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Warum Biologismus unseriös ist

Wenn man der Seriosität des Biologismus, der These, daß der menschliche Geist inhaltlich biologischen Strukturen und evolutionären Zwängen angepaßt ist, nachgeht, dann stößt man als erfahrener Naturwissenschaftler sofort auf das folgende Problem:

  • i) Nehmen wir an, wir machen ein naturwissenschafliches Experiment nach allen Regeln der Kunst. Was dabei herauskommt, sind, wie jeder weiß, Zahlen – nicht mehr. Was diese Zahlen bedeuten, muß uns eine Theorie sagen, die uns die Informationen zu dieser Art von indirektem Nachweis liefert – dasjenige, wofür diese Zahlen stehen, ihre SI-Einheiten und so weiter. Meistens benutzen Biologen chemische oder physikalische Methoden. Das bedeutet, daß wir eine chemische oder physikalische Theorie brauchen, die uns sagt, was wir da gemessen haben. Und diese Information können wir dann weiter verwerten, indem wir uns fragen, welchen Unterschied diese Information für eine biologische Theorie oder eine statistische Hypothese machen, die wir aufstellen, weil uns eine biologische Theorie dazu motiviert hat. Und jeder Naturwissenschaftler weiß aus eigener Erfahrung, daß das Ganze genauso funktioniert.
  • ii) Wenn es nun um ein Experment z.B. zur Botenstoffchemie des Gehirns geht, dann hilft uns sicher eine chemische Theorie, die primär auf die Physik der Elektronenhülle zurückgeht, und eine neurobiologische Theorie weiter – weil es um das Gehirn geht. Aber welche Theorie hilft uns weiter, wenn es um den Geist geht? In der Praxis lautet die Antwort des Biologismus „Die Biologie/Evolution – natürlich!“ – und gibt damit eine völlig anderartige Antwort, als wir sie in allen anderen naturwisseschaftlichen Experimenten geben. Denn dort geben uns Zahlen – wie oben gezeigt – in einer physikalischen Theorie nur physikalische Information und in einer chemischen Theorie nur chemische Information und so weiter. Wenn uns also eine biologische Theorie aus Zahlen über den Geist biologische Information liefert, dann muß der Geist etwas Biologisches sein – es sei denn jemand will behaupten, daß uns biologische oder evolutionäre Theorien mentale Informationen liefern.
  • iii) Folgen wir dem Biologismus, dann setzen wir bereits voraus, daß der Geist biologischer Natur ist, wir fragen gar nicht mehr nach seiner Natur, denn wir wissen ja schon alles, nicht wahr? Wenn aber das mind-body-Problem ein Scheinproblem ist, welche Erklärung liefert dann der Biologismus dafür, daß es sich lediglich um ein Scheinpoblem handelt? Genau: Gar keine, er stampft einfach mit dem Fuß auf wie ein Kleinkind und brüllt „Das ist so!“ – was natürlich lächerlich ist.

Also ist Biologismus entweder zirkulär oder einfach nur eine billige Behauptung und an diesem Argument können hunderte Veröffentlichungen nichts ändern – es sei denn, wir hören mal ein Argument dazu, warum das mind-body-Problem ein Scheinproblem ist, weil es z.B. auf einer irreführenden Formulierung oder einem Mißverständnis beruht.

Aber ein solcher Nachweis wäre nicht empirisch über Daten, sondern nur mittels logischer Argumentation möglich – wozu die meisten Biologisten aber nicht in der Lage sind.


26 Kommentare

  1. Leonard sagt:

    Meine Sicht ist die folgende: Auch wenn wir (nach meiner Kenntnis) bisher nicht genau wissen, was Bewusstsein (oder Geist) ist, und wie sich der Übergang von neuronalen Strukturen und Prozessen in „Geist“ genau vollzieht, so besteht doch kaum Zweifel daran, dass das Gehirn samt Zentralnervensystem die biologische Grundlage und Voraussetzung dafür ist, dass geistige Phänomene einfacher und komplexer Art auftreten und beobachtet werden können. Aus meiner Sicht steht jedoch die Hirnfoschung noch ganz am Anfang, und angesichts der äußersten Komplexität ihres Gegenstandes dürfte die Forschung noch sehr viel Zeit benötigen. Dass geistige Phänomene heutzutage nicht rein biologisch erklärt werden können, das mag so sein, aber deswegen, weil sie dazu vermutlich längst nicht weit genug entwickelt sind. Aber sie mögen eines Tages dazu in der Lage sein. Das jedenfalls ist m. E. zu vermuten und zu erwarten. Wenn nicht: was spräche dagegen?

    • „so besteht doch kaum Zweifel daran, dass das Gehirn samt Zentralnervensystem die biologische Grundlage und Voraussetzung dafür ist, dass geistige Phänomene einfacher und komplexer Art auftreten und beobachtet werden können.“

      Soweit ich das beurteilen kann, besteht keinerlei Zweifel daran, daß das Gehirn das Bewußtsein erzeugt. Insoweit stimme ich mit dem Biologismus überein – was Biologisten aber nur zu gerne leugnen.

      Die entscheidende Frage ist jedoch, was daraus für unsere Wünsche, unsere Gedanken oder unsere Wahrnehmungen und Erlebnisse folgt. Hier hast du ja selbst – vorsichtigerweise – keine genauen Meinungen geäußert.

      „Dass geistige Phänomene heutzutage nicht rein biologisch erklärt werden können, das mag so sein, aber deswegen, weil sie dazu vermutlich längst nicht weit genug entwickelt sind.“

      Interessant – was bringt dich auf diese Vermutung?

      „Aber sie mögen eines Tages dazu in der Lage sein. Das jedenfalls ist m. E. zu vermuten und zu erwarten. Wenn nicht: was spräche dagegen?“

      Dasselbe, was jetzt bereits dagegen spricht:

      i) Verhalten ist nicht verursacht und der neuronale Determinismus ist falsch.
      ii) Handlungsrerklärungen sind Rationalierungen und keine Prognosen von Verhaltensweisen oder Verhaltensmerkmalen.
      iii) Alltagspsychologie ist keine seltsame und indirekte Beschreibung der Funktionsweise des Gehirns, sondern eine empirisch-normative Theorie der Charakterisierung von Personen, die nicht direkt auf zerebrale Gehirnzustände zurückgeführt werden kann.

  2. Emannzer sagt:

    Ich bin da geteilter Meinung. Unser Unterbewusstsein steuert im Bewusstsein viel mehr, als gemeinhin angenommen. Jeder kennt wohl den Moment, wenn er schlaftrunken bei der Arbeit erscheint und sich fragt: Wie bin ich hierher gekommen?

    Neurologisch betrachtet verarbeitet das Unbewusste mehr, als es jedem bewusst sein dürfte. Ein einfaches Experiment bestätigt das. Schaut mal irgendwohin und schließt die Augen. Dabei das ganze en passant Revue passieren lassen. Man findet eigentlich alles Gesehene sofort geistig wieder.

    Berücksichtigt man dabei, dass das Unterbewusste also wesentlich mehr Informationseinheiten aufnehmen und verarbeiten kann, als das Bewusstsein, dann stellt sich die Frage, inwiefern man tatsächlich selbst gesteuert ist.

    Es gab mal ein sehr interessantes Buch dazu, geschrieben von einem Norweger namens Norretrander (oder) so: „Entdecke die Wirklichkeit“ hieß es, meine ich. Leider ist es nirgens mehr erhältlich und ich habe meines seinerzeit verliehen und nie wiederbekommen.

    Wie auch immer. Wir stehen wohl erst am Anfang der Erkenntnis und daher könnte die Wahrheit in der Mitte liegen. Das ist keine Widerrede zum Artikel, sondern ein Nachdenken darüber.

    • @Emannzer

      „Ich bin da geteilter Meinung. Unser Unterbewusstsein steuert im Bewusstsein viel mehr, als gemeinhin angenommen. Jeder kennt wohl den Moment, wenn er schlaftrunken bei der Arbeit erscheint und sich fragt: Wie bin ich hierher gekommen?“

      Das Interessante ist, daß djadmoros genau denselben Punkt geltend macht wie du – und ich schulde ihm noch eine blog-offizielle Antwort darauf.

      Um dessen Pointe darauf vorweg zu nehmen, bin ich wie djadmoros und du der Meinung, daß die wenigsten Leute darüber Bescheid wissen, wie sie zu ihrem Verhalten kommen. Doch wie gewöhnlich besteht die entscheidende Frage darin, was daraus folgt.

      Eine Sache ist es, nachzuweisen, daß Handlungserklärungen besondere Erklärungen sind, in denen die Rationalität des Verhaltens nachgewiesen wird – was mit den Quellen des Verhaltens nichts zu tun hat. Sollte das stimmen, dann widerspricht das deiner und djadmoros Auffassung nicht.

      Eine andere Sache ist es, nachzuweisen, daß Wissen um die eigenen Handlungsgründe sogar für den Akteur selbst notorisch knapp ist. Ich denke, das kann ich zeigen. Sollte das stimmen, dann widerspricht das deiner und djadmoros Auffassung nicht.

      Unbestitten ist auch die Existenz sogenannter neurologischer Zombiesysteme, wo Erlerntes ohne bewußte Entscheidungen richtig angewendet wird – wie z.B. beim Autofahren.

      Aber seltsam wird es, wenn daraus die Freudianer eine kollektive Menge versteckter Persönchen als Untergrund aller Entscheidungen jeder Person machen, die die Willensfreiheit einer Person beschneiden. Denn hier wird eine Determinismusvorstelllung verwurstet, die genauso seltsam ist, wie die des Biologismus,

      Auf Kommentarlänge kann man das sicher nicht abschließend klären. Ich wollte dir aber zeigen, daß ich da durchaus mitdenke und auf diese Probleme noch mal in weiteren posts zu sprechen komme.

      • Emannzer sagt:

        @Elmar:

        „…Aber seltsam wird es, wenn daraus die Freudianer eine kollektive Menge versteckter Persönchen als Untergrund aller Entscheidungen jeder Person machen, die die Willensfreiheit einer Person beschneiden. Denn hier wird eine Determinismusvorstelllung verwurstet, die genauso seltsam ist, wie die des Biologismus, …“

        Vermutlich liegt da der Hase mit im Pfeffer. So, wie auch hier:

        „… daß die wenigsten Leute darüber Bescheid wissen, wie sie zu ihrem Verhalten kommen. Doch wie gewöhnlich besteht die entscheidende Frage darin, was daraus folgt…“

        Konsequent weitergedacht, bedeutet das nichts anderes (aus meiner Sicht), als das man Dinge postuliert, von denen man annimmt, sie seien durch die Ratio bestimmt und damit die obligatorische ‚Wahrheit‘.

        Auffallend ist, dass solche Argumente meist aus der Ecke von Fanatikern jeglicher Couleur kommen, wie man sie u.a. im Gender Mainstreaming, dem Feminismus und von Refugees-Welcome-Claqueren kennt.

        Da hilft kein Appell mit Argumenten mehr, denn sie meinen, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte die Wahrheit gepachtet zu haben und vertreten das auch stoisch wie Roboter oder Zombies. Und das mit einer Vehemenz, dass man darüber nur noch den Kopf schütteln kann.

        Dies mag auch eine Erklärung dafür sein, warum man solche „kognitiven Dissonanzen“ meist in solchen Kreisen wiederfindet, die lediglich nur eins versuchen: Ihr Unterbewusstsein mit Parolen zuzutröten, bis nichts mehr in sich stimmig ist.

        Denn das meldet sich dennoch und immer wieder – und muss irgendwie mit der eigenen und gefühlten Realität in Einklang gebracht werden bzw. wird vielleicht auch noch genährt durch persönliche Defizite oder Deprivationen.

        Insofern stellt sich dieser Kreis auch nicht der Frage „was daraus folgt ..“ Zombie-Gene scheint es also nicht nur bei Autofahrern zu geben. Aber solange die Menschen nicht hinterfragen, woher eigentlich ihre Handlungsmuster kommen und weshalb sie, vermeintlich selbstbestimmt, so handeln, wie sie es eben tun, so lange wird sich auch nichts ändern im Konstrukt solcher Gedanken.

        Schöne Ostertage dir und euch Allen.

  3. Lotosritter sagt:

    Ob der Biologismus deswegen unseriös ist, weil ihn manche unseriös interpretieren oder Vermutungen mit Fakten verwechseln, mag die eine Seite der Medaille sein. Die andere ist, dass es für seriöse Wissenschaften ohnehin nutzlos ist, metaphysiche Fragen durch vermeintliche wissenschaftliche Fakten beantworten zu wollen. Die Frage nach der biologischen oder transzendenten Natur des Geistes wird darum vernünftigerweise offen bleiben. Eines lässt sich allerdings beobachten, ohne Gehirn keine geistige Reflexion. Wahrnehmung ist indes schon mit wenigen Ganglien möglich; aber selbst ohne Ganglien geschieht Wahrnehmung, insofern man an die biochemische Wahrnehmung und Kommunikation von Pflanzen oder Mikroorganismen denkt.

    Sehr interessant ist auch die Forschung zur Determination von Verhalten durch Epigene. Dr. med. Ulrike Schmidt von der Traumaambulanz des MPI in München forscht zu diesem Thema. Hier ein Link zu einem Aufsatz von ihr. Damit ließen sich Dispositionen für Verhaltensweisen und traumatische Befindlichkeiten erklären.

    Was das Bewusstsein angeht, so halte ich es mit Jiddu Krishnamurti, der meinte: das Bewusstsein ist sein Inhalt. Zudem gehe ich persönlich von einer Bewusstheit aus, die das Bewusstsein belebt. Aber das wäre dann wiederum Metaphysik und läge außerhalb wissenschaftlicher Erkenntnis.

    • @Lotosritter

      Ich bin gar nicht mal so sicher, daß die Frage, wie sehr wir durch Gene/Epigene determiniert sind, ein metaphysisches Problem ist. Es gibt Leute, die das so sehen, aber diese Ansicht scheint auszusterben – ohne, daß ich im Moment sagen könnte, woran das liegt.

      Ich komme noch mal darauf zurück, wenn ich mehr weiß.

  4. luisman sagt:

    Ich bin mir nicht sicher ob Du da nicht Einiges zu eng siehst. Ich beschreibe mal mein Amateurverstaendniss.

    Physisches Hungergefuehl:
    Babygehirn -> Schreien (Mama, besorg mir was zu essen)
    Normalperson -> Ich besorge mir was zum essen
    Fettsack auf Diaet -> Ich darf nichts essen.
    vergeistigter Moench -> transzendentale Gebete

    „Normal“, also zu >>80% ist eben, dass man sich was zu essen holt, was der biologistische Standardfall waere. Die Ausnahmen sind erklaerbar. Der Standardfall ist eben die einfache Erklaerung die fast immer zutrifft, die Ausnahmen sind kompliziertere Varianten.

    Rein biologisch/chemisch ist das ja auch so. Eine Medizin hilft gegen bestimmte Beschwerden in >>80% der Faelle, aber nicht in allen. Die Ausnahmen machen das Medikament und seine prinzipielle Funktionsweise ja nicht unwirksam oder bedeutungslos fuer die Mehrheit, denen es hilft.

    • @luisman

      Das Problem, das ich mit deiner Geschichte habe, ist folgendes:

      Es gibt überhaupt keinen Grund, warum es in deiner Geschichte mit völlig anderen Gründen nicht zu demselben empirischen Ergebnis gekommen sein könnte.

      Für eine Erklärung ist das aber wesentlich:

      a) Erklärungen beantworten Warum-Fragen, indem sie eine mögliche Antwort auf eine Warum-Frage als richtig, als Wissen auszeichnen, insofern sie einen Grund dafür angeben, warum gerade ein bestimmer Umstand oder ein bestimmtes Ereignis, denjenigen anderen Umstand oder dasjenige andere Ereignis, dessen Vorkommen der Anlaß der Warum-Frage war, in einen relativen Sinn wesentlich wahrscheinlicher macht, als jede andere mögliche Antwort.

      b) Wäre das nicht so, dann könnten wir nicht verstehen, wieso die Antwort „Er hatte seine Erkrankung an Syphelllis nicht behandeln lassen.“ in einer nicht-trivialen Weise eine sehr gute Antwort auf die Frage „Warum erkrankte Nietzsche an progressiver Paralyse?“ ist, obwohl es sehr unwahrscheinlich ist, daß Syphellitiker überhaupt an progressiver Paralyse erkranken: Es ist unsere einzige Erklärung der progressiven Paralyse. Sie beschehrt einen Wissenszuwachs, der gegenwärtig durch keine andere Antwort überboten werden kann.

      c) Für die Erklärungsleistung einer Erklärung ist daher offenbar nicht ihre prognostische Potenz, sondern das Maß entscheidend, in welchem sie unter Benutzung einer Theorie (hier: der Medizin) eine unter allen möglichen anderen Antworten vor diesen auszeichnet derart, daß wir gerechtfertigte Meinungen darüber gewinnen, weshalb diese und keine der sonstigen Antworten, die richtige ist.

      Also: Durch deine Geschichte haben wir überhaupt nichts gewonnen. Alles, was brauchen würden, um einen Einfluß der Biologie zu erkennen, fehlt hier.

      Du kannst das alles noch mal genauer nachlesen in diesem post:
      https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2016/03/10/was-ist-wenn-prognosen-keine-erklarungen-sind/

      Damit sage ich noch nicht, daß du nicht nachholen kannst, was in deiner Geschichte fehlt. Aber es führt kein Weg um die Aufforderung an dich herum, genau das zu tun.

      • luisman sagt:

        Ich will mich auf Deine wissenschafts-theoretische Philosophie nicht weiter einlassen; erstens verstehe ich davon zu wenig und zweitens ist mein Interesse daran eher begrenzt. Im einfachsten Fall gehe ich mal mit David Hume. Der empirisch massgebende Fall wird nach derzeitigem Verstaendniss erklaert und ist der Standard-Fall, oder eine quasi Gesetzmaessigkeit.

        […] Es gibt überhaupt keinen Grund, warum es in deiner Geschichte mit völlig anderen Gründen nicht zu demselben empirischen Ergebnis gekommen sein könnte. […]
        Solange diese Gruende genauso logisch und kausal sind wie die urspruengliche Erklaerung, gibt es eben eine alternative Erklaerung. Das Argument „es koennte ja auch andere Gruende geben“ ist kein Argument. Eine logische alternative Erklaerung waere dann ja Anlass zu weiterer Forschung. Vielleicht wird mal der Einstein des Biologismus geboren und klaert das alles auf.

        • „Das Argument “es koennte ja auch andere Gruende geben” ist kein Argument.“

          Du hast das falsch verstanden. Ich benutze das nicht als Argument für meine Thesen, sondern ich zeige dadurch, daß du keinerlei Gründe angegeben hast, warum deine Thesen wahr sein sollen.

          Meinungen kann natürlich jeder haben, wie er will, aber wenn wir darüber diskutieren, was wahr ist, dann genügt es nicht, wenn du die o.g. Geschichte erzählst und hinzufügst, daß sie doch offensichtlich einleuchte.

          Denn du gibst dich ja auch nicht damit zufrieden, daß die Statistiken zeigen, daß Männer häufiger verurteilt werden und die Radikalfeministen daraus schließen, daß dies zeige, daß Kriminalität in den Genen der Männer liege. oder? Oder gibst du dich mit der Behauptung zufrieden, daß die Statistiken zeigen, daß Frauen länger leben als Männer und dadurch das Offensichtliche bewiesen würde, daß die genetische Ausstattung der Männer minderwertig sei und Frauen die besseren Menschen seien?

          Vermutlich nicht, oder? Ok, darin stimmen wir überein.

          Aber warum soll ich mich dann mit deiner Geschichte zufrieden geben, die doch nicht mehr tut, als zu behaupten, daß das Offensichtliche nicht bewiesen werden muß?

          Das kann ich schon deshalb nicht tun, wenn ich Widersprüche vermeiden will und DAS ist das Mindeste, was wir hinbekommen müssen.

          • luisman sagt:

            Vielleicht reden wir aneinander vorbei. Als Wissenschaftler gibt man sich eh nie mit einer Begruendung zufrieden, sondern akzeptiert sie bis auf weiteres als den derzeitigen Stand des Wissens.

            Ich kann ja auch behaupten, dass der Mensch gar nicht denkt, sondern GOTT meinen Hunger erkennt und mich zum Kuehlschrank fuehrt. Das wuerde den Fettsaecken so passen, wenn wir das akzeptieren wuerden, tun wir aber nicht. Wir koennen aus zugefuehrten Kalorien, Kalorienumsatz des Koerpers und vergangener Zeit experimentell ermitteln, wann das Hungergefuehl sich einstellen muss. Wenn dann 80% zum Kuehlschrank gehen, behaupten wir, dass das Gehirn den Befehl gegeben hat, unter Nachweis bestimmter gemessener Gehirnstroeme. Die Entscheidung fuer die wahrscheinlichste Hypothese faellen wir mit Occam’s Razor und entscheiden uns fuer die komplexere, weil diese falsifizierbar ist (die Gott Erklaerung ist zwar einfacher aber nicht falsifizierbar).

            • „Vielleicht reden wir aneinander vorbei.“

              Glaub ich nicht.

              „Als Wissenschaftler gibt man sich eh nie mit einer Begruendung zufrieden, sondern akzeptiert sie bis auf weiteres als den derzeitigen Stand des Wissens.“

              Weniger. Als Wissenschaftler kann ich dir versichern, daß man eigentlich immer mit mehreren kausalen Erklärungen gleichzeitig spielt und die Experimente dazu dienen, sich zwischen ihnen für eine zu entscheiden. Die muß nicht für alle Ewigkeiten richtig sein, aber wer einfach akzepiert, was so Standard ist, der würde nie auf die Idee kommen, weiter zu forschen.

              „Ich kann ja auch behaupten, dass der Mensch gar nicht denkt, sondern GOTT meinen Hunger erkennt und mich zum Kuehlschrank fuehrt.“

              Als Humanist bin ich Atheist. Diese Option ist inakzeptabel.

              „Wenn dann 80% zum Kuehlschrank gehen, behaupten wir, dass das Gehirn den Befehl gegeben hat, unter Nachweis bestimmter gemessener Gehirnstroeme.“

              Das klingt so, als hättest du die Deutung der Experiemente von Libet und Eimer zur Willensfreiheit akzeptiert. Verstehe ich das richtig?

            • luisman sagt:

              Da die Komentarspalte jetzt zu eng wird und bei mir die Uhr 10:15pm schlaegt, ist in meinem Universum jetzt beer-o-time, d.h. das ist mein letzter Kommentar dazu.

              Bzgl. Wissenschaft: Ich akzeptiere immer noch Newton, aber unter den Einschraenkungen und Erweiterungen der Erklaerungen von Einstein. Damit ist Newton ja nicht grundsaetzlich falsch geworden. Und fuer den nicht an diesem Thema Forschenden reicht Newton idR auch heute noch aus.

              „Als Humanist bin ich Atheist. Diese Option ist inakzeptabel.“
              Das ist weder eine Erklaerung, noch eine Begruendung – nach Deiner reinen Lehre. Ich sage, da der Grossteil der Erklaerungen die auf Gott beruhen in den letzten paar hundert Jahren durch bessere Erklaerungen aus der Wissenschaft ersetzt wurden, gibt es keinen Grund an Gott zu glauben. Der god-of-the-gaps wird auf jeden Fall taeglich immer kleiner.

  5. Hier ist eine Studie besprochen, die für dich vielleicht klarer macht, wie so etwas funktioniert:
    https://allesevolution.wordpress.com/2012/07/27/biologische-faktoren-vs-erziehung-auswirkungen-bei-den-geschlechterrollen/

    Das ist auch nicht weiter problematisch: Wirkungen von Medikamenten auf das verhalten werden täglich getestet, warum sollte das bei zB Hormonen etc nicht gehen?

  6. Haselnuss sagt:

    Interessante und richtige Gedanken. Auch die neue Handlungstheorie bietet viel Neues. In sich schlüssig und konsequent zu Ende gedacht. 🙂

    Mal so als Frage: Denkst du wirklich, dass gewisse Personen ihren Biologismus aufgeben? Die würden nicht verstehen, was du sagst, wenn du es ihnen in die Netzhaut laserst. Wenn nein: Warum verschwendest du deine Zeit?

    • @Haselnuss

      Ob die Leute ihre biologistischen Überzeugungen aufgeben werden, ist eine Frage, die ich – aus meiner Sicht informativ – bereits hier:

      http://allesevolution.wordpress.com/2016/03/27/kausalitaet-biologie-und-evolution/

      mit dem user lh diskutiert habe. Bitte ließ es dort noch einmal nach, da die Sache etwas länglich ist.

      Darüberhinaus beschreibe ich in einem Kommentar relativ am Anfang der Menge aller threads meinen Masterplan in Bezug auf Biologismus. Das könnte für deine Frage auch eine Rolle spielen.

      Zur Frage der Zeitverschwendung:

      Meine Vermutung ist, daß Biologismus einer der Hauptgründe dafür ist, warum die Männerbewegung quasi unsichtbar ist, denn die meisten Alltagsprobleme der Geschlechter sind ais biologistischer Perspektive quasi unsichtbar. Das liegt daran, weil eine unabhängige Sphäre des Sozialen, die nur ein Kollektiv erzeugen kann und von den individuellen Präferenzen ziemlich unabhängig sein kann, vom Biologismus für inexistent erklärt wird: Es gibt nur Individuen und als Generalzweck all ihrer Handlungen den, evolutionäre Vorteile zu realisieren bzw. evolutionäre Risiken zu minimieren.

      Meiner Überzegung nach können wir auf diese Weise eine Männerrechtsbewegung niemals zu einer Männerbewegung machen. Doch genau das brauchen wir, um wirklich viele Männer zu erreichen.

      Etwas umständlicher formuliert: Der Biologismsu steht der Entwicklung eines Humanismus im Weg. Und für eine humanistische Gesellschaft zu arbeiten, halte ich unter keinen Umständen für Zeitverschwendung.

      Das Dumme ist, daß der Weg dahin, den ich persönlich sehen kann, ziemlich theorielastig ist. Das ist ein Nachteil. Wenn du einen einfacheren Weg kennst, nehme ich den sofort.

      • Haselnuss sagt:

        Du hast den zweiten Teil meiner Frage überlesen (Kein Vorwurf, eine Feststellung.): Sie verstehen dich nicht. Und sie verstehen dich nicht a) weil sie kognitiv dazu nicht in der Lage sind b) weil ihnen die notwendige Erfahrung fehlt und c) weil der Biologismus ihnen als ausreichende Erklärung dient.

        Nimm einfach mal den typischen Werdegang eines biologistischen Pickup-Vertreters: Loser bei Frauen. Trennung von der „aktuellen“, dann abgleiten in die PUA-Sekte. Dann auf einer Party mal ein paar dicke/hässliche Weiber mit seinen canned routines richtig gut unterhalten (Hätte er wenigstens die hübscheste gefingert…). Die Dickste der Runde fand ihn danach so richtig toll. Irgendwann doch eine abbekommen, sie gerne in verzweifelt. (Ich erinnere mich da an so um 2009, selbst Freunde und Bekannte von mir, die gar nichts mit den Weibern gerissen haben, hatten um diese Zeit eine spanische Freundin.) Schluss des Losers bei Frauen: Biologismus/PUA funktioniert, ich habe schließlich eine Freundin.

        Egal, wie logisch konsistent und stringent du argumentierst, der biologistische Loser wird es nicht glauben. Ihm fehlt die Erfahrung mit Frauen, ihm fehlt die Lebenserfahrung allgemein, ihm fehlt die kritische Denke, ihm fehlt die Neugierde. Er hat es sich bequem in seiner Blase eingerichtet, er bezieht einen großen Teil seiner persönlichen, positiven Identität aus dem Biologismus („Ich bin ein Frauenheld“/“Ich bin ein theoretischer Vordenker“) => Zeitverschwendung ihn bekehren zu wollen.

        • @Haselnuss

          „Du hast den zweiten Teil meiner Frage überlesen“

          Stimmt, das habe ich irgendwie vergessen. Anders als in Mathe, wo ich aus Prinzip keine Nachhilfe mehr gebe, weil ich genau weiß, daß ich das Gefühl dafür verloren habe, wie man etwas erklärt, was mir sonnenklar ist, ist das für mich in Philosophie viel schwieriger einzuschätzen. Ich versuche mich da, zu verbessern, aber es klappt nicht so richtig.

          „Nimm einfach mal den typischen Werdegang eines biologistischen Pickup-Vertreters: Loser bei Frauen. Trennung von der “aktuellen”, dann abgleiten in die PUA-Sekte. Dann auf einer Party mal ein paar dicke/hässliche Weiber mit seinen canned routines richtig gut unterhalten (Hätte er wenigstens die hübscheste gefingert…). Die Dickste der Runde fand ihn danach so richtig toll. Irgendwann doch eine abbekommen, sie gerne in verzweifelt. (Ich erinnere mich da an so um 2009, selbst Freunde und Bekannte von mir, die gar nichts mit den Weibern gerissen haben, hatten um diese Zeit eine spanische Freundin.) Schluss des Losers bei Frauen: Biologismus/PUA funktioniert, ich habe schließlich eine Freundin.“

          Es gibt bestimmt Leute, bei denen das so gelaufen ist. Daher ist mir schon klar, daß ich denen eine Alternative bieten muß.

          • Haselnuss sagt:

            „Es gibt bestimmt Leute, bei denen das so gelaufen ist. Daher ist mir schon klar, daß ich denen eine Alternative bieten muß.“
            Wie kommen denn die Meisten zur Evolutionsbiologie? Wohl über den Trojaner PUA. („PUA sagt einem, wie Frauen WIRKLICH sind. Es ist GANZ ANDERS, als was alle immer so raten, was man bei Frauen tun soll und es ist WISSENSCHAFTLICH FUNDIERT!!!“) Denen bietest du aber mit einem theoretischen Framework für eine Handlungstheorie und dem Zerstören des Biologismus keine Alternative. Umgekehrt, du nimmst ihnen etwas weg. Damit bist du ein Feind.

            Aber, ich will dir auch nichts wegnehmen und ich will auch nicht, dass du aufhörst. Denn du hast immer wieder gute Anregungen. Als letzten wirklich guten Gedanken habe ich bei dir irgendwo gelesen, dass sich Frauen oder Femis als hoffnungslos in soziale Beziehungen verstrickt sähen. Ist ein guter Gedanke, habe ich noch nie so klar auf den Punkt gedacht. 🙂

            • @Haselnuss

              „Umgekehrt, du nimmst ihnen etwas weg. Damit bist du ein Feind.“

              Weiß ich.

              „Als letzten wirklich guten Gedanken habe ich bei dir irgendwo gelesen, dass sich Frauen oder Femis als hoffnungslos in soziale Beziehungen verstrickt sähen. Ist ein guter Gedanke, habe ich noch nie so klar auf den Punkt gedacht“

              Das ist nicht meine Idee, sondern eine Grundintuition des auf Simone de Beauvoir zurückgehenden literarischen Feminismus, den sie im wesentlichen von Sartre abgeschrieben hat.

            • @haselnuss

              Ich glaube gar nicht mal, dass pua da so der einstieg ist: ich habe viel über Biologie gelesen und bin unabhängig davon später bei pickup gelandet. Beides passt zwar gut zusammen, aber für pickup braucht man keine evolutionsbiologie

  7. […] daß der Computerbiologismus hier den logischen Behaviorismus benutzen könnte, um nachzuholen, was er hier versäumt hat. Eine etwas allgemeinere Auseinandersetzung mit dem semantischen Physikalismus als […]

  8. […] Das allein macht den Biologismus entweder zirkulär oder für unsere gegenwärtige Welt vollkommen irrelevant. Testen wir nun zusätzlich seinen methodologischen Individualismus. […]

  9. […] wie erwartet, steht der ohnehin zirkulär argumentierende Computerbiologismus diesen Phänomenen komplett hilf- und sprachlos gegenüber, […]

  10. […] weigert sich der Biologismus als interdisziplinäre Theorie konsequent, seine geisteswissenschaftlichen Wurzeln zur Kenntnis zu nehmen oder zu […]

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