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Männlichkeit unterm Feminismus

Eine feministische bloggerin hat mich dankenswerterweise auf einen Text aufmerksam gemacht, der eine feministische Sicht auf Pornographie und ihre Rolle bei der Bestimmung dessen schildert, was Männlichkeit ausmacht.Die Pointe des feministischen Textes liegt darin, daß Männlichkeit in seinen wesent- lichen Zügen sexualisiert wird, anstatt sie als ein Verständnis von Personalität als Funktion autonomer Entscheidungen zu charakterisieren. In der feministischen Praxis, in blogs, Feuilletons und anderen kulturschaffenden Leistungen der Massenmedien scheint mir diese Idee durchweg populär zu sein, feministische Theorie ist da zurückhaltender. Wir werden in diesem paper zeigen, daß die in dem vorliegenden Text praktizierte feministische Sexualisierung von Männlichkeit nicht nur biologistisch und sexistisch, sondern auch überflüssig und sogar kontraproduktiv ist, wenn es darum geht, für gleiche Rechte und gleiche Chancen einzutreten. Letzteres können Humanisten ihrem Selbstverständnis nach auch tun, für Ersteres benötigt man offenbar Feministen.

Übersicht:


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tl;dr – Zusammenfassung für Eilige

Der Text gibt vor, die folgende Frage zu beantworten:

“Was sagt die Existenz einer Pornografie-Industrie mit Milliardenumsätzen über uns, über Männer?”

Seine Antwort erfolgt mit Hilfe der folgenden Thesen:

  • (T1) Männlichkeit wird – wenigstens zum Teil – charakterisiert durch Sexualität.
  • (T2) Pornographie ist im Leben von fast allen Männern nahezu allgegenwärtig, wird von ihnen gewünscht und für sie erregend.
  • (T3) Die Sexualität von Männern kann daher – wenigstens zum Teil – durch die Merkmale des pornographischen Inhalt bestimmt werden.
  • (T4) Eine repräsentative Stichprobe ergibt, daß Pornographie – wenigstens – gewaltverherrlichend, gefühlos, roh und frauenverachtend ist.
  • (T5) Frauenverachtung ist primitiv und unmoralisch.
  • (T6) Also: Männlichkeit ist – wenigstens zum Teil – primitiv und unmoralisch und damit in Schwierigkeiten. Lösung: Stoße Männlichkeit ab, um Mensch zu werden.

(T2) und (T4) sind klarerweise empirische Aussagen und sie zu diskutieren und eventuell zu widerlegen, wäre ein ganz anderes paper, als wir es jetzt vor uns haben. Daher werden wir der Einfachheit halber annehmen, (T2) und (T4) seien wahr, weil das – so werden wir zeigen – die Wahrheit der Aussagen dieses papers in keiner Weise beeinflußt. Mit (T5) stimmen wir überein und (T6) folgert lediglich aus den Axiomen (T1)-(T5). Wir können uns hier daher völlig auf (T1) und (T3) beschränken und argumentieren wie folgt:

  • i) Feminstische Kritik an männlicher Heterosexualität zielt ab auf eine in der männlichen Biologie verankerte, aber formbare Sexualtität, die sich ihrer Natur nach von weiblicher Sexualität dadurch unterscheidet, daß die sexuelle Erziehung der Gesellschaft an den Geschlechtergrenzen Halt machen muß, so daß sich nur Männer widerstandslos zu sexuellen Ausbeutern, sexuellen Unterdrückern und in ihrer Sexualität Frauen entmenschlichenden Wesen entwickeln, während sich Frauen von Natur aus in den korrespondierenden Part dazu nicht einfinden  und stattdessen ihre Sexualität entlang den moralischen Richtlinien menschlicher Würde entwickeln. Die feministische Pornographiekritik beruht daher auf einem biologistischen Verständnis von Sexualität.
  • ii) Wenn es nach dem Feminismus diese Art von biologistischer Sexualität gibt, dann bleibt über längere Zeiträume nahezu unverändert und falls sie Männlichkeit charakterisiert, gilt das auch für Männlichkeit. Die Folge ist, daß der Feminismus häufige und immer wiederkehrende sexuelle Handlungen wie z.B. Küssen, Umarmen und Pornokonsum als für Männlichkeit charakteristisch ansehen muß, seltene oder einmalige sexuelle Handlungen wie Vergewaltigung kann er daher nicht als für Männlichkeit wesentlich ansehen. Da im Text geltend gemacht wird, daß Pornografie Beherrschung und Unterwerfung von Frauen erotisiert, sind z.B. Umarmen und Küssen davon unabhängig. Stimmt aber (T1), dann muß in diesem Fall die kritisierte Männlichkeit eine innere Struktur besitzen und männliche Heterosexualität kann keine funktionale Rolle mehr bei der Aufklärung dieser Männlichkeit spielen, so daß unklar ist, inwiefern Pornographie über Männlichkeit eigentlich informiert. Tatsächlich tut sie das auch gar nicht, denn was häufig vorkommt, ist nicht deshalb auch informativ in Bezug auf einen Unterschied.
  • iii) Tatsächlich informiert Sexualität überhaupt nicht über Männlichkeit oder Weiblichkeit, denn  eine Person zu sein und in Freiheit selbstbestimmt zu leben, erschöpft sich nicht in der Frage, was man sexuell anregend findet. Männlichkeit und Weiblichkeit ereignen vielmehr sich im Raum von Personen, die ihrerseits zu analysieren sind als dramatische Zentren autonomer Entscheidungen und Quellen von Geschichten, die darlegen, inwiefern es für einen Akteur rational war, bestimmte Tatsachen zum Grund autonomer Entscheidungen zu machen: Die Belletristik ist voll von Beispielen zu solchen Themen. Diese humanistische Position wird jedoch ignoriert und stattdessen männliche Heterosexualität künstlich dämonisiert, indem der Feminismus fälschlicherweise unterstellt, daß jede Eigenschaft von Pornos auch zu denjenigen Merkmalen zählt, um deretwillen sie von Männern gewünscht werden. Tatsächlich installiert die feministische Pornographiekritik eine männliche Geschlechterrolle, die für Frauen vom Feminismus vehement abgelehnt wird, was sie zu einem sexisistischen, inhumanen und anti-aufklärerischen Unternehmen macht. Denn wenn wir es als rassistisch einstufen, Schwarze, weil sie viel Melanin in der Haut haben, von vornherein als Diebe verdächtigen, und wenn wir es als antisemitisch einstufen, Juden, weil sie an die Inhalte der Thora glauben, von vornherein für betrügerischer Finanzjongleure zu halten, warum lassen wir uns dann vom Feminismus erzählen, daß hetereosexuelle Männer, weil sie eine männliche Biologie haben, auch eine bestialische Sexualität haben? Nicht alle Frauen gleich zu behandeln, war der Grund für die Entstehung der dritten Welle des Feminismus. Und hierin einen Unterschied bei Männern zu machen, ist nicht mehr als Sexismus inhumanster Sorte.

I. Einleitung

Jede Analyse der Wahrheitsbedingung von (T1) muß sorgfältig unterscheiden zwischen verschiedenen Verwendungen von “Männlichkeit”. Daher werden wir als erstes rekonstruieren, welches Männerlichkeitverständnis in (T1) gemeint sein muß, damit (T1) überhaupt Sinn macht.

Wir wollen sagen, daß ein Mensch

  • (MG) männlich ist im genetischen Sinne genau dann, wenn er einen durch “XY” charakterisierbaren Chromosomensatz hat.
  • (MB) männlich ist im biologischen Sinne genau dann, wenn er einen Penis hat.
  • (MP) männlich ist im phänomenologischen Sinne genau dann, wenn er männliche Merkmale des Körperbaus hat, z.B. breite Schultern, schmale Hüften, Bart, Haarausfall und Ähnliches.
  • (MA) männlich ist im alltagspsychologischen Sinne genau dann, wenn seine Entscheidungen an einem – später zu definierenden – Ideal von Männlichkeit orientiert sind oder sogar damit begründet werden.

Männlichkeit im biologischen Sinne ist offenbar in dem Sinne basal, als alle anderen Definitionen von Männlichkeit nicht formuliert werden können, ohne die Menge der Menschen anhand der Form ihrer primären Geschlechtsmerkmale in zwei Klassen zu teilen.

  • (1) Denn würde man die Menge der Menschen z.B. anhand ihres Verhältnisses von Schulter- und Hüftebreite einteilen, um mehr als ein Geschlecht zu definieren, dann würde bei dem Verfahren herausgekommen, daß einige Männer eine Vulva haben und einige Frauen einen Penis. Doch so gebrauchen wir das Worte “männlich”in einem biologischen Sinne offenbar nicht – eine Tatsache, die sogar poststrukturalistische Feministen zugeben durch ihre Unterscheidung von “sex” und “gender” zugeben. Also: MB ist basal gegenüber MG und MP und erst recht gegenüber MA.

Daher steckt in MB die Tatsache bereits drin, daß man sich bei der Entstehung des Verständnisses von MB bei der Einteilung der Menschen in Geschlechter an der Fortpflanzungsfunktion der speziell dafür geformten Geschlechtsteile orientiert hat.

II. Feministischer Biologismus

Männlichkeit im Sinne von MP ist aber in dem feministischen Text offenbar nicht gemeint. Denn weder ist davon die Rede, daß einige Leute die falschen und stattdessen andere Ideale haben sollten, noch wird die Konkurrenz verschiedener Ideale diskutiert oder inwiefern sie zur gegenwärtigen Gesellschaft passen und ob sie Männern in der Zukunft eher nützen als schaden. Stattdessen geht es darum, Männlichkeit in einem subtilen Sinne als soziales Phänomen zu entdecken bzw. wiederzuerkennen, so daß hier ebenfalls nicht Männlichkeit im Sinne von MG gemeint sein kann: Nirgendwo werden biologische Methoden diskutiert oder Fachartikel aus biologischen Zeitschriften referenziert. Auch um Männlichkeit im phänomenologischen Sinne MP geht es nicht, da MP insofern ein metrischer Begriff ist, als jemand mehr oder weniger männlich aussehen kann. Der Artikel macht aber keinen Unterschied zwischen verschiedenen Körperformen. Was übrig zu bleiben scheint, ist Männlichkeit im biologischen Sinne.

Doch auch MB trifft die Intention des Textes klarerweise nicht: Die Form der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale korrelliert lediglich mit der gewohnten, heterosexuellen Benutzung von Sexualität: Homosexuelle, Transsexuelle und Asexuelle, die von der 3. Welle des Feminismus ja ebenfalls als Opfer hegemonialer Männlichkeit ausgegeben werden, sollen explizit nicht kritisiert werden: Es geht allein um hetereosexuelle Männer und deren Sexualität, die in ihren Eigenschaften im Text auch durchaus nicht von der Natur vorgegeben vorgestellt wird. Im Text heißt es:

  • (2) “Aber ich glaube, der wichtigere Grund ist, dass irgendwo jeder weiß, dass es bei der feministischen Kritik an Pornografie um mehr als nur um Pornografie geht. Es schließt eine Kritik der Art und Weise ein, in der normale Männer in dieser Kultur gelernt haben, sexuelles Vergnügen zu empfinden. “. Weiter wird explizit behauptet, daß “Männer werden generell dazu erzogen, Sex als einen Bereich des Lebens zu sehen, in dem Männer von Natur aus beherrschend sind und in dem die weibliche Sexualität den Bedürfnissen von Männern entsprechen sollte.”.

