die begrifflichen Beziehungen zwischen „Maskulismus“, „Feminismus“, „Antifeminismus“, „männerfeindlich“, „frauenfeindlich“ zu analysieren.

          Diese begrifflichen Beziehungen zu klären, trägt dazu bei, eine Definitionskompetenz der Maskulisten für den Ausdruck „linker Maskulismus“ nicht nur – wie im Feminismus – herbeizureden, sondern auch zu begründen.

  2. bombe 20 sagt:

    Ehrlich gesagt, über lange Strecken hatte ich das Bedürfnis, diesen Artikel einfach nur mit einem „Nein“ zu kommentieren. Aber das wäre selbstverständlich unfair gewesen.

    Dann ist mir klar geworden, warum ich selbst bei ausreichender Ausdauer und Motivation überhaupt nicht klarer hätte erklären können, welche Fehler ich in Deinem Aufsatz zu erkennen glaube:
    Und zwar, weil mir über weite Strecken vollkommen unklar bleibt, wo Du beschreibst, wo Du analysierst, wo Du definierst und wo Du (in die Zukunft gerichtete) Wünsche oder Hoffnungen formulierst. Und dort, wo Du zu beschreiben scheinst, bleibt unklar, worauf genau sich Deine Beschreibung bezieht. Insbesondere fehlen fast durchgängig die Belege.

    Wer sind etwa die Träger des linken Maskulismus? Du, Arne Hoffmann, wer noch? Lucas Schoppe?
    Wer betreibt momentan den von Dir beschriebenen Antifeminismus? Ist die IGAF in diesem Sinne antifeministisch?

    Dein Stil erweckt beim Leser (gut, zumindest bei mir) den Eindruck eines wissenschaftlichen Anspruchs. Der sollte dann aber auch erfüllt werden, zumal Du die Qualität dieses Aufsatzes -im Gegensatz zu Deiner Maskulistischen FAQ, an die ich ansonsten weitgehend die gleichen Kritikpunkte zu richten hätte- explizit mit „good“ angibst.

    Bombe 20

    • Interessanter Kommentar, ich bin nur nicht völlig sicher, wie ich am besten darauf reagieren soll.

      Zunächst mal würde ich vorschlagen, daß du einfach die Stellen aus dem Text raus- und in deinen Kommentar reinkopierst, wo du „Nein.“ sagst. Den Rest bekommen wir dann schon raus.

      „Und zwar, weil mir über weite Strecken vollkommen unklar bleibt, wo Du beschreibst, wo Du analysierst, wo Du definierst und wo Du (in die Zukunft gerichtete) Wünsche oder Hoffnungen formulierst.“

      Möglicherweise vermutest du das Ziel meines postes an einer Stelle, wo es nicht nicht. Ich könnte mir vorstellen, daß du beim Lesen die Erwartung hattest, ich würde eine Reihe von blogs, die ich regelmäßig lese, analysieren, zusammenfassen und deren gemeinsame Intention beschreiben wollen, so wie man das eben machen würden, wenn man einen Teil der blogossphäre charaktesieren will.

      Doch so funktioniert dieser post nicht. Hier wird für programmatische Zwecke das Verhältnis der verschiedenen in den Geschlechterkampf involvierten Strömungen geklärt, indem anhand von Beispielem dargestellt wird, welche Implikationsbeziehungen zwischen “Maskulismus”, “Feminismus”, “Antifeminismus”, “männerfeindlich”, “frauenfeindlich” bestehen und welche nicht.

      Damit wird das Feld abgesteckt, in dem sich blogs bewegen können und woran sie sich in ihren künftigen post orientieren können – wenn sie das wollen. Aber das Ganze ist keine Feldstudie.

      „Insbesondere fehlen fast durchgängig die Belege.“

      Da, wo Belege gebraucht werden, gibt es sie schon. Aber ich muß eben nicht auf die blogs hinweisen, über ich nicht spreche. Denn daß ich über sie spreche, ist nur deine Annahme.

      „Wer betreibt momentan den von Dir beschriebenen Antifeminismus?“

      Ich betreibe ihn und ich gebe eine Vision von Antifeminismus an, die jeder, dem sie gefällt, übernehmen kann.

      „Ist die IGAF in diesem Sinne antifeministisch?“

      Nein, die sind zum Teil frauenfeindlich und zum Teil maskulistisch. Antifeminismus – wie ich ihn mit Gründen wie beschrieben – verstehe, wird da so fast gar nicht betrieben. Schoppe macht das schon viel eher.

      „Dein Stil erweckt beim Leser (gut, zumindest bei mir) den Eindruck eines wissenschaftlichen Anspruchs. Der sollte dann aber auch erfüllt werden.“

      Ein Stil mag Erwartungen des Lesers wecken, aber das bedeutet nicht, daß er den post zu etwas verpflichtet. Die grüne Ampel bedeutet, daß ich der Meinung bin, die Implikationsbeziehungen zwischen “Maskulismus”, “Feminismus”, “Antifeminismus”, “männerfeindlich”, “frauenfeindlich” gut seziert zu haben. Meine Argumente können wir diskutieren, aber diese Argumente verschwinden nicht dadurch, daß ich nicht auf blogs referiere, die exemplifizieren, was ich analysiert habe. Wenn sich andere blogs erst künftig an der hier dargelegten Vision von Maskulismus und Antifeminismus orientieren, ist das genauso gut.

  3. […] Economic Forums. Auch Mädchen und Jungs bringt jetzt sehr regelmäßig Artikel, etwa dazu, warum es keine Maskutrolle gibt.  Selbst auf sich eher als feministisch sehenden Blogs wie bei Robin kommen auch interessante […]

  4. […] oder feministisch sein und Anti-Feministen sind keine Frauenfeinde oder Männerfreunde, sondern Theoretiker, die sich an den vom Feminismus hervorgebrachten Ideologien abarbeiten. Ein Beispiel für letzteres […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Categories

Archive

%d Bloggern gefällt das: