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Die Naturalisierung des Humanismus als Erbe des Atheismus

Wer Metaphysikkritiker oder Atheist ist, muß sich Gedanken darüber machen, wie das Gehirn den Geist erzeugt. Dabei gibt es nur zwei ernstzunehmende Optionen: Reduktive Theorien identifizieren auf die eine oder andere Weise die mentalen Zustände einer Person mit ihren zerebralen Zuständen. Nicht-reduktive Theorien akzeptieren neben Dingen und Ereignisssen auch Personen in ihrer Ontologie und das verschafft der Alltagspsychologie einen von der Neurobiologie unabhängigen Status als empirische Theorie der Personen. Letzteres genügt, um die Naturalisierung des moralisch motivierten analytischen Humanismus wenigstens im Prinzip zu garantieren. Und nur darauf kommt es an.

Übersicht:


quality : good

tl;dr: In diesem post versuchen wir wieder einmal den Überblick zu behalten und fragen uns, welche Begründungsschulden die Einführung des analytischen Humanismus via Atheismus und Metaphysikkritik nach sich zieht. Es zeigt sich, daß jeder Humanismus in der Frage des mind-body-problems auf einen nicht-reduktiven Physikalismus angewiesen ist, der seinerseits die Falschheit des Biologismus impliziert und auf eine Ontologie aus Dingen, Ereignissen und Personen verpflichtet. Zusätzlich geben wir einen Überblick über die humanistischen Nachfolgeprojekte und die Konsequenzen für die Männerbewegung als soziale Befreiungsbewegung.

I. Humanismus als atheistische Konsequenz

Die modernen Deutungsansprüche des menschlichen Verhaltens durch die Biowissenschaften sind ein Thema, an das das Überleben des jüngst auf diesem blog entwickelten analytischen Humanismus geradezu gekoppelt ist, denn die Naturalisierungsforderung ist infolge seines Atheismus unvermeidlich. Sehen wir uns an, warum das so ist:

Der analytische Humanismus schließt eine normative Lücke im Spektrum maskulistischer Positionen, indem er eine bestimmte moralische Position bezieht, die eine unvermeidliche Folge des Atheismus ist:

  • (A) Atheismus: Es gibt keinen über-empirischen Akteur, der das Leben und das Schicksal der Menschen leitet – die Menschen sind frei.

Metaphysikkritiker, die haltlose Spekulationen über unkörperliche Wesen, unphysikalische Wechselwirkungen und nicht-empirische oder andere unwissenschaftliche Methoden ablehnen, kommen hier zum selben Standpunkt wie Atheisten: Wer angesichts von (A) der Meinung ist, daß die Entscheidungen der Menschen determiniert sind i.S. einer naturgesetzlichen Notwendigkeit z.B. durch Götter, die Arbeitsweise des Gehirns oder auch die Evolution, der braucht kein Konzept von Menschenrechte begründender Würde, da sich in diesem Fall der Mensch nicht selbst seine Bestimmung gibt. Folglich gibt es erst gar keine Entscheidung, die man achten könnte. Machen die Entscheidungen der Menschen aber einen Unterschied für die Zeitentwicklung aller Zustände und Ereignisse in der Welt, dann scheint

  • (B) das Demütigungsverbot und das Verbot der Verletzung der Selbstachtung

ein fundamentales, moralisches Gebot zu sein, daß zu Recht im Zentrum des Moralerbes der Menschen steht. (B) allein hat zwei Konsequenzen:

  • (C) theoretischer Humanismus: Freiheit bedeutet Handeln aus Gründen.
  • (D) ethischer Humanismus: Würde bedeutet Handeln in Freiheit.

Mit (C) und (D) bringt sich der analytische Humanismus aber von vornherein in Schwierigkeiten sehr abstrakter Art, die wir jetzt verfolgen müssen:

  • i) Wegen (A) muß jede akzeptable Erklärung des Funktionierens unseres Geistes und damit auch der Sphäre des Sozialen, der Wechselwirkungen des Geistes mit dem mehrerer Personen – in einer noch zu erklärenden Weise – mit unserem gegenwärtigen, naturwissenschaftlichen Wissen vereinbar sein.
  • ii) Wegen (C) leuchtet aber nicht ein, wie das möglich sein soll: Denn Gründe sind klarerweise keine Ursachen, Gründe sind gut oder schlecht, Ursachen hingegen stehen zu ihren Wirkungen nur in kausalen Relationen – was wiederum Gründe nicht tun und die Wirksamkeit einer Ursache hängt schon gar nicht davon ab, daß sie in irgendeinem Sinne gut wäre.

Daß aber allein das Gehirn den Geist erzeugt – wir nennen das Physikalismus – ist ein folgenschweres Zugeständnis:

  • (1) Das Gavitationszentrum des Körper-Geist-Problems bildet die Tatsache, dass mentale Phänomene Merkmale zu haben scheinen, die es prima facie unmöglich machen, sie in ein naturalistisches Weltbild zu integrieren, indem man sie mit physikalischen Phänomenen zu identifiziert oder sie gar darauf reduziert. Zustände, die nicht außerhalb des Körpers lokalisiert sind, nennen wir intern. Interne Zustände, die keine körperlichen Zustände sind, nennen wir mental. Mentale Zustände können, müssen aber nicht lokalisiert sein. Die Merkmale, um die es geht, sind der repräsentationale oder semantische Inhalt mentaler Zustände und daß, sie zu hegen, sich gelegentlich in einem qualitativen Sinne anfühlt. Die Naturalisierung der letzteren, mentalen Zustände nennt man manchmal auch das Qualia-Problem.

Punkt (C)  – und damit der analytische Humanismus – impliziert, daß alle reduktionistischen Positionen in der Philosophie des Geistes, d.h. alle Theorien, die beanspruchen, mentale Eigenschaften und Zustände auf physische zurückführen zu können, falsch sind. Die entscheidende Frage ist somit:

  • (2) Gibt es einen nicht-reduktiven Physikalismus, den der analytische Humanismus akzeptieren kann, und wie sieht er aus?

Werfen wir daher einen Blick auf reduktionistische und nicht-reduktionistische Theorien des Geistes, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was uns der Atheismus des Humanismus letztlich kostet. Es wird sich im Laufe der nächsten posts zeigen, daß Daniel Dennett 1991 erstmals eine ernstzunehmende Version eines nicht-reduktiven Physikalismus vorgelegt hat. Erst damit wírd der analytische Humanismus zu einer konsistenten Position.

II. Was ist Physikalismus?

Betrachten wir den Komplex aus Fragen und Problemen rund um die Schnittstelle von Gehirn und Geist zunächst aus der Vogelperspektive: Insofern Atheisten auf jede Religion verzichten, müssen sie eine ganze Menge selbst erklären. Zum Teil helfen ihnen dabei die empirischen Naturwissenschaften. Humanisten müssen aber selbst eine eigene Theorie normativer Ethik begründen und sich (2) stellen.

  • (3) Eine Geist zu haben, heißt, bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten zu besitzen. Aber worauf treffen mentale Prädikate, die mentale Eigenschaften ausdrücken, zu? Und was ist die Natur mentaler Eigenschaften und mentalen Zustände?

Physikalismus als Position in der Philosophie des Geistes startet als ontologischer Standpunkt, nach dem es in der Welt nur physische Dinge und physikalische Ereignisse gibt und die Abhängigkeit des Mentalen vom Physischen ebenfalls letztlich physikalisch ist. Physikalisten lehnen nicht nur überempirische Akteure wie z.B. Götter, sondern auch metaphysische Spekulationen über mentale Substanzen als Träger mentaler Eigenschaften ab, die in dem Sinne abstrakt sind, daß ihnen jede raum-zeitliche Position fehlt. Erklärungen sind für Physikalisten im besten Falle naturwissenschaftliche Erklärungen oder aber Erklärungen, die in dem Sinne empirisch sind, daß sie mit in der Erfahrung vorfindbaren Belegen operieren.

  • Daß Menschen sprechen, i.e. strukturierte Lautfolgen nach Regeln erzeugen, ist hiernach eine empirische Angelegenheit par exellence.

Andererseits: Geistwesen, Seelen, das Aufsteigen von Menschen zu Energiewesen, Seelenwanderung, Wiedergeburt, Homöophatie und seltsame vitalistische Kräfte, die Lebewesen antreiben, haben bei Physikalisten ebenso wenig eine Chance, auf Sympathie zu treffen, wie z.B. Spekulationen über die Notwendigkeit historischer Abläufe, wie z.B. die ökonomische Entwicklung von Gesellschaften oder völkische Annahmen wie z.B. die Reinheit des Weiblichen.

  • Solche Theorien wie z.B. die platonische über die Seele oder die von Frege über Zahlen und Begriffe heißen realistisch, denn sie bevölkern die Welt neben Dingen und Ereignissen mit zusätzlichen Entitäten, die aber der sinnlichen Erfahrung grundsätzlich unzugänglich sind. Der begriffliche Gegensatz dazu heißt nominalistisch. Realismus und Nominalismus sind ontologische Extrempositionen, die für das mind-body-Problem schon immer eine Art Kontrollfunktion inne hatten.

Physikalisten sind immer auch Metaphysikkritiker in dem Sinne, daß sie gegenüber realistischen Theorien mißtrauisch sind und befürchten, daß mit ihnen unwissenschaftliche und letzte falsche Spekulationen über ein Thema einhergehen. Insofern versteht sich der Physikalismus mit dem Humanismus glänzend. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, wie ein Humanismus – und inbesondere der analytische Humanismus – das Wesen der Menschen in den Mittelpunkt stellen und trotzdem eine nominalistische Position sein kann. Das ist eine ernstzunehmende Herausforderung und dieser Arikel stellt sich ihr, was die mentalen Zustände der Menschen angeht. Doch was sind mentale Zustände?

  • (4) Einige mentale Phänomene unterscheiden sich von physischen dadurch, daß es sich anfühlt, sie zu haben – manchmal haben mentale Zustände auch einen episodischen Charakter und daß sie bewußt sind. Solche Zustände mit rein phänomenalem Charakter nennen wir Qualia.
  • (5) Anders als physische Zustände sind einige mentale Zustände intentional und damit auf etwas gerichtet. Wenn sie intentional sind, dann haben sie auch immer einen semantischen Inhalt. Das ist z.B. der Fall bei Überzeugungen und Wünschen und daher nennen wir diese intentionalen Zustände auch propositionale Einstellungen. In welchen Sinne es unbewußte mentale Zustände gibt, ist eine ungeklärte Frage.

Es besteht leider keinerlei Einigkeit darüber, was ein Physikalismus alles beweisen können muß, um überhaupt und geschweige denn für Humanisten akzeptabel zu sein. Im Moment gibt es verschiedene Vorschläge dazu, die in den nächsten posts ausführlich besprochen werden werden, und die man vorwegnehmend wie folgt skizzieren kann:

Wenn man die ontologische Entscheidung getroffen hat, die Existenz mentaler Substanzen als Träger mentaler Eigenschaften und damit die realistische Position des Substanzdualismus von Descartes nicht zu akzptieren, dann

  • kann man Reduktionist sein und deshalb in seiner Ontologie nur Dinge und Ereignisse zulassen:
    • In diesem Fall kann man mentale Eigenschaften und mentale Zustände mit ihren physischen Pendants versuchen zu identifizieren entweder indem man ein Übersetzungsmanual angibt von „Mentalesisch“ nach „Physeisch“ (Semantischer Physikalismus nach R. Carnap) oder indem man behauptet, daß in den nicht-synonymen Idioms, „Mentalesisch“ und „Physeisch“, über dasselbe geredet wird (Identitätstheorie nach D. M. Armstrong). Beide Ansätze unterschätzen, wie lose mentale von physischen Zuständen abhängen.
    • Man kann sich aber auch darauf beschränken, die Erzeugung des Mentalen durch das Physische zu klären: Wer aber als mentale Zuständstypen die Funktionstypen wählt, die die kausal verknüpften zerebralen Zuständstypen ausüben, unterschätzt, wie unterschiedlich mentale Zustände entstehen können (Funktionalismus nach H. Putnam). Wer hingegen nur die Handlungstoken der Lebewesen als Folgen von Änderungen ihres Mentalen betrachtet (anomaler Monismus nach D. Davidson), ist zu sparsam, um die Abhängigkeit des Mentalen vom Physischen überhaupt informativ analyisieren zu können.
  • oder man kann Nicht-Reduktionist sein und deshalb in seiner Ontologie Dinge, Ereignisse und Personen zulassen:
    • In diesem Fall modelliert man die Erzeugung des Geistes durch das Gehirn leidiglich durch eine asymmetrische Abhängigkeitsrelation, betrachtet, wie mentale Zustände mit physischen variieren und behauptet, daß sich nichts in mentaler Hinsicht verändern kann, ohne daß es sich in physischer Hinsicht verändert (Supervenienztheorie nach J. Kim). Doch dann kann man nicht erklären, wie intentionale Zustände zu ihrem semantischen Inhalt kommen.
    • Man kann alternativ darzulegen versuchen, wie mentale Zustände physisch realisiert werden und dafür annehmen, daß es eine eindeutige Entsprechung zwischen physischen und mentalen Zuständen in dem Sinne gibt, daß alle kausal wirksamen intentionalen Zustände mit Hilfe von expliziten, physische Strukturen, die einen Inhalt haben, welcher durch einen daß-Satz ausgedrückt werden kann, realisiert sind (repräsentationale Theorie nach J. Fodor). Doch das hieße nur, die Alltagspsychologie fälschlicherweise als Verlängerung der Neurobiologie anzusehen, weil man den intentionalen Zuständen unbedingt einen Platz in der Welt geben will. Man kann aber auch die Forderung nach einer eindeutigen Entsprechung auch aufgeben (schwacher, intentionaler Realismus nach D. Dennett) und die Alltagpsychologie als Theorie auffassen, die es auf einzigartige Weise erlaubt, Handlungen so zu charakterisieren, daß sich die handelnden Personen voneinander unterscheiden. Intentionale Zustände existieren dann nur noch im Sinne des wissenschaftlichen Realismus, nach dem alles real ist, dessen Existenz wir annehmen müssen, um die empirisch vorgefundenen Phänomene erklären zu können.

Der schwache, intentionale Realismus von Daniel Dennett gilt als der erste ernstzunehmende, nicht-reduktive Physikalismus, Seine Skizze wurde bis 1991 fertig gestellt und gilt als Wendepunkt zur modernen Philosophie des Geistes. Alle eben angedeuteten reduktiven und nicht-reduktiven Theorien des Geistes werden uns in Kürze noch ausgiebig und im Detail beschäftigen.

III. Was am Physikalismus ist nicht-reduktiv?

Da zum nicht-reduktiven Physikalismus nach wie vor geforscht wird, stellt sich die Frage nach einem unabhängigen Motiv dafür, als Humanist die Bürde eines nicht-reduktiven Physikalismus auf sich zu nehmen. Solche Motive gibt es, denn die notorischen Probleme jedes Reduktionismus fangen an genau dann, wenn man bemerkt, daß Körper keine Personen sind:

  • (6) Denn Körper haben vielleicht Schmerzen, aber sie haben z.B. keine Erinnerung und denken nicht. Der Grund dafür liegt darin, daß man das semantische Verständnis eines Satzes braucht, um identifizieren zu können, woran man sich erinnert und was gedacht wird. Denn die Identitätsbedingungen von Gedanken und Erinnerungen sind ihre Wahrheitsbedingungen und argumentieren kann man nur in einer Sprache. Das bedeutet, daß Körper keine propositionalen Einstellungen haben der Form „Ich denke/wünsche, daß p.“ mit p als Satzvariable. Deshalb empfindet nur die Person z.B. Überraschung oder Enttäuschung, nicht aber der Körper, da nur Personen, nicht aber Körper ein Bewußtsein haben, dem ja jede Raumposition fehlt. Also: Personen haben mentale Eigenschaften, Körper nicht.

Doch bringt uns das nicht zum guten alten cartesischen Substanzdualismus zurück? In P.F. Strawson, 1959, p.127-133 wurde auf sehr informative Weise gezeigt, daß das nicht der Fall ist.

  • (7) Personen als Entitäten sind dadurch charakterisiert sind, daß sie sowohl mentale, wie auch physische Eigenschaften haben, und somit nicht nur Körper sind.

Um für (7) zu argumentieren, fragt Strawson sich, unter welchen Bedingungen wir von mentalen Zuständen wissen können. Was Strawson daher beansprucht, ist lediglich aufzuklären, was der Fall ist, wenn Aussagen wie z.B.

  • „Ich wünschte, daß mich das überrascht hätte.“
  • „Ich vermute, daß das Feuer überspringen wird.“
  • „Ich fühle mich leer und enttäuscht.“
  • „Heute habe ich dermaßen gute Laune, ich hätte fast den Briefträger abgeknutscht.“

wahr sind. Das ist recht wenig, denn er fragt sich nicht

  • wie z.B. Platon, woher der Inhalt aller wahren Aussagen stammen mag.
  • wie z.B. Descartes, wie man die Wahrheit gewisseer Aussagen garantieren kann, wenn unsere Vermögen, Vorstellungen von der Außenwelt zu haben, unzuverlässig sind
  • wie z.B. Kant, wie der Verstand überhaupt zu Erfahrungen einer bestimmten inneren Struktur über die von ihm unabhängigen Außenwelt fähig ist

sondern nur, was der Fall ist, wenn wir annehmen, daß einige Aussagen über mentale Zustände von Personen wahr sind. Strawsons Projekt ist daher sehr viel schlanker als das anderer Geistesgrößen. Wie sieht Strawson’s Argumentation nun aus:

  • i) Man kann sich selbst mentale Zustände höchstens dann zuschreiben, wenn man sie auch anderen zuschreiben kann. Denn jede dafür verwendete Aussage benutzt einen generellen Term an Prädikatstelle, dem immer ein Bereich unterscheidbarer Einzeldinge korrespondiert, denen das Prädikat mit Sinn zugesprochen werden kann. Das gilt auch für mentale Prädikate. Erst danach stelllt sich die Frage, ob die entstandene Aussage wahr oder falsch ist.
  • ii) Man kann anderen Lebenwesen mentale Zustände nur zuschreiben, wenn man diese Lebenwesen identifizieren, wiedererkennen und damit auch voneinander unterscheiden kann. Denn erst die Identitätsbedingungen eines Einzeldings entscheiden darüber, ob es zum Bereich von Individuen gehört, denen das Prädikat mit Sinn zugesprochen werden kann.
  • iii) Man kann Lebewesen nicht voneinander unterscheiden, wenn die – wie die res cogitans im cartesischen Subsanzdualismus – körperlos sind. Denn keine res cogitans hat eine Position in der Raum-Zeit, so daß ein Wiedererkennen oder Unterscheiden von anderen res cogitans keinerlei Verfahren zur Verfügung steht. Insbesondere kann nicht garantiert werden, daß derselbe Körper nicht zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen res cogitans verbunden ist.
  • iv) Also: Die Verwendung von sprachlichen Ausdrücken für mentale Zustände ist auf Subjekte mit körperlichen Eigenschaften beschränkt. Alle Subjekte, die körperliche und mentale Eigenschaften haben, heißen Personen. Insbesondere haben nicht Körper Bewußtseinszustände, sondern allein Personen.

Mit anderen Worten: Mit (7) wird gezeigt, daß sowohl Personen wie auch Körper z.B. frieren oder Hunger haben können und es ist nicht der Körper, der einen Mangel an Kohlehydraten, Aminosäuren und Fetten an das Gehirn meldet, welches daraufhin mit Kaubewegungen beginnt. Sofern wir mentale Zustände als etwas betrachten, daß Personen charakterisiert, gibt es nach Strawson Wissen von Personen und damit Wissen von ihren mentalen Zuständen nicht ohne Wissen von den Körpern dieser Person. Nicht angenommen wird von Strawson in seiner Argumentation, daß mentale Zustände in einem unabhängigen Sinne existieren wie etwa Dinge.

  • Das Gegensatzpaar Reduktionismus vs. Nicht-Reduktionismus wird in diesem Artikel allein in Strawons Sinne verwendet: Reduktionisten wollen mentale Zustände auf zerebrale Zustände zurückführen, sie durch letztere erklären oder sie auf physische Zustände zurückführen. In diesem Sinne betreiben Reduktionisten ein ontologisches Geschäft, weil es ihnen darauf ankommt zu zeigen, daß mentale Zustände Fiktionen, Postulate oder einfach nur Sprechweisen sind und daher nicht wirklich da sind. Nicht-Reduktionisten wollen etwas ganz anderes: Sie fragen sich, worauf sie uns einlassen, wenn wir zugeben, daß in unserer Erfahrung mentale Zustände bei uns und anderen Personen vorkommen. Das ist alles.

Und Strawsons Resultat ist, daß jede nicht-reduktive Theorie die cartesische These zurückweist, Personen wären seltsame Verbindungen von Körper und Geist. Doch Personen sind keine solchen Verbindungen. In Strawsons Sinne nicht-reduktive Theorien in der Philosophie des Geistes schließen daher das Physische nicht etwa aus, sondern sie denkem nur anders über den in einem Körper eingebetteten Geist nach. Daniel Dennett hat das als Erster wirklich ernst genommen und die im Moment heißeste Theorie in den Kognitionswissenschaften, der vor allem von Daniel Hutto vorangetriebene Enaktivismus, macht das auch.

  • (8) Als nicht-reduktive Theorie legt sich der analytische Humanismus daher auf folgende Ontologie fest: Es gibt – nicht nur wie im Reduktionismus – Dinge und Ereignisse, sondern auch Personen, nicht aber Strukturen, mentale Substanzen, Zahlen, Seelen, Begriffe, Ideen oder Ähnliches.

In der modernen philosophischen Psychologie wird Strawsons Position als Mentalismus bezeichnet (Putnam 1988): Mentalisten sind all diejenigen, die Zuständen mit einem semantisch charakterisierbaren Inhalt einen herausragenden Platz in Erklärungen zubilligen. Damit halten sich die metaphysischen Kosten eines nicht-reduktiven Physikalismus in Grenzen, da die Identitätskriterien der neu ein geführten Entität Person allein sprachlicher und damit letztlich empirischer Natur sind: Humanismus ist damit immer noch eine empirische Position und wird zu keinerlei Metaphysik genötigt.

IV. Neue humanistische Projekte

Werfen wir in Anbetracht dessen einen Blick in die Zukunft. Einen analytischen Humanismus zu entwickeln, zieht nämlich demnach unvermeidlich Folgeprojekte nach sich:

  1. Menschen müssen überhaupt erst mal frei sein, damit der slogan „Freiheit bedeutet Handeln aus Gründen.“ überhaupt Anwendung finden kann. Dafür muß man sich mit dem neuronalen Determinismus beschäftigen und zeigen, daß diese Position Unsinn ist.
  2. Da der analytische Humanismus nur wahr sein kann, wenn der nicht-reduktive Physikalismus wahr ist, interessiert uns – neben seiner Begründung – was in den letzten 25 Jahren aus dem nicht-reduktiven Physikalismus geworden ist.
  3. Kein nicht-reduktiver Physikalismus kommt ohne die Behauptung aus, daß die Alltagspsychologie eine Theorie der Charakterisierung der Personen ist und keine Verlängerung der Neurobiologie, die stattdessen mit der Psychologie als Naturwissenschaft zusammenarbeiten muß und das ja auch tut. Daher stellt sich die Frage, was für eine Theorie das überhaupt sein soll: Was sagt sie aus? Wie funktioniert sie und wo liegen ihre Grenzen? Womit und worauf operiert sie und welche Art von Erklärungen liefert sie überhaupt?
  4. Offensichtlich impliziert der nicht-reduktive Physikalismus, daß der Biologismus falsch ist. Wenn aber Handlungen infolgedessen nicht mehr dadurch charakterisiert werden, daß man ihre Entstehung und daher die mit ihnen verfolgen Zwecke enträtselt, was heißt es dann überhaupt, intentionales Verhalten zu verstehen?
  5. Wenn man all diese Fragen beantwortet, was folgt dann daraus für den analytischen Humanismus?

In den nächsten posts werden wir diese Unterprojekte schrittweise abarbeiten und aus dem auf diese Weise angereicherten analytischen Humanismus eine humanistische Theorie einer sozialen Sphäre gewinnen, die drei neue Fähigkeiten aufweisen wird:

  • Bisher hat der analytische Humanismus nur begründet, daß es einen moralisch begründeten Antifeminismus geben wird. Nun wird er in Termen einer sozialen Sphäre angeben, welche Kritik am Feminismus aus moralischen Gründen geübt werden muß. Da alle wesentlichen, feministischen Intuitionen auf den literarischen Feminismus von Simone de Beauvoir zurückgehen, sind ihre Arbeiten das beste target.
  • Weder Biologisten noch linke Maskulisten konnten bisher eine Theorie der Geschlechterrollen angeben, die es erlaubt hätte, unabhängig vom feministischen Unterdrückungsparadigma das Verhalten der Geschlecher als Geschlechter zu charakterisieren. Die Folge ist – bis auf MGTOW – das völlige Fehlen einer sozialen Männerbewegung für Heteros. Eine Theorie der sozialen Sphäre wird das grundlegend ändern.
  • Die bisherigen Bewegungen der Männerrechtsbewegung und des Maskulismus sind Gleichheitsströmungen und verlangen im Grunde Abschaffung der Geschlechterasymmetrien. Keiner dieser Bewegungen versteht sich bisher als Befreiungsbewegungen, obwohl der Bedarf danach in den Kommentaren aus der manosphäre im Grunde kontinulierlich sichtbar ist. Fügt man der vom analytischen Humanismus zu entwickelnden Theorie der sozialen Sphäre einen humanistischen Begriff der Gerechtigkeit hinzu – NEIN, soziale Gerechtigkeit ist was anderes – dann entsteht die moralische Rechtfertigung einer Befreiungsbewegung, die über Konzepte wie „sexuelle Würde“ oder „menschliche Ausbeutung“ sowie „soziale Benachteiligung“ verfügt, die nicht mehr auf Statistiken angewiesen sind, sondern in einzelnen, sozialen Situationen verankert werden können.

Letzteres kann übrigens auch der Feminismus nicht und in der feministischen Praxis wird in solchen Fällen immer davon geredet, daß „Geschlechterverhältnisse reproduziert“ werden, ohne daß Feministen in der Lage wären, die Anwesendheit und Wirksamkeit von Geschlechterrollen in einer Analyse des sozialen Geschehens zu verankern und nachzuweisen.

Diese Teilergebnisse zusammen werden ausreichen, um erstmals den analytischen Maskulismus zu definieren, der als theoretischer Arm einer sozialen Männerbefreiungsbewegung das Hauptarbeitsgebietes dieses blogs sein wird.

 


38 Kommentare

  1. „(C) theoretischer Humanismus: Freiheit bedeutet Handeln aus Gründen.
    (D) ethischer Humanismus: Würde bedeutet Handeln in Freiheit.“

    Also du stellst zwei Definitionen auf, wie du die Welt gern hättest und ordnest dann mögliche Erklärungen danach, ob diese Wünsche erfüllt werden?

    Ein eher problematischer Ansatz.

    Was wäre denn, wenn wir eben zwar frei entscheiden können, aber starke Dispositionen hätten, die im Rahmen der evolutionären Entstehung des Menschen teil unserer „Gehirnprogrammierung“ geworden sind?

    Dann hätten wir in deinem Sinne keine Würde mehr?
    Das würde aber natürlich nichts an der Wirklichkeit ändern.

    Du hättest uns nur als würdelos definiert.

    „(6) Denn Körper haben vielleicht Schmerzen, aber sie haben z.B. keine Erinnerung und denken nicht“

    Da unser Gehirn teil unseres Körpers ist, haben Körper faktisch sehr wohl Erinnerungen, vergleichbar einer Festplatte. Wir haben eben ein bestimmtes biologisches Speichermedium und eine Recheneinheit, die diese abrufen kann.

    „Der Grund dafür liegt darin, daß man das semantische Verständnis eines Satzes braucht, um identifizieren zu können, woran man sich erinnert und was gedacht wird. Denn die Identitätsbedingungen von Gedanken und Erinnerungen sind ihre Wahrheitsbedingungen und argumentieren kann man nur in einer Sprache.“

    Genug Tiere können erinnern. Sie haben aber keine Sprache. Genug Tiere können auch bis zu einem gewissen Grad logisch denken. Sie haben dennoch keine Sprache.

    „Das bedeutet, daß Körper keine propositionalen Einstellungen haben der Form “Ich denke/wünsche, daß p.” mit p als Satzvariable. Deshalb empfindet nur die Person z.B. Überraschung oder Enttäuschung, nicht aber der Körper, da nur Personen, nicht aber Körper ein Bewußtsein haben, dem ja jede Raumposition fehlt.“

    Sinnlose Einteilung, da das Gehirn Körper ist. Auch Tiere zeigen Reaktionen auf Überraschung. Auch noch nicht sprechende Babies können Überraschung empfinden.

    „Also: Personen haben mentale Eigenschaften, Körper nicht.““

    Vollkommen sinnlose und künstliche Unterscheidung. Dein Fuß hat vielleicht keine mentalen Eigenschaften, aber das liegt eben daran, dass die mentalen Eigenschaften beim Menschen in einem anderen Körperteil lokalisiert sind, was bei Tieren mit verteilten Nervenzentren schon wieder ganz anders ist.

    • @Evochris

      „Also du stellst zwei Definitionen auf, wie du die Welt gern hättest“
      Nein, du hast mal wieder meine Texte nicht gelesen. Das wird aus dem Demütigungsverbot abgeleitet.

      „Was wäre denn, wenn wir eben zwar frei entscheiden können, aber starke Dispositionen hätten, die im Rahmen der evolutionären Entstehung des Menschen teil unserer “Gehirnprogrammierung” geworden sind?“

      Aha, du bist also neuronaler Determinist?

      „Wir haben eben ein bestimmtes biologisches Speichermedium und eine Recheneinheit, die diese abrufen kann.“

      Aha, du vertrittst also ein Computermodell des Geistes?

      „Vollkommen sinnlose und künstliche Unterscheidung.“

      Aha, du vertrittst also eine reduktionistische Theorie des Geistes? Oder ist es doch eher ein Eliminativismus?

      • „Nein, du hast mal wieder meine Texte nicht gelesen. Das wird aus dem Demütigungsverbot abgeleitet.“

        Auch das „Demütigungsverbot“ ist eine reine Definition. Sie hat keine Grundlage. Sie entspricht einer rein philosophischen Einstellung, die du für wichtig hältst
        Wenn wir in bestimmten Teilen disponiert sind dann ist das so, auch wenn du davon ausgehst, dass es gegen ein Demütigungsverbot verstößt.

        „Aha, du bist also neuronaler Determinist?
        Aha, du vertrittst also ein Computermodell des Geistes?
        Aha, du vertrittst also eine reduktionistische Theorie des Geistes? Oder ist es doch eher ein Eliminativismus?“

        Das sind Label bzw. wieder der Versuch etwas über Definitionen zu lösen. Labeln beantwortet tatsächliche Fragen nicht.
        Dazu müsstest du aus der Labelungsebene auf eine Sachebene heraufkommen. Das wir Erinnerungen und Erfahrungen biologisch speichern ergibt sich aus meiner Sicht bereits daraus, dass wir Erinnerungen verlieren können und Leute aufgrund von Gehirndefekten zB ihr Langzeitgedächnis verlieren können. Ob man das neuronaler Determinismus nennt oder nicht ist dabei relativ egal.

        • @EvoChris

          “ Auch das “Demütigungsverbot” ist eine reine Definition. Sie hat keine Grundlage. “

          Aha, du hälst das Demütigungsvebot also für unbegründet und unwichtig.

          „Das wir Erinnerungen und Erfahrungen biologisch speichern ergibt sich aus meiner Sicht bereits daraus, dass wir Erinnerungen verlieren können und Leute aufgrund von Gehirndefekten zB ihr Langzeitgedächnis verlieren können.“

          Ich denke, es ist deutlich geworden, daß du vermeidest, eine bestimmte Position zu beziehen, denn du befürchtest, daß sie dir das Fell über die Ohren ziehen könnte.

          Das wäre auch der Fall.

          Aber sogar für den Fall eines Wendefalses wie du es bist, habe ich vorgesorgt.

          • „Aha, du hälst das Demütigungsvebot also für unbegründet und unwichtig.“

            Ja, in der von dir definierten Form ist es unwichtig. Weil Würde etwas ist, was wir auch nur innerhalb unserer Biologie verstehen und empfinden und zudem weil ein Mensch auch dann Würde besitzt, wenn er disponiert ist.
            Jeder Mensch besitzt als Person diese Würde, ohne Rücksicht auf seine Eigenschaften, seinen körperlichen oder geistigen Zustand, seine Leistungen und seinen sozialen Status. Sie kann keinem Menschen genommen werden. Verletzbar ist allenfalls aber der Achtungsanspruch, der sich aus ihr ergibt.

            „Ich denke, es ist deutlich geworden, daß du vermeidest, eine bestimmte Position zu beziehen, denn du befürchtest, daß sie dir das Fell über die Ohren ziehen könnte.“

            Es erscheint mir eher deutlich zu werden, dass du dich auf eine rein abstrakte Ebene zurückziehen willst, auf der man sich mit der Frage, wie Erinnerungen und Erfahrungen gespeichert werden und was die Forschung dazu sagt, nicht beschäftigen muß.

            Dazu brauchst du Label, weil du innerhalb dieser auf philosopische Konzepte ausweichen kannst und die Diskussion abstrakt führen kannst.

            Du kannst meinen Aussagen gerne Label zuordnen. Aber wenn du damit gleichzeitig nicht vertretene Positionen unterstellen willst oder vom konkreten wegkommen willst, dann weichst du aus und nicht ich.

            Interessant dazu: Clive Wearing
            https://en.wikipedia.org/wiki/Clive_Wearing

            • @EvoChris

              „Ja, in der von dir definierten Form ist es unwichtig.“

              Danke, mir war immer klar, daß du ein Anti-Humanist bist, nun hab ich es schriftlich.

              „zudem weil ein Mensch auch dann Würde besitzt, wenn er disponiert ist.“

              Das mach doch mal einen post über die Würde, die deine Biologie einem Menschen übrig läßt. Mal sehen, was da übriggeblieben ist.

              „Jeder Mensch besitzt als Person diese Würde, ohne Rücksicht auf seine Eigenschaften, seinen körperlichen oder geistigen Zustand, seine Leistungen und seinen sozialen Status. Sie kann keinem Menschen genommen werden. Verletzbar ist allenfalls aber der Achtungsanspruch, der sich aus ihr ergibt.“

              Ich sehe bei dir keinerlei Begründung dafür. Du quatscht nur wieder das nach, was du woanders in anderen Zusammenhängen gelesen hast, ohne dich zu fragen, ob das deiner eigenen Position nicht vielleicht widerspricht.

            • „Danke, mir war immer klar, daß du ein Anti-Humanist bist, nun hab ich es schriftlich.“

              Glücklicherweise nur nach deiner Definiton

              „Das mach doch mal einen post über die Würde, die deine Biologie einem Menschen übrig läßt. Mal sehen, was da übriggeblieben ist.“

              Na alles. Man kann seine Menschenwürde nicht verlieren. Der Achtungsanspruch wird nur dann eingeschränkt, wenn einen einem eine andere Person als Objekt behandelt und nicht mehr als Mensch.

              Aber auch nochmal: Eine Defintion, bei der man wenn die Biologie einen disponiert keine Menschenwürde mehr besitzt kann nicht die Wirklichkeit ändern. Sie kann nichts darüber aussagen, ob der Mensch durch seine Biologie disponiert ist oder nicht.

              „Ich sehe bei dir keinerlei Begründung dafür. Du quatscht nur wieder das nach, was du woanders in anderen Zusammenhängen gelesen hast, ohne dich zu fragen, ob das deiner eigenen Position nicht vielleicht widerspricht.“

              Würde ist ja auch nichts objektives. Es ist ein ausgedachtes Konzept, welches aus bestimmten Parametern besteht, insbesondere einem Grundgedanken über das Verhalten gegenüber anderen Menschen und einem Kompromiss darüber, wie man sich gegenüber anderen menschen benehmen darf. Es ist ein Ausfluss dessen, dass wir Egoisten und Wesen mit eigenen Zielen sind und jeder diese umsetzen will, ohne lediglich Spielball der Interessen anderer zu sein. Diese Ziele wiederum haben natürlich wieder viel mit unserer Biologie zu tun und stammen letztendlich aus dem „egoistischen Gen“: Die Fortpflanzung der Art ist biologisch unwichtig, interessant ist die Weitergabe der einzelnen Gene. Danach ist unser Selbst geformt, so dass es nicht verwundert, wenn wir es als schlimm empfinden, zu einem Objekt der Umsetzung der Ziele anderer gemacht zu werden

              Wären wir Ameisen/Borg hätten wir zwangsläufig ein anderes Konzept von Ameisen-/Borgwürde, die ein wesentlich höheres Einordnen in die Gemeinschaft vorsehen würde und vielleicht gerade darauf aufbaut, dass der einzelne ein Recht hat von der Gemeinschaft sinnvoll eingesetzt zu werden

            • @EvoChris

              „Man kann seine Menschenwürde nicht verlieren. Der Achtungsanspruch wird nur dann eingeschränkt, wenn einen einem eine andere Person als Objekt behandelt und nicht mehr als Mensch.“

              Wie geht es denn das, dieses als Mensch behandeln? Und worin besteht deine biologisch Würde und woher kommt sie? Haben Tiere dieselbe Würde und wenn es doch einen Unterschied gibt, wie kann er gerechtfertigt werden?

              „Würde ist ja auch nichts objektives.“

              Ist das nicht ein Widerspruch? Wenn Würde subktiv ist, kann ich mir dann nicht ein andere Würde zumessen als dir? Und wenn ich dich dann danach behandele, wie kannst du dann die Würde einklagen, die du dir selbst zumißt? Und außerdem hast du ja schon gesagt, daß

              „Jeder Mensch besitzt als Person diese Würde, ohne Rücksicht auf seine Eigenschaften, seinen körperlichen oder geistigen Zustand, seine Leistungen und seinen sozialen Status.“

              Bedeutet das nicht, daß die Würde so objektiv ist, wie die Eigenschaften und damit gar nicht subjektiv? Und zweitens haben ja nicht alle dieselben Eigenschaften. Folgt dann daraus nicht, daß nicht alle Menschen dieselbe Würde haben können und wir daher würdevoll im Sinne der Biologie von würdelosen Menschen unterscheiden müssen?

              „Es ist ein ausgedachtes Konzept“

              Sind das nicht wieder nu irgendwelche Definitionen, Wünsche, die du dir zusammenphantasiert? Welche biologische Begründung kannst du dafür gelten machen? Und wäre so eine Begründung nicht ein natrualistischer Fehlschluß?

              „Wären wir Ameisen/Borg hätten wir zwangsläufig ein anderes Konzept von Ameisen-/Borgwürde“

              Aber worin liegt denn diese Menschenwürde nun, worin besteht sie und gib doch mal den Unterschied zur Ameisenwürde an. Wie wirkt sich das aus? Dürfen wir Ameisen aufgrund ihrer geringeren Ameisenwürde z.B. töten oder ihnen ihren Lebensraum nehmen?

            • „Danke, mir war immer klar, daß du ein Anti-Humanist bist, nun hab ich es schriftlich.“

              Das ist übrigens schon wieder reines Labeling. Denn du verleihst es lediglich, weil ich deine Definition von Würde nicht teile, sondern eine andere, im Humanismus ja durchaus anerkannte, nämlich die Objekttheorie dagegen halte.
              Eine Prüfung, ob meine Auffassung tatsächlich antihumanistisch ist, entfällt bei dir weil du deine Defintion absolut setzt.
              Das ist leider meist die Qualität deiner Argumentation: Du erstellt bestimmte Label und ordnest menschen in diese nach Good Will ein.
              Scheitert eines deiner Label ist es für dich das wichtigste, ein neues Label zu entwerfen, ohne einmal den Mechanismus, nach dem du vorgehst zu hinterfragen. Jetzt sind wir beim Label analytischer Humanismus und nach diesem Label wird ohne große Prüfung oder Abwägung munter eingeteilt wobei das System der Defintionen und der kompliziert gehaltenen Sprache pseudoanspruch vorgaukelt.

            • @Evohris

              „im Humanismus ja durchaus anerkannte, nämlich die Objekttheorie dagegen halte.“

              Wirklich? Auf welche humanistische Quelle oder welchen humanistischen Denker beziehst du dich? Worin besteht denn der Unterschied zwischen Mensch und Objekt? Und wie kann der aus genetischen Gründen egoistische Mensch deiner Meinung nach andere Menschen nicht als Objekte, i.e. als Mittel seiner Zwecke benutzen? Kann deiner Biologie nach der Mensch ein Humanist sein?

            • „Wie geht es denn das, dieses als Mensch behandeln? Und worin besteht deine biologisch Würde und woher kommt sie?“

              Das habe ich schon dargelegt in meinem letzten Kommentar

              „Haben Tiere dieselbe Würde und wenn es doch einen Unterschied gibt, wie kann er gerechtfertigt werden?“

              Würde ist etwas, was zwischenmenschliche Relationen betrifft, was sich auch aus meiner Herleitung ergibt. Natürlich können wir sie Tieren im gleichen Rahmen zugestehen, müssen dies aber nicht. Wir neigen dazu, um so eher wir ihnen Intelligenz zuschreiben und sie uns nicht wie Kühe, Schweine etc nützlich sind und dadurch ihre Wirtschaftlichkeit eingeschränkt wird.

              „Ist das nicht ein Widerspruch?“

              Nein, es ist der Unterschied zwischen dem Zugeständnis, dass ein gesellschaftliches Konzept immer eine Anschauungssache ist und dem Anerkenntnis solcher Regelungen. Also etwa das selbe wie der Umstand, dass die meisten die Vorteile einer Demokratie erkennen, aber gleichzeitig dennoch bestimmte Personen sich zu Diktatoren aufschwingen

              „Wenn Würde subktiv ist, kann ich mir dann nicht ein andere Würde zumessen als dir?“

              Natürlich könntest du das, und viele Narzissten und Psychopathen machen das ja auch in gewisser Weise. Aber damit würdest du natürlich den ausgehandelten Würdebegriff, der in der Gesellschaft herrscht nicht ändern. (genauso wie du dich zum Diktator ausrufen kannst, damit aber keine Gesetze in Deutschland machen kannst)

              „Und wenn ich dich dann danach behandele, wie kannst du dann die Würde einklagen, die du dir selbst zumißt?“

              Aufgrund gesellschaftlicher Übereinkunft, auf der die Durchsetzbarkeit subjektiver Rechte üblicherweise besteht.

              „Bedeutet das nicht, daß die Würde so objektiv ist, wie die Eigenschaften und damit gar nicht subjektiv?“

              Nicht im Sinne meiner Definition. Die Subjektivität von „Menschenwürde“ zeigt sich beispielsweise beispielsweise in der Sklavenhaltung oder den Vernichtungslagern in der Nazizeit. Hier wurden eben Menschen als Ware bzw Objekte behandelt. Heute sind wir uns aufgrund eines anderen Verständnisses einig, dass dies ein Verstoß gegen die menschenwürde ist. Damals war es schlicht normal und die Folge davon, einen Krieg zu verlieren oder anderweitig in die Sklaverei gekommen zu sein.

              “ Und zweitens haben ja nicht alle dieselben Eigenschaften. Folgt dann daraus nicht, daß nicht alle Menschen dieselbe Würde haben können und wir daher würdevoll im Sinne der Biologie von würdelosen Menschen unterscheiden müssen?“

              Nein, warum sollte das daraus folgen?

              „Sind das nicht wieder nu irgendwelche Definitionen, Wünsche, die du dir zusammenphantasiert?“

              Wie soll denn Würde etwas festes sein? Es ist ist ja nun einmal ein gedankliches Konzept wie man andere Menschen behandelt.

              „Welche biologische Begründung kannst du dafür gelten machen? Und wäre so eine Begründung nicht ein natrualistischer Fehlschluß?“

              Da ich keine Moral aus der Biologie herleite kann es kein naturalistischer Fehlschluss sein. Ich sage ja gerade, dass es eine Übereinkunft ist, die gut mit unseren biologischen Grundlagen in Einklang zu bringen ist. Die aber wie Sklaverei etc zeigt nicht per se gelebt werden muss.

              „Aber worin liegt denn diese Menschenwürde nun, worin besteht sie und gib doch mal den Unterschied zur Ameisenwürde an. Wie wirkt sich das aus? Dürfen wir Ameisen aufgrund ihrer geringeren Ameisenwürde z.B. töten oder ihnen ihren Lebensraum nehmen?“

              Du hast mein Beispiel nicht verstanden. Mir ging es darum, dass Ameisen ihre Gene über ihre Königin weitergeben und deswegen eine Lebensform entwickelt haben, die keinen Individualismus kennt. Eine Ameisenkriegerin ist fest als Objekt eingeplant und wird immer als solches behandelt innerhalb des Ameisenstaates. Ihr Wohl ist aufgrund der anderen Fortpflanzungsart in der tat evolutionär identisch mit dem Wohl des Staates. Das Ameisenkriegerinnen innerhalb dieses Staates geopfert werden ist kein Verstoß gegen eine fiktive Ameisenwürde, weil diese nicht auf individuelle genweitergabe ausgerichtet ist und demnach keine individualität kennt, die Voraussetzung dafür ist, dass man nicht zum Objekt des Staates oder anderer gemacht werden will

            • @EvoChris

              Wenn deine Antowrten hier nicht informativer und besser werden, lösche ich sie. Mein blog ist nicht dazuu da, den vo ndir abgesonderten Müll zu konservieren. Merk dir das.

              „Würde ist etwas, was zwischenmenschliche Relationen betrifft“

              Aha, Tiere haben keine Würde, sondern wir treten welche an sie ab. Welche Folgen hat dein Würdeunterschied?

              „Aber damit würdest du natürlich den ausgehandelten Würdebegriff, der in der Gesellschaft herrscht nicht ändern. “
              Wie kann ein Würdebegriff allgemein ausgehandelt sein, wenn er subjektiv ist?

              „Aufgrund gesellschaftlicher Übereinkunft, auf der die Durchsetzbarkeit subjektiver Rechte üblicherweise besteht.“

              Also ist der Würdebegriff doch nicht subjektiv?

              „Nicht im Sinne meiner Definition. Die Subjektivität von “Menschenwürde” zeigt sich beispielsweise beispielsweise in der Sklavenhaltung oder den Vernichtungslagern in der Nazizeit. Hier wurden eben Menschen als Ware bzw Objekte behandelt.“

              Aha, du weiß nicht, was subjektiv bedeutet, denn man kann nicht wissen, daß Juden in Vernichtungslagern würdelos behandelt werden, wenn es nicht einen insoweit objektiven Würdebegriff gibt, der einen Vergleich erlaubt.

              „Heute sind wir uns aufgrund eines anderen Verständnisses einig, dass dies ein Verstoß gegen die menschenwürde ist. Damals war es schlicht normal und die Folge davon, einen Krieg zu verlieren oder anderweitig in die Sklaverei gekommen zu sein.“

              Aha, du vertritts also einen moralischen Relativismus.

              „Da ich keine Moral aus der Biologie herleite kann es kein naturalistischer Fehlschluss sein.“

              Doch, denn Würde soll ja nur im Rahmen der Biologie möglich sein.

            • „Wirklich? Auf welche humanistische Quelle oder welchen humanistischen Denker beziehst du dich?“

              Auf das Bundesverfassungsgericht.

              „Worin besteht denn der Unterschied zwischen Mensch und Objekt?“

              Es geht darum, dass der Mensch entweder als Subjekt oder als Objekt behandelt wird. Bei einer Behandlung als Subjekt steht sein Wille (auch wenn er auf biologischen Dispositonen beruht) im Mittelpunkt, wird er zum Objekt gemacht, dann ist er Werkzeug zur Umsetzung der Ziele anderer und wird nicht mehr als Person betrachtet

              „Und wie kann der aus genetischen Gründen egoistische Mensch deiner Meinung nach andere Menschen nicht als Objekte, i.e. als Mittel seiner Zwecke benutzen?“

              Es erstaunt mich, dass du das als ernsthafte Frage stellst. Indem beispielsweise der andere zustimmt. Indem seine in der Gesellschaft als unveräußerlich anzusehenden Rechte beachtet und gewahrt bleiben. indem die Auswirkungen auf ihn und der dabei entstehende Rechtsverlust hinreichend in die Betrachtung eingestellt und eine zu starke Einschränkung nicht akzeptiert wird.

              “ Kann deiner Biologie nach der Mensch ein Humanist sein?“

              Ja natürlich. Warum sollte er nicht? Es ist beispielsweise recht einfach mit dem kategorischen Imperativ vereinbar. Das ist ja vollkommen unabhängig davon, ob man meint, dass bestimmte Motivationen aufgrund biologischer Dispositonen bestehen. Im Gegenteil: Da wir alle die selben biologischen Dispositonen haben oder zumindest kennen fällt es uns leicht sinnvolle Grenzen abzustecken, die allen erlauben diesen innerhalb der Rechte der anderen nachzukommen

            • @Evochis

              „Auf das Bundesverfassungsgericht.“

              Das ist nicht möglich, da das Bundesverfassungsgericht weltanschaulich neutral ist. Spar dir in Zukunft deine Lügen auf diesem blog.

              „Es geht darum, dass der Mensch entweder als Subjekt oder als Objekt behandelt wird. Bei einer Behandlung als Subjekt steht sein Wille (auch wenn er auf biologischen Dispositonen beruht) im Mittelpunkt, wird er zum Objekt gemacht, dann ist er Werkzeug zur Umsetzung der Ziele anderer und wird nicht mehr als Person betrachtet.“

              Aha, dann ist der Mensch deiner Ansicht nach aus biologischen Gründen immer wenigstens zum Teil ein Objekt und daher würdelos.

              „Indem beispielsweise der andere zustimmt.“

              Aha, deiner biologischen Würde nach wird also jeder Verstoß gegen die Würde des Menschen durch Zustimmung geheilt.

              „Es ist beispielsweise recht einfach mit dem kategorischen Imperativ vereinbar.“

              Dummes Geschwätz, der kategorische Imperativ hat nichts mit dem Humanismus zu tun. Wo wird das belegt und wir begründest du deine Meinung?

            • quellwerk sagt:

              @Christian

              biologistische Logik – dargestellt an drei aufeinanderfolgenden Sätzen (a.,b. und c.) von Christian Alles Evolution:

              a. Da ich keine Moral aus der Biologie herleite, ist mein Verständnis von Würde kein naturalistischer Fehlschluss.

              Schluss: Würde ist von der Biologie unabhängig.
              Frage: Ist Würde also absolut, von nichts abhängig?
              Antwort: Nein. Würde ist nur ein Label. Würde als eigenständig existierendes Objekt gibt es nicht. Würde ist ein Label, das ein Ergebnis gesellschaftlicher Übereinkunft ist. Im Zweifel ist beim Bundesverfassungsgericht als obersten Ausdruck gesellschaftlicher Übereinkunft nachzufragen.

              b. Würde ist eine Übereinkunft, die gut mit unseren biologischen Grundlagen in Einklang zu bringen ist.

              Schluss: Würde ist nicht von der Biologie unabhängig.
              Frage: Ist Würde also ein Ergebnis unserer Biologie?
              Antwort: Ja. Würde ist ein Ausdruck unseres egoistischen Gens. Jeder Mensch möchte seine Gene weitergeben. Zu dieser biologischen Notwendigkeit bedarf es Freiheit. Deswegen gehört zum Menschen Würde, weil sie seine Freiheit garantiert. Eine Ameisenkriegerin gibt ihre Gene nicht persönlich weiter, deswegen benötigt sie keine Freiheit und auch keine Würde.

              c. Würde muss aber, wie Sklaverei etc zeigt, nicht per se gelebt werden

              Schluss: Sklaverei ist ein Zustand der Würdelosigkeit.

              Frage: Muss es nicht heißen: „Sklaverei KANN ein Zustand der Würdelosigkeit sein?
              Antwort: Die Verneinung oder Bejahung hängt von der Stimmung, dem augenblicklichen Interesse ab. Diskutiere ich mit einem Traditionalisten, der an Werte glaubt, würde ich die Frage bejahen und argumentieren, dass die Biologie nicht als Grund zur Ablehnung von Sklaverei dienen kann und Würde an sich nicht existiert, nur ein Label ist, weil Würde zufällig von der Gesellschaft festgelegt wird. Daher KANN Sklaverei ein Zustand sein, der nicht mit Würdelosigkeit assoziiert werden muss.
              Diskutiere ich hingegen mit mit einer Radikalfeministin, die die Versklavung aller Männer fordert und dies mit einer herzustellenden gesellschaftlichen Übereinkunft begründet, dann würde ich die Frage verneinen, also aus einem KANN ein IST machen und argumentieren, dass es zwar Würde an sich nicht gäbe und Würde maßgeblich von der Gesellschaft definiert würde (im Zweifel von Susanne Baer am Verfassungsgericht), aber es nicht zu wiederlegen sei, dass das Wesen des Menschen von seiner Biologie und im Besonderen vom egoistischen Gen geprägt sei, was eine Versklavung ausschließe, weil dadurch die Vererbung seiner Gene verhindert würde. Woraus folgt, dass Sklaverei ein Zustand der Würdelosigkeit IST.

            • Ich werde dir gerne antworten, wenn Elmar sich entschieden hat, ob er Kommentare, die ihm nicht gefallen, löscht oder ob er eine liberale Kommetarpolitik praktiziert, die auch abweichendes zulässt.

            • @EvoChris@quellwerk

              Was du mit quellwerk diskutierst, lösche ich natürlich nicht. Das ist eure Diskussion, in der ihr selbst entscheidet, was ihr wichtig findet.

              Wenn Evochris ansonsten meinen blog als link-Farm für seinen blog oder als Schwachsinn-Endlager mißbraucht, liegt meine Geduld inzwischen bei NULL.

            • quellwerk sagt:

              @Christian
              Mich würde deine Antwort schon interessieren.Zumal ich ein neue Ernsthaftigkeit bei dir wahrnehme. Ich bin z.Zt. berufl. an meiner Grenze, kann also nur wenig zur Männerbewegung beitragen. Trotzdem versuche ich das Buch von Matthias R. zu rezensieren, wo es nur um Evolutionsbiologie ( für mich als Laien auf einem hohen Niveau) geht. Ich nähere mich dieser Thematik mit der angemessenen Ernsthaftigkeit und habe wertvolle Gedanken daraus mitgenommen. Ich bin also für verschiedenste gedankliche Traditionen offen. Hinter Elmar steht eine lange Tradition bemerkenswerter Denker der analytischen Philosophie (der ich zum Teil kritisch gegenüber stehe). Öffne dich dieser Gedankenwelt und verbinde sie mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Evolutionsbiologie. Die analytische Philosophie ist ein Ursprung für die Versprachlichung der Welt und damit auch des Postmodernismus und damit des Genderfeminismus. Elmar greift diese Tradition auf und versucht sie zu okkupieren, sie neu zu positionieren, was eine große Aufgabe ist, weil analytische Philosophen in der Regel keine Spinner sind und ihre Weiterentwicklung oder Widerlegung nur auf einem angemessenen Niveau möglich ist, wenn man ernstgenommen werden will.

            • „Öffne dich dieser Gedankenwelt und verbinde sie mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Evolutionsbiologie“

              Elmar selbst geht so wie ich ihn verstehe davon aus, dass das nicht geht. So wie er seine Thesen darstellt ist es ein entweder oder.

              Da die Evolutionsbiologie und die sonstige Biologie mit zahlreichen Studien abgesichert ist und Elmars Theorien bereits an recht einfachen Fragen scheitern – sie können anscheinend noch nicht einmal ja recht unbestreitbar vorhandene Beeinflussungen des Willens durch die Biologie ab – ist die recht einfache Schlußfolgerungm dass da nichts zu vereinbaren und seine Theorien falsch sind.

              Der Hinweis darauf, dass da große Denker dahinter stehen ist ein Appell an versunkene Kosten. Diese aufzugeben ist schwer, aber letztendlich notwendig

      • quellwerk sagt:

        @Christian

        Die Definition:

        „Theoretischer Humanismus: Freiheit bedeutet Handeln aus Gründen.“

        ist keine Aussage über die Welt, sondern über ein Aussagensystem, hier: theoretischer Humanismus.

        Die Definition:

        „Ethischer Humanismus: Würde bedeutet Handeln in Freiheit.“

        ist keine Aussage über die Welt, sondern über ein Aussagensystem, hier: ethischer Humanismus.

        Diese Aussagesysteme haben einen Gegenstand, der weder völlig frei, noch völlig determiniert ist: der denkende Mensch in seinen Handlungen, Entscheidungen, etc. Dieser Gegenstand wird postuliert, vorausgesetzt und nicht rein aus biologischen, sozialen, etc. Faktoren geschlossen. Es handelt sich hier mindestens um eine Priorisierung der Intellektualansicht der Welt, die sich zur Metaphysik, zum Glauben, biologischer Naturwissenschaft, Soziologie usw. positionieren will und auch tut, siehe die Diederichsche Abwehr des Glaubens oder seine Einschränkung der Erklärungskraft evolutionsbiologischer Argumente. Im Elmar-Universum geht’s begrifflich zu. Was du etwas unbeholfen „Labeling“ nennst, würde ich als Entschluss zum Primat des Denkens bezeichnen.

        Wenn du diese Aussagesysteme kritisieren willst, dann mach es entweder immanent oder weise die Vorrstellung zurück, es gäbe allgemeingültige Aussagen über menschliche Freiheit und Würde.

        Dein Standpunkt ist inkonsequent: mal berufst dich auf biologische Determination gegenüber einer willkürlichen sozialen Konstruktion. Dann berufst du dich auf Freiheit gegenüber einer sozialen Konstruktion, die determierend auf die sozialen Akteure zurückwirken soll. Diese Freiheit ist bei dir gegeben, weil nur eine im Mittel wirksame biologische Determination vorliegen soll.Freiheit und Unfreiheit werden bei dir fast zu quantitativen Größen, die man variieren und messen kann. Positiv bestimmst du Freiheit einmal als rationale Entscheidungen gemäß spieltheroretischer Überlegungen. Hier würde die „Freiheit als Handeln aus Gründen“ von Elmar eine ungefähre Entsprechung sein, obwohl seine „Gründe“ die reine Nutzenmaximierung der Spieltheorie oder das „egoistische Gen“ übersteigen. Dann manifestiert sich die Freiheit bei dir als relativ zufälliger Ausdruck von Wünschen und Gefühle, die im Mittel von der Biologie eingerahmt werden. Das ist alles unsystematisch, null Stringenz. Oben in einer Antwort zu Elmar beklagst du zum Beispiel Elmars philosophischen Habitus, nur um einige Sätze später diesen denkwürdigen Ausspruch zu machen: „Danach (nach dem egoistischen Gen, Anm. von mir) ist unser Selbst geformt“. Wow! Welch eine Metaphysik. Was für eine Apodiktik Daraus leitest du später ab,dass die Objektifizierung des Menschen schlecht sei. Man sieht, du gehst mal auf Füßen und dann auf Händen, ohne dass es dir bewusst wird. Tatsächlich ist eine bewusste Handhabung und ein bewusstes Gehen besser, weil beides, richtig aufeinander abgestimmt, mehr leistet als ein Affengang. Diese Werkzeuge, unbewusst eingesetzt, reichen zwar aus, um an Theorien über den Menschen herumzumäkeln, haben aber kein einheitliches Konzept zur Grundlage. Dies ist übrigens der Grund, warum dein Blog so beliebt ist: fast jede These lässt sich hier unterbringen, vorausgesetzt, sie bleibt unentwickelt, wie dein Konzept von Mensch, Freiheit, Würde und Determination. Wenn du den Standpunkt vertrittst, keinen theoretischen Standpunkt über den Menschen vertreten zu wollen, also eine Art common sense progagierst, dann ist das ok (selbst der analytische Humanismus macht es stellenweise, wenn er den Begriff der „Intuition“ verwendet, um einen Standpunkt als begründet darzustellen), aber als alleinige Grundlage für eine tiefergehende Betrachtung über den Menschen uninterressant. Abgesehen davon widerlegst du den common sense selbst, wenn du den naturalistischen Fehlschluss ablehnst und die Legalität von Geschwisterliebe und Sodomie forderst. Das Konzept der Ehe als Organisation der Reproduktion wird interessanter Weise von dir zur Disposition gestellt, obwohl ihre Begründung vorwiegend biologisch ist. Es ist kein Zufall, dass Elmar regelmäßig von Schnappatmung und Zornesausbrüchen befallen wird, wenn er sich in eine Diskussion mit dir einlässt. Bemerkenswert ist, dass die Beiträge von Elmar aufeinander folgen. Das Konzept „Handeln aus Gründen“ wurde in einem früheren Beitrag entwickelt. Elmar geht systematisch vor. Die Themen deines Blogs sind von Stimmung und Tagespresse bestimmt – wohl nicht zu vermeiden, wenn man täglich bloggt. Die gemäßigte Männerbewegung ist erratisch und unsystematisch. Leszek zeichnet sich zwar durch Systematik aus, sie bleibt aber auf ihrem speziellen Gebiet stecken (Anarchie) und ist vorwiegend politisch, was tiefere subjekttheoretische Überlegungen verhindert. Einen ganz anderen Typus männerbewegter Gedanken liefert Jan Deichmohle, der Unverstandene, der, wie Elmar, systematisch vorgeht, evolutionsbiologische und strukturale Konzepte explizit anwendet und sie an sich wie in einem Vexierbild studiert und deren völlige Denaturalisierung und Deshumanisierung diagnostiziert. Wolle von nicht-feminist.de ist ein Ort an dem solche Überlegungen zugelassen, wertgeschätzt und promoted werden. Allen dreien ist das Kontroverse, das Konsequente eigen.

        Ich will dich mit diesem Kommentar nicht angreifen, sondern nur einen Leser, dem Elmars Beiträge auf dem ersten Blick nicht einsichtig sind, davor bewahren, deine simplifizierenden Urteile vorzuziehen, anstatt sich den durchdachteren Analysen Elmars zu widmen.

        • @Christian

          „ist keine Aussage über die Welt, sondern über ein Aussagensystem, hier: theoretischer Humanismus.“

          Ja, das sage ich doch auch.

          „Wenn du diese Aussagesysteme kritisieren willst, dann mach es entweder immanent oder weise die Vorrstellung zurück, es gäbe allgemeingültige Aussagen über menschliche Freiheit und Würde.“

          Habe ich doch.

          „Dein Standpunkt ist inkonsequent: mal berufst dich auf biologische Determination gegenüber einer willkürlichen sozialen Konstruktion. Dann berufst du dich auf Freiheit gegenüber einer sozialen Konstruktion, die determierend auf die sozialen Akteure zurückwirken soll. Diese Freiheit ist bei dir gegeben, weil nur eine im Mittel wirksame biologische Determination vorliegen soll.“

          Ich berufe mich nie auf biologische Determination, sondern auf Disposition beim Menschen. Elmar meint, dass diese mit der Menschenwürde nicht vereinbar ist.

          „Freiheit und Unfreiheit werden bei dir fast zu quantitativen Größen, die man variieren und messen kann. Positiv bestimmst du Freiheit einmal als rationale Entscheidungen gemäß spieltheroretischer Überlegungen. Hier würde die „Freiheit als Handeln aus Gründen“ von Elmar eine ungefähre Entsprechung sein, obwohl seine „Gründe“ die reine Nutzenmaximierung der Spieltheorie oder das “egoistische Gen” übersteigen.“

          Nein.
          Ich gehe davon aus, dass wir keine absolute Freiheit haben.
          Das was wir als Freiheit verstehen bewegt sich in gewissen Grenzen und ist ein Aushandeln auf der Basis bestimmter Denkweisen.

          „Dann manifestiert sich die Freiheit bei dir als relativ zufälliger Ausdruck von Wünschen und Gefühle“

          unsere Gefühle und Wünsche sind nicht zufällig. Es geht im übrigen um den Begriff der Würde und die Frage ob diese nur dann besteht, wenn wir uns frei entscheiden können und dabei auch nicht einer gewissen Disposition durch unsere Biologie unterliegen.

          „Oben in einer Antwort zu Elmar beklagst du zum Beispiel Elmars philosophischen Habitus, nur um einige Sätze später diesen denkwürdigen Ausspruch zu machen: “Danach (nach dem egoistischen Gen, Anm. von mir) ist unser Selbst geformt”. Wow! Welch eine Metaphysik. Was für eine Apodiktik Daraus leitest du später ab,dass die Objektifizierung des Menschen schlecht sei.“

          Nein, ich leite daraus keine Moral ab. Ich leite daraus ab, dass wir als soziale Wesen den Vorteil davon, dass man dem anderen Rechte zugesteht, weil man sie auch selbst haben will, gut nachvollziehen können.
          Natürlich kann der Mensch es ebenso als gerecht empfinden, wenn nur Mitgliedern seiner eigenen Gruppe solche Rechte zugewiesen werden und Mitglieder anderer Gruppen versklavt werden können oder er kann es als gerecht ansehen, wenn ein Diktator mehr rechte hat als er selbst.

          „Dies ist übrigens der Grund, warum dein Blog so beliebt ist: fast jede These lässt sich hier unterbringen, vorausgesetzt, sie bleibt unentwickelt, wie dein Konzept von Mensch, Freiheit, Würde und Determination“

          Da irrst du, man kann eine Vielzahl von Konzepten für möglich halten, und einige davon auch moralisch für richtig. Man kann sogar bestimmte Konzepte, wie beispielsweise den Sozialdarwinismus oder den Sozialkonstruktivismus für falsch halten, weil sie nicht mit bestimmten Grundlagen vereinbar sind.

          Mein Blog ist so beliebt, weil er zum einen eine hohe Frequenz hat und damit einen guten Sammelplatz bietet und ich zum anderen zwar bestimmte Meinungen vertrete, aber offen darüber diskutiere und auf einen gewissen Respekt achte, auch was andere Meinungen angeht. Elmar beispielsweise sieht andere Meinungen als Beleidigung an. Mich hingegen interessiert deren Begründung.

          Wenn du den Standpunkt vertrittst, keinen theoretischen Standpunkt über den Menschen vertreten zu wollen“

          ich vertrete einen theoretischen Standpunkt über den menschen. Ich stimme im wesentlichen mit dem Forschungsstand der evolutionären Biologie überein. Das dieser in einigen Punkten eine gewisse Offenheit hat ist dem Umstand geschuldet, dass der mensch in vielen Punkten nicht auf eine Strategie festgelegt ist, sondern es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie man gesellschaften und menschlichen Miteinander organisieren kann. Das hängt auch davon ab, wie es Leuten gelingt ihre eigenen Interessen über die anderer zu stellen (beispielsweise über Diktaturen oder andere Formen der Gesellschaft)

          „Abgesehen davon widerlegst du den common sense selbst, wenn du den naturalistischen Fehlschluss ablehnst und die Legalität von Geschwisterliebe und Sodomie forderst“

          Wo kommt das denn her?
          Natürlich lehne ich da einen naturalistischen Fehlschluss ab. Ich bin tatsächlich dafür, Geschwisterliebe straffrei zu stellen, weil sie aus meiner Sicht auch hinreichend durch biologische Dispositionen verhindert wird. Bei den deutschen Gesetzen ist übrigens auch nur der vaginale Verkehr strafbar, man darf ansonsten alles straffrei mit geschwistern machen, vom harten Analsex bis zu Sexorgien ohne Vaginalverkehr. Sodomie war über Teile unserer Menschengeschichte durchaus erlaubt, heute sehen wir es als Tierqualierei und etwas ekelig. Dem würde ich durchaus zustimmen.
          Was gebietet denn deiner Meinung nach hier einen naturalistischen Fehlschluss? was ist denn die biologische Regel, die Sodomie ablehnt?

          “ Das Konzept der Ehe als Organisation der Reproduktion wird interessanter Weise von dir zur Disposition gestellt, obwohl ihre Begründung vorwiegend biologisch ist“

          Ehe ist nicht biologisch. Partnerbindung ist biologisch, ehe als darüber hinausgehende rechtliche bindung ist kulturell.

          „Es ist kein Zufall, dass Elmar regelmäßig von Schnappatmung und Zornesausbrüchen befallen wird, wenn er sich in eine Diskussion mit dir einlässt“

          Das stimmt: Es liegt daran, dass er aus welchen Gründen auch immer in einer theoretischen Sackgasse steckt und die versunkenen Kosten scheut

          “ Bemerkenswert ist, dass die Beiträge von Elmar aufeinander folgen. Das Konzept „Handeln aus Gründen“ wurde in einem früheren Beitrag entwickelt“

          Das macht es ja aber leider nicht richtig.

          „Die Themen deines Blogs sind von Stimmung und Tagespresse bestimmt – wohl nicht zu vermeiden, wenn man täglich bloggt“

          Das mag sein, aber die von mir vertretenen Theorien kann man dafür auch gerade im geschlechterbereich in diversen Büchern und bibliotheken vertreten. Wenn man was zu meinen Theorien lesne möchte, dann kann man in Bücher mit Millionenauflagen schauen. Wenn man etwas zu Elmars Theorien lesen möchte, dann kann man in seinen Blog schauen.
          Elmars systematischer Aufbau drückt sich vor wesentlichen Fragen, sie bauen auf einem schwachen Fundament auf und es ist gerade sein Fehler, dass er meint darauf etwas solides aufbauen zu können ohne die Grundlagen wirklich zu klären.

          Dieser Text ist ein gutes Beispiel: Er geht von einer falschen Trennung zwischen Körper und Gehirn aus und scheint die These zu vertreten, dass unser Gedächtnis und die Abspeicherung unserer Erfahrungen nicht Teil unserer Biologie ist – eine vollkommen absurde These, die er aber einfach weiterschleifen wird.

          „Einen ganz anderen Typus männerbewegter Gedanken liefert Jan Deichmohle, der Unverstandene, der, wie Elmar, systematisch vorgeht, evolutionsbiologische und strukturale Konzepte explizit anwendet und sie an sich wie in einem Vexierbild studiert und deren völlige Denaturalisierung und Deshumanisierung diagnostiziert“

          Was ich bisher von ihm gelesen habe, hat mich nicht begeistert. Aber ich habe auch noch nicht viel von ihm gelesen. Wenn er aber evolutionbiologische Konzepte anwendet, dann sind seinde Theorien auch nicht mit denen von Elmar in Einklang zu bringen

          “ Wolle von nicht-feminist.de ist ein Ort an dem solche Überlegungen zugelassen, wertgeschätzt und promoted werden. Allen dreien ist das Kontroverse, das Konsequente eigen.“

          Das ist wirklich lustig. Aber natürlich zwinge ich ja auch niemanden meinen Blog in irgendeiner Weise wahrzunehmen. Wenn alle lieber bei Wolle, Elmar oder auf Nicht-Feminist diskutieren wollen, dann habe ich keinerlei Weg sie daran zu hindern. Ich verlinke ja sogar alle drei Blogs regelmäßig mit allen Artikeln über „Das Patriarchat“

          „Ich will dich mit diesem Kommentar nicht angreifen, sondern nur einen Leser, dem Elmars Beiträge auf dem ersten Blick nicht einsichtig sind, davor bewahren, deine simplifizierenden Urteile vorzuziehen, anstatt sich den durchdachteren Analysen Elmars zu widmen.“

          Gott bewahre, dafür bin ich immer: Man sollte sowohl meine als auch seine Thesen jeweils gut durchdenken und dann am besten noch viel darum herum von anderen lesen um sich ein umfassendes Bild zu machen

          • Lomi sagt:

            @Chris

            „Er geht von einer falschen Trennung zwischen Körper und Gehirn aus und scheint die These zu vertreten, dass unser Gedächtnis und die Abspeicherung unserer Erfahrungen nicht Teil unserer Biologie ist – eine vollkommen absurde These, die er aber einfach weiterschleifen wird.“

            Nein, die These ist nicht absurd.

            Du musst hier zwei Dinge auseinander halten – die Prozesse im Gehirn und die Inhalte unser Erinnerungen. Denn wenn Du nämlich ins Gehirn schaust, während es eine Erinnerung erinnert, wirst Du keine Worte oder Bilder sehen. Du wirst eine Reihe von elektischen Signalen messen. Das Gehirn macht es möglich, Worte und Bilder zu erinnern. Aber wenigstens Worte haben eine andere Logik, nämlich eine sprachliche. Die Zuordnung eines Wortes zu einem von ihm bezeichneten Gegenstand ist eher eine soziale Aktivität, die gemeinsam mit anderen vollzogen wird. Du bist durch Dein Gehirn zu solchen semantischen Operationen in der Lage, aber Dein Gehirn ist plastisch genug dafür, neue Worte mit neuen Bedeutungen aufzunehmen. Die Beschaffenheit und Bedeutung eines konkreten Wortes ist nicht aus Gehirnfunktionen ableitbar. Sie ist aus Handlungen her ableitbar, in der Regel gemeinsamen Handlungen, da Sprache Verständigung ist.

            In diesem Sinne speichert der Körper schon Informationen. Aber er speichert sie definitiv anders als sie in der Sprache gespeichert werden. Damit sage ich nicht, dass Erinnerungen in der Sprache abgelegt werden, sondern dass meine individuelle Erinnerung aufruht auf Semantiken, die aus der Sprache stammen.

            Elmar nimmt an sich überhaupt keine Trennung von Körper und Gehirn vor, sondern er trennt zwischen Körper und Person. Dabei scheint „Person“ einfach einen Phänomenbereich zu bezeichnen, der nicht über körperliche Mechanismen hinreichend zu erklären ist.

            Biologismus dagegen hat das Problem, letztlich Kausalitäten anzunehmen in der Art „Hormon X verursacht mit Y Wahrscheinlichkeit Handlung Z“. Der Biologismus kann dann nicht erklären, warum es Abweichungen vom „Schnitt“ gibt und warum Menschen in bestimmten Situationen sich anders als vorhergesagt verhalten. Wohlgemerkt: eine Disposition zu mehreren Handlungsoptionen ist noch keine Erklärung, wenn man nicht sagen will, es ist vollkommen zufällig, welche Handlungsoption vollzogen wird.

            • Das unterschlägt doch das ganze unterbewusste denken, welches eben gerade nicht in Worten stattfindet, sondern durch Gefühle oder Lust oder Gewohnheit oder abgespeicherten erlernte regeln bedingt ist. Es ist schwer genug für viele Handlungen logische Erklärungen zu benennen und häufig genug wird schlicht rückwärts rationalisiert.

              Ich gebe mal ein Beispiel: cah-Mädchen verhalten sich bezüglich Spielzeug, verhalten etc wie jungen und spielen auch lieber mit jungen. Ursache ist ein bestimmter Gehirnaufbau aufgrund eines höheren pränatalen testosteronspiegels.

              Wie passt das nun in die Theorien zum denken in Worten etc? Es mag keine strikte Kausalität in dem Sinne sein, das sie wegen Testosteron dieses Spielzeug griff. Aber die Kausalität zum gehirnaufbau besteht und daraus folgt ein anderes denken. Nach Elmar ist damit die würde betroffen, es ist undenkbar.
              Dennoch ist es in Studien gut erforscht.

              Ich fragte mich, wie in diesem Modell überhaupt lernen funktionieren soll. Nach meiner Vorstellung lernen wir indem unser Gehirn einen bestimmen Sachverhalt aufnimmt, daraus regeln herleitet, diese biologisch abspeichert und mittels eines Assoziationsalgorithmus auf bestimmte Situationen anwendet.

              Deswegen haben wir Probleme etwas tief verankertes wieder zu verlernen, etwa in einer neuen Kultur, weil wir für neuronalen Verbindungen kappen und überschreiben sowie die neuen einrichten müssen. Bei Elmar wäre das eine Beeinträchtigung des freien willens und damit unmöglich.

              Wenn wir aber schlicht frei denken und es keine Biologie gibt, die und bremst, warum können wir dann nicht schlicht erkennen, das eine alte Regel nicht mehr gilt und sie durch eine neue ersetzen? Was soll uns bei freien willen überhaupt hindern Erziehung und Kultur sofort abzulegen?