Die durch Erziehung formbare männliche Sexualität wird offenbar nicht durch Pornographie selbst dazugebracht wird, Pornographie zu mögen. Stattdessen wird Pornographie als Symptom für ein bestimmtes Verständnis des heterosexuelles Geschlechterverhältnis präsentiert, an das die kritisierten pornographischen Inhalte lediglich appellieren:

  • (3) “Beide spiegeln eine einzige pornographische Denkungsart wieder, bei der männliches Vergnügen den Sex bestimmt und weibliches Vergnügen ein Beiprodukt des männlichen Vergnügens ist. Zufällig lieben Frauen in Pornografie gerade das, was Männer mit ihnen machen wollen, und was Männer in Pornografie gerne tun ist Kontrollieren und Benutzen, was den Männern, die sich Pornografie ankucken, auch ermöglicht zu kontrollieren und zu benutzen”.

Wer nun meint, daß (3) doch zeige, daß tatsächlich Männlichkeit im Sinne von MA in (T1) gemeint und damit das Ziel der feministischen Kritik ist, der irrt gewaltig. Denn interessanterweise nötigen uns (2) und (3) dazu, einen “dicken”, irgendwie anspruchsvolleren Begriff von Männlichkeit im biologischen Sinne, sagen wir MB+, einzuführen. Dafür argumentieren wir wie folgt:

  • (4) Dieselbe Pornographie ist ein auch für Frauen verfügbares Produkt. Wenn nun die pornographischen Inhalte männliche Sexualität und damit Männer charakterisieren, dann impliziert dies einen Unterschied zu weiblicher Sexualität und damit Weiblichkeit in dem Sinne, daß Frauen diese Pornos nicht mögen. Und wie prognostiziert wird ja im Text auch über schockierte Frauen, die Männer vernichtende, feministishe Fragen stellen, berichtet. Wegen (2) bedeutet das, daß die sexuelle Erziehung der Gesellschaft an Geschlechtergrenzen auf magische Weise Halt macht: Zwar werden Männer in unserer Gesellschaft zu sexuellen Unterdrückern und Ausbeutern erzogen, aber entweder vergessen wir unrealistischerweise, den Männern dafür auch geeignetes Menschenmaterial zur Verfügung zu stellen oder weibliche Sexualität ist nicht in dieser Weise formbar – irgendwie von sich aus, von Natur aus, einfach weil sie Menschen sind. Doch das sind Männer auch – der Text spricht ja explizit vom Vertrauen der Frauen in die Menschlichkeit von Männern – und folglich müssen wir MB zu MB+ verstärken.

Was aber hat (4) mit der dem vom Text kritisierten Sinn von Männlichkeit zu tun? Zwar stimmt es, daß der Text auch die Männlichkeit erschaffende Gesellschaft kritisiert, aber was es im Sinne des Textes besagt, daß es einem Menschen von sich aus widerstrebt, eine Sexualität auf Pornographie zu kalibrieren, wird zwar nicht explizit gesagt, doch es ist trivial, daß Feministen hier zwischen Himmel und Hölle wählen müssen.

  • (5) Denn entweder sie präsentieren eine Spekulation über die metaphysische Beschaffenheit der psychologischen Natur der männlichen Spezies oder sie setzen die männliche Physiologie als Ursache ein. In beiden Fällen wird ein geschlechtsspezifisches Vorurteil erzeugt, daß typischerweise auf den Namen “Sexismus” hört, – es sei denn, daß die aus feministischer Perspektive aufs Korn genommene Art von Männlichkeit nichts ist, dem sich ein Penisträger willentlich entziehen könnte.

Feministische Kritik wird aber erstens kaum intendieren, einen Sexismus zu installieren und das kann nur bedeuten, daß durch Argumente freiwählbare Ideale und damit MA als Ziel feministischer Kritik nicht die Intention des Textes bestmöglich rekonstruieren. Zweitens wäre es schon ein wenig sonderbar, einem Ideal von Männlichkeit nachzueifern wegen (T2) als für Männer sexuell erregend zu charakterisieren und drittens erfahren wir über feministische Spekulationen, die metaphysische Beschaffenheit der psychologischen Natur der männlichen Spezies betreffend, aus dem Text folgendes:

  • (6) “Feministen glauben an die Menschlichkeit von Männern, gegen alle Indizien aus Vergewaltigung und Misshandlung, Ausgrenzung und Ablehnung. Dieser Glaube an die Menschlichkeit von Männern ist bei jeder Frau vorhanden, ob heterosexuell oder lesbisch, mit der ich in der Bewegung gegen sexuelle Gewalt und die kommerzielle Sexindustrie zu tun hatte.”

Mit anderen Worten: Es gibt von feministischer Seite aus keine spezielle Spekulation über die metaphysische Beschaffenheit der psychologischen Natur der männlichen Spezies, Männer sind einfach Menschen. Alles andere wäre ja auch rassistisch. Und der Text gibt uns keinen Grund, dieses Bekenntnis lediglich für einen taktischen Schachzug zu halten.

Die Folge ist, daß – nehmen wir den Text als Beleg für das Selbstverständnis von Feministen ernst – Feminismus wegen (5) die Wahl zwischen Biologismus und Sexismus hat. Durch (6) legt er sich auf einen Biologismus fest. Verzichtet er aber auf (6), so ist Feminismus wegen (4) sexistisch. Also: Unsere Analyse entscheidet sich zu recht gegen Sexismus und damit für einen feministischen Biologismus. Das macht den Weg frei “dicke biologische Männlichkeit” zu definieren wie folgt:

  • (MB+) Ein Mensch ist männlich im starken biologischen Sinne, wenn er MB ist und die biologische Natur seiner Sexualität sich nicht von sich aus dagegen sträubt, sich zu verändern derart, daß der MB-Mann an Pornos Gefallen findet.

MB+-Männlichkeit und nichts anderes ist daher das wahre Ziel der feministischer Pornographiekritik in (T1). Entsprechend sagt diese Analyse voraus, daß der Feminismus-bewegte Autor Pornographie zwar verurteilt, aber zugibt, sich der erregenden Wirkung jedoch nicht entziehen zu können und genau das wird dann ja auch wortreich beschrieben.

Nun ist Männlichkeit im Sinne von MB+ ganz offenbar eine Sache, die sich auf großen Zeitskalen ereignet, so daß sich nur langsam verändert. Und diejenige Sexualität, die MB+ charakterisieren soll, darf sich – wenigstens im Großen und Ganzen – nicht schneller ändern, als es MB-Männlichkeit tut. Das erfordert, sich auf bestimmte – z.B. immer wiederkehrende – sexuelle Phänomene zu konzentrieren. Also: Andere bezogen auf alle Gelegenheiten sexueller Betätigung von MB+- Männern seltene oder einmal und nie wieder auftretende Phänomene, werden vom Feminismus hingegen mangels Aussagekraft von vornherein ausgeschlossen.

  • (7) Die Folgerung aus (MB+) ist, daß der Feminismus des vorliegenden Textes sexuelle Betätigungen von MB+- Männern wie z.B. Vergewaltigungen von Frauen durch Männer als Konfliktstraftaten nicht als charakteristisch für MB+-Sexualität und damit für MB- Männlichkeit ansieht: Geschätzte 3/4 aller Vergewaltigungen sind Konfliktstraftaten und letztere sind dadurch charakterisiert, daß die Vergewaltiger durch einen sozialen Konflikt zu ihrer Tat gelangten, diese aber bei ruhiger Überlegung selbst für falsch halten. Vor allem schwere Konfliktstraftaten wiederholen sich daher nur äußerst selten. Häufige  sexuelle Betätigungen von MB+- Männern, wie z.B. ihre Frauen zu küssen, haben nach diesem feministischen Text hingegen sehr viel mehr Gewicht  – womit er sich selbst widerspricht.

Die Folge von (7) ist, daß wir nun sehen können, daß sich der Text willkürlich nur auf eine von mehreren häufigen und wiederkehrenden Formen von Sexualität beschränken muß falls er sich nicht selbst widersprechen will.

  • (8) Doch das ist nicht das einzige Problem an der Beschränkung auf häufige sexuelle Handlungen, denn “die häufigsten sexuellen Handlungen” müssen nicht auch die Mehrheit aller möglichen sexuellen Handlungen bilden. In diesem Fall könnte man aus “Blow Bang 4″ nicht viel Verbindliches über männliche MB+-Sexualität lernen. Doch soweit wird in dem Text leider nicht gedacht.

Was würde in dem für die feministische Kritik ungünstigen Fall passieren, wenn von “Blow Bang 4” völlig verschiedene Pornos die Mehrheit der ausgeliehenden oder gekauften Videos wären? Wäre (T1) richtig, dann würde es via MB+-Sexualität mehrere und untereinander nicht ohne weiteres kompatible Charakterisierungen von MB+-Männlichkeit geben und falls wir nicht sagen wollen, daß eine Person mehrere MB+-Männlichkeiten realisiert müssen wir eine innere Struktur von (MB+) postulieren, die uns diese inkompatiblen Charakterisierungen erklärt.

  • (9) Vor allem aber würde daraus folgt, daß MB+-Männlichkeit keine Funkion von MB-Sexualität sein kann. Sehen wir von dem formalen Hindernis ab, daß keine Funktion demselben Phänomen der MB+-Sexualität verschiedene Phänomene der MB-Männlichkeit zuordnen kann, könnten die untereinander nicht zusammenhängenden sexuellen Vorlieben der MB+-Männer keine Informationen über die innere Struktur von MB-Männlichkeit liefern.

Dagegen kann man natürlich einwenden, daß nirgendwo im Text von einer funktionalen Charakterisierung von MB-Männlichkeit durch MB+-Sexualität explizit die Rede ist. Das stimmt zwar, doch wenn MB+-Sexualität nicht einmal eine funktionale Rolle für MB-Männlichkeit spielt, kann man (T1) gar keinen Sinn mehr abgewinnen, denn dann sind MB-Männlichkeit und  MB+-Sexualität unabhängig und das widerspricht (T1). Damit stellt sich die Frage, ob (9) eigentlich der Fall ist. Und die Antwort muß hier lauten: “Selbstverständlich.”. Denn in (8) hatten wir die Beschränkung feministischer Kritik gesehen und solange z.B. Küssen sexuelle Handlungen ist, gibt es in der MB+-Sexualität von “Blow-Bang 4” nicht erfaßte Phänomene. Also: MB+-Sexualität kann sich ändern, ohne daß sich MB-Männlichkeit ändern muß. Was (T1) dann noch besagen soll, ist unverständlich.

Im Grunde ist (9) somit nur eine langatmige Begründung für das, was wir intuitiv schon die ganze Zeit wußten: Männlichkeit ereignet sich im Raum von Personen, die ihrerseits analysiert werden als dramatische Zentren autonomer Entscheidungen und Quellen von Geschichten, die darlegen, inwiefern es für einen Akteur rational war, eine Tatsache zu einem Grund für eine autonome Entscheidung zu machen: Die Belletristik ist voll von Beispielen zu solchen Themen. (9) zeigt daher, daß MB+-Sexualität eigentlich über diese spezifische Art von Personsein, die man mit Männlichkeit in Zusammenhang bringt, nicht allzuviel verrät, denn sie ist ja nicht mal für MB-Männlichkeit informativ. Und die bisherige Analyse zeigt auch, daß der Autor das hätte wissen müssen, wenn ihm klar gewesen wäre, was er da eigentlich schreibt.

III. Feministischer Sexismus

Haben wir bisher ausschließlich (T1) analysiert, interessieren wir uns nun für (T3).

  1. Zu diesem Zweck erinnern wir uns daran, daß der Autor des Textes seine Pornos durch eine Art entpersonalisiertes Verfahren zusammengestellt hat, um MB-Männlichkeit durch Pornos zu charakterisieren. Er bekommt vom Filmchenhändler seines Vertrauens eine Auswahl, die insofern repräsentativ ist, als sie häufig ausgeliehen oder gekauft werden. Diese Repräsentativität wird im Text wegen (T1) stillschweigend wie folgt ausgelegt:
  • (R1) Alle Filmchen sind inhaltlich entweder so ausreichend homogenen oder werden so sehr von einer inhaltlichen Komponente dominiert, daß man sie in disjunkte Klassen oder Typen einteilen kann.
  • (R2) Kein Filmchen kann mehr als einer Klasse angehören.
  • (R3) Weil diese Filmchen trennschaft typisiert werden können, werden sie aufgrund zustimmender sexueller Wünsche und Präferenzen ausgeliehen werden. Kaum jemand leiht aus, was er nicht sehen will, wenn er im Nachbarregal, etwas Geeigneteres findet.
  • (R4) Sexuelle Neigungen können wegen (R3) unmittelbar durch ökonomische Bilanzen wiedergespiegelt werden.

Da der damit vorgegebene Begriff von Repräsentativität aber – wie in (8) gezeigt – nichts über die relativen Häufigkeiten der Pornofilmtypen untereinander aussagt, ist die Behauptung (T3) unter dem Verfahren (R1)-(R4) höchstens dann haltbar, wenn beobachtbare Variationen des Absatzes anderer Filmchentypen nicht auf sexuelle MB+ Präferenzen zurückzuführen ist.

  • (10) Denn entweder sind die durch (R1)-(R4) ausgeworfenen Unterschieden zwischen den Pornofilmtypen wichtig oder sie sind sind es nicht. Sind sie es, täuscht (R1)-(R4) eine Repräsentativität vor, die nicht da ist. Sind sie es nicht und sind alle Pornos gleich, wie kann es dann eine milliardenschwere Porno-Industrie geben? Insbesondere widerspricht die Annahme, beobachtbare Variationen des Absatzes anderer Filmchentypen sei nicht auf sexuelle MB+-Präferenzen zurückzuführen, (T1).

Also: Genau dann, wenn man das Verfahren (R1)-(R4) braucht, sind (T3) und (T1) inkonsistent. Und offenbar kann man nicht auf jedes Auswahlverfahren verzichten. Doch das ist nicht das einzige Problem an dem Verfahren (R1)-(R4):

  • (11) Denn selbst, wenn fast alle Videos vom “Blow Bang 4”-Typ wären, wäre wenig gewonnen. Denn was am häufigsten vorkommt, muß nicht deshalb auch charakteristisch sein: Braun z.B. ist die mit Abstand häufigste Augenfarbe beim Menschen, aber wir würden nicht sagen, daß Menschen dadurch als biologische Lebewesen charakterisiert werden. Die Beschreibung als ungefiederter Zweifüßler paßt da schon besser, weil sie einen eindeutigen Unterschied zu anderen Lebewesen markiert.

Selbst wenn also die meisten heterosexuellen Männer häufig Pornos vom Typ von “Blow Bang 4″ ansehen, steht wegen (11) noch ein Argument aus, warum das für MB+-Sexualität und damit für MB+-Männlichkeit auch charakteristisch sein soll. Also: (T3) ist einfach ein unbegründete Vermutung, die auch durch das Verfahren (R1)-(R4) keine bessere Begründung erhält.

  1. Auffällig ist an (T3) weiter, wie methodisch schwach das ganze feministische Antipornographieprojekt gemacht ist: Da werden Kauf- bzw. Ausleihpräferenzen benutzt, um die Sexualität der Benutzer zu charakterisieren, aber es wird niemand befragt, um herauszufinden, warum ein bestimmter Film eigentlich ausgeliehen wird. Das ist in etwa so, als würden Marktforscher aus der Tatsache, daß das meistverkaufte Produkt eines Supermarktes z.B. Zucker ist, folgern, daß alle Menschen Zucker am liebsten pur mögen. Aber reiner Zucker ist für kaum jemanden wirklich genießbar und sein Absatz gründet einfach auf der Tatsache, daß er Bestandteil vieler Speisen und ein billiger Füllstoff ist. Kein Unternehmen könnte offenbar überleben, wenn es sich auf derartigen Marktanalysen verlassen würde.

Sehen wir uns das Beispiel weiter an, um die feministische Methode zu verstehen: Wir wissen z.B., daß Zucker schlecht für die Zähne ist. Wenn aber Zucker das meistverkaufte Produkt ist, folgt dann daraus, daß der Geschmack von Menschen durch eine Vorliebe für schlechte Zähne charakterisiert wird? Natürlich nicht, denn es geht ja um die Süsse des Zuckers, nicht um die medizinischen Folgen seines Konsums. Oder nehmen wir ein sexuelles Beispiel: Wenn Männer mit Frauen schlafen, dann gibt es dabei eine Chance, daß die Frauen schwanger werden. Schwangerschaft bedeutet aber ebenfalls ein Risiko für die Frau, zu sterben, und die moderne Medizin ist stolz darauf, daß das heute kaum noch der Fall ist. Weiter ist es zweifellos so, daß es Männer erregt, mit den Frauen, die sie lieben, zu schlafen. Folgt daraus aber, daß sie es lieben und daß es sie erregt, wenn sie Frauen in Lebensgefahr bringen? Andrea Dworkin, eine bekannte radikalfeministische Autorin, die ja nach Aussage des Textes Männer nicht haßt, und an deren Menschlichkeit glaubt, hat übrigens genau das behauptet (A.Dworkin, PorNOgraphy-Men possessing women (1979) p.266).

  • (12) Was bei (T3) schiefgeht, wenn sie auf dem Rücken von (R1)-(R4) reitet, ist leicht zu sehen: Natürlich wird etwas um seiner Eigenschaften gewünscht oder präferiert, aber daraus folgt nicht, daß wenn das Gewünschte eine Eigenschaft hat, diese auch gewünscht wird. Hätte man Pornokonsumenten befragt, anstatt auf Uni-Kosten Pornos zu gucken, dann hätte man jetzt vermutlich belastbare Aussagen darüber, was Männer daran interessant finden, anstatt nur ein Dokument feministischer Betroffenheit.

Selbst wenn wir also nach (T4) annehmen, daß Pornos frauenverachtend sind, dann impliziert das nicht, daß Männer diese Frauenverachtung auch toll finden. Sie könnten sie einfach in Kauf nehmen, weil sie ganz andere Dinge an Pornos interessant finden. Wir werden (10) den Fehlschluß der Importation nennen. Also: Man kann die MB+-Sexualität von MB+-Männern nicht dadurch entschlüsseln, daß man irgendwelche Eigenschaften des pornographischen Inhalts aufzählt, ohne zu erklären, warum gerade sie hier relevant sein sollen. Daß aber wird im Text nicht geleistet.

  1. Wenn aber (R1)-(R4) aus (T1) und (T3) einen Widerspruch macht und (T3) nicht mehr als eine Vermutung ist, was bleibt dann eigentlich noch übrig? Was man anstelle der Repräsentation von MB+-Sexualität durch das Verfahren erhält, ist, die Installation einer sexistischen Geschlechterrolle für Männer. Männlichkeit wird auf Sexualität reduziert und diese Sexualität dämonisiert. Um das einzusehen, betrachten wir eine Argumentation, die meines Wissens nach jeder Feminismus für Frauen ablehnt:
Frauen Männer
Sexualität charakterisiert
Weiblichkeit
biologistische Reduktion Sexualität charakterisiert
Männlichleit
Frauen mögen es, sich
sich aufreizend anzuziehen.
Geschlechtsspezifische
Verallgemeinerung
Männer wünschen sich
Pornographie.
Sexualität von Frauen
kann durch Exibitionismus
bestimmt werden.
künstliche
Sexualisierung
Sexualität von Männern
kann durch Pornographie
bestimmt werden.
Freigelegte Busen und
Beine machen alle
Männer an.
künstliche
Dramatisierung
Pornographie ist primitiv
gewaltverherrlichend
und frauenverachtend.
Weiblichkeit bedeutet, mit jedem
ins Bett zu wollen.
Fehler der Importation Männlichkeit bedeutet Frauenverachtung.
Promiske Menschen sind
das Allerletzte.
Hierarchie
durch Moral
Frauenverachtung
ist das Allerletzte.
Frauen sind Schlampen. Sexismus Männer sind Schweine.

Es ist klar, daß die die Argumentationen in beiden Spalten für Männer und Frauen isomorph ist. Die Folge ist, daß wer (T1) bis (T6) für eine korrekte Argumentation hält, auch die Frauen-sind-Schlampen-Argumentation für eine korrekte Argumentation halten oder beides ablehnen muß. Geschieht eines von beiden nicht, liegt Sexismus vor, ein pejoratives Vorurteil allein aufgrund des Geschlechtes. Wenn also feministische Kritik an MB-Männlichkeit und MB+-Sexualität wirklich so aussieht, wie es der Text beschreibt und Feministen die Frauen-sind-Schlampen-Argumentation ablehnen, dann ist Feminismus sexistisch. Klarer kann man vermutlich gar nicht zeigen, daß das feministische Verständnis von Männlichkeit im Text auf biologistischem Sexismus beruht.

Feminismus tut damit genau das, was er eigentlich besser zu machen beansprucht und offenbar versteht er die Sachlage bei Frauen interessanterweise erheblich besser.