  2. Muriel sagt:

    “Wer Metaphysikkritiker oder Atheist ist, muß sich Gedanken darüber machen, wie das Gehirn den Geist erzeugt.“
    Wieso denn eigentlich?

    • Weil die Option, daß die Götter oder die spirituelle Essenz des Universums oder dergleichen lustige Dinge die Menschen beseelt und ihnen einen Verstand, Gefühle und dergleichen gegeben hat, für Metaphysikkritier und Atheisten inakzeptabel ist. Die einzig verbleibende Quelle des Geistes ist das Gehirn.

      Nur leider wissen wir bis heute nicht, wie genau das Gehirn den Geist erzeugt.

      • Muriel sagt:

        Ja. Und? Also, warum muss man sich als Atheist damit befassen? Oder warum gerade als Atheist. Christen wissen es ja genau so wenig, und überhaupt wissen wir ja ganz viele Sachen nicht genau, um nicht zu sagen: Alle. Und dann kann man ja sogar als Atheist auch noch an eine Seele und allerlei anderes glauben, wenn man halt so drauf ist.
        Wo ist der Zusammenhang?

        • @Muriel

          „Also, warum muss man sich als Atheist damit befassen?“

          Ah, es kommt auf das MÜSSEN an. Nee, MÜSSEN mußr du nicht. Du kannst auch alle offenen Fragen unbeantwortet lassen. Es wird bestimmt keiner zu dir kommen und sagen: „Muriel, jetzt komm aber mal rüber mit deiner Antowrt.“

          „Christen wissen es ja genau so wenig, und überhaupt wissen wir ja ganz viele Sachen nicht genau“

          Ja, und? Man muß ja nicht alles genauso schlecht machen wie die Religioten.

          „Und dann kann man ja sogar als Atheist auch noch an eine Seele und allerlei anderes glauben, wenn man halt so drauf ist.“

          Eine atheistische Erklärung über die Herkunft der Seele habe ich noch nie gehört, aber es wäre sicher spannend, wenn du sie hier hinschreiben würdest.

          • Muriel sagt:

            Ja gut. Wenn deine Position einfach ist, dass das eine interessante Frage ist, deren Beantwortung für So ziemlich alle Menschen nützlich wäre, dann habe ich dazu in der Tat keine Einwände mehr.
            Eine Erklärung für die Herkunft einer Seele, ob mit oder ohne Göttern, kenne ich natürlich auch nicht. Ich wollte verstehen, was dieser Satz mir sagen will, und ich glaube, das hat jetzt geklappt. Danke, und viel Spaß noch.

            • @Muriel

              „Wenn deine Position einfach ist, dass das eine interessante Frage ist, deren Beantwortung für So ziemlich alle Menschen nützlich wäre, dann habe ich dazu in der Tat keine Einwände mehr.“

              So in etwa. Die Sache ist nicht so gemeint, daß ein Atheist irgendwelche Pflichten hätte. Man kann auch einfach Atheist sein und sich um den Rest nicht kümmern.

  3. Lomi sagt:

    Zumindest habe ich den Text überflogen. Ich finde ihn interessant, auch weil er en passant mit ein paar aktuelleren philosophischen Entwicklungen bekannt macht.

    Ich habe eine begriffliche Frage an Dich, Elmar. Du benutzt „Metaphysik“ bezogen auf Dinge wie „unkörperliche Wesen“ oder dergleichen. Ich selber hatte immer das Gefühl, dass der deutsche Idealismus in anderer Weise metaphysisch ist. Es kann dabei natürlich sein, dass ich den Begriff Metaphysik falsch verstehe. Also: Spekulationen über das Wesen des Menschen z.B. erscheinen mir metaphysisch, weil diese das Wesen als überzeitlich und abstrakt beschreiben. Metaphysisch wäre hier z.B. alles, was man aussagt über die menschliche Erkenntnis im Sinne von Kant.

    Metaphysisch könnte man auch die Annahme von Niklas Luhmann nennen: Nach Luhmann gibt es für Systeme nur sich selbst und seine Umwelt. Die „Einheit der Differenz“ von System und Umwelt nennt sich Welt. Kein System ist jedoch in der Lage, die „Welt“ wahrzunehmen, schon gar nicht als Einheit. Denn jede Beobachtung durch ein System ist eine Operation des Systems und daher immer schon selbstbezüglich. Natürlich war auch Luhmann ein System (ein psychisches nämlich) und hielt sich selbst auch nicht für in der Lage, die „Welt“ wahrzunehmen. Aber in der Theorie wird „Welt“ eben definiert.

    Metaphysisch nach meinem Verständnis wäre auch die Idee einer Selbstverwirklichung, die vor allem darauf beruht, Fremdbestimmungen abzulegen. Das hieße also, sein „wahres Ich“ irgendwo jenseits aller materiell vorfindbaren gesellschaftlichen Ausdrücke zu verorten.

    Die Frage ist nur, ob ich mit diesem Verständnis vollkommen schief gewickelt bin.

    • @Lomi

      Wie leider zu erwarten, ist die Antwort auf diese Frage nicht eindeutig. Es gibt – nach meiner Zählung – acht verschiedene Metaphysikbegriffe, die zum Teil nicht explizit definiert werden, sondern sich nur implizit aus Thesen oder Perspektiven ergeben, die sich selbst als „metaphysik-kritisch“ betrachten.

      Dazu kommen eine Art Kampfbegriff von Metaphysik, der immer dort fällt, wo haltlose Spekulationen über von der Alltagswelt völlig entfremdete Themen ohne erkennbare Begründung vorgetragen werden.

      Am zuverlässigsten und am wenigstens tendentiös ist vielleicht folgende Antwort:

      Im Grunde fragt ein traditioneller Metaphysiker: „Worin besteht die wahre Realität?“. Platons Antwort z.B. war im Phaidon, salopp formuliert, „In den unabhängig von unserer materiellen Welt jenseitig existierenen Ideen, deren unperfekte Kopien das Inventar unserer Welt ausmachen.“ – womit er den ersten von zwei Teilbereichen traditioneller Metaphysik erfand: die Ontologie, die Auskunft über das Wesen all dessen geben will, was existiert. Der zweite Bereich eröffnet sich durch die möglichen Antworten auf die Frage: „Was sind die ersten Ursachen und Prinzipien der wahren Realität?“ Bis in die Neuzeit hinein wurden religiöse Überzeugungen an dieser Stelle ins Feld geführt.

      Die Verwendung des Wortes „Idee“ ist bei Platon etwas speziell und wir können die Sache auch etwas moderner umformulieren: Begriffsworte werden bekanntlich in assertorischen Sätzen verwendet, um einzelne oder auch mehrere Gegenstände voneinander zu unterscheiden und zu klassifizieren. Wie bei Eigennamen kann man sich nun fragen, ob Begriffsworte über ihre Diskriminations- und Klassifiktionsfunktion hinaus etwas bezeichnen z.B. Eigenschaften oder Begriffe. Generell könnte man in diesem Sinne (lax) sagen, daß Kombinationen von Eigenschaften das Wesen eines Dings, eines Gegenstandes ausmachen. Die Frage ist nun, ob oder inwiefern solche außerhalb von Raum und Zeit stehende Abstrakta – man spricht auch von Allgemeinbegriffen – existieren. Diese Allgemeinbegriffe bezeichnet man auch als Universalien. Andere mögliche Universalien sind Werte, Regeln oder Tugenden.

      Aristoteles bis ins Mittelalter sehr wirkmächtige Gegentheorie besagt dagegen, daß dasjenige, worauf Allgemeinbegriffe Bezug nehmen, Teil unserer materiellen Welt sind, deren Inventar von Dingen mit einem Wesen gebildet werden, so daß man sie in Gattungen und Sorten hierarchisch kategorisieren kann. Zum Programm aristotelischer Ontologie gehört daher die Beantwortung von Fragen wie: „Welche Bereiche des Seienden gibt es, welche sind fundamental, welche abgeleitet?“ oder „Wie sind die einzelnen Bereiche strukturiert und warum gibt es Seiendes und nicht vielmehr nichts?“ oder „Welches methodische Vorgehen ist der Metaphysik angemessen?“. Verfolgt man diese Fragen, so finden sich bis in die Gegenwart drei fundamentale metaphysische Positionen, welche letztlich den Raum so gut wie aller metaphysischen Debatten aufspannen:

      a) Realismus: Token der allermeinsten wissenschaftlich postulierten oder auch im Alltag gebräuchlichen Typen bzw. Allgemeinbegriffe oder Universalien existieren unabhängig vom Mentalen ebenso wie Einzeldinge z.B. Stühle oder Elektronen.

      b) Nominalismus: Es gibt Einzeldinge, aber Universalien sind nichts anderes als rein verstandesmäßige Begriffsbildungen und Abstraktionen, die allein in der Sprache zu finden sind. Eine davon unabhängige Version des Nominalismus besagt, daß es keine abstrakten Objekte gibt, die dadurch charakterisiert sind, daß sie keine Raum-Zeit-Position haben wir z.B. Zahlen oder Mengen.

      c) Konzeptualismus: Es gibt Einzeldinge, aber Universalien existieren sprachunabhängig allein in den Gedanken. Sie sind nur im Mentalen zu finden und die Realität ist eine Realisation von ihnen.

      Auch in der Philosophie des Geistes spielen diese Unterscheidungen bis heute eine zentrale Rolle.

      Wenn wir das als Antwort gelten lassen wollen, würde ich weder Luhmanns Theorie noch die Idee einer Selbstverwirklichung als metphysisch bezeichnen, den dt. Idealismus, dem es immer auf Letztbegründung ankam, hingegen schon.

  4. […] Von humanistischer Seite aus wird geltend gemacht, daß der Biologismus die ordnungsstiftende Funktion des in […]

  5. […] z.B. ”ich”, ”hier” oder ”jetzt” hinausgeht. Wenn wir uns daher im Sinne Strawsons fragen, wie wir Wissen von den intentionalen Zuständen von A erlangen können und – wie hier […]

  6. […] Atheismus: Es gibt keinen über-empirischen Akteur, der das Leben und das Schicksal der Menschen leitet […]

  7. […] pure intentional system theory (IST): Ihr Inventar sind die hier schon mehrfach (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7) thematisierten intentionalen Zustände, die allein mit Hilfe der […]

  8. […] pure intentional system theory (IST): Ihr Inventar sind die hier schon mehrfach [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7] thematisierten intentionalen Zustände, die allein mit Hilfe der […]

  9. […] mehr, ob jemand Atheist ist oder Moslem. Denn es gehört zu den definierenden Unterschieden, daß Atheisten jede Religion und Moslem den Atheismus […]

  10. […] mit der traditionellen Metyphysikfeindlichkeit des Humanismus gut verträgt. Die Folge des humanistischen Atheismus ist eine besondere Position zur Naturalisierung des Körper-Geist-Zusammenhangs, der nicht-reduktive Physikalismus. Eine Debatte zur […]

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