  • (13) Wenn wir es also als rassistisch einstufen, Schwarze, weil sie viel Melanin in der Haut haben, von vornherein als Diebe verdächtigen, und wenn wir es als antisemitisch einstufen, Juden, weil sie an die Inhalte der Thora glauben, von vornherein für betrügerische Finanzjongleure zu halten, warum lassen wir uns dann vom Feminismus erzählen, daß hetereosexuelle Männer, weil sie eine männliche Biologie haben, eine primitive und bestialische Sexualität haben, ohne zu dem Schluß zu kommen, daß das sexistisch und ganz einfach unmoralisch ist?

Erzeugt der biologistische Sexismus des Feminismus nun irgendeinen Vorteil im Hinblick auf Gerechtigkeit, auf Gleichheit der Chancen der Geschlechter? Verstehen wir durch ihne die Lage der Frauen oder der Männer besser und wissen wir mit ihm eher, wie wir den Geschlechtern in einer verrückten Welt helfen können? Und selbst, wenn wir einmal annehmen wollen, daß Männer in der Gesellschaft besser darstehen, gibt uns dann der biologistische Sexismus des Feminismus einen Hinweis darauf, wie das zu ändern wäre? Und wie parteiisch und unfair muß man eigentlich sein, um irgendeine dieser Fragen zu bejahen?

Humanisten lehnen biologistischen Sexismus des Feminismus in (13), der fundamentale Gebote der Menschlichkeit wie Gleichheit und Menschenwürde verspottet, kategorisch ab. Sie sehen auch keinen Sinn in der künstlichen Sexualisierung von Männlichkeit und Weiblichkeit, weil sie verstehen, daß eine Person zu sein und in Freiheit selbstbestimmt zu leben, sich nicht in der Frage erschöpft, was man sexuell anregend findet. Und offenbar braucht man auch nicht Feminist zu sein, um sich für Gleichheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Humanist zu sein, reicht dafür völlig aus. Für alles andere jedoch, braucht man wohl offenbar Feministen.

Die Frage ist nicht, wie man es schaffen kann, so einen derartig schwachen Text zu schreiben, die platten propagandistischen Mittel des Text dürften keinem Humanisten entgangen sein. Die Frage, was man alles nicht wissen darf, um den Text als reflektiert zu loben und ihn als Fortschritt in Erkenntnis und Moral bezeichnen zu können, stellt sich aber sehr wohl. Und deshalb bin ich der Meinung:

Der Feminismus der 2. und 3. Welle muß aufgehalten werden!

Denn er ist ein schwarzer Fleck in der Geschichte der Aufklärung.

Weiterführende links zum Thema:

  1. http://www.nostatusquo.com/ACLU/dworkin/OrdinanceCanada.html
  2. http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/35826/sauberer-sex/
  3. http://philippe-wampfler.com/2013/06/17/feminismus-sex-und-pornographie/
  4. http://www.thedailybeast.com/witw/articles/2013/09/16/combatting-the-hidden-scourge-of-boys-in-the-sex-industry.html
  5. http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=I333hqsRk-Y

9 Kommentare

  1. So wie ich das Konzept der Männlichkeit im Feminismus verstehe, werden von der Gesellschaft bestimmte Normen bestimmten Körpern zugeordnet. Dabei wird gerade bei Männern eine Rolle vorgegeben, nach der sie Frauen überlegen sind und in der Männer die Macht haben. Dies gilt insbesondere für die hegemoniale Männlichkeit, um die es letztendlich auch in diesem Beitrag geht.
    Nach diesem Konzept wollen Männer so leben, dass sie diese Rollen erfüllen, weil ein Druck zur Rollenerfüllung besteht, indem Rollenabweichungen bestraft und Rollenbestätigungen gesellschaftlich belohnt werden.
    Ein „unmännlicher Mann“ würde danach nicht an Machtpositionen gelangen und ein „männlicher“ Mann eher aufsteigen.
    Die Pornos erfüllen nun zwei Ziele: Sie erlauben dem Betrachter sich in die Rolle einzufinden, durch die Identifikation wird der Mann zu einem „männlichen“ Mann, kann sich also gut fühlen und sie geben gleichzeitig dem Rahmen vor, innerhalb dessen eine Rollenerfüllung vorliegt, definieren also, was „männlich“ ist, hier die Demütigung der Frau. Beide Vorgänge stützen sich gegenseitig innerhalb des Narrativs „Männlich ist, wer einer Frau überlegen ist und diese verachten kann“.
    Der Feminismus gibt nun vor, dieses Narrativ durchbrechen zu wollen, indem beide Aspekte angegriffen werden. zum einen soll die grundsätzliche Rollen aufgebrochen werden, also nicht mehr als männlich gelten, wer einer Frau überlegen ist sondern „Mannsein“ soll überhaupt nicht mehr definiert werden zu Gunsten von „Mensch sein“ zum anderen soll die Verstärkung dieser Verbindung durch die Art der Erzählung vermieden werden, indem anderen Erzählungen mehr Raum gegeben wird.
    In der feministischen Theorie ist das Raum einnehmen von hoher Bedeutung, in (fälschlicher) Berufung auf Derrida. Dieser versucht bei einer Dekonstruktion von TEXTEN zu ermitteln, welche Sachverhalte oder Geschehnisse zugunsten anderer dargestellt werden und welchen eben kein Raum gegeben wird. Wer mehr Raum hat, der beeinflusst damit auch den inhalt des Textes, in der Übertragung also die erzeugten Rollen.

    Nach feministischer Vorstellung muss demnach, wenn demütigenden Sex durch Männer an Frauen ein großer Raum eingeräumt wird, dies die Errichtung von Gesellschaftsnormen sein, nach denen Frauen durch Männer beim Sex gedemütigt werden sollen. Und damit hätten wir eine falsch definierte Männlichkeit, die angegriffen werden muss.

    • >So wie ich das Konzept der Männlichkeit im Feminismus verstehe…
      So habe ich es auch verstanden.

      Der feministische Text ist insofern etwas Besonderes, als er versucht mit Hilfe von Pornographie zu begründen, daß das auch stimmt. Denn Argumente findet man ja eher selten bei feministischen Ideen. In der Regel wird nur versucht, die feministischen Vorstellungen an Beispielen zu illustrieren.

      >Dies gilt insbesondere für die hegemoniale Männlichkeit, um die es letztendlich auch in diesem Beitrag geht.
      Da bin ich nicht so sicher: Hegemoniale Männlichkeit nach Connell ist eine Verallgemeinerung des Patriachats und in diesem Text wird beides nicht erwähnt.

      >Die Pornos erfüllen nun zwei Ziele:
      Das tun sie vielleicht nach feministischer Vorstellung und mit diese Frage setze ich mich gar nicht auseinander. Ich zeige hier aber, daß selbst dann, wenn in Pornos passiert, was die Feministen so annehmen, das für Männlichkeit gar nicht charakteristisch ist.

      Würde man diskutieren, warum Pornos überhaupt erregend sind – auch Frauen benutzen übrigens youporn und finden das geil – dann würde man vermutlich darauf kommen, daß sie vor allem mit einer Übersteigerung zu tun haben und gerade NICHT realistisch sind, weil sie nach dem Prinzip “Ich bin so geil, ich könnte dir … machen.” funktionieren. Würde im Schlafzimmer wirklich der Porno abgehen, würde das natürlich jeder vorziehen.

      Aber das versuche ich gar nicht zu ergründen, ich hab darüber noch nicht richtig nachgedacht.

      >Der Feminismus gibt nun vor, dieses Narrativ durchbrechen zu wollen, indem beide Aspekte angegriffen
      >werden.
      So ist es.

      >sondern “Mannsein” soll überhaupt nicht mehr definiert werden zu Gunsten von “Mensch sein”
      Das ist bislang nur eine Vermutung, aber möglicherweise würde auch sexuelle Anziehung dabei verloren gehen.

      >Nach feministischer Vorstellung muss demnach, wenn demütigenden Sex durch Männer an Frauen ein großer
      >Raum eingeräumt wird, dies die Errichtung von Gesellschaftsnormen sein, nach denen Frauen durch Männer
      >beim Sex gedemütigt werden sollen. Und damit hätten wir eine falsch definierte Männlichkeit, die angegriffen

      Ja, ich verstehe. Doch wie gesellschaftliche Normen wirklich gültig werden, weiß ich noch nicht. Glücklicherweise war die Argumentation des posts auf diesen Punkt nicht angewiesen. Jedenfalls scheint mir die feministische Vorstellung doch reichlich naiv zu sein.

      • Warum wir bestimmte Varianten, die häufiger in Pornos auftauchen, mögen, finde ich aber durchaus eine interessante Frage.
        Ich habe mir da auch mal Gedanken zu gemacht:
        http://allesevolution.wordpress.com/2011/12/21/pornographie-und-evolution/

        Allerdings wie bei mir übliche eher aus evolutionärer Sicht.

        Ich glaube da sind durchaus spannende Fragen versteckt. Was meinst du, warum sich solche Varianten durchgesetzt haben?

        • >Warum wir bestimmte Varianten, die häufiger in Pornos auftauchen, mögen, finde ich aber durchaus
          >eine interessante Frage.
          Absolut – vor allem, wenn es darum geht, eine männliche Sexualität zu entwickeln, die über eine Dienstleistung an der Frau hinausgeht. Allerdings weiß ich im Moment nicht, wie ich das knacken soll.

          >http://allesevolution.wordpress.com/2011/12/21/pornographie-und-evolution/
          Ok, danke, muß ich erst mal lesen.

          >Allerdings wie bei mir übliche eher aus evolutionärer Sicht.
          Das macht nichts, im Moment kann ich jede Hilfe gebrauchen.

          >Was meinst du, warum sich solche Varianten durchgesetzt haben?
          Schwierig, zumal ich vieles, was in Pornos gezeigt wird, schlicht nicht erotisch, sondern einfach nur merkwürdig bis unverständlich finde. Aber offensichtlich spielt es eine Rolle, daß sich die Männer vorstellen, das Vergnügen der Frau zu steigern.

          Ich werde mal rumhören, was Frauen denken.

  2. Ulrich sagt:

    Tolle Analyse! Hab mal weitere Literatur zu dem Thema gesucht und bin dabei auf „Pornos machen traurig“ von Peter Redvoort gestoßen – kein wissenschaftliches Buch, aber eigentlich ein „profeministisches“ – mir gefiel´s …

    Ulrich

  3. […] sofort zugestimmt. Hat er aber nicht. Feminismus ist vom Standpunkt eines linken Maskulismus eine sexistische Ideologie, die kein Problem damit hat, das Leiden und die Benachteiligungen von sowie Gewaltverbrechen an […]

  4. […] biologistisch. Sie ist keineswegs auf den Maskulismus beschränkt, sondern wird auch häufig von feministischen Seximen gegen Männer benutzt. Entsprechend positioniert sich ein Männerrechtler durch seinen Biologismus noch keineswegs […]

  5. […] Komponenten und Männlichkeit ist so konsequent die Ursache allen Übels, daß Feministen vor biologistischen Argumentation dafür nicht zurückschrecken. Auch die Quotenargumentation kommt nicht ohne eine Glorifizierung von […]

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